Wir brauchen uns nicht zu fürchten

Walter Hink

Zur Einleitung bitte 1.Thessalonicher 4,13 - 5,11 lesen.

Kein "Betriebsunfall" Gottes

Es sind genau zwei Monate seit den unfassbaren Terroranschlägen auf die Zwillingstürme des New Yorker World Trade Center und auf das Pentagon in Washington vergangen. Die Attentate am 11. September 2001 zerstörten nicht nur Bauwerke und Tausende von Menschenleben, auch Denkgebäude stürzten ein. Die schreckliche Anschlagserie führte uns die Zerbrechlichkeit des Lebens eindrücklich vor Augen: Welchen Illusionen hatten wir uns bis dahin hingegeben, wenn ein paar hasserfüllte Menschen mit einigen Messern ausreichen, um Tausende in den Tod zu reißen und alle Sicherheit zu zerstören? Wenn diese Gebäude einstürzen, wie zerbrechlich ist dann mein Leben, mein Haus, mein Arbeitsplatz? Unsere Ohnmacht und Hilflosigkeit, unsere Schutzlosigkeit und Verletzlichkeit wurde in diesem Moment deutlich.

Es ist jetzt wichtiger als je zuvor, dass wir unser Vertrauen auf den Allmächtigen, den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, den Gott und Vater Jesu Christi setzen. Er allein bietet Schutz und Geborgenheit, Frieden und Sicherheit. Vorteilhaft ist es in solchen Situationen, aus Gottes Wort einen Schriftabschnitt zitieren zu können, der unsere Angst und Bangigkeit angesichts solcher Ereignisse in Ruhe und Vertrauen verwandeln kann, zum Beispiel Psalm 91:

"Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und wohnt unter dem Schatten des Allmächtigen, der spricht zum HERRN: ‚Meine Zuflucht und meine Burg, mein Gott, auf den ich traue!' - ... Du brauchst dich nicht zu fürchten vor den Schrecken der Nacht, vor den Pfeilen, die bei Tage fliegen; vor der Pestilenz, die im Finstern schleicht, vor der Seuche (Milzbranderreger), die des Mittags verderbt. ... Denn du (sprichst): ‚Jahwe ist meine Zuflucht!' Den Höchsten hast du zu deiner Schutzwehr gemacht; es wird dir kein Unglück zustoßen und keine Plage zu deiner Hütte sich nahen. Denn seine Engel wird Er für dich aufbieten, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt. ... Weil er sich an mich anklammert, darum will Ich ihn erretten; ich will ihn sicherstellen, weil er meinen Namen kennt. Ruft er mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen; ich will ihn sättigen mit langem Leben und ihn seine Lust schauen lassen an meinem Heil!'" (Ps 91,1-16).

Dieser Psalm ist vor allem als Hinweis auf den Sohn Gottes geschrieben worden, wie uns die Verse 11 und 12 im Vergleich mit Matthäus 4,6 zeigen. Er kann natürlich auch für uns als Nachfolger Jesu Christi gelten. Dabei dürfen wir aber nicht ausschließen, dass auch uns Unfälle und Katastrophen ereilen können. Wir sind davor nicht immer und überall gefeit. Wir tragen jedoch im Herzen die Hoffnung, dass uns unser himmlischer Vater aufgrund unseres Glaubens an und unseres Vertrauens auf Ihn vom Tode befreien kann, wenn uns solche Unglücke treffen.

Der 11. September 2001 war kein "Betriebsunfall" Gottes. Dieser Tag ist Ihm nicht entglitten. Gott hat das entsetzliche Leid gesehen und mit darunter gelitten. Er war bei den Verzweifelten in den Flugzeugkabinen und in den brennenden Büros. Er hat ihre Gebete gehört, sie sicherlich nicht vergessen. Und wir können Ihm sogar dankbar sein. Er hat uns vor einer ähnlichen Terrorserie bewahrt. Sie hätte sich genau so gut in Berlin oder Frankfurt oder Stuttgart ereignen können. Menschen, die sich und eventuell uns fragen, warum das geschehen ist und weshalb Gott das nicht verhindert hat, sollten wir auf eine Antwort unseres Herrn Jesus Christus verweisen, die er bei einer ähnlichen Katastrophenmeldung gab. In der Ortschaft Siloa war zur damaligen Zeit in Israel ein Turm eingestürzt. Es gab dabei achtzehn Tote. In Lukas 13 lesen wir den Bericht darüber:

"Es kamen aber in dem Augenblick etliche herbei, die ihm (Jesus) berichteten von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: ‚Meint ihr, dass diese Galiläer vor allen Galiläern Sünder gewesen seien, weil sie solches erlitten hatten? Nein, sage ich euch, sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch also umkommen. Oder jene achtzehn, auf welche der Turm in Siloa fiel und sie erschlug, meinet ihr, dass sie schuldig gewesen seien vor allen Leuten, die zu Jerusalem wohnen? Nein, sage ich euch; sondern wenn ihr nicht Buße tut, so werdet ihr alle also umkommen!" (Luk 13,1-5)

Der Hintergrund dieses Textes ist zunächst die politische Unterdrückung in Israel. Einige Juden waren durch die römische Besatzungsmacht in Judäa umgebracht worden, so dass sich ihr Blut mit dem Blut ihrer Opfer vermischte. Daran fügt Jesus eine typische Katastrophenmeldung an, wie wir sie auch heute immer wieder hören oder lesen und die uns auch an den 11. September erinnert: Ein Turm war eingestürzt, und dabei waren achtzehn Menschen ums Leben gekommen.

Die Ereignisse sind dabei weniger wichtig als Jesu Kommentar dazu. Er sagt: "Meinet ihr, dass diese Galiläer vor allen Galiläern Sünder gewesen seien, weil sie solches erlitten hatten?" Und er beantwortet seine rhetorische Frage selbst: "Nein, sage ich euch; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch also umkommen." Diese achtzehn Leute waren also nicht etwa besonders schwere Sünder. Sie waren Durchschnittssünder wie wir. Aber Jesus sagt weiter, alle Menschen werden ebenso umkommen. Das heißt nicht, dass alle Menschen durch einen einstürzenden Turm oder durch eine Gewaltaktion der Römer sterben werden, sondern dass sie als Sünder umkommen werden.

Das ist das, was für jeden Menschen ganz sicher gilt. Mit anderen Worten: Was auch geschieht, welche Sorgen oder Nöte uns plagen oder welche Hoffnungen oder Ziele wir im Herzen hegen, eines ist gewiss: Über kurz oder lang werden wir sterben, wir wissen noch nicht wann und wie. Wir können zwar vor der einen oder anderen Katastrophe bewahrt werden, aber irgendwann wartet der Tod auf uns, auf die eine oder andere Weise.

Nur bei Gott gibt es Geborgenheit - auch über den Tod hinaus

In New York und Washington sind eindrucksvolle Gebäude zerstört worden, Symbole menschlicher Macht, des Stolzes und Einflusses, technischer Baukunst und weltweiter wirtschaftlicher Verflechtungen. Und es sind gerade diese Denkgebäude menschlicher Strategie, Planung und Kontrolle, die Symbole der Selbstüberhebung und des menschlichen Hochmuts, die eingestürzt sind. Dabei ist das Unvorstellbare passiert, dass die Terroristen erstmals entführte Flugzeuge als fliegende Bomben verwendeten, um sich selbst und möglichst viele andere in den Tod zu reißen. Dieses schockierende Ereignis hat auch unser Vertrauen in die Mitmenschen tief erschüttert. Wer kann jetzt noch wem vertrauen? Hatten wir nicht bis jetzt darauf vertraut, dass der Überlebenswille der Menschen, die Logik und der Verstand, so etwas nicht ermöglichen würde? Was bleibt jetzt von unserer Vermutung, dass Menschen vernünftig handeln. Darauf können wir uns jetzt nie mehr verlassen, weder im Straßenverkehr, noch auf Reisen, noch bei öffentlichen Veranstaltungen oder in irgendwelchen Gebäuden. Das hat massive Folgen für unsere Gesellschaft, für die Politik und unser Leben. Uns wurden durch diese Ereignisse drastisch vor Augen geführt, zu was menschlicher Hass fähig ist. Er zerstört nicht nur das eigene Leben, sondern auch das von vielen anderen. Es gibt Tausende von Opfern und noch viel mehr betroffene Angehörige und Freunde. In eine solche Welt sind wir hineingestellt. Unser Leben ist mit dem unserer Mitmenschen verflochten. Die Unvernunft, die Sünde eines Einzelnen kann zahllose Menschenleben zerstören. Das macht uns die Macht der Sünde deutlich, der sich niemand entziehen kann. Das zeigt uns aber auch die Notwendigkeit von Erlösung, die nur durch Gott allein möglich ist. Nach dieser Erlösung, nach der Befreiung von dem Übel sehnen wir uns - und Gott wird eines Tages jeden Menschen zur Rechenschaft ziehen und Seine Gerechtigkeit aufrichten. Darauf warten wir.

Jesu hat am Kreuz für seine Peiniger und Mörder gebetet - und er hat auch uns aufgerufen zu vergeben, ja, sogar unsere Feinde zu lieben und denen, die uns Böses zufügen, Gutes zu tun. Auch daran müssen wir uns erinnern, wenn menschliche Gefühle der Bitterkeit und des Zorns in uns aufbrechen.

Diese Ereignisse vom 11. September sind aber auch eine Bestätigung der vorausgesagten charakterlichen Entwicklung der Menschen. Heute wird immer mehr die Haltung Kains sichtbar, der seinen Bruder erschlug. Sein Kommentar zu diesem ersten Mord in Gottes Schöpfung war: "Soll ich meines Bruders Hüter sein?" (1. Mose 4,9). Der Apostel Paulus charakterisierte die Menschen in den letzten Tagen vor Jesu Christi Wiederkunft in der Beschreibung:

"Das aber sollst du wissen, dass in den letzten Tagen schwere Zeiten eintreten werden. Denn die Menschen werden selbstsüchtig sein, geldgierig, Prahler, Übermütige, Lästerer, den Eltern ungehorsam; undankbar, gottlos, lieblos, unversöhnlich, Verleumder, unenthaltsam, zuchtlos, dem Guten feind; treulos, leichtsinnig, aufgeblasen, die das Vergnügen mehr lieben als Gott" (2.Tim 3,1-4).

Diese, uns nicht ganz unbekannte negative Entwicklung des Charakters der Menschen lenkt aber auch unsere Blicke auf ein Wort unseres Herrn Jesu Christi. Er empfahl uns, bei solchen Meldungen über brutale Terroranschläge durch Menschen oder menschenvernichtenden Katastrophen nicht in Todesangst zu erstarren, sondern im Gegenteil, gerade dann daran zu denken, dass Gottes Eingreifen nahe ist. Jesus sagte voraus:

"... auf Erden werden die Völker voll Angst sein und ratlos über das Tosen des Meeres und der Wogen; und die Menschen werden vergehen vor Furcht und Erwartung dessen was über den Erdkreis kommen soll ... und dann werden sie des Menschen Sohn kommen sehen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wann aber dieses anfängt zu geschehen, so richtet euch auf und erhebet euere Häupter, dieweil sich euere Erlösung naht" (Luk 21,25-28).

Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott Seinen Sohn

Erinnern wir uns noch an die biblischen Berichte über die Geburt Jesu Christi? Paulus hat dieses weltverändernde Ereignis in der einen Aussage zusammengefasst:

"Als aber die Zeit erfüllet war, sandte Gott seinen Sohn" (Gal 4,4).

Ähnliche Aussagen gibt es auch über die Rückkehr des Sohnes Gottes zur Erde und der damit verbundenen Errichtung des Reiches Gottes, eines Reiches des Friedens und der Gerechtigkeit, in dem die getreuen Gläubigen unbeschwert ewig leben dürfen. Darüber lesen wir:

"Um den Tag aber und die Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, sondern allein mein Vater. Wie es aber zu Noahs Zeiten war, also wird es auch bei der Zukunft des Menschensohnes sein. Denn wie sie in den Tagen vor der Sündflut aßen und tranken, freiten und sich freien ließen bis zu dem Tage, da Noah in die Arche ging und merkten nichts, bis die Sündflut kam und raffte sie alle dahin; also wird auch die Zukunft des Menschensohnes sein. ... So wachet nun, da ihr nicht wisset, zu welcher Stunde euer Herr kommt!" (Matth 24,36-39.42).

Oder:

"Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn (Jesus) und sprachen: ‚Herr, gibst du in dieser Zeit Israel die Königsherrschaft wieder?' Er sprach zu ihnen: ‚Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Stunden zu wissen, welche der Vater in seiner eigenen Macht festgesetzt hat'" (Apg 1,6.7)

Gott hat Seinen Sohn vor rund zweitausend Jahren nicht zu einem Zeitpunkt auf die Erde gesandt, als sich die Menschen und Sein Volk Israel besonders nach ihm sehnten oder als die Umstände dazu günstig waren. Jesus wurde in Bethlehem geboren "als die Zeit erfüllt war". Diesen Zeitpunkt hatte der allwissende Vater schon vor Grundlegung der Welt festgelegt. Dieser Termin konnte durch keine Zeitumstände beeinflusst oder verhindert werden.

Auch Jesu Christi Wiederkunft erfolgt, "wenn die Zeit dafür erfüllt ist". Es sind nur wenige Menschen, die ihn erwarten und sein Erscheinen herbeibeten. Die Zeichen unserer Zeit und unsere Gebete sprechen zwar dafür, dass dies möglichst bald erfolgen sollte. Doch der Allmächtige hat den richtigen Zeitpunkt dafür festgelegt. Christus wird wiederkommen, "wenn die Zeit erfüllt ist"! Darauf könne wir uns verlassen. Da gibt es keine Verzugszeiten, wie hier und da von Gläubigen vermutet oder gar gewünscht wird. Der Apostel Petrus schrieb darüber: "Der Herr verzieht die Verheißung nicht, wie etliche es für Verzug halten, sondern er ist langmütig gegen uns, da er nicht will, dass jemand verloren gehe, sondern dass jedermann Raum zur Buße habe" (2.Petr 3,9).

Also bleibt uns die Frage: Was geschieht als nächstes?

Der Tag des Zornes Gottes und der Tag Jesu Christi

In der biblischen Prophetie ist zu lesen, dass ein Tag des Zorns Gottes kommen wird. Der Prophet Zephanja sagt voraus

"Drücket euch zusammen und ducket euch, Volk ohne Scham, ehe der Ratschluss sich erfüllt, - die Zeit fliegt vorüber wie Spreu! - ehe über euch kommt der grimmige Zorn des HERRN, ehe der Tag des Zornes des HERRN euch ereilt! Sucher den HERRN, alle ihr Demütigen im Lande, die ihr sein Recht übet! Suchet Gerechtigkeit, befleißiget euch der Demut; vielleicht werdet ihr Bergung finden am Tage des Zornes Jahwes!" (Zeph 2,1-3).

Für wen ist das geschrieben? Ist das für uns geschrieben? Ich glaube nicht, dass diese Warnung für die Nachfolger Jesu Christi geschrieben ist. Wir sollten uns nicht allzu sehr vor dem Kommenden fürchten so wie die, die keine Hoffnung haben. Wir warten nicht auf den Tag des Zornes Gottes, sondern auf den Tag Jesu Christi. Gibt es zwischen beiden einen Unterschied? Ich glaube ja! Paulus schrieb darüber im Philipper-Brief:

"Ich habe die feste Zuversicht, dass, der in euch angefangen hat ein gutes Werk, es auch vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi" (Phil 1,6).

Als Gemeinde Jesu Christi werden wir die Zornesgerichte Gottes über die Erde nicht miterleben. Denn Paulus hat für uns auch folgende beruhigenden Aussagen schriftlich fixiert:

"Denn Gott hat uns nicht zum Zorn bestimmt, sondern zum Besitz des Heils, durch unseren Herrn Jesum Christum, der für uns gestorben ist, auf dass, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben sollen. Darum ermahnet einander und erbaue einer den andern, wie ihr auch tut" (1.Thess 5,9-11).

"Es beweist aber Gott seine Liebe gegen uns damit, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Wie viel mehr werden wir nun durch ihn vom Zorngericht errettet werden, nachdem wir durch sein Blut gerechtfertigt worden sind! Denn so wir Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren, wie viel mehr werden wir als Versöhnte gerettet durch sein Leben!" (Röm 5,8-10)

"... denn sie (die Gläubigen in Mazedonien und Achaja) selbst erzählen von uns, wie wir bei euch Eingang gefunden und wie ihr euch bekehret habt zu Gott von den Abgöttern, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott, und zu erwarten seinen Sohn vom Himmel, welchen er auferwecket hat von den Toten, Jesum, der uns von dem zukünftigen Zorn errettet" (1.Thess 1,9.10).

Die Entrückung der Gemeinde zu Jesus

Warum brauchen wir uns nicht vor dem Schrecklichen Zorngericht Gottes zu fürchten? Weil die Entrückung der Gemeinde das nächste Ereignis ist, das die Gemeinde Jesu Christi zu erwarten hat. Am Tag der Wiederkunft Jesu Christi zur Erde holt er zuerst die Glieder seines Leibes zu sich, wie wir es in 1.Thessalonicher 4,13-17 nachlesen können:

"... denn er selbst, der Herr, wird beim Befehl, beim Schall der Stimme des Erzengels und der Posaune Gottes, hernieder fahren vom Himmel, und die Toten in Christo werden auferstehen zuerst. Darnach werden wir, die wir leben und übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken zur Begegnung mit dem Herrn" (1.Thess 4,16.17).

Wir werden vor seinem Richterstuhl versammelt, wie es Paulus beschreibt:

"Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit ein jeglicher das empfange, nachdem er gehandelt hat im Leibe, es sei gut oder böse" (2.Kor 5,10).

Hier vor dem Richterstuhl Christ werden unser Glaube und unsere Glaubenswerke und die Beweggründe unserer Herzen offenbar, und wir werden Lob oder Tadel ernten. Denn Jesus will die Seinen seinem Vater tadellos und unsträflich darstellen (Kol 1,22).

Der Entrückung der Gemeinde Jesu Christi gehen keine spektakulären Vorzeichen voraus. Jesus selbst hat einmal das Verschwinden der Gläubigen mit den Worten in seiner sogenannten Ölbergprophezeiung angekündigt:

"Ich sage euch, in derselben Nacht werden zwei in einem Bette sein, der eine wird angenommen und der andere verstoßen werden. Zwei werden miteinander mahlen; eine wird angenommen, die andere wird verstoßen werden. Zwei werden auf dem Felde sein, der eine wird angenommen und der andere verstoßen werden" (Luk 17,34-36; Matth 24,40.41).

Es ist also wichtig, dass wir den zeitlichen und für uns bedeutungsvollen Unterschied zwischen unserer Entrückung hin zu Jesus und der für die Welt sichtbaren Wiederkunft Jesu auf dem Ölberg mit seinem Eingreifen zur Befreiung Israels aus höchsten Not erkennen. Dieser Unterschied wird oft nicht beachtet. Wenn über die Wiederkunft Jesu Christi gesprochen wird, denkt man in der Regel an seine sichtbare Wiederkunft auf dem Ölberg. Das ist die Erwartung, die für das Volk Israel bedeutungsvoll ist. Die Gemeinde Jesu Christi hingegen ist in dem Augenblick schon längst mit ihrem Herrn vereint. Sie wird die letzte große Drangsal, die über die Erde kommt, zwar sehen, aber nicht erleiden.

Wer wird von Jesu Christi Kommen überrascht?

Darum schreibt Paulus klar und deutlich, wer wann wie ein Dieb in der Nacht vom Kommen Jesu Christi überrascht wird:

"Von den Zeiten und Stunden aber, ihr Brüder, ist nicht nötig, euch zu schreiben. Denn ihr wisset ja genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen werden: "Friede und Sicherheit", dann wird sie das Verderben plötzlich überfallen wie die Wehen eine Mutter, und sie werden nicht entrinnen" (1.Thess 5,1-3).

Wie ein Dieb in der Nacht werden also diejenigen überrascht, die mit politischen Mitteln "Friede und Sicherheit" schaffen wollen und diejenigen, die das prophetische Wort nicht kennen oder nichts von ihm wissen wollen. Statt des erhofften Friedens, bricht plötzliches Verderben über sie herein, das sie nicht verhindern und dem sie nicht entfliehen können.

Von den Gliedern des Leibes Christi, die das Licht des prophetischen Wortes sehen, die nicht auf den Tag des Zornes des Herrn Jahwe, sondern auf den Tag Jesu Christi und ihre Entrückung warten, sagt Paulus dagegen:

"Ihr aber, Brüder seid nicht in der Finsternis, dass euch der Tag wie ein Dieb überfalle; ihr seid allzumal Kinder des Lichtes und Kinder des Tages; wir sind keine Kinder der Nacht noch der Finsternis. So lasset uns auch nicht schlafen wie die andern, sondern lasset uns wachen und nüchtern sein!" (1.Thess 5,4-6)

Die Gemeinde Jesu Christi kennt aufgrund unermüdlichen Bibellesens das prophetische Wort und besitzt dadurch ein sogenanntes "Nachtsichtgerät", mit dem sie auch in der finsteren Nacht der Welt das Ziel taghell vor Augen hat. Sie kann daher auch vom Kommen Jesu Christi nicht wie ein Dieb in der Nacht überrascht werden. Sie sieht diesen Tag vielmehr mit Sehnsucht und Freude entgegen, wie einst Abraham (Joh 8,56) vor viertausend Jahren. Wenn wir schon vor unseren Augen die Anfänge der Vorzeichen der sichtbaren Wiederkunft Christi sehen (Luk 21,28), wie viel näher muss dann die Zeit der Entrückung der Gemeinde Jesu Christi zu ihrem Herrn hin sein! Darum ermuntert uns der Apostel Paulus, zu wachen und nüchtern zu sein. Er schrieb den Gläubigen zu Rom:

"Und darnach (handelt), als solche, welche die Zeit kennen und wissen, dass die Stunde gekommen ist, vom Schlafe aufzuwachen; - denn jetzt ist unser Heil näher, als da wir gläubig wurden; die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe; - so lasset uns nun ablegen die Werke der Finsternis und anziehen die Waffen des Lichts" (Röm 13,11.12).

Darum schauen wir nach vorn und erwarten die Wiederkunft des erhöhten Christus, welcher in großer Macht und Herrlichkeit erscheinen wird, zunächst zur Begegnung mit seiner Gemeinde, danach für alle sichtbar zur Rettung seines Volkes Israel. Beides geschieht so wie bei seiner Geburt, wenn die vom Vater festgesetzte Zeit erfüllt ist. Darum brauchen wir uns vor der Zukunft nicht zu fürchten. Wir wollen unsere Häupter erheben, wachen und bereit sein, unseren Herrn zu empfangen, welcher seine Braut zu sich holt, um zuerst mit ihr Hochzeit zu feiern. Darauf können und sollten wir uns uneingeschränkt freuen! -

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