Die Bibel - ein Buch, dem man wirklich vertrauen kann!

Walter Hink

Kann eine Sammlung von Schriften, die während eines Zeitraums von über 1500 Jahren entstanden ist und die auf mehr als 40 Verfasser zurückgeht, welche in drei verschiedenen Sprachen schrieben, ein einheitliches Ganzes sein?

Jesus Christus sagt ja (Joh 7,38; Offbg 1,3)! Skeptiker sind anderer Meinung. Bilden wir uns selbst ein Urteil:

Ein Volk von Priestern

Die Beweisführung für die Echtheit und die Genauigkeit der biblischen Dokumente ist faszinierend. Sie fängt damit an, dass Gott, der HERR, ein ganzes Volk mit der Aufgabe auserwählt hat, ein "Königreich von Priestern" zu sein (2.Mose 19,6). Die sorgfältige Bewahrung der Offenbarungen, die Israels Propheten empfangen hatten, war den israelitischen Schriftgelehrten eine heilige Pflicht.

Allein die Achtung vor Gottes Wort schließt eine Fälschung der Texte durch die besonders auserwählten Lehrer des Stammes Levi (5.Mose 33,8-10) aus! Was hielten die gebildeten Juden von der Echtheit der Dokumente, die sie als die "Heilige Schrift" (2.Tim 3,15.16) verehrten?

Überlassen wir die Antwort Josephus, einem jüdischen Geschichtsschreiber im ersten Jahrhundert n. Chr.:

"Von Artaxerxes (der Zeit Maleachis) bis zu unserer Zeit wurde alles aufgeschrieben, aber nicht von gleichem Wert befunden wie das, was vorherging, denn die genaue Nachfolge der Propheten war zu Ende gegangen. Welchen Glauben wir an unsere eigenen Schriften haben, tritt durch unser Verhalten klar zutage; denn obgleich eine so lange Zeit vergangen ist, hat es niemand gewagt, ihnen etwas hinzuzufügen oder etwas zu ändern" (`Gegen Apion', Whiston's Josephus, S. 609).

Es wird oft übersehen, dass das Gesetz, die Bücher der Propheten und die Psalmen, die von Christus als echte Schriften bestätigt wurden (Luk 24,44), die verfassungsmäßige und rechtliche Grundlage der jüdischen Nation waren. Die Schriften des Alten Testaments prägten diese Nation genauso, wie Großbritannien durch die Magna Charta, Amerika durch die Unabhängigkeitserklärung oder Deutschland durch sein Grundgesetz geprägt werden. Drei Jahrtausende lang wurde jeden Sabbat (Apg 15,21) das Alte Testament von Juden gelesen, diskutiert und ausgelegt. Vom 2. Buch Mose an bis hin zum Propheten Maleachi wird die einzigartige Stellung des jüdischen Volkes in der Welt und sein Anspruch auf das Land Israel unterstrichen. Darum konnte ein Rabbi sagen: "Mehr als Israel den Sabbat hielt, hat der Sabbat Israel erhalten."

Sogar die vielen Sekten und Untergruppen in Israel dienten unabsichtlich als Garanten für die Reinheit des alttestamentlichen Textes, der Aufzeichnung der Taten ihrer Vorväter (Joh 8,33-58). Die gegenseitige Feindschaft war paradoxerweise eine mächtige Kraft, um die Unanfechtbarkeit der Schrift zu bewahren. Die Berufung auf den Text entschied gemeinhin die theologischen Debatten (Matth 19,7). Die Schrift war auch den einfachen Leuten bekannt (Luk 4,16-20). Streichungen, Einfügungen oder Fälschungen hätten einen Aufschrei der Empörung hervorgerufen in einer Nation, deren Mitglieder Eiferer für das Gesetz der Väter waren (Apg 22,3).

Konnte also in Israel jemand das Alte Testament fälschen? Genauso gut könnte man in Erwägung ziehen, die Unabhängigkeitserklärung Amerikas oder das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschlands neu zu formulieren oder das Vaterunser mit dem Anfangssatz "Mutter unser" zu veröffentlichen. Lebenswichtige Literatur ist so gut bekannt, als dass man sie nicht fälschen kann.

Heutzutage können Tausende von Menschen die "Zehn Gebote" auswendig. Stellen Sie sich den Protestschrei vor, wenn in einer neuen Bibelübersetzung ein zusätzliches Gebot eingefügt würde! Denken Sie auch an das erstaunliche Gedächtnis der alten Völker. Noch in diesem Jahrhundert verlangt die Universität in Kairo, Ägypten, dass die neu immatrikulierten Studenten den gesamten Koran auswendig können. Das ist ein Buch, das in etwa den Umfang des Neuen Testaments hat.

 

 

Der rote Faden der Übermittlung

Die Schrift selbst spricht von einer systematischen, organisierten Bewahrung der Bücher des Gesetzes, der Propheten und der Psalmen. Mose vertraute das Gesetz den Leviten an, die die Bundeslade, das Herzstück der Religion Israels, hüteten (5.Mose 31,24-26). Josua 1,8 spricht von "dem Buch dieses Gesetzes", das der Nachfolger Moses vor dem ganzen Volk vorlesen ließ (Jos 8,32-35). Des Lesens und Schreibens kundige, erfahrene Gelehrte walteten ihres Amtes sogar während der unruhigen Richterzeit Israels. Unter Samuel, David und Salomo, während des goldenen Zeitalters Israels, legten inspirierte Schriftverfasser den Grundstein für die historischen Erzählungen in den beiden Büchern Samuel, dem Buch der Richter und den beiden Büchern der Chronik. David verehrte die heiligen Schriften (Ps 119,97); er und Salomo verfassten und sammelten viele Psalmen und Sprüche, die in die Schrift aufgenommen wurden. Diese Schriften bildeten die Grundlage für die nachfolgende nationale Erneuerung und Reformen (2.Chron 17,7-9; 2.Kön 22,8). Später brachten Jesaja und Hiskia den Text auf den neuesten Stand (Spr 25,1; Jes 8,16). So haben, "von dem heiligen Geist getrieben ... Menschen im Namen Gottes geredet" (2.Petr 1,21). Die Schriften der Propheten wurden akzeptiert, weil durch dramatische Erfüllungen der Vorhersagen offenbar wurde, dass sie von Gott inspiriert waren und Seine Zustimmung hatten (Jes 38,4-7).

Selbst während der Babylonischen Gefangenschaft hatte Daniel Zugang zur Schrift (Dan 9,2). Die Rückkehr nach Jerusalem wurde stark von Esra beeinflusst, "ein Schriftgelehrter, kundig im Gesetz des Mose" und ein Bewahrer des Textes (Esra 7,6.10). Laut jüdischer Tradition stellte Esra manches im Text klar und brachte ihn auf den neuesten Stand, indem er ihn komplettierte. Kurz nach seiner Zeit wurde das Buch Maleachi, das letzte der alttestamentlichen Bücher, geschrieben.

 

 

Exakt wie ein Computer

Wie wissenschaftlich war die Übermittlung des Textes? Wir können uns einen genaueren Einblick verschaffen, wenn wir zwei Zeitepochen der Transkription (Abschriften) kritisch begutachten: die vom Fall Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. bis etwa um 500 n. Chr. und dann vom Jahre 500 n. Chr. bis 916 n. Chr.:

In den ersten fünf Jahrhunderten hütete eine Gruppe, die als die Talmudisten bekannt sind, den Text und schrieb ihn ab. Eine Begleiterscheinung der Zerstreuung des jüdischen Volkes nach dem Jahre 70 n. Chr. war die äußerste Anstrengung, das "Alte Testament" zu erhalten und zu bewahren. "Ein großer Rabbi - namens Jochanan Ben Zakkia - des Sanhedrin in Jannia, zwischen Joppe und Azotus, diskutierte in diesem Gremium darüber, ob die Sprüche, der Prediger Salomo, das Hohelied und das Buch Esther als kanonisch gelten sollten. Das Ergebnis war, dass alle diese Bücher als Heilige Schrift anerkannt wurden" (Bruce, `The Books and the Parchments', S. 97).

Weshalb wurde die kanonische Anerkennung den umstrittenen "apokryphischen" Büchern wie "Makkabäer", "Judith" und "Bel und der Drache" nicht zuteil? Weil diese in unterschiedlichem Maße voller historischer und geographischer Ungenauigkeiten und einem künstlichen, manchmal vulgären Stil geschrieben waren und außerdem Doktrinen und Praktiken lehrten, die mit der wahren Schrift nicht übereinstimmten. In "Bel und der Drache" zum Beispiel brüstet sich Cyrus Daniel gegenüber mit der Überlegenheit des Gottes Bel, da dieser Gott tatsächlich die Nahrung gegessen habe, die ihm jede Nacht auf seinem Altar geopfert wurde. Daniel verstreute heimlich Asche auf den Boden des Tempels und zeigte Cyrus danach die unverkennbaren Fußabdrücke der Priester, die die dem Gott Bel geopferte Nahrung gegessen hatten. Kein Rabbi, der etwas auf sich hält, würde es wagen, diese jüdische Erzählung in Zusammenhang mit dem biblischen Propheten Daniel zu bringen.

Achten Sie darauf, welch strenger Disziplin die Schreiber unterworfen waren, die zwischen dem Jahre 70 n. Chr. und dem Jahre 500 n. Chr. arbeiteten: "Eine Synagogen-Rolle muss auf den Häuten reiner Tiere geschrieben sein, die Länge jeder Spalte darf nicht weniger als 48 oder mehr als 80 Zeilen betragen; die Breite muss aus 30 Buchstaben bestehen. Kein Wort, kein Buchstabe, nicht einmal ein Jota, darf aus dem Gedächtnis geschrieben werden. Zwischen jedem Konsonanten muss ein Abstand von Haaresbreite oder der Breite eines Fadens liegen, zwischen jedem Buch drei Zeilen. Außerdem muss der Schreiber das traditionelle jüdische Gewand tragen, seinen ganzen Körper waschen" (Davidson, `Hebrew Text of the Old Testament', S. 89).

Die Transkription (Abschrift) erfolgte Buchstabe für Buchstabe, nicht Wort für Wort oder Satz für Satz! Fleiß, Ehrerbietung, Sachkenntnis, dies sind die Kennzeichen talmudischer Tradition!

Die Masoreten (von hebr."Masora", dies bedeutet "etwas in die Hände eines anderen legen") bewahrten den Text ungefähr vom Jahre 500 n.Chr. bis zum Jahre 916 n. Chr. Diese hingebungsvollen Gelehrten, die ihren Sitz in Tiberias hatten, erstellten den masoretischen Text, der noch heute benutzt wird; er ist die Grundlage unseres Alten Testaments. "Die Masora wird `ein Zaun um die Schrift' genannt, weil sie alle Worte und Buchstaben an ihren festen Platz verwies, sie also einzäunte. Sie führt auf, wie oft die verschiedenen Buchstaben in der Bibel vorkommen; die Anzahl der Wörter und das mittlere Wort, die Anzahl der Verse und die mittleren Verse usw. und dies in der festen Absicht, den Verlust oder die falschen Einsetzungen auch nur eines einzigen Buchstabens oder Wortes zu verhindern" (Bullinger, `Companion Bible', Appendix 30). Durch diese sorgfältige Zählung, Registrierung und Überprüfung arbeiteten die Masoreten damals schon mit der Präzision eines Computers.

Den mittleren Buchstaben des Pentateuch und den mittleren Buchstaben und Vers sowohl jedes Buches als auch des gesamten Alten Testaments festzulegen, war diesen Technikern nicht genug. Sätze wurden gezählt, einzeln aufgezählt, voneinander unterschieden. "Haus Israel" wurde gesondert von "Kinder Israel" aufgeführt, und es wurde genau aufgeschrieben, wie oft jeder dieser Ausdrücke vorkam. Der Ausdruck "Sünden Jerobeams" wurde gesondert aufgeführt von dem Satz "Die Sünden Jerobeams, des Sohnes Nebats". So wurde der jüdische Eifer um Gott (Röm 10,2) dazu genutzt, Gottes Wort unverfälscht zu erhalten.

So sicher waren sich die Talmudisten und Masoreten ihrer Sache, dass ältere Dokumente ausgesondert werden konnten. Wie Sir Frederick Kenyon, der verstorbene Kurator des Britischen Museums, sagte: "Alter machte ein Manuskript nicht wertvoller". Es ist leicht erklärlich, weshalb das so ist, wenn man weiß, wie genau und sachkundig die jüdischen Schriftgelehrten arbeiteten. Wer hat jemals alle Buchstaben in Shakespeares oder Goethes Werken gezählt, die Wörter von Herodot, die Sätze Homers?

 

 

Der Text und die Schriftrollen vom Toten Meer

Welche äußerlichen Beweise gibt es, um den masoretischen Text aus dem Jahre 916 n. Chr. zu prüfen? Im Jahr 916 waren es 1300 Jahre, seit die letzte Schrift des Alten Testaments niedergeschrieben worden war, nämlich die Maleachis im 5. Jahrhundert v. Chr. Sollte uns diese große Zeitspanne verunsichern?

Traditionsgemäß waren die Hauptquellen zur Überprüfung und zum Vergleich mit dem masoretischen Texte der Samaritische Pentateuch aus dem 5. Jahrhundert ("Abweichungen vom masoretischen Text ziemlich unbedeutend" - F.F. Bruce), das Gargum - mündliche Paraphrasen aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. -, die Mischna - Schriftzitierungen und Kommentare aus dem Jahre 200 n. Chr. - und der Midrasch (100 v. Chr. - 300 n. Chr.) - rabbinische Studien zur Lehre. Das Endergebnis dieser Vergleiche war eine Stärkung der Authentizität des masoretischen Textes.

Dann kam das Jahr 1947. Eine der damals gefundenen Schriftrollen vom Toten Meer war ein vollständiges Jesaja-Manuskript. Sein Datum? Etwa 125 v. Chr., das heißt also 1000 Jahre vor dem masoretischen Text. Was stellt sich bei seinem Vergleich heraus? Norman L. Geisler und William E. Nix berichteten:

"In einem Kapitel von 166 Wörtern (Jes 53) wird nur ein Wort (drei Buchstaben) nach tausend Jahren der Übermittlung in Frage gestellt - und dieses Wort veränderte den Sinn des Satzes nur unbedeutend" (`General Introduction to the Bible', S. 263).

Kleinere stilistische und orthographische Abweichungen verblassen vor der Tatsache, dass die Jesaja-Schriftrolle "sich in mehr als 95 % des Textes Wort für Wort mit unserer hebräischen Standard-Bibel als identisch erwies" (Archer, `A Survey of the Old Testament', S. 19). Nach Geisler und Nix ist die in England benutzte "King James Bibel zu 98,33 % rein", wenn man sie mit den Schriftrollen vom Toten Meer vergleicht. Und doch müssten - wie die Genauigkeit der Talmudisten und der Masoreten eigentlich veranschaulichen sollte - die von Sektierern verfassten Schriftrollen vom Toten Meer im Hinblick auf den masoretischen Text ausgewertet werden und nicht umgekehrt.

Verlässliche äußere Beweise bezeugen die Genauigkeit, mit der die Übermittler des Alten Testaments vorgingen. Der Text ist auch folgerichtig und konsequent in der Harmonie der Lehre und Struktur. Josephus legt es sehr gut dar:

"Es wird allen Juden zur zweiten Natur, diese Bücher als solche zu achten, die göttliche Lehren enthalten und für die man, falls es sich so ergeben sollte, (eher) sterben würde, (als) ein Wort gegen unsere Gesetze zu sagen und die Berichte, in denen sie enthalten sind..., wohingegen es überhaupt niemanden unter den Griechen gibt, der auch nur das kleinste Leid in dieser Beziehung auf sich nehmen würde."

Wie wahr! Hinter dem Leben von Abraham, Mose und David stehen die Kraft und das Gewicht der Realität; die Traditionen und Erzählungen Homers und Virgils - auch wenn sie als ergänzendes Material ihren Wert haben - lassen diese Wahrhaftigkeit vermissen.

 

 

Die Dokumente des Neuen Testaments

Wie verlässlich sind die in unserem Besitz befindlichen Bücher des Neuen Testaments? Können wir sie auf ihre Genauigkeit hin überprüfen?

Auch hier besitzen wir keine Originalmanuskripte. Wir müssen uns auf das gesamte verfügbare, schriftliche Material verlassen. Reicht das?

"Vielleicht können wir es richtig würdigen, wie reich das Neue Testament an schriftlichen Zeugnissen ist, wenn wir Vergleiche mit dem vorhandenen Textmaterial für andere alte, historische Werke anstellen. Von Caesars "Gallischem Krieg" (zwischen 58 und 50 v. Chr. geschrieben) gibt es nur neun oder zehn (Manuskripte), die für gut befunden werden, und das älteste davon entstand etwa 900 Jahre nach der Zeit Caesars. Von den 142 Büchern des Livius (59 v. Chr. bis 17 n. Chr.) sind uns nur 35 überliefert, die uns aus nicht mehr als 20 Manuskripten bekannt sind..., nur eines davon stammt noch aus dem vierten Jahrhundert. Bei den 14 Büchern des Tacitus (ca. 100 n. Chr.) ... hängt der Text dieser historischen Werke voll und ganz von zwei Manuskripten ab, einem aus dem neunten und einem aus dem elften Jahrhundert. Das Geschichtswerk des Thukydides (ca. 460 bis 400 v. Chr.) ist uns aus acht Manuskripten bekannt, von denen das früheste aus dem Jahre 900 n. Chr. stammt ... Das gleiche gilt für das Geschichtswerk des Herodot (488 bis 428 v. Chr.). Und doch würde kein Altphilologe sich auf Argumente einlassen, die die Authentizität der Werke des Herodot oder des Thukydides in Frage stellen, nur weil die frühesten Manuskripte ihrer Werke, die von einigem Nutzen sind, über tausend Jahre älter als die Originale sind" (Bruce, `The New Testament Documents', Seiten 16-17).

Wie viele handschriftliche Beweise gibt es, die die Wahrhaftigkeit der 27 Bücher des Neuen Testaments bestätigen?

"Es gibt etwa 8000 Manuskripte der lateinischen Vulgata und mindestens 1000 anderer früherer Versionen. Fügen wir diesen über 4000 griechische Manuskripte hinzu (manche sagen sogar 5000), dann kommen wir auf 13000 Manuskripte von Teilen des Neuen Testaments" (Robertson, `Introduction to the Textual Criticism of the New Testament', Seite 29).

Die Wahrheitsprüfung der 27 Bücher des Neuen Testaments ist einfacher als die irgendeines anderen klassischen Werks. Die überwältigende Fülle der Manuskriptunterlagen machen es sehr viel einfacher, das Original zu rekonstruieren und es auf strittige und unklare Passagen hin zu überprüfen. Wie nahe liegen diese Manuskripte bei dem Zeitpunkt, zu dem die Schriften des Neuen Testaments fertiggestellt wurden? Möglichst zeitgenössisches Material ist ein entscheidendes Kriterium zur Prüfung der Authentizität.

Die "John Rylands Library" in Manchester, England, ist im Besitz eines Papyrus-Fragmentes von Johannes 18,31-33, das sie um das Jahr 130 n. Chr. datiert. Das bedeutet also etwa 40 Jahre nach Johannes' eigener Niederschrift. Das "Chester Beatty Museum" in Dublin, Irland, besitzt Papyrus-Kopien der Evangelien, der Apostelgeschichte und der Paulusbriefe. Das Datum? Um das Jahr 200 n. Chr. Der Bodmer-Papyrus (150 - 200 n. Chr.) enthält fast das ganze Johannes-Evangelium.

Keine andere alte Schrift kann so gediegene Wahrheitsbeweise durch fast zeitgenössische Quellen erbringen.

Die großen Kodizes, der Codex Sinaiticus (etwa 350 n. Chr. erstellt und im Sinai-Kloster im Jahre 1844 von Tischendorf entdeckt) enthält das gesamte Neue Testament, außer Markus 16,9-20 und Johannes 7,53 - 8,11. Und der Codex Alexandrinus (erstellt etwa zwischen 325 und 350 n. Chr.) enthält praktisch die gesamte Bibel in Griechisch. Beide Manuskripte sind weitere wertvolle Quellen dokumentarischer Beweise für die 27 Bücher des Neuen Testaments. Die großen Schriftrollen in Griechisch, die im Besitz des Britischen Museums sind, helfen zusammen mit dem Codex Vaticanus (325 - 350 n. Chr.), der sich im Besitz der Vatikanischen Bibliothek befindet, die Integrität unseres Neuen Testaments zu beweisen.

In der Tat kann die Echtheit keines anderen literarischen Werkes durch eine solche Fülle dokumentarischer Unterlagen bewiesen werden. Kein anderes Werk wurde mit Hilfe fast koexistierender Manuskripte so genau geprüft und immer wieder überprüft wie das Neue Testament.

 

 

Äußere und innere Beweise

Die ersten Jahrhunderte nach Christus und nach den Aposteln zeichneten sich durch eine Überfülle an religiöser Literatur aus. Zahlreiche Theologen wie Irenäus, Tertullian und Augustinus verteidigten ihre Lehren, indem sie die vorhandenen Schriften und/oder Kopien der Bücher des Neuen Testaments zitierten. Man berief sich auf die Evangelien, die Apostelgeschichte, die Briefe und die Offenbarung als höchste Autorität. Sir David Dalrymple konnte daher unser gesamtes Neues Testament, mit Ausnahme von 11 Versen, aus den Schriften dieser literarisch produktiven Theologen rekonstruieren. Dies ist eine erstaunliche Bestätigung und ein Wahrheitsbeweis für unser Neues Testament. Denn selbst wenn jede Bibel über Nacht verschwinden würde, könnten wir sie buchstäblich aus anderen Quellen wieder rekonstruieren!

Selbst wenn man davon ausgeht, dass es textliche Irrtümer oder umstrittene Stellen während der verschiedenen Jahrhunderte der Erstellung gegeben haben sollte, ist es gut, daran zu denken, dass keine fundamentale Lehre auf einer zweifelhaften Schrift beruht.

Die Ausgewogenheit der Bibel lassen ganz klar einen Autor erkennen. Ein Buch, das mit einem Garten beginnt, einem Fluss, einem Baum des Lebens und einer Einladung, sich daran zu erfreuen, das die Menschen und Gott in inniger Beziehung zeigt und das dann mit der Weiterentwicklung desselben Themas endet (1.Mose 2 u. 3; Offbg 22), hat eine klar erkennbare Einheitlichkeit und Struktur.

Besonders das Neue Testament nimmt kühn für sich in Anspruch, das Werk von Augenzeugen zu sein (2.Petr 1,16). Seine Autorität und seine lebhafte Unmittelbarkeit verkünden die genaue Übermittlung geradezu selbst: "Was von Anfang war, was wir gehört, was wir gesehen haben mit unseren Augen, was wir beschaut und mit unseren Händen betastet haben, vom Worte des Lebens" (1.Joh 1,1).

Eine Literatur von solch dramatischer Kraft und Stärke überlebt nicht die Jahrtausende ohne das überzeugende Gewicht ihrer Wahrhaftigkeit und Authentizität. Nur ein einfältiges Gemüt könnte die Berichte der Apostelgeschichte als "märchenhafte Erzählungen" abtun. Die Berichte über die biblischen Wunder sind nicht märchenhaft, sondern Realität. Das dramatische Ereignis der Auferweckung des Lazarus in Kapitel 11 des Johannes-Evangeliums, so ungewöhnlich und sensationell es auch ist, wurde durch glaubwürdige Augenzeugen bestätigt, sonst wäre es schon lange von Kritikern ausgeklammert worden. Es ist wie bei dem Zeugnis der leibhaften Auferstehung Jesu von den Toten: Die Apostel sprachen über Wahrheiten vor einem Publikum, das sich aus fanatischen Feinden zusammensetzte, die alles daran setzten, ihr Zeugnis zu widerlegen (Apg 2,22-24; 26,24). Darum beriefen sie sich stets auf vorweisbare Tatsachen (Apg 4,10; 7,52), oft unter Gefahr für ihr Leben.

Überlegen Sie einmal: Wer könnte im Jahre 1993 eine Biographie von Konrad Adenauer schreiben und behaupten, dass der verstorbene deutsche Bundeskanzler im Jahre 1970 von den Toten auferstanden sei? Wer würde an einen derartigen Schwindel glauben und ein ganzes Leben lang daran festhalten? Diese Behauptung könnte mit Leichtigkeit von noch lebenden Verwandten und Zeugen widerlegt werden, die die Wahrheit kennen. Wer würde für solch eine betrügerische Behauptung bereit sein, das Leben hinzugeben?

Die Apostel litten jedoch für ihren Glauben, und schließlich erlitten sie bereitwillig - da sie Augenzeugen der Auferstehung Jesu waren - den Märtyrertod (1.Kor 15,3-8)! Die Auferstehung Christi und die unmittelbare Offenbarung des Geistes Gottes inspirierte ihre unverbrüchliche Loyalität. Die Ereignisse jenes Jahres, in dem Jesus Christus gekreuzigt und von den Toten auferweckt wurde, ließen elf schwankende Apostel zu einer gewaltigen Kraft verschmelzen, "die den ganzen Weltkreis" erregte (Apg 17,6).

Zu glauben, dass die neutestamentliche Gemeinde auf einem frommen Märchen und klugen Fabeln (2.Petr 1,16) beruht, ist im Lichte dieser Überlegungen noch unglaubwürdiger als die Zweifel des Thomas.

Weshalb ist es noch nie einem gegnerisch gesinnten Autor gelungen, eine Erklärung für das leere Grab Christi zu finden? Die beste Erklärung, auf die die Feinde kamen, steht in Matth 28,13.

Weshalb wurde nie eine ernsthafte Anstrengung unternommen, um - Punkt für Punkt - die Behauptungen der Evangelien zu widerlegen? Wenn solche Anstrengungen unternommen worden sein sollten, weshalb wurden sie dann nicht weltweit veröffentlicht? Weshalb wurden die sogenannten Märchen (Luk 24,11) in der ganzen Welt (Matth 24,14) verbreitet, genauso wie es in der Bibel vorausgesagt wurde?

 

 

Keine andere Schlussfolgerung

Philosophischer Skeptizismus ist ein hübsches, intellektuelles Spiel; man kann jedoch nicht davon leben. Wenn man die Kraft der historischen Beweise bezweifelt, kann man nicht einmal sicher sein, dass eine Heiratsurkunde die eigene Eheschließung dokumentiert!

Würde ein schlauer Redakteur, der darauf aus ist, literarische Fälschungen zu begehen, die scheinbar unwesentlichen, levitischen Gesetze, die Stammes- und Geschlechteraufzählungen im 4. Buch Mose, die stereotype Wiederholung der Parabeln beibehalten? Das Arkanum - die vermeintlichen überflüssigen Teile der Schrift - ist nur ein weiterer Beweis für die Reinheit aller Dokumente, aus denen die Bibel zusammengesetzt ist.

Zeigt nicht das Vorhandensein von Problemen, Schwierigkeiten und scheinbaren "Widersprüchen" in der Bibel, dass der Text nicht kosmetisch behandelt wurde, um ihn als richtig erscheinen zu lassen? Die Genauigkeit der Schrift, ihre unfehlbare Überlieferung durch die Jahrhunderte hindurch kann schon allein durch ihre innenwohnende Eigendynamik bewiesen werden. Die großen Wahrheiten bezüglich des menschlichen Lebens - des Sinns und Zwecks des menschlichen Daseins, die einem aus den Seiten der Bibel förmlich entgegenschreien - sind ein Beweis für die Inspiration durch Gott!

Fügen Sie dem noch die Beweise für die Sorgfalt hinzu, die die Übermittler anwandten, und das reiche Zeugnis der fast zeitgenössischen Manuskripte, dann können wir zusammenfassend sagen, dass kein menschliches Konzil, keine Synode, kein Ausschuss von Gelehrten der Bibel eine Autorität verleihen könnten, die sie nicht bereits besäße! Denn ihre Autorität wurde ihr vom Allerhöchsten verliehen! Er gibt Seine Offenbarung durch das biblische Wort auch heute noch den Menschen bekannt. Wer nun Sein Wort annimmt und befolgt, der hat die Chance, ewiges Leben zu erlangen! Ist diese Aussicht nicht jeder Anstrengung wert, voll Vertrauen in der Bibel nach Gottes Anweisungen zu forschen? Darum folgen auch Sie Jesu Aufforderung:

"Selig ist, wer da liest und die da hören die Worte der Weissagung und bewahren, was darinnen geschrieben steht, denn die Zeit ist nahe!" (Offbg 1,3)

 

 

 

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