1.200 Jahre Bistum Münster – (k)eine "Liebesgeschichte"

Tomas Cramer

 

Pressemeldung [www.bistum-muenster.de]: Bistum. Den Kern der christlichen Botschaft will das Bistum Münster in den Mittelpunkt seiner Feiern zum 1.200-jährigen Bestehen im Jahr 2005 stellen. "Eine Liebesgeschichte - 1200 Jahre Bistum Münster" lautet das Leitwort des Jubiläumsjahres, das Bischof Dr. Reinhard Lettmann am Montag (30.06.03) vor Journalisten präsentierte. - Als Gründungsakt gilt die Weihe des heiligen Liudgers am 30. März 805 zum ersten Bischof von Münster. "Wir feiern keine Strukturen, keine Behörden, keine Verlautbarungen", machte Lettmann deutlich. Das Jubiläum solle eine Begegnung glaubender und Sinn suchender Menschen werden. Die Kirche von Münster sei eine Freundesgemeinschaft Christi, zugleich aber auch eine Sendungsgemeinschaft. Dies gelte es zu feiern und zu leben. Der Bischof warnte davor, im Rahmen des Jubiläumsjahres nur "viel Wind zu machen", von dem nichts bleibe. Es gehe darum, den Glauben noch stärker zu verwurzeln. Die Christen in den Gemeinden sollten von ihren Überzeugungen sprechen und sich so gegenseitig ein Glaubenszeugnis schenken.

 

Diese Abhandlung soll der "Begegnung glaubender und Sinn suchender Menschen" dienen und eine Hilfestellung zur Reflektion der eigenen Glaubensgeschichte sein. Wenn die Kirche eine "Sendungsgemeinschaft" ist, die es "gelte zu feiern und zu leben", wie Bischof Lettman sagt, dann darf auch in einem kritischen Sinne der Gedanke des Bischofs so verstanden werden: "Es gehe darum, den Glauben noch stärker zu verwurzeln. Die Christen in den Gemeinden sollten von ihren Überzeugungen sprechen und sich so gegenseitig ein Glaubenszeugnis schenken." Nichts anderes soll hier mit bescheidenen Mitteln geschehen.

Kann die Geschichte des Bistums als Liebesgeschichte bezeichnet werden? Gehen wir dieser Frage in einem Rückblick nach:

 

1. Die Geschichte des Bistums Münster

Text: Michael Bönte, Bistum Münster. Wörtliche Abschrift. Persönliche Anmerkungen hierzu sind deutlich durch Klammern [...] hervorgehoben.

 

Als vor etwa 1500 Jahren mit den römischen Truppen die ersten Christen an den Niederrhein kamen, war das der Startschuss zur Entwicklung des Christentums in den Regionen des Bistums Münster. Es folgten Jahrhunderte mit einer kaum überschaubaren Vielzahl an Ereignissen, die das Bistum zu dem gemacht haben, was es heute ist.

Diesen Weg durch die Jahrhunderte haben viele Menschen begleitet. Persönlichkeiten, die große Dinge bewegt haben und viele, die im Kleinen gewirkt haben. Kriege, Politik, Reformen – durch die Epochen war das Bistum in Bewegung und hat immer viel bewegt.

 

1.1. Der Heilige Liudger schafft Strukturen

Bis etwa 500 n. Chr. war das Christentum im Gebiet des heutigen Bistums nur vereinzelt aufgetreten. Mit den römischen Provinzgebieten war der christliche Glaube in Einzelfällen in die besetzten Gebiete am Niederrhein gelangt. Die Germanen drängten, bei ihrem Einfall in diese Gebiete, jene ersten christichen Wurzeln weiter zurück. Ein erstes Zeugnis des Christentums ist dabei das Doppelgrab des Heiligen Viktor und seinen Gefährten bei Xanten. Die römischen Soldaten starben der Legende nach den Märtyrertod, als sie im Dienst der römischen Legionen ihren christlichen Glauben nicht verleugnen wollten.

Unter König Chlodwig wurden die Franken zu Christen und so verbreitete sich der christliche Glaube über die fränkischen Adeligen am Niederrhein. 695 wurde der angelsächsische Mönch Willibrord zum Bischof geweiht. Nördlich des Rheines konnte so die Christianisierung weiter vorangetrieben werden. Es entstand das Bistum Utrecht. Willibrord bekam die Aufgabe, am Niederrhein und bei den Friesen weiter zu missionieren.

Unter anderem in Utrecht erhielt einige Jahrzehnte später der friesische Missionar Liudger (742 bis 809) seine schulische und religiöse Ausbildung. Bevor Liudger den offiziellen Auftrag bekam, den christlichen Glauben östlich des Rheines weiter zu verbreiten, hatten schon einige Missionare versucht, das westliche Sachsenland (Westfalen, Oldenburger Münsterland, Friesland) zu christianisieren. Der Heilige Suitbert missioniert Ende des 7. Jahrhunderts bei einem sächsischen Stamm zwischen Lippe und Ruhr. Die beiden Ewalde werden bei ihrem Missionsversuch 693 auf sächsischen Boden getötet. Der Heilige Lebuin kommt 780 bei seiner Mission friesischer Gebiete an der Ijssel um.

Liudger bekommt die Unterstützung von Karl dem Großen, der Ende des 8. Jahrhundert die Sachsen besiegt und die Christianisierung der eroberten Gebiete anordnet [Anm.: dieser brachte den Glauben mit dem Schwert! (aus: "Das Bistum Münster" Damberg, Wilh)]. Um 792 erteilt der Kaiser dem Missionar den offiziellen Auftrag für die Gebiete Friesland und Westfalen. Liudger gründet eine Vielzahl Pfarreien und richtet das Zentrum seiner Mission in dem Ort Mimigernaford an der Aa (Münster) ein. Dort entstehen in dieser Zeit ein Kloster, eine Klosterschule für die Missionspriester und die Vorläufer des heutigen Paulusdomes.

Immer noch Missionsgebiet will Karl der Große die Arbeit des Wandermissionars weiter stärken. Er ernennt Liudger am 30. März 805 zum Bischof von Münster. Liduger schaffte es bis zu seinem Tod am 26. März 809, seinem Bistum durch Seelsorgestützpunkte eine feste Struktur zu geben. Von den Seelsorgestützpunkten aus konnten die Schüler Liudgers auch in den folgenden Jahrzehnten den Ausbau des neuen Bistums vorantreiben. Es entstanden viele Pfarreien und Klöster, die zum Teil auch heute noch existieren. [Anm.: Zur selben Zeit in Rom: Papst Leo III. (795-816) benötigte Schutz durch Karl dem Großen (den er zum Kaiser krönte), wegen der gefährlichen Anklage des Ehebruchs. Die Rückkehr zur Reichskirche brachte das Papsttum für die darauf folgenden Jahrhunderte weitgehend unter den Einfluss weltlicher Herrscher. Karl der Große erließ Gesetze, erwählte Bischöfe, Erzbischöfe und Äbte unter seinen Adeligen.]

1.2. Tiefreligiöse Zeit

Nach dem Tod des Heiligen Liudger, dem ersten Bischofs des Bistums Münster, wuchs das Bistum vor allem durch die Gründung von Stiften und Klöstern. Viele Ordensgemeinschaften siedelten sich im Bistum an oder wurden neu gegründet. Gerade die zahlreichen Frauenklöster und -stifte trugen ihren Teil zur voranschreitenden Christianisierung des Münsterlandes und des Niederrheines bei.

Zudem bauten die nachfolgenden Bischöfe die Struktur des Bistums weiter aus. Auf Synoden riefen sie die Priester des Bistums zusammen, um zu beraten und Rechtsfragen zu klären. Parallel dazu fanden in der Vorhalle des Domes die Gerichtstage der Bischofsstadt statt. Auch Händler und Bauern kamen zu diesem Ereignis in die Stadt. Der Markt entwickelte sich in den Folgejahren und auch heute noch trägt der Jahrmarkt in Münster den Namen "Send", der sich von dem Begriff "Synode" ableitete.

Die Bischöfe wurden zu dieser Zeit von den deutschen Kaisern und Königen eingesetzt. Dadurch war der Bischofsstuhl nicht nur ein kirchliches, sondern auch ein politisches Amt. 1040 besuchte zum ersten Mal ein deutscher König Münster, als Heinrich III. an der Weihe der Kirche und des Frauenstifts Liebfrauen-Überwasser teilnahm. Die Aufgabe der Bischöfe war es, in Stiften, Klöstern, Dekanaten und Pfarreien über die Einhaltung der christlichen Regeln zu achten. Gottesdienste, Sakramente, Einhaltung der Gebote, der Gesetze und Vorschriften gehörten dazu. Die Bischöfe weihten zudem Priester, Altäre und Kirchen und hielten auf Reisen durch das Bistum Kontakt zu den Christen. Es war jedoch unterschiedlich, wie weit sich die Bischöfe ihren seelsorgerischen Aufgaben oder ihren politischen Aufgaben widmeten.

Auch die Pfarrstruktur im Bistum entwickelte sich weiter. Sie wurde in sogenannten Archidiakonaten organisiert. Doch auch wirtschaftlich erfuhr das Bistum einen Aufschwung. Weltliche und geistliche Entwicklung gingen zu jener Zeit Hand in Hand. Nach einigen politischen Erfolgen wurde zum Beispiel Hermann II. (gestorben 1203) zum ersten Fürstbischof von Münster. Die Kirchenbauten dieser Zeit spiegeln die Blütezeit des Bistums wider. Die Stadtkirche St. Lamberti wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in unmittelbarer Nähe zum neuen St.-Paulus-Dom gebaut, der 1264 geweiht wurde.

Das Mittelalter entwickelte sich zu einer tiefreligiösen Zeit, in der das Christentum alle Gesellschaftszweige durchdrang. Schulen waren meist an den Klöstern und Stiften angesiedelt. Aus allen Regionen des Bistums war eine Vielzahl dieser Schulen bekannt. Die Versorgung der Armen und Kranken übernahmen ebenfalls die Klöster und Stifte. In Münster gab es schon 1132 das Magdalenenhospital am Liebfrauen-Überwasser-Stift. Die Hochfeste, der Heiligenkult, Prozessionen und Wallfahrten waren Mittelpunkt des christlichen Lebens im Bistum.

1.3. Münster wird eine evangelische Stadt

Im Laufe des Mittelalters verlagerte sich das Augenmerk der Bischöfe auch in Münster immer mehr auf ihre Aufgabe als Landesfürsten. Sie wurden immer mehr zu Territorialherren und waren immer weniger geistliche Väter des Bistums. So begab sich auch das Domkapitel zunehmend in die Rolle eines Verfassungsorgans: Bischofswahl, Rechtssprechung, beratendes Gremium des Bischofs – das Domkapitel widmete sich dabei immer weniger pastoralen Aufgaben. Diese Verweltlichung durchdrang schließlich auch die Pfarrstrukturen, in denen die Pfarrer zu den wichtigsten Ansprechpartnern der Gläubigen geworden waren.

Dagegen entwickelte sich in dieser Zeit eine intensive Volksfrömmigkeit. Im Passionskult, in der Heiligenverehrung, im Reliquienkult und im Wallfahrtswesen kam dies zum Ausdruck. Die Pflege der Kirchengebäude und karitatives Engagement wurden zum größten Teil von Gilden und Bruderschaften übernommen. In Münster hatten sich 17 Einzelgilden zu einer übergeordneten Stadtgilde zusammengeschlossen, womit sie eingeschränktes politisches Mitspracherecht erlangten. Die Landbevölkerung hingegen war von dieser Mitsprache ausgeschlossen. Die wirtschaftliche Lage Ende des 14. Jahrhunderts, viele Kriege und die grassierende Pest setzten besonders dem bäuerlichen Volk stark zu, das im Brauchtum ihre Frömmigkeit zum Ausdruck brachte.

Die Ordensgemeinschaften im Bistum entfernten sich hingegen Ende des 14. Jahrhunderts wieder von ihren christlichen Idealen. Der karitative und wissenschaftliche Einsatz schwand. Vielerorts legten die Klöster und Stifte größeres Augenmerk auf ihre Versorgung und finanzielle Ausstattung als auf ihre Gelöbnisse.

Die Folgen waren einige Reformbewegungen im 15. Jahrhundert. Geistliche Gemeinschaften wurden erneuert, Sorge um die Mitmenschen und die Frömmigkeit sollten wieder in den Vordergrund rücken. Mit einigem Erfolg auch im Bistum Münster: für die Fürstbischöfe dieser Zeit trat das Hirtenamt wieder in den Vordergrund. Johann von Bayern (1429-1466), Heinrich von Schwarzburg (1466-1496) und Konrad von Rietberg (1497-1508) förderten insbesondere die Ordensreform im Bistum.

Einige Jahre nachdem Martin Luther 1517 die 95 Thesen zur Reform der Kirche verfasst hatte, begannen auch im Bistum Münster die Reformationsbewegungen. Erste Reaktionen auf die Thesen sind aus Everswinkel bekannt, wo sie von Domherr Rudolf von Langen 1519 als positiver Weg der Erneuerung bewertet wurden. Konkretere Aussagen kamen später von vier Münsterschen Kaplänen, die sich 1524 zu den Sprechern der Gilden und des Bürgertums in Münster machten. Diese kritisierten vor allem die reiche Privilegierung des Klerus. Zunächst aber hielten die Bürger der Bischofsstadt noch an ihrem alten Glauben fest. Offensiver noch ging 1530 Bernhard Rothmann, Kaplan in St. Mauritz vor den Toren, mit den reformatorischen Gedanken in die Öffentlichkeit. In feurigen Predigten gewann er zahlreiche Anhänger. Von den Gilden unterstützt formierte er die Opposition gegen den höheren Klerus und besetzte 1532 die Stadtkirche St. Lamberti. Auch der Stadtrat begab sich nach einiger Zeit auf die Seite der Lutheraner.

Damit war der offene Kampf zwischen Fürstbischof Erich von Braunschweig-Grubenhagen sowie später seinem Nachfolger Franz von Waldeck und den Lutheraner entbrannt. Mit Wirkung über die Stadtgrenzen hinaus: einige Ratsgremien anderer Orte wie Ahlen, Beckum, Rheine, Telgte und Werne stellten sich auf die Seite der Lutheraner. Andere, wie die von Coesfeld, Bocholt, Borken, Dülmen, Haltern und Vreden, stellten sich eindeutig auf die Seite des Bischofs.

Mit Hilfe von Verbündeten suchten beide Seiten, die Oberhand im mächtigen Fürstbistum Münster zu behalten. Bischof Franz von Waldeck selbst aber sympathisierte immer mehr mit dem Luthertum und fand in dem evangelischen Landgrafen Philipp von Hessen einen starken Verbündeten. Nach langen Verhandlungen unterschrieben am 14.2.1533 eine Reihe von Adeligen, Geistlichen, Bürgermeistern und Ratsvertretern des Bistums einen Vertrag, der die Anerkennung des Augsburger Bekenntnisses durch die Landeshauptstadt Münster bestätigte. Münster war eine evangelische Stadt.


1.4. Grausame Diktatur

Noch bevor die Lehre Luthers in der Bevölkerung der Stadt Münster Wurzeln fassen konnte, kam mit der Täuferbewegung eine weitere Reformationsbewegung in die Landeshauptstadt. Aus den Niederlanden strömten die Anhänger des Straßburgers Melchior Hoffmann nach Münster. Sie lehnten die unfreiwillige Kindertaufe ab und predigten eine Täuferherrschaft aus dem Geist der Bibel und privater Offenbarungen mit endzeitlichem Charakter. Die Wiedertäufer erlangten schon 1534 die Glaubenfreiheit in Münster, als der Rat der Stadt den Täufern das Rathaus überließ. Sie zogen durch den Dom und die Kirchen der Stadt und zerstörten zahlreiche Kunstwerke. Bischof Franz von Waldeck verhängte sofort die Blockade über Münster. Was den Niederländer Jan van Leiden nicht davon abhielt, sich im September 1534 als 25-Jähriger zum "König des neuen Sion" auf dem Prinzipalmarkt in Münster ausrufen zu lassen.

Jan van Leiden träumte von einer Weltherrschaft, errichtete eine Diktatur, führte Gütergemeinschaften und Vielweiberei ein. Die Herrschaft der Wiedertäufer war eine grausame. Wer sich dem neuen Glauben verweigerte wurde hingerichtet. Einen Putschversuch 1535 mussten 52 Männer mit dem Leben bezahlen. [Anm.: So widersinnig diese Art der Reformation ist; die Bedeutung der Erwachsenentaufe sollte hierdurch nicht geschmälert werden. Das biblische Beispiel macht deutlich: Der Glaube muss der Taufe vorausgehen! Das Gegenteil bewirkt nicht selten einen traditionellen Glauben, der wenig Substanz in den Herzen der Gläubigen aufweist. Diese Misere wird besonders in der heutigen Zeit deutlich.]

Fürstbischof Franz von Waldeck, der aus der Stadt geflohen war, eroberte sie nach sechsmonatiger Belagerung mit der Unterstützung anderer Bischöfe zurück. Die Anführer der Täufer wurden hingerichtet und zur Abschreckung in eisernen Käfigen am Lambertikirchturm aufgehangen. Auch die in den anderen Städten des Bistums aufgebrochenen Wiedertäuferunruhen wurden unterdrückt. Münster war damit als erste deutsche Stadt rekatholisiert. Die folgenden Bestrebungen von Fürstbischof Franz von Waldeck, der mit dem Luthertum sympathisierte, das Hochstift Münster zu reformieren, stießen auf den Widerstand des Domkapitels. Mehr Erfolg hatte er in den anderen Gebieten seiner Zuständigkeit, im Niederstift Münster mit den Ämtern Vechta, Cloppenburg, Delmenhorst und der Stiftskriche Wildeshausen. Diese konnte er ohne Einspruch der dortigen Landesherren nach dem Augsburger Bekenntnis reformieren. [Anm.: Hier, Reformation ohne Anwendung von Gewalt]

 

1.5. Impulse aus dem Konzil von Trient

Mitte des 16. Jahrhunderts begann in der katholischen Kirche der Prozess einer intensiven Erneuerung. Grundlage dieser Reform wurde das Konzil von Trient (1545-1563), das in Fragen des Glaubens und der Disziplin kirchlicher Amtsträger Klarheit schaffen sollte. Nach Abschluss dieses Konzils war es Fürstbischof Johann von Hoya (1566-1574), der die Umsetzung im Bistum Münster anstieß. Als erster deutscher Bischof bediente er sich des jährlichen Fastenhirtenbriefes zur Unterweisung von Klerus und Volk. Eine Generalvisitation von August 1571 bis September 1573 brachte dem Bischof ein klares Bild von der religiösen Lage im Münsterland. Die Reformationslehre hatte in vielen Bereichen ihre Spuren hinterlassen, häufig aus Unwissenheit über die Quellen von Büchern und Schriften. Eine Hochschule oder ein Priesterseminar gab es nicht. Es blieb jedoch nur bei Reformansätzen vor allem in der Priesterausbildung, da der Bischof schon 1574 starb.

Auch in den folgenden Jahren konnten die Ergebnisse dieser Visitation nicht für grundlegende Reformen genutzt werden. In den verantwortlichen Gremien wie dem Domkapitel war die Diskussion zwischen den Anhängern des Katholizismus und dem lutherischen Reformationsglauben noch nicht zu Ende. Zudem drang von den Niederlanden der Calvinismus in die münsterländischen Landstädte. Die folgenden Bischöfe von Münster führten eine Gegenreformation durch, wobei sie die Gemeinden politisch und wirtschaftlich unter Druck setzten. [Anm.: Reformation geschah freiwillig (s.o.) – Hier, die katholische Gegenreformation unter Druck!]

Unterstützt wurde die Gegenreform vom Ausbau des Münsterschen Schulwesens. In der alten Domschule wurde 1606 ein philophisch-theologischer Lehrgang für Priesteramtskandidaten eingerichtet. Das Gymnasium Paulinum entwickelte sich zu einer blühenden Lehranstalt der Jesuiten. 1626 kam mit dem Domus Mariana ein weiteres Seminar für die Priesterausbildung hinzu.

Ein wirksames Instrument der Gegenreformation war zudem der neu eingerichtete Geistliche Rat. Diesem wurde aufgetragen, die Dekrete von Trient durchzuführen. Alle Pfarrer, Hilfsgeistlichen, Kirchenangestellten und Schullehrer wurden nach Münster vorgeladen, um sich auf ihre Gläubigkeit, Lebensführung und Pflichterfüllung hin überprüfen zu lassen. Viele Fehlentwicklungen und Missstände hatten sich in der Kirche vor Ort über Jahrhunderte gehalten.

1612 folgte im Amt des Fürstbischofs Ferdinand von Bayern (1612-1650). Er rekatholisierte das Emsland, die Ämter Cloppenburg, Vechta und Wildeshausen und engagierte sich intensiv in der katholischen Erneuerung seines Bistums. Er löste den Geistlichen Rat auf und setzte als seine stellvertretende Gewalt den Generalvikar ein. Nach einer Visitation sämtlicher Pfarreien des Bistums 1616 verfasste er vier große Reformdekrete, die sich an die Orden, Stiftsherren, Stiftsfrauen und Pfarrgeistlichen wandten. Während des 30-jährigen Krieges unterwarf er mit Hilfe der kaiserlichen Truppen die calvinistischen Landstädte des Münsterlandes. [Anm. Hier wieder: Gegenreformation unter Gewaltanwendung] Bei seinen Reformbemühungen unterstützten ihn in allen Teilen des Bistums die neuangesiedelten Orden der Klarissen, Kapuziner, Observanten, Franziskaner, Dominikaner und Minoriten.

Der Nachfolger Ferdinands von Bayern war Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen (1650-1678). Als "Kanonenbischof" bekannt widmete er sich vor allem der Reichs- und Außenpolitik und holte mit großem militärischen Potential viele ehemalige Besitzstände aus den Niederlanden und dem Emsland zurück in den Bistumsbesitz. Gerade den katholischen Minderheiten in den calvinistischen Gebieten stand er mit Grenz-Notkirchen und Seelsorgern zur Seite. Auch die Reformbemühungen seines Vorgängers setzte von Galen mit Erfolg fort. Viele Geistliche aus Münster wurden in dieser Zeit im Collegium Germanicum in Rom ausgebildet und hatten intensiven Einfluss auf das kirchlich-religiöse Leben im Bistum. Galen errichtete zudem viele Kirchen neu, renovierte zerstörte Gotteshäuser und gab 1677 das erste "Münsterich Gesangbuch" heraus. Unter seinem Nachfolger Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg (1678-1683) war es vor allem der dänische Konvertite Niels Stensen, der als Weihbischof die nordischen Gebiete missionierte. Der Gelehrte widmete sich mit großem Eifer und ebenso großem Erfolg der pastoralen Erneuerung des Bistums. Aber auch Ferdinand von Fürstenberg gründete zwei Missionsstationen: im Emsland für die friesischen Gebiete und in Warendorf für das Hochstift Münster.

Die Zeit nach dem Trienter Konzil bis zum Ende des 17. Jahrhunderts war geprägt von Bischöfen, die auf unterschiedlichen Wegen die Erneuerungen der Kirche im Bistum vorantrieben. Mit einigen Erfolgen: Die Fürstbischöfe verstanden sich wieder als Oberhirten [Anm.: Christus selbst wird als "Hirte" bezeichnet] des Kirchenvolkes, der Klerus widmete sich wieder mit Eifer seinen pastoralen Aufgaben und die Kirche war wieder zu einer Kirche der Seelsorge geworden. [Anm.: Auf dem Konzil von Trient wurden u.a. folgende Dogmen behandelt: die Tradition als Glaubensquelle (nicht die Bibel allein), die Lehre von der Erbsünde, die Lehre von der Taufe, Firmung usw., das Fegefeuer, Heiligenverehrung und Ablässe.]

1.6. Der "Kreis von Münster"

Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die Gedanken der Aufklärung auch in Deutschland zur bestimmenden Strömung. Die Menschen verlangten jetzt nach Klarheit und Nützlichkeit ihres Denkens für das alltägliche Leben. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse, philosophisches Umdenken und der Menschen als treibende Kraft seines Handelns bewirkten eine kritische Grundhaltung gegenüber Traditionen und Autoritäten. Das bedeutete auch für die Kirche ein Umdenken.

Die katholische Aufklärung, wie auch die weitere Entwicklung zur christlichen Romantik versuchten, den Glauben mit den Tendenzen dieser Zeit in Einklang zu bringen. Etwa 1770 formierte sich der "Kreis von Münster" um Franz von Fürstenberg und die Fürstin Amalie von Gallitzin. Dort trafen sich Männer aus dem Adel sowie dem weltlichen und geistlichen Bürgertum. Ihr Ziel war es, Anschluss zu finden an die geistige Entwicklung im übrigen Deutschland.

Die christlichen Wurzeln blieben ihnen aber dabei wichtig. Sie suchten nach der Synthese ihres Glaubens mit den neuen philosophisch-pädagogischen Strömungen der Zeit. In den Vorstellungen des "Kreises von Münster" bildeten traditioneller Katholizismus, aufgeklärter Weltverbesserungsgeist und frühromantische Sensibilität eine einzigartige Verbindung. Der große Vorteil dieser Synthese war, dass es in dieser Zeit in Münster zu keiner starken Polarisierung zwischen Religion und Aufklärung kam. Dialog, Öffnung und politische, persönliche sowie religiöse Toleranz waren die Ideen des Kreises. Treibende Kraft des Kreises war Franz Freiherr von Fürstenberg (1729-…) Er saß im Domkapitel von Münster und Paderborn und übernahm 1763 das Ministeramt, das er nach 17 Jahren wieder abtreten musste. Er behielt jedoch das Amt als Generalvikar und die Direktion des Schulwesens. In der Zeit nach dem siebenjährigen Krieg engagierte er sich stark im Wiederaufbau der Stadt, schuf neue Verwaltungsstrukturen und führte eine Reform des Gesundheitswesen durch. Der Ausbau des Bibliotheks-, Druckerei- und Verlagswesens war ebenso ein Verdienst von Fürstenbergs.

Als Mitglied des "Kreises von Münster" galt sein erstes Interesse aber dem Bildungswesen. 1776 erschien seine Schulordnung, eine Philosophie der Erziehung sowie ein Plan für einzelne Fächer. Diese Schulordnung machte ihn in ganz Deutschland bekannt. Zudem bemühte er sich um die Ausbildung der Lehrer. Seine herausragenden Werke waren die Gründung der Universität (1780) und des Priesterseminars (1776).

 

1.7. "Kein schwärzerer Fleck auf Erden"

1801 wurden die Besitztümer zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich neu verteilt. Adelige, deren Besitztümer Frankreich zufielen wurden mit der Übernahme von Eigentum der Fürstbischöfe und Äbte entschädigt. Diese Säkularisierung bedeutete das Ende der Fürstbistümer, eine Trennung von staatlicher und kirchlicher Gewalt war die Folge. Was weitreichende finanzielle Folgen auch für das Bistum Münster hatte: Kirchlicher Besitz musste veräußert werden, Klöster und Kirchen wurden als Lagerhallen, Pferdeställe, Kasernen oder Heuschober genutzt. Kostbare Kunstwerke wurden abgebaut und verschwanden in Privatbesitz.

Auch die Grenzen des Bistums Münster mussten neu gezogen werden. Nach Verhandlungen zwischen Papst und Preußen wurden sie den neuen politischen Grenzen angepasst. Mit kleineren späteren Veränderungen entstanden die heutigen Bistumsausmaße. Die Menschen im Bistum reagierten jedoch mit Niedergeschlagenheit auf den Einmarsch der preußischen Truppen. Die Zuordnung zu Preußen bedeutete, dass die Katholiken lernen mussten, in einem mehrheitlich protestantischen Staat zu leben. Auch die Staatsordnung Preußens war eine andere. Die allgemeine Wehrpflicht wurde eingeführt, die Steuer angehoben, die straffe Organisation des Militärstaates hielt Einzug.

Zuständig für die Anpassung des vielerorts als wirtschaftlich und bürokratisch rückständig geltenden Fürstbistums Münster war Freiherr vom Stein. Auch wenn sich die Bevölkerung nach und nach mit den neuen Verhältnissen anfreundete, blieben einige grundsätzliche Probleme. Das Mitspracherecht der protestantischen Staatsmacht auch in kirchlichen Fragen führte immer wieder zu Irritationen. Als 1837 der Erzbischof von Köln, Clemens August Droste zu Vischering, wegen seiner kompromisslosen Stellungnahmen in Fragen konfessionsverschiedener Ehen inhaftiert wurde, brachen auch im Bistum Münster Unruhen aus. Erst 1840 entschärfte Kaiser Friedrich Wilhelm IV. das angespannte Verhältnis der Bürger gegenüber der preußischen Staatsmacht mit Zugeständnissen an die katholische Kirche.

Die Preußische Verfassung von 1850 brachte den Kirchen die Freiheit, ihre Angelegenheiten ohne staatlichen Eingriff selbst zu regeln. Zudem wurde die Vereinsfreiheit garantiert. Das hatte auch intensive Folgen für die kirchlichen Strukturen. Durch den Wegfall der rechtlichen Beschränkungen entstanden schnell eine Reihe von Ordensniederlassungen. Insbesondere die Schwesterngemeinschaften spannen in dieser Zeit ein dichtes Netz von sozialen und karitativen Einrichtungen im ganzen Bistum. Unterstützt wurden sie von Bischof Johann Georg Müller (1847-1870). Parallel entstanden eine Reihe von Vereinen und Verbänden, die sich ebenfalls religiösen, karitativen und sozialen Aufgaben widmeten.

Doch 1871 wurde diese selbstbewusste Entwicklung der Katholiken im Bistum Münster durch den Kulturkampf hart auf die Probe gestellt. Reichskanzler Bismarck macht die Selbständigkeit der Kirche zum größten Teil wieder rückgängig – staatliche Kontrolle war wieder an der Tagesordnung. Die Katholiken im Bistum reagierten darauf jedoch mehr trotzig als eingeschüchtert. Der Widerstand gegen die Regierung wuchs. Auch Bischof Johann Bernhard (1870-1889) ignorierte die preußischen Verordnungen und wurde deshalb im März 1875 von preußischen Soldaten in Warendorf inhaftiert. Nach 40 Tagen Haft ging er ins Exil in die Niederlande. Die Regierung versuchte mit immer härteren Mitteln gegen die Kirche im Bistum anzugehen. 1881 waren 123 von 325 Pfarreien im rheinisch-westfälischen Teil nicht mehr besetzt. Katholische Beamte wurden aus dem Dienst entfernt. Doch die Katholiken im Bistum setzten ihren passiven Widerstand fort. 1884 schließlich sah Bismarck ein, dass er gegen diese Volksopposition keine Mittel besaß und baute die Kulturkampf-Gesetzte nach und nach ab. Bischof Bernhard kam 1884 zurück nach Münster, wo ihm ein triumphaler Empfang bereitet wurde.

Dieses Selbstbewusstsein aus dem Kulturkampf gab den Katholiken im Bistum Münster einen Zusammenhalt, der lange vorhielt. Das Gefühl, eine benachteiligte katholische Minderheit im Deutschen Reich zu sein, machte die Katholiken zu einer geschlossenen Einheit in der Gesellschaft- in Parteien, Verbänden, Vereinen und fast allen Lebensbereichen. Das Bistum Münster hatte nun endgültig den Ruf, ein Bollwerk des Katholizismus zu sein. Ludwig Windhorst erklärte 1885 auf dem Katholikentag in Münster: "Ich kenne keinen schwärzeren Fleck Erde als das Münsterland."

 

1.8. Volksopposition und katholisches Selbstbewusstsein

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 bedeuteten die neuen demokratischen Verhältnisse der Weimarer Republik auch für die Christen im Bistum eine neue Herausforderung. Mit ihren Interessen waren sie eingebunden in den Kampf der Parteien. Sie sahen in der Zentrumspartei den wichtigsten Verbündeten gegen die zum Teil religionsfeindlichen Bestrebungen nationalistischer oder sozialistischer Parteien. "Wir leben (…) in einem religiös und politisch zerissenen Land, in sturmbewegter Zeit", mahnte Bischof Johannes Poggenburg (1913-1933). "…modernes Heidentum breitet sich immer mehr aus. Wir beklagen heute mancherorts eine große Glaubensgleichgültigkeit (…), wir beklagen den religiösen und sittlichen Niedergang in weiten Schichten des Volkes."

Im westfälischen, niederrheinischen und besonders im oldenburgischen Teil des Bistums erzielten die Nationalsozialisten auch bei ihrem Wahlsieg 1933 noch ihre schlechtesten Wahlergebnisse im Deutschen Reich. Hier war die Zentrumspartei die stärkste politische Kraft. Die neuen Machthaber der NSDAP propagierten zunächst eine Verständigung mit dem katholischen Glauben. Sie nahmen an Prozessionen im Bistum teil und waren bei der Inthronisierung von Bischof Clemens August Graf von Galen (1933-1946) anwesend.

Doch schon bald war die Unvereinbarkeit der nationalsozialistischen Propaganda mit den Grundwerten des christlichen Glaubens nicht mehr zu übersehen. Bischof Graf von Galen bezog 1934 in einem Hirtenbrief deutlich Stellung gegen Rassismus, Antisemitismus und Gewalt. Die NS-Regierung hingegen drängte die Möglichkeiten der Katholiken immer weiter zurück. Versammlungen wurden verboten, katholische Schulen aufgehoben, Vereine aufgelöst. Einschüchterungen und Verfolgungen von Katholiken waren an der Tagesordnung.

Die Katholiken im Bistum reagierten mit einem Widerstand, der sich vor allem in der Teilnahme an den großen Prozessionen widerspiegelte. Sie wurden zu Demonstrationen des katholischen Selbstbewusstseins. In Vereinen und Verbänden führte man die Tätigkeiten im Geheimen weiter. Höhepunkt dieser Volksopposition im Bistum Münster war der so genannte Oldenburger Volkskampf 1936, nachdem die dortige Landesregierung die Entfernung der Kreuze aus den Schulen angeordnet hatte. Die katholische Bevölkerung im Offizialat Oldenburg stellte sich vehement gegen diesen Erlass. Proteste, Androhungen, aus der NSDAP auszutreten und Boykotts des nationalsozialistischen Gemeinschaftslebens führten schließlich zur Zurücknahme des Beschlusses.

Doch das Gemeinschaftsleben und somit auch die Opposition der Katholiken wurden immer weiter zurückgedrängt, bis sie nur noch in der Kirche und Sakristei stattfinden konnte. Bischof Clemens August Graf von Galen stellte sich weiter an die Spitze dieses Widerstandes. Seine häufigen Beschwerden über das Regime und die Ideologie der Nationalsozialisten gingen bis zu Adolf Hitler. In Hirtenbriefen und Predigten verteidigte er den Glauben und lehnte sich gegen die Unterdrückung der Kirche auf. 1941 kam es zu den berühmten Predigten des Bischofs gegen den Gestapo-Terror und die so genannte Euthanasie. Die Popularität des Bischofs zeigte sich auf den zahlreichen Firmreisen, die er im Bistum unternahm. Sie wurden immer von einer großen Zahl von Radfahrern und Reitern begleitet.

Zudem gab es eine Reihe von Geistlichen, die sich unter Einsatz ihres Lebens gegen die Propaganda der Nationalsozialisten stellten. Ein Beispiel war der Franziskanerbruder Pater Elpidius Markötter aus Südlohn, der sich 1940 in einer Predigt in Warendorf zur Nächstenliebe auch gegenüber den jüdischen Mitbürgern aussprach. Er kam in das Konzentrationslager Dachau, wo er 1942 starb. [Anm.: Dennoch kann man nicht von einer geschlossenen Kirchenopposition gegen das Hitlerregime sprechen. Der Widerstand beschränkte sich in der Hauptsache auf einzelne mutige Geistliche und Gläubige, z.B. Pater Aurelius Arkenau, der über 100 Juden vor dem Tod bewahrte, die somit ihr Leben auf's Spiel setzten. Nicht unterschlagen werden sollte in diesem Zusammenhang die Ausarbeitung des Vechtaer Professors Joachim Kuropka, "Clemens August Graf von Galen" (Verlag Regensberg, 1992, ISBN 3-7923-0636-0, Seiten 232/233/236/237/248). Ausführlich geht Kuropka auf die Verdienste des "Löwen von Münster" ein, aber es ist auch ein anderer Tonfall in der Stimme des Grafen, die in der allgemeinen Darstellung der Kirche meist nicht zu hören ist. Zitat: "In seinen Predigten und Hirtenbriefen äusserte sich Galen nie direkt zur Situation der Juden und ihrer Gefährdung. [...] auf die Entrechtung der Juden wies er nicht eigens hin. [...] öffentlich blieb er bei allgemeinen Formulierungen, bezog sie nicht ausdrücklich auf die Juden und erwähnte auch nicht das Los der jüdischen Christen, die doch vollwertige Mitglieder der katholischen Kirche waren. [...] Hier liegt der tiefere, der theologische Grund dafür, warum das erforderliche Maß an Hilfe ausblieb. Der anonyme Hilferuf eines Juden, der in Galens Predigten gegen die Euthanasie ein Zeichen der Hoffnung auch für die verfolgten und von der Kennzeichnung bedrohten Juden erblickte, hat in Galens Predigten keinen sichtbaren Widerhall gefunden. [...] Galen hatte [...] niemals eine militärische Niederlage Deutschlands gewünscht. Wenngleich sich Galen bewusst war, dass der deutsche Sieg primär ein nationalsozialistischer sein würde und "einen Frieden der Gerechtigkeit und Freiheit" nicht garantierte, so hielt er dennoch an seinem Wunsch, "dass die Heimatfront stark bleibe", konsequent fest. Folglich galt seine moralisch-geistliche Unterstützung uneingeschränkt den für das 'deutsche Vaterland' kämpfenden Truppen. Noch am 6. April 1945 erklärte er in seinem ersten Interview gegenüber der anglo-amerikanischen Presse, "dass, obwohl er und andere gebildete Deutsche Antinazis sein könnten, sie trotzdem 'treu gesinnt sein müssten gegenüber dem Vaterland' und sie daher die 'Alliierten als Feinde betrachten müssten'. [...] An der Rechtmäßigkeit, ja Notwendigkeit des Krieges schien Galen auch später, in den Predigten des Sommers 1941 etwa, nicht zu zweifeln. [...] Zugleich rechtfertigte er hier den Angriffskrieg als Weltanschauungskrieg und übernahm geradezu dessen nationalsozialistische Begründung, wenn er Hitler selbst zitierte [...] Galen tröstete die Angehörigen unter Hinweis auf Thomas von Aquin: "(C)hristlichen Soldaten, die im Gehorsam gegen Gott aus Liebe zum Vaterland ihr Leben hingeben, (wird) ewige Herrlichkeit und Lohn zuteil werden, ganz ähnlich wie den hl. Märtyrern." (Zitatende).

In der Ausarbeitung "Treu deutsch sind wir – wir sind auch treu katholisch, Kardinal von Galen und das Dritte Reich", von Stefan Rahner et al, ist zu lesen, unter der Überschrift: Der 'Löwe von Münster': "Der gleiche Clemens August von Galen hat aber stets 'treudeutsch' und 'treukatholisch' dem NS-Staat seine Loyalität zugesichert und sich in einem Eid an den Staat gebunden. Das 'gottgefällige' Vorgehen der Nationalsozialisten zur Ausrottung von Liberalismus und Bolschewismus fand seine ausdrückliche Zustimmung" (Zitatende)

Das Buch: "Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert" gibt Auskunft: "Das katholische Kirchenblatt für das nördliche Münsterland" schrieb mit Billigung des "Löwen von Münster", des Bischofs Graf von Galen, am 9. März 1941: "Die englischen Plutokraten, die uns den Krieg erklärt haben, denken nicht an den göttlichen Erlöser Jesus Christus, wenn sie vom Christentum sprechen, sondern an ihre Kaffeesäcke und Baumwollplantagen im englischen Empire. Das ist ihr Christentum, nicht die Lehre des Heilandes: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!... Die Engländer haben ja uns den Krieg erklärt, obschon wir von ihnen nichts wollten. Und unser Führer hat ihnen hinterher noch zweimal die Friedenshand angeboten, aber sie haben höhnisch abgelehnt. Das ist schon wieder das Christentum! Wer den Streit vom Zaune bricht, ist immer im Unrecht und ein schlechter Christ! Wir müssen es uns energisch verbitten, dass England behauptet, es kämpfe für das Christentum. Dagegen protestieren wir im Namen des Christentums! ...Denn es ist immer eine Sache der Gerechtigkeit, sein angegriffenes Vaterland zu verteidigen. Es ist Christenpflicht. Denn der Heiland hat gesagt: 'Gebt dem Kaiser, was des Kaisers, und Gott, was Gottes ist!' Wir würden also dem Gebote des Heilandes zuwiderhandeln, wollten wir unser Vaterland in der Not im Stiche lassen. Hört mir also auf mit dem englischen Christentum, es hat nichts mit dem göttlichen Heiland zu tun! Und es geschieht ihm recht, was ihm jetzt geschieht" (Zitatende) Das Gebot Christi von der Feindesliebe findet hier leider keine Erwähnung.

Diese Aneinanderreihung von Zitaten soll Bischof Graf von Galen nicht in ein schlechtes Licht rücken. Verglichen mit der Geistlichkeit insgesamt, verhielt er sich sehr mutig! Doch lassen die Ausführungen vermuten, dass das von der Kirche vermittelte Bild des Grafen unvollständig ist, oder alle Aussagen einem großen Missverständnis unterliegen.]

 

1.9. Rasante Entwicklung

Nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Herrschaft stellte sich auch für die Kirche im Bistum die Frage nach einer Neuordnung. Clemens August Graf von Galen wurde 1946 zum Kardinal erhoben, starb jedoch kurz darauf. Sein Nachfolger Bischof Michael Keller (1947-1961) sah sich der Herausforderung einer sich rasant entwickelnden Gesellschaft gegenüber.

Industriewachstum, Bevölkerungsentwicklung und -bewegung, die politischen Verhältnisse der neuen Demokratie sowie die schnell anwachsenden Zahlen evangelischer und katholischer Christen im Bistum – Keller erkannte die Entwicklung zu einer pluralistischen Gesellschaft ohne katholische Sonderwelt schon 1948: "Wir stehen vor einem gewaltigen Aufbruch. Ob wir es wollen oder nicht: Die Welt geht in rasantem Tempo einer Neugestaltung entgegen. Wir sind auf dem Wege zu einer Einheitszivilisation und einer Einheitskultur." Der Wiederaufbau des katholischen Lebens fand in erster Linie in den Pfarrgemeinden, Vereinen und Verbänden statt, die auch während des Krieges Mittelpunkt des Glaubenslebens gewesen waren. Viele zerbombte Kirchen wurden wiederaufgebaut. In der Zeit von 1951 bis 1961 entstanden zudem 148 neue Kirchen im Bistum. Etwa jede vierte Woche wurde eine Kirche geweiht.

In dieser Zeit wurde der Gedanke angestoßen, die Aufgaben der Laien in den Gemeinden auszuweiten. Ihre Verantwortung in der Kirche vor Ort sollte wachsen. Viele Bildungseinrichtungen wie Akademien und Landvolkhochschulen entstanden. [Anm.: Dies kann, zusammen mit dem Entstehen der karitativen Einrichtungen, gar nicht genug hervorgehoben werden!] Im Pfarrkomitee, einem Vorläufer des heutigen Pfarrgemeinderates, übernahmen Priester und Laien gemeinsam Leitungsaufgaben. Diese stark diskutierte neue Ausrichtung fand seine Fortsetzung im II. Vatikanischen Konzil (1962-1965).

Bischof Joseph Höffner (1962-1969) und Bischof Heinrich Tenhumberg (1969-1979) waren es, die sich gemeinsam mit den Christen des Bistums in der Folgezeit mit den Ideen des Konzils auseinandersetzten. Neue Formen der Liturgie entstanden, die Kirchenräume wurden neu gestaltet und die Zusammenarbeit von Priestern und Laien wuchs. Neben dem Pfarrgemeinderat entstanden auch schon in den 60er Jahren die Vorläufer zum heutigen Diözesanrat, dem Laiengremium auf Bistumsebene. Zudem suchte man verstärkt den Kontakt zu anderen Konfessionen.

1994 fand dieser Erneuerungsprozess seine Fortsetzung im Diözesanforum. Unter dem Motto "Mit einer Hoffnung unterwegs" wurde ein mehrjähriger Dialogprozess im Bistum angestoßen, an dem sich Gemeinden, Verbände, Gruppen, Vereine und Einzelpersonen beteiligten und die Zukunftstfragen von Glauben, Kirche und Gesellschaft diskutierten. Das Ergebnis waren Beschlüsse zur Erneuerung auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens im Bistum Münster (1997).

[Zitatende des Textes von Michael Bönte, Bistum Münster]

 

 

 

2. Die Christianisierung des Oldenburger Münsterlandes – als Teil des Bistums Münster

 

In scheinbarer Treue stehen die Südoldenburger in ihrem katholischen Glauben und in dem Bund mit der römischen Kirche und dem Papst. Anders ist es nicht mehr vorstellbar, und ein Stück Identität des Oldenburger Münsterlandes steckt darin (allmählich finden auch hier andere Einflüsse ihren Einzug). Dabei waren die Vorfahren in grauer germanischer Zeit alles andere als überzeugte Christen.

2.1. Die Anfänge

Nach heidnischer Sitte und heidnischem Brauch wollten sie selig werden und leisteten ihrem katholischen Bezwinger unerbittlichen Widerstand. Aber am Ende mussten sie kapitulieren und sich dem mächtigen König der Franken, Karl dem Großen, unterwerfen. Das alles geschah vor weit über 1.000 Jahren. Die Sachsen drangen von Norden kommend, in das Land zwischen Weser und Ems ein und bildeten in Zukunft die wirtschaftlich und politisch herrschende Schicht. Das Land war in Gaue eingeteilt, die ungleich groß waren und häufig ohne bestimmte Grenzen, je nachdem der Stamm selbst größer oder kleiner und das Siedlungsgebiet von Wald, Flüssen oder Sumpf umschlossen war.

Das galt auch für Land und Leute des heutigen Oldenburger Münsterlandes. Inmitten dieses Landes lag der große Lerigau: Im Osten und Nordosten war das linke Hunteufer, vom Austritt aus dem Dümmer bis hinter Wardenburg, die Grenze; von da an bot das sich lang hinstreckende Fehner-Moor bis über Barßel hinaus an die Leda nach Norden hin eine ganz naturgemäße Grenze; als westliche Begrenzung trat das Sater-Tief auf, dann die Marka und schließlich das Hasetal bis hinunter nach Essen. Mit der Hase begann aber schon ein weiterer Gau mit dem bezeichnenden Namen Hasegau; hierzu gehörten Löningen, Lastrup und Lindern. Im Süden umschloss den Lerigau der Dersagau. Diese Gaueinteilung währte bis ins 11. Jahrhundert. Aber bis dahin ist es noch weit und hat Karl der Große seine Taten an den Sachsen längst vollendet.

Im Jahre 772 steigt Karl der Große zur Alleinherrschaft des fränkischen Reiches auf. In den folgenden Jahrzehnten sollte vom Frankenreich aus das Schicksal der Sachsen besiegelt werden, die sich dem Frankenkönig verzweifelt widersetzten. Der Wille zur Freiheit ließ Widukind, den großen Sachsenfürst, sogar zu einem wahren Volkskrieg gegen Karl ausrufen; mit vorübergehendem Erfolg, denn in der Schlacht am Süntel (782) zieht Karl den kürzeren und muss sich geschlagen geben. Aber seine Rache ist hart, als sein Graf Emigius und Priester Folcard in diesem Lerigau auch noch erschlagen werden.

 

2.2. Gewaltsame Christianisierung

Im schrecklichen Blutgericht bei Verden (782) müssen Hunderte von Sachsen ihr Leben lassen, und in einer "Capitulation" droht Karl jedem Sachsen mit dem Tode, der sich gegen das katholische Prinzip vergeht. Aber am Ende obsiegt Karl der Große mit seiner militärischen Übermacht, und Widukind muss sich nach der Schlacht bei Detmold und Osnabrück (783) schließlich doch taufen lassen (785): ein Akt von symbolischer Bedeutung, denn mit dem großen Fürsten Widukind beugen sich die sächsischen Gaue dem Kreuz. Der Taufe geht aber nicht die Bekehrung voran, sondern die Unterwerfung des gegnerischen Volksstammes. In vielen Fällen verbunden mit Massenhinrichtungen. Nach der militärischen Unterwerfung finden die Massentaufen statt, und an sie schließt sich die "Bekehrung" des neuen Volkes an.

Von der Freiheit eines Christenmenschen kann auch in dieser Zeit keine Rede sein, vielmehr fährt der Gott der Kirche im Zeichen von Feuer und Schwert auf seine neuen Gläubigen herab. Karl ist der Schützer des Papsttums und des Glaubens, aber in der Wahl seiner Mittel ist er frei. Mit Unterwerfung und Taufe der Sachsen aber war es nicht getan. Der vom Papst Gregor mit der Heidenmission beauftragte angelsächsische Mönch Bonifatius war von den heidnischen "Frevlern" längst erschlagen worden, im Jahre 754 in Doccum; neue Männer mussten seine Nachfolge antreten. Zu ihnen zählen Liudger, der spätere erste Bischof von Münster, und dessen Schüler, der Visbeker Gerbert Castus, der in Utrecht studierte. Gemeinsam müssen Liudger und sein Schüler Castus 784 vor den Sachsen fliehen und begeben sich nach Rom und Monte Cassino, wo sie die Benedektiner-Regel und benedektinisches Mönchsleben kennenlernen.

 

2.3. "Nachsorge" der "Bekehrten" und Bündnisse

Nach ihrer Rückkehr aus Italien wird Castus, zum Adel dieser Gegend gehörend, zum Leiter der Mission in Visbek bestellt. Er gründete die ersten Kirchen, in Altenoythe, Emstek und Bakum. Die erste Kirche in Krapendorf, an der Stelle, wo heute die Andreaskirche (Cloppenburg) steht, geht ebenfalls auf die Gründung Castus' zurück. Die Kirchen hat man sich als einfache Holzkirchen vorzustellen, die Anfänge waren halt bescheiden und dürftig, wie es der neuen Lehre vom Reiche Gottes auf Erden entsprach. Wie hat diese Botschaft Veränderung erfahren? Vom Reich Gottes auf Erden, in ein Reich im Himmel – von der Schlichtheit zum Pomp.

Von der überragenden Stellung Visbeks zeugt eine Urkunde Ludwigs des Frommen, der nach dem Tode Karls des Großen den Ostteil des nunmehr zweigeteilten Frankenreiches (aus dem später das Deutsche Reich hervorgeht) regiert. Im Jahre 819 gibt Ludwig urkundlich zu Protokoll: "Im Namen unseres göttlichen Herrn und Erlösers Jesus Christus, Ludwig, durch Anordnung der göttlichen Vorsehung Kaiser... bekanntgemacht, dass der ehrwürdige Mann Gottes, Abt der Kirche, die Visbek genannt wird, zu uns kam und unsere Hoheit bat, wir möchten jenen heiligen Ort zur Vermehrung unseres Lohnes unter Hut und in den Schutz der Immunität nehmen. Wir haben aus Liebe zu Gott seiner Bitte willfahrt und sind bestrebt, weil er es auf rechte und vernünftige Weise erbat, sie durch diese unsere Urkunde in allem zu bestätigen." Soweit Ludwig, der König, über die Stellung von Castus, dem er volle Immunität zusichert.

Mit dieser Urkunde in der Hand (wieder ein Bündnis mit der säkularen Macht) kann der Abt Castus souverän schalten und walten, das Wort des Königs gilt. Aber ein anderer König Ludwig (der Deutsche) ist es, der nach dem Tode von Castus den Traum des Visbeker Klerus, zu einem Bischofssitz aufzusteigen, endgültig zerstört. Beurkundet am 20. März 855 verfügt Ludwig als der oberste Lehnsherr: "...unserer Hoheit gefallen hat, eine uns gehörige kleine Zelle (quandam cellulam), Visbek genannt, die im Lerigau errichtet worden ist, besagtem Kloster (Corvey) anzugliedern. ...Diese besagte Zelle machen wir mit allen Dingen, Zubehörungen, Gebieten und allem, was dazugehört und darauf Bezug hat, nämlich den Kirchen, Häusern und übrigen Baulichkeiten, den Zehnten, Wäldern, Feldern, Weiden, Gewässern und Wasserläufen, den bebauten und unbebauten Orten... den Hörigen beiderlei Geschlechts und jeglichen Alters, besagtem Kloster untertan und verschenken und überliefern sie. Keiner soll es wagen... die Leute dieser Zelle, sowohl Freie wie Liten zu beanspruchen". Ein klares Wort aus königlichem Munde regelt die Dinge für die bisher Visbek unterstellten Kirchen und Besitztümer eindeutig (man erinnere sich an die Worte des Herrn Jesu: "Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Rost zerstören und wo Diebe durchgraben und stehlen; sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Rost zerstören und wo Diebe nicht durchgraben noch stehlen; denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein." [Luk 12,34])

Zu den Kirchen gehört neben der "Mutterkirche" Löningen im Hasegau für den Lerigau die Margarethenkirche in Emstek und die St. Andreaskirche in Krapendorf. Beide Kirchen werden mit der ehemaligen Benedektinerabtei Corvey verbunden. Um 1150 erscheint Krapendorf (mit der damaligen Bezeichnung Croppendorf) im Verzeichnis der Corveyer Patronatskirchen. Aber weder der Abt Castus von Visbek noch das Kloster Corvey sollten das letzte Wort in der Geschichte haben. Nach einem langen tecklenburgischen Interim war es schließlich der Bischof von Münster, der den Lerigau in seiner Hand vereinigte und ihn für Jahrhunderte prägte.

 

2.4. Verschiedene Einflüsse

Die Verbreitung des katholischen Glaubens im Lerigau lässt sich nicht nur durch historischen Analogieschluss erfassen, sondern nach Willen und Kenntnisstand der Archäologen auch durch Funde nachweisen. Der römische Katholizismus ist im Lerigau, dem späteren Oldenburger Münsterland, historisch tief verwurzelt. Dafür sorgte auf der einen Seite die Verbindung des karolingischen Königshauses mit dem Papsttum und auf der anderen Seite die ganz auf Rom ausgerichteten angelsächsischen Missionare seit Bonifatius. Treu im römisch-katholischen Glauben, treu zu Rom, das war oberstes Gebot. [am Rande: Als Bonifatius im achten Jahrhundert in das Gebiet des heutigen Deutschlands kam, sah er, dass keiner der Geistlichen das Gelöbnis des Zölibats einhielt. Er schrieb an Papst Zacharias (741-752): "Junge Männer, die ihre Jugend mit Vergewaltigung und Ehebruch vertraten, stiegen in den Rängen des Klerus auf. Sie verbrachten ihre Nächte im Bett mit vier oder fünf Frauen, dann standen sie morgens auf, ...um die Messe zu lesen"]

Aber mit dem katholischen Glauben kam noch längst nicht die christliche Botschaft, gar nicht zu reden von ihrer Umsetzung in die Tat. Die Bekehrung eines Menschen durch Feuer und Schwert ist und bleibt unchristlich.

"Karolingische Renaissance" heißt eine geistige Bewegung, die sich um die Erneuerung der Bildung und die Reinigung der Theologie bemühte. Alcuin aus dem englischen York darf als einer ihrer Wortführer gelten, Liudger und Gerbert Castus stehen in ihrer Tradition. Sie waren um Aufklärung bemüht, obwohl sie die intolerante und inhumane Praxis der Herrschenden nicht verhindern konnten. Doch vermutlich waren die Verflechtungen zwischen geistlicher und weltlicher Macht zu ausgeprägt, als dass sie sich derer entziehen konnten.

Seit dem neunten Jahrhundert stand das Oldenburger Münsterland auf römisch-katholischer Seite, deren Ursprung aber auf den Einsatz von Gewalt und Zwangstaufen (Säuglingstaufe für die nachfolgenden Generationen) zurückzuführen ist. Die Reformation des Dr. Martin Luther, aus Wittenberg lässt den Glauben u.a. der Südoldenburger für kurze Zeit aus den Fugen geraten. [Quelle: Münsterländische Tageszeitung, Beilage zur Geschichte des Oldenburger Münsterlandes, 07. Juni 1985]

 

2.5. Gegenreformation

Nachdem sich viele im Oldenburger Münsterland freiwillig zu den Lehren Martin Luthers bekannten, stand dem Bischof von Münster die Möglichkeit offen, die Gläubigen im Niederstift (nördlicher Teil des Bistums) wieder zum katholischen Bekenntnis zurückzuführen. So verkündigte Kurfürst Ferdinand den Plan zur Rekatholisierung. Zur Durchführung entsandte er den münsterschen Generalvikar Johannes Hartmann ins Niederstift. Dieser stellte die Pastoren der Ämter Cloppenburg und Vechta vor die Wahl, den katholischen Glauben anzunehmen oder das Amt als Pastor niederzulegen und das Niederstift zu verlassen. In der gleichen Zeit feierte Hartmann in Krapendorf die ersten katholischen Messen.

Im November 1613 sollten neue Pfarrstellen nur von erzkatholischen Priestern in Vechta, Krapendorf und Löningen besetzt werden. Im Jahr 1615 kam es zu einem Aufruhr, als eine Protestantin aus Vechta ohne kirchliche Feierlichkeiten beigesetzt wurde. Nach diesem Zwischenfall entsandte Hartmann zwei Jesuiten ins Niederstift, um "Ordnung in der Gesellschaft" herzustellen. 1614 -1616 wurden weitere Pfarrstellen des Amtes Vechta besetzt. Länger dauerte diese Art der Amtsenthebung und Wiedereinsetzung des Amtes Cloppenburg. So wurden in Friesoythe erst 1618 wieder katholische Messen gefeiert. Trotz Priestermangels erwirkte Hartmann, dass in jedem größeren Ort wieder Schulen von den ansässigen Kaplänen unterrichtet wurden. [Quelle: "Atlas der Geschichte", Thema: Gegenreformation im Oldenburger Münsterland].

 

3. Machtentfaltung und unheilige Allianzen

 

Um zu verstehen, wie die Institution Römisch-Katholische Kirche in der Lage war, eine solche Macht im Bistum Münster zu entfalten, ist es unerlässlich einen Blick über die Grenzen des Bistums zu werfen.

 

3.1. Der Beginn der Staatskirche

Als Kaiser Konstantin im Jahre 313 "Christ" wurde, gab er sowohl den Christen die Freiheit als auch der christlichen Kirche neben dem Heidentum einen offiziellen rechtlichen Status. Da die Kirche nun eine anerkannte Religion des Reiches war, musste Konstantin als Kaiser de facto als ihr Oberhaupt geachtet werden. Als ein solches berief er im Jahre 325 das erste ökumenische Konzil, das Konzil zu Nicäa, ein, setzte dessen Tagesordnung fest, hielt die Eröffnungsrede und stand ihm vor, genau wie Karl der Große 500 Jahre später dem Konzil von Chalon. Dabei war er nicht primär an der Wahrheit des Evangeliums interessiert, sondern an der Einheit des Reiches. Während er einerseits Oberhaupt der christlichen Kirche war, blieb Konstantin andererseits auch Oberhaupt der heidnischen Priesterschaft, um bei heidnischen Feiern zu amtieren und heidnische Tempel zu stiften, sogar nachdem er mit dem Bau christlicher Kirchen begonnen hatte. Als Oberhaupt der heidnischen Priesterschaft war er der Pontifex Maximus und benutzte den gleichen Titel als Oberhaupt der christlichen Kirche.

 

3.2. Die Trennung der römischen Kirche von der Ökumene

Im Mittelalter begannen die Bischöfe von Rom zu behaupten, sie seien die alleinigen Repräsentanten Christi auf Erden. Sie forderten, die ganze weltweite Kirche müsse ihrer Herrschaft unterworfen sein, untersagten jedem anderen Bischof, sich "Papa" oder Papst zu nennen, und nahmen die drei Titel Konstantins – Pontifex Maximus, Stellvertreter Christi und Bischof der Bischöfe – für sich in Anspruch, die sie dann auch bis auf den heutigen Tag beibehielten. Nicht allein der Papst in Rom nennt sich selbst Stellvertreter Christi, sondern die Kirche, deren Oberhaupt er ist, nimmt für sich in Anspruch, die eine wahre Kirche und die Braut Christi zu sein.

Die Braut Christi, deren Hoffnung die Hochzeit mit dem Bräutigam ist, sollte auf weltlichen Ehrgeiz verzichten. Dennoch geht der Vatikan weltlich-materialistischen Interessen nach, was auch die Geschichtsschreibung belegt. Christus sagte zu seinen Jüngern: "Wenn ihr von der Welt wäret, würde die Welt das ihre lieben, weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt" (Joh 15,19). Die römische Kirche ist jedoch sehr wohl von dieser Welt. Sie hat ein beispielloses weltweites Imperium aus Vermögen, Wohlstand und Einfluss aufgebaut. Als der Anspruch der Päpste auf unumschränkte Macht über Land, Leute und Besitz verwirklicht wurde, drang sogleich auch Korruption in die Kirche ein.

 

3.3. Andere Christengemeinden

Es bahnten sich Entwicklungen an, die der Kirche große Verwirrung brachten. Ausserkirchliche Bewegungen ergaben sich auf Grund innerkirchlicher Verhältnisse, die teilweise derart schlecht waren, dass ideal gesinnte Christen entschieden nach Auswegen suchten. Für sie waren Auftreten und Gebaren hoher wie niederer Amtsträger oft unerträglich. Geistliche gab es reichlich, doch waren sie durchweg nur mangelhaft ausgebildet und zumeist auf materiellen Vorteil aus. Den Zölibat beachteten nur wenige; trotz ihres durchaus nicht beispielhaften Lebenswandels betrachteten sich viele Kleriker als Elite, denn sie genossen die Vorteile kirchenrechtlich festgelegter Privilegien und lebten auf Grund dessen im Vergleich zu Laien in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen. Derartige Zustände provozierten und riefen nach Abhilfe. Als die bedeutendsten Gruppierungen, die einen Wandel anstrebten, traten die "Katharer", in Südfrankreich auch "Albigenser" genannt, die "Waldenser" und die "Stedinger" auf den Plan. Den Hauptzulauf hatten die Katharer im Westen um die Mitte des 12. Jahrhunderts; um diese Zeit waren sie südlich und nördlich der Alpen, ja sogar in England anzutreffen. Die Waldenser betätigten sich als Wanderprediger und riefen auf zu einem Leben der Armut und Buße. Das Auftreten und Streben der Waldenser stieß in Frankreich, Italien, Süd- und Ostdeutschland, aber auch im böhmisch-mährischen Raum und in Ungarn auf große Zustimmung. Ihr Wirken wurde in Rom zunächst wohlwollend beobachtet, doch die Waldenser entzogen sich der kirchlichen Aufsicht und schufen - konsequenter Weise - eine Kirche im Untergrund, um so offiziellen Verfolgungen, denen sie immer mehr ausgesetzt waren, zu entgehen. Die Stedinger standen in erster Linie auf, um Auftreten und Verhalten des Erzbischofs Gerhard II. von Bremen anzuprangern; sie galten als besonders freiheitsliebend und sozialbewusst. Weder im 12. noch im 13. Jahrhundert gelang es der Kirche, diese Bewegungen, die anfänglich alle auf ihre Besserung ausgerichtet waren, aufzufangen und für sich in "nützliche" Bahnen zu lenken. Die Folge waren schwere Konflikte und gewaltsame Verfolgung, die schließlich in die unselige Inquisition mündeten. [Quelle: Geschichte der Kirche, Echter-Verlag, Würzburg und "Brethren in Christ" by Alan Eyre (www.antipas.org/books/brethren_in_christ/binc_toc.html)]

 

3.4. Antagonismus von römischer Kirche und Christus-Lehre, bis heute

Christus sagte: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt, sonst hätten meine Diener gekämpft." Die Päpste haben jedoch im Namen Christi mit großen Armeen und Flotten gekämpft und so ein großes Königreich aufgerichtet, das einen beträchtlichen Teil dieser Welt einnimmt. Und um ihr irdisches Imperium zu vergrößern, haben sie - wie manche sagen - wiederholt geistliche Hurerei mit Kaisern, Königen und Fürsten begangen. Die katholische Kirche behauptet zwar, die Braut Christi zu sein, ist aber bis auf den heutigen Tag unheilige Allianzen eingegangen, die ihr den weltlichen Vorrang sichert. Es hat Jahrhunderte gedauert, bis man sich spitzfindige Begründungen ersonnen hatte, die letztlich zu der Theorie führten, dass Christus, der nichts hatte, "wo er das Haupt hinlege" (Matt 8,20), der in Armut lebte und nackt gekreuzigt wurde, durch einen königsähnlichen Oberhirten vertreten werden müsse, der mehr als einen Palast mit jeweils über 1.100 Zimmern besitzt, der Tag und Nacht von Dienern bewacht wird und feinste goldbestickte Seidengewänder trägt.

Die Vorstellung, dass Christus einen solchen Pomp und Luxus für "Petri Nachfolger" beabsichtigte, der ihnen beiden doch fremd war, ist sowohl lächerlich als auch gotteslästerlich. Die Ehre und die Macht, die die Päpste genießen, sind nicht annähernd mit dem von Armut und Entbehrung gekennzeichneten Leben Petrus' in Verbindung zu bringen. Dieser Apostel und Fischer sagte "Silber und Gold besitze ich nicht" (Apg 3,6). Ebensowenig waren päpstlicher Reichtum und hochtrabende Beanspruchungen der Macht über Könige und Königreiche bei den Urchristen bekannt, bis Jahrhunderte später ehrsüchtige Päpste ihre Macht und Kontrolle über weltliche Herrscher allmählich ausdehnten. Die Päpste fingen an, sich selbst Titel wie "höchster Herrscher der Welt" und "König der Könige" zu geben. Keinesfalls kann man diese weltlichen Bestrebungen der römischen Kirche nur als Fehler in der Vergangenheit abtun. Noch heute profitiert diese Institution von Staatsverträgen (Konkordate, z.B. Kirchensteuereinzug, Steuervergünstigungen, Subventionen für Restaurierungen und Neubauten, Schule und Erziehung u.v.m.), Pachterträgen, Firmenbeteiligungen und Börsenspekulationserträgen, u.v.m..

Christus machte eine deutliche Unterscheidung zwischen Kaiser und Gott: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!" (Mark 12,17). Das ist eine grundlegende Unterscheidung. Die katholische Kirche verheiratete Gott mit dem Kaiser – oder umgekehrt. Kirche und Staat wurden eins, wobei die Kirche fast immer die Fäden in der Hand hielt und der Staat tat, was ihm von ihr geheißen wurde. Nahezu die gleiche Situation besteht auch heute noch in den katholischen Ländern. Christus machte eine deutliche Unterscheidung zwischen seinem Königreich, das nicht von dieser Welt ist, und den Königreichen dieser Welt (Joh 18,36). In Ungehorsam dem Christus gegenüber, den sie angeblich repräsentieren, haben die Päpste ein Königreich errichtet, das sehr wohl von dieser Welt ist, doch sie behaupten, es sei Gottes Reich. Und sie haben dies unter unheiliger Allianz mit den weltlichen Herrschern getan. Christus machte eine deutliche Unterscheidung zwischen seiner Kirche, die er aus der Welt berufen hat, und der Welt an sich (Joh 15,18-20). Johannes fordert auf: "Liebt nicht die Welt, noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt liebt, ist die Liebe des Vaters nicht in ihm " (1.Joh 2,15). Wer zu Christus gehört, sollte auch an den von ihm getroffenen Unterscheidungen festhalten: "Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten... wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht" (Joh 14,23.24); "Was nennt ihr mich aber: Herr, Herr! und tut nicht, was ich sage?" (Lukas 6,46). Soweit die urchristliche Grundhaltung.

3.5. Verwirrende Lehren und Praktiken

Im Jahre 348 n. Chr. traten die ersten "Mönche", d.h. Einsiedler auf, die durch enthaltsame und selbstpeinigende Lebensweise das "Reich Gottes" verdienen wollten, im Jahre 394 wurde die "lateinische Messe" eingeführt. 593 kam die Lehre vom "Fegefeuer" auf, 715 wurde angeordnet, dass man Maria und die Heiligen um Hilfe anrufen sollte (statt Christus), 787 begann die Bilderverehrung, 809 wurde der Fußkuss des Papstes eingeführt (Machtstreben und Knechtung der anderen). Ab 973 begann man mit der "Heiligsprechung" Verstorbener, 1015 wurde die Ehelosigkeit der Priester eingeführt, obwohl Paulus fordert, dass ein Prediger und Bischof gut verheiratet sein soll und seiner eigenen Familie korrekt vorstehen müsse, bevor er dieses Amt ausüben dürfe (1.Tim 3,1-13!). Ab 1119 wurde Sündenvergebung durch Geldspenden möglich (Ablasshandel), um Kreuzzüge und Dome finanzieren zu können, etwa um die gleiche Zeit wurden die Ketzergerichte eingeführt: nun verfolgte die katholische Kirche Andersgläubige mit der gleichen Härte und Unbarmherzigkeit wie einst die heidnischen Kaiser die echten Christen verfolgten, Ertränkungen, Verbrennungen auf dem Scheiterhaufen, Enthauptungen, Folter und Tötungen im Namen der Kirche waren an der Tagesordnung. 1215 wurde die Ohrenbeichte eingeführt, die dem Klerus Informationen über Intrigen und Machenschaften gaben, so dass selbst weltliche Herrscher vor der Kirche Angst hatten, 1311 erfolgte die Krönung des Papstes mit der dreifachen Krone (Zeichen der Demut?) und schließlich wurde 1870 das Dogma der "Unfehlbarkeit" des Papstes verkündigt. Die Marienverehrung wurde vorangetrieben. Abschließend verkündigte man die Himmelfahrt Marias, obwohl dazu keinerlei Anhaltspunkt in der Bibel gefunden werden kann. Dazu sagt Gott durch Seinen Propheten Jesaja:

"Dies Volk naht sich zu mir mit seinem Munde und ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist ferne von mir. Aber vergeblich ehren sie mich, weil sie Lehren vortragen, welche Menschengebote sind" (Matth 15,8.9)

Ein einfaches Prinzip der Heiligen Schrift wurde im Laufe der Kirchengeschichte nicht beachtet. Es lautet: "Seht auf euch selbst, damit ihr nicht verliert, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangt. Jeder, der weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt, der hat sowohl den Vater als auch den Sohn." (2. Joh 8.9)

 

4. Die Bibel – tatsächlich eine Liebesgeschichte

 

Sind 1.200 Jahre Bistum Münster ein Anlass zu feiern, oder zu gedenken, vielleicht sogar zu trauern? Mindestens das Bistum Münster ist ohne die fest an seiner Seite wirkende weltliche Macht des Schwertes und des konsequenten Einsatzes desselben, nicht vorstellbar. Es sei denn, das verkündete Evangelium entspräche wirklich der Botschaft Christi und wäre in Sanftmut und der Kraft der überzeugenden Predigt, geleitet durch den Heiligen Geist Gottes, zu den Menschen gelangt. Aber genau dies war nicht der Fall! Noch heute ist der Katholizismus in erster Linie der überzeugte Glaube weniger. Der Großteil der Katholiken ist nicht wirklich vom Leitgedanken seiner Kirche überzeugt. Die Kirche ist für viele Gläubige in erster Linie eine seit der Kleinkindstaufe übergestülpte Tradition, die es zu erhalten gilt, auch wenn man nicht genau weiß, warum. Ein verantwortungsbewusstes, persönliches Verhältnis zu Christus (der der einzige Mittler zwischen Gott und dem Menschen ist) kann nicht entstehen, weil die Kirche sich über Jahrhunderte hinweg dazwischen gedrängt hat, mit all den Gesetzen und Geboten, die über die biblische Lehre hinausgehen.

Doch die Bibel gibt Antworten auf unser ganz persönliches Erleben, sie ist die Liebesgeschichte für uns. Sie vermittelt Gottes unwandelbare Liebe zu den Menschen in Christus Jesus! Er trägt die Sünde der Menschheit, wenn sie sich auch ihm zuwendet – im Glauben! So sehr liebt Gott die Menschen, dass er Seinen einzigen Sohn um unseret Willen nicht verschont.

Auf Fragen wie: Existiert Gott? Warum leben wir? Was hat Gott mit uns vor? Was ist der Sinn des Lebens? Warum gibt es so viel Leid auf Erden? Wie können wir hier und jetzt glücklich sein? Und - die vielleicht wichtigste Frage: Gibt es ein Leben nach dem Tod?, gibt es in der Bibel verlässliche Antworten!

Gottes Heilsangebot gilt für alle

Die Seiten der Bibel sind erfüllt mit Schilderungen des Wirkens Gottes, durch die Er, präzise Schritt für Schritt, Sein wundervolles Werk der Erlösung für einsichtige Menschen ausführt. Mit diesen Werken wird der göttliche Plan vorangebracht. Das kontinuierliche Fortschreiten dieses göttlichen Planes verleiht der Bibel eine tiefe Einheit und ungewöhnliche Harmonie.

Die Bibel ist das eindeutigste Zeugnis dafür, dass es einen einzigen Gott gibt, den Schöpfer und Erhalter des Universums. Sie präsentiert uns eine durchgängige Geschichte - die Geschichte der Erlösung der Menschen, die von diesem gerechten aber auch barmherzigen und liebevollen Schöpfer geplant und verwirklicht wird.

Die Bibel zeigt uns Gott, wie Er Zukünftiges vorbereitet. Eine interessante Beschreibung dieser Ereignisse für unsere Zeit enthalten die Schlusskapitel des Buches der Offenbarung. In ihnen wird in lebhaften bildhaften Einzelheiten die Erfüllung des göttlichen Planes für die Menschheit ausgemalt.

Wer die biblische Erlösungsabsicht Gottes kennt, kann auch den erstaunlichen Sinn des Lebens erkennen. Diesen Sinn zu erfassen heißt, dass wir uns im Hinblick auf unsere Zukunft sicher fühlen können. Und dies schließt die Gewissheit ein, dass wir letztlich durch die errettende Gnade Gottes überleben werden.

In der Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel, erleben wir eine erlöste Welt, in der alle Tränen getrocknet werden, in der es weder Not noch Schmerzen, weder Krankheiten noch Tod geben wird (Offbg 21,4)! Es ist die Zeit, in der Gott Seine Schöpfung für die Menschen neu ordnet. Doch die Bibel, Gottes Offenbarung an uns Menschen über Sein Ziel mit Seiner Schöpfung lässt auch keinen Zweifel daran, dass dieses neue, bessere und unbeschwerte Leben nur für jene gilt, die Gott und Seinen Sohn von ganzem Herzen lieben (1.Kor 2,9; 1.Kor 16,22; 2.Tim 4,7.8) und Gottes Heilsangebot angenommen haben (Mark 16,16).

 

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Der münstersche Stadtdechant Dr. Ferdinand Schumacher rechtfertigte in der Pressekonferenz (ebenfalls am Montag, den 30.06.2003) das Jubiläumsmotto zur 1.200-Jahr-Feier des Bistumsjubiläums 2005: EINE LIEBESGESCHICHTE. Gerade kirchliche Insider hätten mit Verweis auf die dunklen Seiten der Kirchengeschichte mit Unverständnis auf dieses Motto reagiert – nicht zu unrecht. Der Geistliche gab aber zu bedenken, dass auch jede menschliche Liebesgeschichte von Krisen gekennzeichnet sei. Dies gelte in gleicher Weise für 1200 Jahre Bistumsgeschichte. Entscheidend sei das Durchhalten und die Treue - "in guten und in schlechten Tagen", so Dr. Schumacher.

Es darf angemerkt werden, dass die wirklich "schlechten Tage" in erster Linie auf Seiten des Volkes, nicht aber in der Bistums- bzw. Kirchenleitung zu finden sind! Die Achtung vor den Opfern der Kirche und des Schwertes verbietet es, hier (in Anlehnung an) das Hochzeitsversprechen: "In guten, wie in schlechten Zeiten" zu verwenden, da die Menschen vor über 1.200 Jahren sich nicht freiwillig mit der Kirche "verheiraten" wollten, wie suggeriert werden soll. Als Repräsentant der "Bekehrer" steht es dem Bistum nicht zu, von einer Liebesgeschichte zu sprechen, während die "Bekehrten" den Mund nicht mehr öffnen können. Repräsentanten der Opfer gibt es nicht mehr.

Der Begriff: "Liebesgeschichte" erscheint wie Watte, die über die Geschichte gelegt werden soll. Die dunklen Kapitel der Geschichte und der Lehre dürfen genannt werden, damit der Gläubige wählen kann, welcher Gemeinde er angehören möchte. Denen, die "Herr, Herr..." (Mt 7,22) rufen, oder denen, die sich an sein Wort halten. Ermahnen wir uns gegenseitig in Demut! Alles aber zur Ehre Gottes, durch Seinen Sohn Jesus Christus.

 

 

Nachtrag wegen des Verfahrens zur "Seligsprechung" Kardinal von Galens:

Ist diese "Seligsprechung" unter Berücksichtigung der oben aufgeführten Widersprüche überhaupt zu verantworten?

Eine "Seligsprechung" oder auch eine spätere "Heiligsprechung" drängt sich aus Sicht der Kirche geradezu auf! Sie ist exemplarisch für die Ambivalenz der Römischen Kirche – Wasser predigen, Wein trinken – und bestätigt nur die Vorgehensweise der Römischen Kirche mit ihrer Geschichte. Es geht hier nicht darum, einen Menschen im Nachhinein zu verurteilen – niemand ist ohne Fehler. Aber es spricht nichts dagegen die Person von Galen mit allen Schwächen und Stärken zu akzeptieren. Und genau darum sollte die Kirche Kardinal von Galen nicht in dieser Form verklären.

Da "Seligsprechung" und "Heiligsprechung" allein eine Erfindung der Kirche ist und keinerlei biblische Grundlage besitzt, kann sie verfahren wie sie will. Die "Seligsprechung" ist die logische Konsequenz ihres Verhaltens, aber es darf angefragt werden, ob sie nicht letztlich nur der "hauseigenen" Theologie dient, fernab der biblischen, die besagt, dass ausschließlich Gott Anbetung gebührt. Von einer Verehrung von Heiligen, ist in der Schrift nie die Rede!

 

 

Bibliographie:

 

- Dalliard, Gregor - Ich durfte nicht mehr Priester sein, Verlag CLV, ISBN 3-89397-410-5

- Deppe, Hans-Werner - Sind Sie auch Katholisch?, Verlag CLV, ISBN 3-89397-785-6

- Glashouwer, W.J.J. – So entstand das Christentum, Telos, ISBN 3-89397-208-0

- Hamman, Adalbert - Die ersten Christen, Reclam, ISBN 3-15-010336-3

- Hink, Walter - Christentum in der Verirrung, Verlag Urchristen-(Christadelphian-)Gemeinde e.V.

- Hunt, Dave. - Die Frau und das Tier, Verlag CLV, ISBN 3-89397-244-7

- Klee, Ernst - Die SA Jesu Christi – Die Kirche im Banne Hitlers, Verlag Fischer, ISBN 3-596-24409-9

- Klee, Ernst - Persilscheine und falsche Pässe – Wie die Kirchen den Nazis halfen, Verlag Fischer, ISBN 3-596-10956-6

- Küng, Hans - Das Christentum, Verlag Piper, ISBN 3-492-22940-9

- Lohse, Bernhard - Epochen der Dogmengeschichte, Kreuz Verlag, ISBN 3-7831-0702-4

- McCarthy, James G. - Das Evangelium nach Rom, Verlag CLV, ISBN 3-89397-366-4

- Schäfer, Rolf - Oldenburgische Kirchengeschichte, Isensee Verlag, Oldenburg

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