Die Autorität der Heiligen Schrift
Reinhart Sieber
Jeder Glaubensverkündigung muss, wenn sie für andere überzeugend wirken soll, eine erkennbare, annehmbare Autorität zugrunde liegen. Zu allen Zeiten haben Menschen versucht, ihre persönlichen An- und Einsichten anderen weiterzugeben - mit mehr oder weniger Erfolg. Je nach dem Grad der Überzeugung und der Autorität, die hinter ihrer Verkündigung stand, konnten sie ihr Gedankengut anderen verständlich machen und es damit weiter ausbreiten.
Es ist schon immer so gewesen, dass neue Ideen - und seien sie noch so gut - nur zögernd aufgenommen wurden, wenn sie von Unbekannten, nicht Anerkannten und Namenlosen vorgestellt wurden. Wer sich allerdings auf bekannte Vordenker, Experten und bekannte Persönlichkeiten berufen kann oder gar selbst eine anerkannte Kapazität mit Rang und Namen ist, der hat es im allgemeinen leichter, seine Überzeugung "an den Mann" zu bringen und damit eine gewisse Anhängerschaft für seine Ideen zu gründen.
Leider ist allerdings für viele der Name einer Person schon ausreichende Gewähr dafür, die vorgetragenen Gedanken für wahr, richtig und gut zu halten und sich diese Ideen als eigene "Überzeugung" einzuverleiben. Ein kritischer Mensch wird sich jedoch mit dem Namen allein nicht zufrieden geben. Er wird nach Hintergründen und größerer Autorität suchen, die ihm größtmögliche Sicherheit und Gewähr dafür bieten, das Gehörte als Wahrheit anzunehmen.
Dieser Grundsatz ist nirgendwo wichtiger als bei der Suche nach göttlicher Wahrheit. Glaubensüberzeugungen mit Anspruch auf göttliche Eingebung und Urheberschaft werden ja in solcher Vielfalt und mit unterschiedlichsten Inhalten angeboten, daß die Frage nach der Autorität hinter dieser Verkündigung eine entscheidene Bedeutung erhält. Allein schon unter den Christen begnügt sich die Mehrheit mit der Autorität ihres Predigers, Priesters oder Oberhirten. Er hat das Wort Gottes studiert, er muss es wissen. Schon ein einziger Gedanke aber müsste sie nachdenklich stimmen. Wieso lehren sie alle so verschieden, als ob es verschiedene Evangelien gäbe und Gott sich den einen so und den anderen anders vorstellt?
Nachdem sich doch die meisten Verkündiger auf den allmächtigen Gott berufen und die Lehre selbst eine Angelegenheit von Leben und Tod sein soll, gebietet schon die Vernunft, sich nicht allein auf die Autorität des Lehrers zu verlassen. Unter Menschen kann es keine absolute Autorität geben, denn Menschen können irren. Gott selbst wäre die einzige, die absolute Quelle, aus der die Wahrheit überprüft und sichere überzeugung gewonnen werden könnte - wenn Gott heute unmittelbar uns selbst belehren würde mit der Stimme aus den Wolken und in Visionen. Dass Er es nicht tut, beweist die Vielfalt widersprüchlicher Verkündigung. Leider ist auch Jesus zu Zeit nicht persönlich anwesend, denn auch seine Auskünfte würden natürlich durch keine größere Autorität in Frage gestellt werden. Gibt es also keine Möglichkeit, heute auf die göttliche Autorität zurückzugreifen?
Doch! Seine Autorität kann in Anspruch genommen werden! Es ist Sein Wort, ein für allemal niedergeschrieben und bis auf diesen Tag überliefert in den Seiten der Heiligen Schrift. An diesem Wort muß sich jede christliche Verkündigung messen lassen. Es gibt kein anderes Evangelium als das, das in der Bibel niedergelegt ist. Schon damals mußte Paulus den Gläubigen in Galatien diesen Grundsatz scharf einprägen: "Ich wundere mich, daß ihr so schnell von dem, der euch in der Gnade Christi berufen hat, zu einem anderen Evangelium umwendet, welches kein Evangelium ist; nur daß etliche sind, die euch verwirren und das Evangelium des Christus verkehren wollen. Aber wenn auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium verkündigte außer dem, was wir euch als Evangelium verkündigt haben; er sei verflucht! Wie wir zuvor gesagt haben, so sage ich auch jetzt wiederum: Wenn jemand euch etwas als Evangelium verkündigt außer dem, was ihr empfangen habt: er sei verflucht!" (Gal 1, 6-9)
Es gibt keine Tradition, die die Botschaft der Bibel für zeitlich begrenzt als Episode in einer immer weiter fortschreitenden Gottesoffenbarung erklären darf, keine noch so alte Tradition, die den Anspruch rechtfertigen könnte, in Fragen der Lehre von höherem Wert zu sein als die Bibel. "Wenn jemand sich dünkt, ein Prophet zu sein oder geistlich, so erkenne er, was ich euch schreibe, daß es ein Gebot des Herrn ist" (1. Kor 14, 37). Als den Gläubigen zu Beröa das Evangelium verkündigt wurde, da begnügten sie sich nicht nur mit dem Zuhören. Die Autorität des großen Heidenapostels wurde überprüft, indem sie das, was er zu sagen hatte, mit der Schrift verglichen: "Sie nahmen mit aller Bereitwilligkeit das Wort auf, indem sie täglich die Schriften untersuchten, ob dies sich also verhielte" (Apg 17, 11), denn "Die Schrift kann doch nicht gebrochen werden!" (Jesus in Joh 10, 35).
Es gibt keine neuen Offenbarungen, denen mehr Gewicht beizumessen wäre als den Offenbarungen in der heiligen Schrift. Wer sie dennoch für nötig hält und sich darauf beruft, der trägt in Wirklichkeit nur zu noch größerer Verwirrung bei. Denn erstens gibt es verschiedene Glaubensrichtungen, die sich auf neuere Offenbarungen berufen, und zweitens haben diese "Offenbarungen" auch noch sich widersprechende Inhalte. Welcher Mensch soll nun entscheiden, wo Wahrheit ist und wo der Irrtum?
Die Schrift aber bezeugt: "Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn..." (Hebr 1, 1.2). Der Sohn, Jesus von Nazareth, war der letzte, durch den Gott unmittelbar zu den Menschen geredet hat. Durch seine Jünger aber kamen seine Worte zu uns und allen übrigen Menschen. Ihnen, die bei ihm gewesen waren, hatte er den Tröster, den heiligen Geist gegeben, damit sie sich an alles Wichtige erinnern konnten, um es für die nachfolgenden Generationen festzuhalten. "Der Tröster aber, der heilige Geist, welchen der Vater senden wird in meinem Namen, jener wird euch alles lehren, und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe" (Joh 14,26).
So kommt die Botschaft Gottes über Seine Propheten und schließlich über Seinen Sohn und dessen besonders ausgestattete Apostel noch heute unverfälscht zu uns: durch die Heilige Schrift. Sie ist deshalb die einzige und absolute Autorität für die Wahrheit, denn Gott selbst ist ihr Urheber. Darum : "Glückselig, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe" (Offb 1, 3).
CHRISTADELPHIANS IM NORDEN [www.christadelphian.de/nord]