Der Weg Gottes ...

 

Berthold Rauchfuß

 

Welches ist der wahre Weg Gottes und welche Hindernisse gibt es auf diesem Weg zu überwinden?

Wir stehen uns meistens selbst im Wege, die göttliche Kraft spüren zu können. Woran liegt das?

Wir beschäftigen uns viel mit unseren Alltagssorgen, dabei hat Jesus doch gesagt (in Matth. 6,25):

"Sorget euch nicht um euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung?"

Dieses heißt, wir sollen uns um unser Leben keine Gedanken machen. Vertrauensvoll können wir also unsere Sorgen und Nöte in Gottes Hände legen. - Wie macht man das, dass man sich von seinen Sorgen und Ängsten befreit? Wie sieht das in der Praxis aus?

In unserem Kopf kreisen viele Gedanken. Wir setzen uns tagtäglich mit unserer Persönlichkeit auseinander, haben ein bestimmtes Idealbild in uns verankert und fühlen uns meistens unvollkommen. Christus hat uns aber angenommen gerade mit unseren Schwächen und Fehlern. Für IHN sind wir "in Ordnung". Aber warum fällt es uns so schwer, uns so anzunehmen, wie wir sind?

Warum streben wir danach, vollkommen sein zu wollen? Jesus sagt (in Matth.19,17):

"Was fragst du mich nach dem Guten? Es ist nur EINER gut!"

Niemand ist gut als GOTT allein. Sogar Jesus selbst sieht sich nicht als gut an. Er stand GOTT am nächsten, wir versuchen zu folgen. Die Hinderungsgründe, zum Göttlichen zu kommen, sind wir selber. Wir stehen uns oft selber im Weg, indem wir uns viel zuviel in Gedanken mit der Vergangenheit und unserer Zukunft beschäftigen. Wir werden rastlos und finden nicht zur inneren göttlichen Ruhe. Es fällt uns schwer, unseren Verstand einmal anzuhalten. Dadurch verpassen wir oft den entscheidenden Moment der Gegenwart. Jesus war in allen seinen Handlungen völlig gegenwärtig, wach für den Moment. Darum haben seine Aussagen auch so viel Kraft und Energie gehabt. Er handelte immer aus der betreffenden Situation heraus. Das Beispiel mit der Ehebrecherin z.B. in Joh. 8,2-9, als die Schriftgelehrten und Pharisäer die Frau nach dem mosaischen Gesetz steinigen lassen wollten und Jesus versucht werden sollte, da hat er nicht lange überlegt, was sag ich nun, sondern in der Spontanität lag seine Kraft ... (Joh. 8,7): "Als sie nun dabei verharrten, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie! Und er bückte sich wiederum nieder und schrieb auf die Erde." Ein anderes Beispiel findet sich in Matth. 22, 15-22, als es um die Steuern des Kaisers ging und Jesus antwortete ... (Matth.22,21): "So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und GOTT, was GOTTES ist." Die richtigen Worte zur richtigen Zeit am richtigen Ort! - Wir kennen sicherlich auch solche Momente, wo wir spontan handeln ohne groß nachzudenken, welche besondere Wirkung aus unserem Handeln sich zeigt. Das hat dann nichts mit uns zu tun, sondern es ist die göttliche spirituelle Kraft, die in uns wirkt. Unsere Aufgabe ist es, diese Kraft in uns zu wecken und das können wir, indem wir völlig wach sind für den Moment. Wir verlieren uns oft in unseren Gedanken, so dass es uns schwer fällt, für den jetzigen Moment offen zu sein.

Wir sind in Begegnungen mit unseren Mitmenschen meistens sehr stark vom eigenen Egoismus geprägt. Dadurch können wir nicht wirklich offen sein für unsere Mitmenschen. Offen zu sein bedeutet Hingabe. Jesus ist das allerbeste Beispiel hierfür. Er hat sich den Menschen in seinem sozialem Umfeld hingegeben, hat nie an seinen eigenen Vorteil gedacht (was springt dabei für mich heraus?), sondern in erster Linie immer das Wohl und Anliegen des Anderen gesehen. Hingabe ohne Eigennutz, das ist wahre Liebe, das ist der göttliche Weg, den er uns aufgezeigt hat. Seine Hingabe ging so weit, dass er sich für die ganze Menschheit sozusagen hingegeben hat.

Und wie konnte Jesus dieses tun? Nur durch absolutes Gottvertrauen. Er hat alles in Gottes Hände gelegt. Legen auch wir alle Sorgen und Nöte, alle Gedanken, die sich um uns drehen, vertrauensvoll in Gottes Hände?, denn Jesus sagt (in Matth. 6,25-34): "Darum sage ich euch: Sorget euch nicht um euer Leben, was ihr essen uns was ihr trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung. Sehet die Vögel des Himmels an! Sie säen nicht und ernten nicht, sie sammeln auch nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer aber von euch kann durch sein Sorgen zu seiner Lebenslänge eine einzige Elle hinzusetzen? Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung. Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen. Sie arbeiten nicht und spinnen nicht; ich sage euch aber, dass auch Salomo in all seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie deren eine. Wenn nun Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, also kleidet, wird er das nicht viel mehr euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr euch nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen oder was werden wir trinken, oder womit werden wir uns kleiden. Denn nach all diesen Dingen trachten die Heiden, aber eurer himmlischer Vater weis, das ihr das alles bedürft. Trachtet aber zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles hinzugelegt werden."

Wir sollen also in erster Linie nach dem Reiche Gottes trachten. Das Reich Gottes, wo liegt es? Es ist in uns verankert. Wenn wir uns keine Gedanken mehr machen um unser Leben, Vertrauen entwickeln, uns selbst sagen können, dass alles gut ist, so finden wir inneren Zugang zu dem wahren Weg GOTTES. Absolut präsent zu sein für den Moment der anstehenden Situation ohne alles gleich zu hinterfragen und abzuwägen, führt uns weg vom Egoismus. Unser Rollenspiel in der Gesellschaft löst sich auf. Völlig unwichtig wird z.B. das Streben nach Anerkennung in der Gesellschaft. Mit dem zufrieden sein was man hat, sich anzunehmen mit allen seinen Schwächen und Fehlern, schafft unheimliche Druckentlastung und führt zu wahrem inneren, göttlichen Frieden. In Matth. 6,19-21 steht geschrieben:

"Ihr sollt nicht Schätze sammeln auf Erden, wo die Motten und der Rost sie fressen und wo die Diebe nachgraben und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motten noch der Rost sie fressen, und wo die Diebe nicht nachgraben und stehlen."

Jesus sagt, sammelt euch nicht Schätze auf der Erde - also materielle Güter, gesellschaftliche Anerkennung z.B. -, wo Motten und Rost sie zerstören, d.h. diese Dinge sind der Vergänglichkeit unterworfen. - Macht und Anerkennung, Konkurrenzkampf sind in Bezug auf unsere Mitmenschen immer konfliktträchtig, siehe Bibelzitat: ...wo die Diebe nachgraben und stehlen. Aus dieser egoistischen Gesinnung heraus wurden viele Kriege geführt. Wenn diese Werte und Normen der Gesellschaft keine Bedeutung mehr für uns haben, wir uns von diesem äußeren Strudel nicht mitreißen lassen, bieten wir selbst auch keine Angriffsflächen mehr und finden zum wahren inneren Frieden. Nichts kann uns erschüttern, denn wir trachten nicht mehr nach den äußerlichen Dingen, sondern nach dem Weg Gottes, zu dem wir keinen Zugang über unseren egoistischen Verstand finden können, sondern nur über das Herz! Dazu einige Bibelstellen:

5. Mose 30,14: Es ist das Wort ganz nahe in deinem Herzen, 1. Sam 16,7: Der Herr aber sieht das Herz an; 2.Chron.16,9: Die mit ganzem Herzen bei ihm sind; Ps. 84,6: Die von Herzen dir nachwandeln; Ps 51,12: Schaffe in mir Gott ein reines Herz; Sprüche 3,5: Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen; Röm 5,5: Die Liebe ist ausgegossen in unser Herz; Eph. 3,14: Der Christus wohne in euren Herzen.

Die aufgeführten Bibelstellen sprechen nicht den Intellekt an. Somit führt m.E. der Weg zu GOTT und Jesus über eine andere Bewusstseinsebene. Ziehen wir uns also zurück ins Innere, schauen auf unser Herz, denn nur so können wir Frieden finden. Wir finden Ruhe und Kraft, wenn wir uns von äußeren Bedingungen nicht abhängig machen, wie Jesus schon gesagt hat in Joh. 18,36: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt."

Welch eine riesengroße Freiheit können wir in uns wecken, wenn wir uns von der Welt nicht abhängig machen, die um uns herum ist. Jesus blieb unbeirrbar auf Gottes Wegen. Er ruhte total in sich, weil er Gott vertrauensvoll alles übergeben konnte. Er hatte persönlich kein Problem damit, geächtet oder Außenseiter zu sein, dass konnte ihn alles nicht angreifen und berühren. Durch dieses Vertrauen in Gott strahlte er so viel Frieden und Liebe aus und dieser Friede und diese Liebe sprang auf andere Mitmenschen in seinem sozialen Umfeld über. Im Epheserbrief, Kap. 2,14 steht, dass Jesus unser Friede ist. Schauen wir uns also Jesu Leben an. An seinem Beispiel können wir viel lernen. Jesus kann nur in uns wirken, wenn wir auf ihn schauen und uns seine Tugenden zu eigen machen, sie ins Herz hineinlassen, somit werden wir befreit von unseren egoistischen Verhaltensmustern. Wir hören auf, in der Gesellschaft eine bestimmte Rolle spielen zu müssen. Wir werden befreit von den Zwängen in der Gesellschaft mithalten zu müssen, gesellschaftliche Anerkennung hat für uns keine Bedeutung mehr. Wir steigen aus. - Wenn wir das versuchen zu beherzigen, dürfte es für uns in unserem Leben eigentlich keine Probleme mehr geben. Wir ruhen in GOTT, kehren zu seiner Ruhe ein, siehe Jes. 63,14 "So brachte der Geist des HERRN uns zur Ruhe."

Die Sünde gibt es für uns nicht mehr, die hat Jesus ein für alle Mal ans Kreuz genagelt. Er ist für uns gestorben, hat sich für uns dahingegeben. Durch die Taufe sind auch wir gestorben und auferstanden in einem neuen Leib. Wir haben das alte Leben abgelegt, und uns durchströmt auch jetzt schon der heilige Geist. Heilig bedeutet "abgesondert", d.h. Umkehr von der Welt zum Göttlichen. Diese Umkehr können wir tagtäglich in jedem Moment in uns vollziehen. Wenn das Pendel in uns nicht mehr in Gedanken nach Vergangenheit und Zukunft ausschlägt, sind wir zentriert. Wir finden unsere Mitte. Unser Geist findet dann in uns selber zur inneren Ruhe und tiefen seligen Frieden, der mit unendlicher Freude und Liebe einhergeht. Liebe zu sich selber und zu allen Mitmenschen. Nur wenn wir uns voll und ganz annehmen können, uns lieben lernen, sind wir erst in der Lage, ohne irgendwelche Vorurteile oder Meinungen unserem Gegenüber in Liebe zu begegnen. Dieses spricht Jesus aus, indem er sagt (in Matth. 22,39): "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." - Jesus hat uns das vorgelebt. Er konnte auch seine Feinde lieben. Was heißt "Feinde'"? Für ihn gab es eigentlich keine Feinde. Er war im Leben immer wieder bereit, die Menschen anzunehmen, mögen sie ihn auch noch so enttäuscht haben.

Wenn wir diesen tiefen Frieden in uns erreichen, sind wir genauso wie Jesus nicht mehr angreifbar. Keine noch so große Störung von Außen oder Verletzung kann uns auf unserem auf Liebe gegründeten Weg aus dem Gleichgewicht bringen. Wir werden in der Lage sein, die andere Wange hinzuhalten (siehe Matth.5,39). Wir sind dann wirklich wahre Lichter, die in der Welt scheinen.

Jesus ist das Licht der Welt. Er ist zur Zeit nicht physisch anwesend, aber wir bilden die Gemeinschaft mit ihm. Er hat uns ausgesandt, um als Lichter zu erscheinen. Wenn wir uns demütig zurückstellen können, werden unsere Mitmenschen aufmerksam werden durch unsere Haltung, unser Verhalten, welches wir zeigen. Wichtig ist es, das Wort zu hören, aber viel wichtiger ist es, Täter des Wortes zu sein (siehe Jak.1,22). - Nur dadurch können andere erkennen, dass wir nicht von dieser Welt sind, die so sehr vom Materialismus und Egoismus bestimmt wird. Wir öffnen durch unser demütiges Verhalten die Tür für andere, die zu Jesus führt. Jesus selbst sagt es in Joh. 10,7 so schön, dass er die Tür ist, zu den Schafen und in Joh. 10,14 "Ich bin der gute Hirt und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich." Wenn Jesus in uns lebt, können wir die Tür für andere Menschen sein! Entscheidend hierbei ist aber unser Lebenswandel, ist, dass wir göttliche Normen und Werte in uns tragen und uns von der Welt unbefleckt halten, wie es Jakobus in Kap.1,27 ausdrückt. Das Ereignis auf Golgatha war völlige Hingabe in der absoluten Gewissheit, dass GOTT seinem Versprechen treu bleibt, was die Verheißung der Auferstehung von den Toten angeht. - Somit sollte auch uns die Angst vor dem Tod nicht mehr schrecken. Das Sterben ist nur ein kurzer Übergang zu neuem Leben, wie wir es in der Taufe schon symbolisch vollzogen haben. - Unsere Aufgabe ist es, diesen neuerstandenen Leib in diesem Leben zu ergreifen, unseren noch fleischlichen Leib umzugestalten zu einem geistigen Leib, denn nur das Geistige hat ewig Bestand (siehe Joh. 6,27). Symbolisch nehmen wir diesen geistigen Leib durch das Gedächtnismahl in uns auf, indem wir Brot und Wein miteinander teilen. Das ist die Speise, wie Jesus in Joh. 4,14 sagt, die bis ins ewige Leben quillt. Darum lasst uns auch tagtäglich bereit sein, Jesus in uns voll und ganz aufzunehmen, damit er in uns wirken kann und wir ebenfalls dadurch so eine Kraft und Zuversicht spüren wie er und sagen können "In der Welt habt ihr Angst aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden." (Joh. 16,33). So können auch wir jetzt schon angstfrei sein und die Welt überwinden, wenn wir alles vertrauensvoll in Gottes Hände legen, denn er ist allezeit bei uns.

 

 

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