Warum musste Jesus sterben?
Walter Hink
Bitte lesen Sie zuerst Hebräer 10.
Die Frage "Warum musste Jesus sterben?" ist gar nicht so leicht zu beantworten. Wer kennt die Antwort? Viele Christen haben damit Probleme. Auf diese Frage hört man meistens die Antwort: "Jesus Christus ist für die Sünden der Menschen stellvertretend gestorben!" Das ist die übliche Meinung der meisten Christen. Aber ist diese Aussage biblisch richtig? Das wollen wir überprüfen.
Ist Jesus Christus stellvertretend gestorben?
Nein, Jesus ist nicht stellvertretend für uns Menschen gestorben. Das kann durch einige logische Überlegungen sofort durchschaut werden. Kennen Sie das Gedicht "Die Bürgschaft" von Friedrich Schiller? - Diese spannende Ballade mit einem dramatischen Schluss müsste eigentlich jeder kennen, sie wird ja in nahezu jeder Schule besprochen. Darin fordert ein ertappter Meuchelmörder von dem Tyrannen, den er umbringen wollte und der ihn dafür zum Tode durch Kreuzigung verurteilte, eine kurze Zeitspanne Freiheit, um vor der Vollstreckung des Todesurteils an ihm noch eine wichtige Angelegenheit regeln zu können. Drei Tage schenkt ihm der Tyrann zur Erledigung seines Vorhabens. Als Pfand überlässt er dem Tyrannen seinen besten Freund als Bürge für seine Rückkehr,. Wie diese Geschichte weitergeht, wissen wir vermutlich noch. Der Tyrann hätte den Bürgen an Stelle des Verurteilten hingerichtet, wäre dieser nicht zur festgesetzten Stunde gerade noch rechtzeitig zurückgekehrt.
Was lehrt uns dieses dramatische Gedicht, das die Bedeutung echter Bürgschaft, zuverlässiger Freundschaft und absoluten Vertrauens hervorhebt?
Wenn jemand stellvertretend für einen anderen bestraft wird, dann darf man das Urteil nicht an beiden vollstrecken - an dem Stellvertreter und an dem Verurteilten. Wenn Jesus Christus stellvertretend für die Sünden der Menschen gestorben wäre, würde sein Opfer für alle Menschen ohne Ausnahme gelten. Dann wäre der Glaube an ihn nicht notwendig. Wenn Christus für uns "stellvertretend" gestorben wäre, wenn Gott die Strafe für unsere Sünden auf ihn übertragen hätte, warum sterben wir dann immer noch? - Auch hätte Gott ihn nicht von den Toten auferwecken dürfen, denn er hätte ja dann als unser Stellvertreter den Tod verdient!
Noch etwas: Wenn an einem Stellvertreter die Strafe vollzogen wurde, die ein Sünder verdient hat, kann man dann noch von Gnade sprechen? Begnadigung heißt Straferlass. Begnadigt wird jemand, der Reue zeigt, Besserung gelobt und durch entsprechendes Verhalten sich dieser Gnade als würdig erweist. Das Wort Gottes redet ständig von Gnade, die denen zuteil wird, die Gott vertrauen und an Seinen Sohn Jesus, den Christus, glauben (Joh 3,16). Gott vergibt uns unsere Sünden, wenn wir an Christus glauben und ihm durch Erneuerung unserer Gesinnung und Änderung unserer ganzen Lebenseinstellung nachfolgen. Dann wird uns unser Glaube "zur Gerechtigkeit gerechnet". Der Apostel Paulus erklärt diese rechtliche Untersuchung ausführlich den Gläubigen zu Rom (Röm 3 bis 5). Danach ist Jesu Christi Opfertod nur für diejenigen erlösend und sündenbefreiend, die an ihn glauben! Das ist Gottes Bedingung zur Erlangung des Heils und damit des ewigen Lebens.
Warum also musste Jesus sterben?
Was hat Jesus von seiner Mutter geerbt - die "Erbsünde"?
Alle Menschen sterben. Sie sterben, weil sie sündigen. Und der Tod ist Gottes Strafe für die Sünde. Aber Jesus hat doch nie gesündigt. Warum musste er dennoch sterben? Hat Jesus von seiner Mutter eine "Erbsünde" geerbt? Die Katholische Kirche lehrt, dass jeder Mensch mit einer "Erbsünde" geboren wird. Das ist auch die kirchliche Begründung dafür, warum Säuglinge getauft werden sollen. Das Baby soll durch diese "Taufe" von dieser Erbsünde befreit werden, damit es - falls es sehr jung stirbt - nicht in der Hölle, sondern in den Himmel aufgenommen wird. Hat Jesus eine Erbsünde gehabt und musste er deshalb sterben? Weil die Bibel betont, dass Jesus keinerlei Sünde empfangen oder getan hat, ist die kirchliche Lehre von der "Erbsünde" unbiblisch und die Begründung für die Säuglingstaufe ebenfalls.
Was hat Jesus dann von seiner Mutter geerbt? Jesus hatte durch die von seiner Mutter geerbte adamitische Natur auch die Sterblichkeit geerbt. Alle Menschen sündigen, Jesus ist die einzige Ausnahme. Er war ein Leben lang seinem himmlischen Vater gehorsam - auch als es um sein Leben ging. Sein freiwilliger Opfertod steht seither für den Freispruch von der Sünde, wenn und sooft sich Menschen unter die Schirmherrschaft Jesu Christi begeben. Jesus musste also sterben wegen unserer Sünden. Er ermöglichte durch seinen sündlosen und freiwilligen Opfertod die Erlösung von Sündenschuld für die, die an ihn glauben (Röm 6,1-11; Joh 3,16).
Überlegen wir einmal: Weil Jesus sündlos war, hätte er eigentlich nicht sterben müssen! (Röm 6,23). Aber wenn Jesus nicht gestorben wäre, würde er noch heute leben! Wie hätte er dann beweisen können, dass er "ein Leben lang" Gott gehorsam und sündlos bleiben würde? - Also musste sein Leben irgend einmal ein Ende haben, um seine Prüfungszeit zu beenden. Gott hatte dafür den unschuldigen Opfertod durch Verrat und Kreuzigung vorgesehen. Gott hat diesen besonderen Tod Seines Sohnes durch eine Begebenheit in der Geschichte Israels angedeutet. Lesen Sie dazu Joh 3,14.15 und 4.Mose 21,4-9.
Der Erhöhung der ehernen Schlange in der Wüste durch Moses ging eine Sünde des Volkes Israel voraus. Das Volk Israel hatte gegen Gott und Moses gemurrt (4.Mose 21,4.5). Zur Strafe sandte Gott dem Volk Brandschlangen, deren Biss tödlich war (wie die Sünde). Dadurch erkannte das Volk seinen Fehler (die Sünde) und bat Moses um Hilfe (4.Mose 21,6.7). Moses durfte auf Anweisung Gottes eine eherne Brandschlange anfertigen und auf einem Pfahl erhöhen. Wer nun von einer Schlange gebissen wurde und diese eherne Schlange gläubig anschaute, der blieb am Leben (4.Mose 21,8.9). Übrigens: Die eherne Schlange blieb im Besitz des Volkes und wurde später zum Anlass für Götzendienst (2.Kön 18,4). Sie wurde erst von König Hiskia deshalb zerschlagen!
Die Erhöhung der ehernen Schlange in der Wüste hat eine ähnliche Bedeutung wie Jesu Kreuzigung: Nur wer sie gläubig ansah, blieb am Leben (4.Mose 21,9). Wer nicht daran glaubte, für den hatte die ehernen Schlange an dem Stab keine lebensrettende Wirkung. Deshalb bringen Jesus und der Apostel Johannes die erhöhte Schlange in der Wüste in Zusammenhang mit der Kreuzigung Jesu. Wer den "erhöhten" Jesus - zunächst am Kreuz bei seinem Opfer für die Sünden, dann aber auch zur Rechten Gottes als unser Hohepriester - gläubig anblickt, dem werden seine Sünden vergeben. Der Mensch bleibt am Leben oder besser gesagt: er erhält sogar das ewige Leben! (Joh 3,13-16)
Von diesem Heilungswunder in Israel durch die an einem Pfahl befestigte eherne Schlange rührt eventuell das Symbol des Äskulapstabs her, der noch heute das Symbol des Ärztestandes ist. Äskulap (Asklepios) war übrigens der griechische Gott der Heilkunde. Vielleicht hat die griechische Mythologie die Schlange am Stab vom Volk Israel übernommen, denn diese Übereinstimmung des Symbols ist erstaunlich.
Mit diesem Rückblick auf Israels Verhalten in der Wüste und die damals von Gott gebotene Möglichkeit, dem giftigen Biss der Brandschlangen zu entgehen, sehen wir, dass von einem stellvertretenden Opfertod Jesu nicht die Rede sein kann. Man muss Jesus gläubig ansehen, um errettet zu werden. Wer das nicht tut, muss durch seine Sünden endgültig sterben - ohne Hoffnung auf die Auferstehung.
Wer wollte Jesu Tod?
Warum aber musste Jesus sterben? Wer wollte seinen Tod?
Die Mächtigen unter den Juden wollten Jesu Tod, weil er nicht in ihre Vorstellung passte. Jesus zog die Massen fast magisch an, denn er heilte die Kranken. Das machte die Herrschenden - Hohepriester, Schriftgelehrte und Pharisäer - eifersüchtig (Joh 11,48). Sie suchten nach fadenscheinigen Argumenten, um Jesus anzuklagen, was ihnen schließlich auch gelang. Die falsche Anklage lautete auf Gotteslästerung (Joh 10,33-38), und sie überzeugten den römischen Statthalter, indem sie Jesus als eine Gefahr für den Kaiser von Rom bezeichneten (Joh 19,12-16).
Pontius Pilatus wollte zunächst eigentlich nicht Jesu Tod. Er bot dem Volk als Alternative die Freilassung Jesu oder des Gewaltverbrechers Barabbas an (Matth 27,15-26). Pilatus hatte zwar klar erkannt, dass Jesus unschuldig war, doch er befürchtete, seine Stellung zu gefährden, wenn er den Juden nicht nachgeben würde (Joh 19,4.6.12). Das ganze Getöse seitens des von den Hohenpriestern und Pharisäern aufgewiegelten Mobs in Jerusalem empfand er als Gefahr für die Sicherheit der öffentlichen Ordnung. Ganz besonders aber fürchtete er eine mögliche Anzeige beim Kaiser, falls er Jesus nicht dem Kreuzestod auslieferte. So nahm das Geschehen seinen tragischen Fortgang.
Judas Ischarioth, der Verräter, wollte ebenfalls zunächst nicht Jesu Tod. Aber er sah sich in seiner Hoffnung getäuscht, dass Jesus sich zum Anführer einer gegen die römische Besatzungsmacht aufständischen Bewegung ausrief, die das Land Israel vom Joch der Römer befreien wollte (Zeloten). Geschichtliche Zeugnisse wollen wissen, dass Judas mit den Gefährten des Barabbas zusammenarbeitete, und er habe bis zuletzt gehofft, dass Jesus sich zu ihnen bekennen würde. Judas nahm die Gefangennahme Jesu in Kauf; hatte aber wohl nicht damit gerechnet, dass sein ehemaliger Meister das so einfach über sich ergehen lassen würde (Mark 14,3-11; Luk 22,47-54). Er hatte auch den eigentlichen Auftrag Jesu nicht verstanden, die Notwendigkeit des Todes Jesu Christi (Matth 16,21-23). Zuletzt wurde Judas bewusst, dass er unschuldiges Blut verraten hatte. Seine Verzweiflung und Verwirrung endeten im Selbstmord (Matth 27,3-10; Apg 1,16-19).
Wusste Jesus, dass er am Kreuz sterben musste?
Wusste Jesus, dass er am Kreuz sterben musste? Ja, er wusste es! Er hat seine Jünger dreimal darauf hingewiesen (Mark 8,31-33; Mark 9,31.32; Mark 10,32-34). Doch sie wollten seine Worte nicht für wahr halten. Nur einmal drang Jesu Ankündigung seines Todes bei Petrus durch. Doch als dieser Jesus von diesem Tod abbringen wollte, handelte er sich von seinem Meister die Bezeichnung "Satan" - das heißt, Widersacher - ein, denn Petrus sah Jesu Opfermission nicht aus göttlicher, sondern aus seiner menschlichen Sicht (Mark 8,33).
Jesus Christus wusste nicht nur aus Psalm 22, welche Todesart auf ihn wartete. Er erklärte seinen Tod auch dem Pharisäer Nikodemus durch das Beispiel der erhöhten ehernen Schlange (Joh 3,14). Er kündete ihn seinen Zuhörern an mit den Worten an:
"Darum sprach Jesus zu ihnen (zu den Pharisäern und den zuhörenden Juden): ‚Wenn ihr des Menschen Sohn werdet erhöht haben, dann werdet ihr erkennen, dass ich es bin; und von mir selbst tue ich nichts, sondern wie mich mein Vater gelehrt hat, solches rede ich. Und der mich gesandt hat, ist mit mir; er lässt mich nicht allein, denn ich tue allezeit, was ihm gefällt" (Joh 8,28.29).
Jesus wusste also von seiner "Erhöhung" am Kreuz. Und er wusste, dass dies einen sehr langsamen und qualvollen Tod bedeutete. Deshalb besuchte er kurz vor seiner Gefangennahme den Garten Gethsemane und bat seine Jünger, mit ihm zu beten. Jesus zog sich dorthin zum intensiven Gebet zurück. Er rang buchstäblich und flehte seinen Vater an, ihm doch diesen bitteren Kelch des Leidens - den Kreuzestod - zu ersparen. Doch er betonte: "Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!" Gott konnte ihm diesen qualvollen Weg nicht ersparen. Er war bereit, Seinen einzigen Sohn zu opfern. Was Er einst von Abraham als Glaubensprüfung verlangte und im letzten Augenblick verhinderte, das erduldete Gott bei Seinem Sohn um unseret willen. Jesus musste sterben, damit das Heil für die Gläubigen möglich wurde. Das wusste Jesus und akzeptierte es. Im Garten Gethsemane erschien ein von Gott gesandter Engel und stärkte Jesus (Luk 22,39-46).
Jesus wusste aufgrund prophetischer Aussagen genau, was auf ihn zukam (Ps 22,1-21; Jes 53,1-10; Joh 3,14-16 vergl. mit 4.Mose 21,8.9; Mark 8,31; Mark 9,31.32; Mark 10,32-34). Er wusste, dass er am Kreuz sterben würde. Zu Pilatus sagte er schließlich: "Du hättest gar keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben..." (Joh 19,11). Nach seinem intensiven Gebet im Garten Gethsemane war Jesus bereit, alles zu ertragen, was böswillige Menschen mit ihm vorhatten, und schließlich am Kreuz zu sterben (Matth 26,36-46).
Was wäre geschehen, wenn Jesu gesündigt hätte?
Eine nachdenkliche Teilnehmerin unseres Bibelstudienfernkurses stellte die Frage:
"Auch wenn Jesus ein Mensch war, der hätte sündigen können, es aber nicht tat, war es doch Gottes Plan, dass Jesus nicht sündigt. Gott wusste es schon vorher. Hat Er Jesus zu Seinem Sohn gemacht, weil Er wusste, dass genau dieser Mensch nicht sündigen würde? Oder hat Er von vornherein geplant, dass Jesus Sein Sohn sein soll? Was wäre dann passiert, wenn Jesus doch gesündigt hätte? In irgendeiner Weise muss es Gott doch gewollt haben, dass Jesus nicht sündigt und ihm geholfen haben. Es heißt doch immer, dass kein Mensch ohne Sünde sein kann. Wieso konnte es dann Jesus?"
Es ist immer schwierig, die freie Willensentscheidung eines Menschen und Gottes Allwissenheit zu berücksichtigen, wenn sich Ereignisse so entwickeln, wie sie Gott vorausgesehen und angekündigt hat. Jesus besaß von seiner Mutter die zur Sünde neigende menschliche Natur. Insofern konnte er durch sein Fleisch zur Sünde gereizt werden. Aber Jesus hatte gegenüber allen anderen Menschen einen Vorzug: Er hatte nicht einen menschlichen Vater, sondern Gott. Von daher hatte er - ich will das einmal so formulieren - mehr Kraft als wir alle, der Sünde zu widerstehen, auch wenn es ihn einen unglaublichen inneren Kampf kostete. Darum nennt der Apostel Paulus Jesus auch den "letzten Adam" (1.Kor 15,45). Beide sind durch direktes Eingreifen Gottes ins Leben gerufen worden: Der erste Adam durch Erschaffung aus Staub von der Erde und durch Einblasen des Lebensodems Gottes (1.Mose 2,7) und der "letzte Adam" = Jesus Christus durch Zeugung mittels des heiligen Geistes (Luk 1,35), also auch durch die Schöpferkraft Gottes.
Ja, Gott sah voraus, dass Jesus nicht sündigen würde (auch wenn Jesus das nicht wusste). Gott hat von vornherein geplant, dass Jesus Sein Sohn ist, deshalb die besondere Zeugung! Wenn Jesus gesündigt hätte, wäre Gottes Heilsplan gescheitert und dann wäre Gott nicht allwissend! Gott hat geholfen, dass Jesus nicht sündigte, indem er ihn mittels Seines heiligen Geistes zeugte und damit in Jesus eine besondere Kraft wirken ließ, die ihn von allen Menschen unterschied. Darum konnte Jesus - durch sein unglaubliches Ringen gegen die Sünde - sündlos bleiben. Dennoch hat Gott Jesus nicht "gesteuert".
Doch die Bibelkurs-Teilnehmerin war damit noch nicht zufrieden. Sie hakte nochmals mit einigen Fragen nach:
Jesus war sündlos, warum musste er trotzdem sterben?
"Die Erklärung im Bibelkurs, warum Jesus sterben musste, ist mir völlig unverständlich: Hier steht als Antwort zur Frage: "Warum musste Jesus sterben?": "Jesus starb, weil er Adams sterbliche Natur besaß. Er sündigte jedoch nie".
Auch wenn das zunächst ungewöhnlich klingt, hängt Jesu Tod doch mit seiner sterblicher Natur zusammen. - Die einzigen beiden Menschen, von denen uns die Bibel berichtet, die keine Säuglinge waren, keine Kindheit und keine Jugendzeit hatten, sind Adam und Eva. Gott schuf sie als erwachsene Menschen. Erst als durch ihren Sündenfall der Tod in Gottes Schöpfung Einzug hielt, wurden sie sterblich, sie alterten. Die in der Folge gezeugten Kinder unterlagen fortan ebenfalls der Sterblichkeit. Es wurden Babys geboren, die gepflegt und versorgt werden mussten, bis sie heranwuchsen und dann ebenfalls wieder Kinder zeugten, bevor sie alterten und schließlich starben. Dieser menschliche Rhythmus von Leben und Tod war die Folge des Ungehorsams. - Im Reich Gottes, wenn Menschen Unsterblichkeit haben, werden die verwandelten Menschen keine Kinder mehr zeugen. Siehe dazu Jesu Ankündigung, dass die vollendeten Gläubigen den Engeln Gottes gleich sein werden und deshalb weder freien noch sich freien lassen (Matth 22,30; Luk 20,35). Weil Jesus mütterlicherseits von Adam abstammt, wurde auch er als hilfloser Säugling geboren, wuchs heran, nahm zu an Weisheit und Verstand, bevor er mit 30 Jahren sein öffentliches Wirken begann. 30 Jahre könnte deshalb auch so in etwa das Alter sein, das dem Aussehen der mit ewigem Leben verwandelten Menschen entspricht. Denn ein mit 90 Jahren gestorbener Gläubiger wird vermutlich das ewige Leben im Reich Gottes nicht mit dem körperlichen Aussehen eines 90-jährigen Greises leben. Er wird im Vollbesitz seiner geistigen und körperlichen Kräfte sein (Jes 35,5.6).
Was diese lange Vorinformation sagen will, ist, Jesus hatte menschliche Natur und war deshalb sterblich. Irgendwann musste seinem Leben ja ein Ende gesetzt werden, damit bezeugt werden kann und eindeutig feststeht, dass er bis zum Tode keine Sünde getan hat! Wenn Jesus nicht mit 33 Jahren gekreuzigt worden wäre, hätte sich auch an ihm der Alterungsprozess der Menschen fortgesetzt, und er wäre dann altersbedingt mit 70, 80 oder 90 Jahren eines natürlichen Todes gestorben. Aber dann hätten sich ja Gottes Absicht und Heilsplan nicht erfüllt.
Wollte Gott mit Jesu Tod den Menschen ein abschreckendes Beispiel geben?
Die Bibelkurs-Teilnehmerin bohrt weiter mit folgender Frage:
"Jesus musste sterben, weil er Adams sterbliche Natur besaß. Jesus kann dafür nichts. Er sündigte nicht, und der Tod ist doch die Strafe für die Sünde! Dagegen finde ich eine andere Erklärung viel einleuchtender, die ich einmal gehört habe: Jesus musste sterben, damit die Menschen sehen, wohin ihr sündiges Verhalten führt. Sie sollten sich schuldig fühlen. Sie haben Jesu Kreuzigung zu verantworten und sollen bemüht sein, ihr Verhalten zu bessern."
Gut: Beides ist richtig. Jesus musste sterben, weil er Adams sterbliche Natur hatte. Jesus hätte mit der unvollkommenen, adamitischen Natur niemals ewig leben können. Diese Natur ist zum Beispiel gekennzeichnet durch Anfälligkeit für Krankheiten, Alterung, Absterben von Zellen und so weiter. Und natürlich stimmt auch die andere Aussage: Jesus musste als Opferlamm sterben, damit die nachdenklichen Menschen mit Erschrecken feststellen, was sie verursacht haben: den Tod des völlig unschuldigen Sohnes Gottes! Das war übrigens auch Gottes Schulung der Menschen in Israel: Bei einem "Sündopfer" musste der Mensch, der die Sünde begangen hatte und deshalb zur Entsündigung das von Gott vorgeschriebene Opferlamm zur Stiftshütte brachte, bei der Tötung des unschuldigen Lammes seine Hände auf dessen Kopf legen. Er musste mit ansehen, wie das Blut dieses unschuldigen Tieres vergossen wurde: das Tier starb wegen seiner Sünde. Es sollte dadurch das Schuldbewusstsein der Menschen geschult werden, damit sie nicht mehr weiter sündigten (3.Mose 5,27-35). Siehe auch die Aussage über Jesus in Römer 8,3.4:
"Denn was dem Gesetz unmöglich war, indem es geschwächt wurde durch das Fleisch, das hat Gott getan, nämlich die Sünde im Fleisch verurteilt, indem er seinen Sohn sandte in der Ähnlichkeit des sündigen Fleisches und um der Sünde willen, auf dass die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit in uns erfüllet würde, die wir nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geiste" (Röm 8,3.4).
Warum durften Adam und Eva im Paradies leben?
Weiter schreibt die Bibelkurs-Teilnehmerin und diesmal geht es ihr um die Prüfung Adams und Evas im Paradies. Sie bezieht sich dabei auf den Bibelkurs:
"Bei den zwei Gründen, warum die Menschen sterben müssen, finde ich nur den zweiten verständlich: alle Menschen sündigen.
Ich kann irgendwie nicht an die Ursünde glauben. Ich glaube, dass jeder Mensch, wenn er im Paradies gewesen wäre, eine Prüfung hätte bestehen müssen (so wie Adam und Eva mit dem "Baum der Erkenntnis"). Diese Prüfung war für Adam und Eva sehr schwer. Für jeden Menschen könnte es eine genauso schwere Prüfung geben. Da Gott aber von vornherein wusste, dass kein Mensch diese Prüfung besteht, kamen die anderen Menschen gar nicht erst ins Paradies. Das ist meine persönliche Meinung. Für mich ist sie in sich schlüssig bis auf einen Punkt: Gott muss ja auch gewusst haben, dass Adam und Eva diese Prüfung nicht bestehen würden. Warum durften diese zwei Menschen dann aber trotzdem zuerst im Paradies leben?
Die zwei genannten Gründe dafür, warum alle Menschen sterben, sind:
1. weil alle die sterbliche Natur Adams besitzen
2. weil alle sündigen.
Der Reihe nach: Adam und Eva durften im Paradies leben, weil Gott ihnen zeigen wollte, wie schön das Leben ist. Das haben sie aber erst begriffen, nachdem sie gesündigt hatten und aus dem Garten Eden ausgeschlossen wurden. Übrigens gab es im Garten Erden noch einen besonderen Baum, den "Baum des Lebens" (1.Mose 2,9). Gott aber gebot nur, nicht von dem "Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen" zu essen. - Es ist bei der Sünde immer das Gleiche: Was verboten ist, reizt uns Menschen dazu, das Verbot zu durchbrechen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Und darum sündigen auch alle Menschen - ausnahmslos - außer Jesus. Als Strafe für ihr Vergehen und damit die nun sündigen Menschen nicht auch noch vom "Baum des Lebens" essen, vertrieb Gott Adam und Eva aus dem Garten Eden (1.Mose 3,23.24).
Eigentlich war die Prüfung, die Adam und Eva bestehen mussten, gar nicht so besonders schwer. Sie hatten genug Nahrung; sie konnten sich ihres unbeschwerten Lebens erfreuen; sie kannten keine Krankheiten, Schmerzen und Alterungserscheinungen. Was Eva zur Sünde verführte, ist die "Standardversuchung", nach der alle Menschen sündigen. Die Schlange hatte es ihr eingeredet. Sie nahm von der Frucht, weil sie sah, dass von dem Baum "gut zu essen" wäre (= Fleischeslust), weil er eine "Lust für die Augen" war (= Augenlust) und weil er "klug mache" (= hoffärtiges Leben). Der Apostel Johannes schrieb im reifen Alter:
"Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt lieb hat, so ist die Liebe zum Vater nicht in ihm. Denn alles, was in der Welt ist, die Fleischeslust, die Augenlust und hoffärtiges Wesen, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt; und die Welt (diese Weltzeit) vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibet in Ewigkeit" (1.Joh 2,15-17).
Alle Sünden, die wir begehen, können wir auf eine dieser drei "Standardversuchungen" zurückführen! Jesus, der nie gesündigt hat, hat diesen drei "Standardversuchungen" widerstanden, siehe Matthäus 4,1-11:
l Steine in Brot zu verwandeln, weil ihn hungerte, wäre "Fleischeslust" gewesen.
l Sich von der Tempelzinne zu stürzen, um beim Volk Aufsehen zu erregen, wäre "Augenlust" gewesen.
l Sich die Reiche der Welt anzueignen, ohne zuvor durch seinen Opfertod Menschen durch Glauben Anteil am ewigen Leben zu ermöglichen, wäre "hoffärtiges Wesen" gewesen.
Wir alle stehen noch in der gleichen Prüfungssituation wie Adam und Eva und begehen im Prinzip immer noch den gleichen Fehler, weil wir alle einer oder mehreren dieser "Standardversuchungen" nachgeben.
Weil Adam und Eva noch nicht gesündigt hatten, hat Gott sie ja nicht gleich aus den schönen Paradiesesgarten vertrieben und in eine Welt voll Arbeit, Mühe und Schweiß hinausschickt, auch wenn Er vorausgesehen hat, dass sie sündigen würden. Wir Menschen brauchen immer eine Vergleichsmöglichkeit. Wie oft sagen wir, wenn wir uns falsch entschieden haben und die schlimmen Folgen tragen müssen: "Wenn ich das gewusst hätte, dann ...".
Gibt es außer Jesus irgendwo noch einen anderen Menschen, der nie sündigte?
Eine letzte Frage stellt unsere Bibelkurs-Teilnehmerin noch:
"Warum schafft es eigentlich kein Mensch außer Jesus, sündlos zu bleiben? Kann es doch sein, dass es irgendwann noch einmal einen Menschen auf der Erde gibt, der nicht sündigt, oder ist dies ausgeschlossen?"
Es ist eine unumstößliche Tatsache, dass es außer Jesus kein Mensch - wirklich kein Mensch - schafft, sündlos zu bleiben. Und das ist auch gut so. Jesus konnte die Versuchung beherrschen und sündlos bleiben, weil er Gottes Sohn ist! Er hatte damit uns Menschen etwas Entscheidendes voraus: Er war vom heiligen Geist Gottes gezeugt worden.
Würde es auch nur ein einziger Mensch, der einen menschlichen Vater und eine menschliche Mutter hat, schaffen, sündlos zu bleiben, dann würde dieser Mensch alle anderen zum Tode verurteilen! Denn wenn es dieser eine schaffen würde, warum dann wir nicht? - Dann könnte man ja durch äußerste Willensanstrengung das ewige Leben verdienen, Gott sogar dazu zwingen, uns das ewige Leben zu geben! Die andern aber hätten dann keinerlei Chance, zum ewigen Leben zu gelangen, denn sie müssten genauso erfolgreich sein, um sich das ewige Leben durch Sündlosigkeit zu verdienen. Da das niemand gelingt, sind alle auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit angewiesen, die unser himmlischer Vater uns aufgrund unseres Glaubens schenken will (Röm 11,32-35). Gott hat es so in Seiner Weisheit geplant. Und darum ist es gut so!
Weil aber Jesus als einziger vollkommen war - er ist Gottes Sohn -, können wir durch unseren Glauben an ihn, von Gott angenommen werden. So lautet Gottes Heilsangebot. Auch das ist eine "einfache" Prüfung: Wir brauchen doch nur an Gottes Zusage und an Seinen Sohn zu glauben (Joh 3,16), um das ewige Leben zu erreichen. Und wie viele Menschen missachten dieses Heilsangebot Gottes? Wenn ihnen vor dem Richterstuhl Christi vorgehalten wird, dass sie von Jesus gewusst, aber nicht an ihn geglaubt haben, und wenn sie dann deshalb zum Tode verurteilt werden, wird "Heulen und Zähneknirschen" vor Enttäuschung sein. Dann werden all jene enttäuscht sagen: "Ja, wenn ich das gewusst hätte, dann ...".
CHRISTADELPHIANS IM NORDEN [www.christadelphian.de/nord]