Von Islip Collier
Was den Glauben an Gott angeht, so braucht zur Verteidigung des christlichen "Durchschnittsgläubigen" nicht viel gesagt zu werden. Nur wenige Menschen leugnen frei heraus die Existenz eines Schöpfergottes, oft selbst dann nicht, wenn sie Atheisten oder "ohne Gott in der Welt" sind. Sicher ist es nicht gerade leicht, sich mit dem Gedanken an einen allmächtigen Schöpfer, der unerschaffen und unsterblich ist, vertraut zu machen. Aber es ist noch weit schwieriger, sich alles Sein ohne Ihn vorzustellen. Das Universum, wie wir es heute begreifen, muß einen zielsicheren Anstoß gehabt haben und einem geeigneten Antrieb unterliegen, der es zu dem, was wir heute erkennen, werden ließ. Dieser Urwirkung muss eine zielgerichtete Kraft zugrunde gelegen haben, denn sonst hätte nichts angeregt werden können. Diese Kraft wiederum muss auf irgend eine Weise schon immer vorhanden gewesen sein, denn sie konnte nicht sich selbst bilden, nicht aus sich heraus entstehen. Eine Kraft, die schon immer vorhanden war und die erste Ursache für das Werden und Bestehen aller Dinge ist, liegt völlig außerhalb unseres Vorstellungsvermögens. Ob wir nun die Existenz eines Schöpfers annehmen oder ablehnen, die Notwendigkeit, an den Anfang unserer Vorstellung über die Entstehung der Welt eine unbekannte, ja unerforschbare Kraft zu setzen, ändert sich nicht. Der Glaube an einen intelligenten ersten Anstoß, an eine irgendwie bewusste Ursache, ist nicht schwieriger, als der an das blinde Zusammenspiel zufällig wirkender Kräfte. Dass etwas immer da war, also ohne Anfang existiert, können wir nicht begreifen. Unendliche Zeiten und Räume entziehen sich völlig unserem Verständnis, gleichgültig, ob wir an Gott glauben oder ob wir meinen, alle Dinge seien durch blanken, unbewusst und ziellos wirkenden Zufall entstanden. Angesichts der phantastischen Ordnung und Gesetzmäßigkeiten, die das Universum und das Leben auf unserem Planeten erhalten und hierin ein Höchstmaß an Intelligenz offenbaren, scheint es mir vernünftiger zu sein, an einen bewusst handelnden Schöpfer zu glauben und deshalb unsere Weltanschauung mit der Anerkennung Gottes zu beginnen. Diese Feststellung kann noch mit wesentlich gewichtigeren Argumenten erhärtet werde. Was die bis heute bewiesen hat, ist die Tatsache, dass man aus einem geschlossenen System nie mehr herausholen kann, als von Anfang an darin enthalten war oder hineingesteckt wurde. All die Bemühungen, eine sich selbst antreibende Maschine zu erfinden, waren nichts weiter als der Versuch, dieses grundlegende Naturgesetz zu widerlegen. Naive Forscher brachten Jahre damit zu, Gewichte so an einem Rad anzuordnen, dass es in fortwährender Drehbewegung verharren sollte. Andere Forscher lachten über die Verbohrtheit der Rad-Männer, machten aber genau denselben Fehler mit nur einem etwas komplizierteren Mechanismus. Sie trieben ein Rad mit der Energie fallenden Wassers an und hofften, ausreichend Energie gewonnen zu haben, um damit das nach unten geflossene Wasser wieder auf seine ursprüngliche Höhe hochzupumpen. Sie erkannten nicht, dass zur Hebung des Wassers nicht nur dieselbe Energie benötigt wird, die es durch seinen Fall freigibt, sondern zusätzliche Energie durch die Reibung und Wärmeentwicklung erforderlich wird, die für den Hebevorgang verloren geht. Solche Forscher glaubten ernsthaft, die Natur mittels komplizierter Antriebe, Ketten und Räder überlisten zu können. Sie verrannten sich in Formeln und Berechnungen, doch die Naturgesetze enthielten keinen Fehler. Schließlich begriffen sie den Zusammenhang und brachten ihn auf den einfachen Nenner: Aktion und Reaktion sind gleich groß! Ob wir nun Gewichte an ein Rad hängen, oder ob wir elektrischen Strom benutzen, um eben diesen Strom zu erzeugen - stets begegnen wir diesem unausweichlichen Gesetz. Ist dasselbe Prinzip nicht auch in größeren Mechanismen, im Zusammenspiel der Welten und Weltsysteme gültig? Alle bisher entdeckten Sterne gleichen ja nur Staubkörnern in einem endlosen Raum. Die Energie eines von Menschen gebauten Systems wird mehr oder weniger schnell an die Umgebung abgegeben. Sie kann nicht mehr zurückgewonnen werden. Das gesamte Weltensystem des Universums ist von unendlichem Raum umgeben, in den hinein alles Licht und alle Wärme letztlich abstrahlen. Wie kann jemals diese Energie zurückgeholt werden, um die endliche Maschine in Gang zu halten? Dennoch liefert das System der Welten und Sonnen einen klaren Beweis der fortwährenden Bewegung seit urdenklichen Zeiten. Die einzige Erklärung hierfür ist, dass alle Kräfte, Materie und Energie letztlich einem unendlich starken Willen unterworfen sind, der sie dem Bewegungsprozeß des Universums wieder zuführt. Die Wissenschaft neigt dazu, das, was die Philosophie in Gedanken formuliert, durch Beobachtung und Versuch zu beweisen oder zu widerlegen. Unsere Weltvorstellung lautet: Alle Materie kommt von bereits existierender Materie, alle Energie von bereits existierender Energie. Ebenso kommt alles Leben aus bereits existierendem Leben, denn bisher konnte kein neues Leben nachgewiesen oder geschaffen werden, und alle Intelligenz kommt von bereits existierender Intelligenz, denn die von Anfang an gültigen Gesetze zeugen davon. Dem ersten Teil unseres Postulats wird auch die Wissenschaft weitgehend zustimmen. Die Tatsache, dass Materie und Energie heute vorhanden sind, ist der Beweis, dass sie in irgend einer Form schon immer vorhanden waren. Warum jetzt nicht logisch weiterfolgern? Die Tatsache, dass Leben und Intelligenz heute vorhanden sind, beweist, dass sie schon immer vorhanden waren. Kein Gesetz ermöglicht die Rückgewinnung verlorengegangener Energie im Universum, nichts kann sie wieder in nutzbare Energie zurückverwandeln; doch der Allmächtige kann es und tut es offenbar zur Erhaltung der Welt. Es ist schwierig, an die Existenz eines so mächtigen Gottes zu glauben - doch ist die Schwierigkeit vergleichbar mit dem, was wir bei dem Gedanken an das endlose Universum oder an die unendliche Zeit, die ohne Anfang und Ende ist, empfinden. Wir können es nicht begreifen, dennoch muss es so sein. Wahrscheinlich werden viele Skeptiker freimütig zugeben, dass die vorgetragenen Gedanken für "einfältige" Christen schon recht plausible Grundlagen für ihren Glauben darstellen. Um so eher werden sie uns daher auffordern, über unseren Glauben an die Bibel als eine Gottesoffenbarung Auskunft zu geben. Sie wollen wissen, was wir zur Verteidigung dieses Glaubens zu sagen haben und worauf sich unser unerschütterliches Vertrauen in diese Offenbarung gründet. Im Verlauf einer Diskussion, die den Glauben an Gott zum Inhalt hat, wird das Gespräch unweigerlich in einer ganz bestimmten, immer wieder zu beobachtenden Weise ablaufen. Es ist notwendig, hier zunächst eine Behauptung aufzustellen, die den Kritikern wahrscheinlich höchst merkwürdig vorkommen und von fast allen zunächst mit unverhohlenem Spott bedacht werden wird. Dennoch zögert der Schreiber aufgrund seiner sorgfältigen Beobachtungen in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren nicht, sie vorzutragen. Der echte "einfältige" Christ, der Mann, der den Worten der Heiligen Schrift treuen Glauben bewahrt und der die Bibel in allen Teilen ernstlich erforscht, vertritt seine Einstellung zur Bibel mit Argumenten, die mit Sicherheit an den gesunden Menschenverstand, an die Vernunft appellieren, gleichgültig, ob alle seine Argumente vollkommen sind oder nicht. Dagegen gebraucht ein Gegner der Bibel im allgemeinen Argumente, die besonders menschliche Leidenschaft, Vorurteile und Empfindungen, also das Gemüt ansprechen. Das ist sicher eine außergewöhnliche Behauptung. Trotzdem ist es nicht schwer, dem Leser ihre Richtigkeit zu zeigen. Ein ernsthafter Christ, der die Tatsache der göttlichen Offenbarung darzulegen versucht, weiss dass Gefühl und Sentimentalität, die er selbst vielleicht empfinden mag, einem Kritiker nichts beweisen können. Deshalb vermeidet er bewusst Gefühlsbekundungen bei seiner Argumentation. Er zitiert aus den Predigten der ersten Jünger Jesu und betont, dass sie durch ihr Zeugnis von der Auferstehung Christi aus den Toten keinerlei weltlichen Vorteil oder Nutzen ziehen, sondern viel eher alles verlieren konnten. Er weist auf die von ihm wahrgenommenen Erfüllungen von Prophezeiungen hin und hebt besonders hervor, dass ein Mensch ohne Eingebung von aussen unmöglich so genaue Voraussagen über ferne, zukünftige Ereignisse machen könne, wie das die Propheten der Bibel getan haben. Dies alles sind Appelle an die Vernunft, an den Verstand, auch wenn das eine oder andere Argument dem Kritiker wenig überzeugend erscheinen mag. Was geschieht nun, wenn der Gegner der Bibel das Wort ergreift? Da er den Darlegungen des Bibelgläubigen nur wenig Beachtung schenkt, beginnt er mit einer beängstigenden Aufzählung schrecklicher Einzelheiten der biblischen Geschichte und Lehre: Das fürchterliche Blutvergießen und die Leiden, die Zurschaustellung menschlicher Verdorbenheit und Unzulänglichkeit, all die Dinge, die dem normalen Menschen höchst verabscheuungswürdig sind. Es steht außer Frage, daß eine solche Tirade nicht wirkungslos bleibt. Viele Namenschristen waren zutiefst erschrocken und schockiert, als sie entdecken mußten, dass die Bibel, zu der sie offenbar eine falsche Zuneigung hegten, ihrem Gefühl so harte Schläge versetzte. Man kann leicht verstehen, wieso der Bibelgegner aus seinem Repertoire gerade zu diesen Argumenten greift, denn sie haben bei der Mehrheit der christlichen Bibelausleger verheerende Auswirkungen gezeigt. Freilich ändert das nichts daran, dass damit nur Vorurteile und Gefühle angesprochen werden. Solche Ausführungen werden deshalb nicht die geringste Auswirkung auf den echten Bibelgläubigen haben. Er kennt all die unangenehmen Berichte besser, als sie der Gegner je erzählen könnte, und ihm ist bewusst, dass die Bibel nichts Schlimmeres steht, als was nicht auch in der Weltgeschichte bis auf den heutigen Tag geschieht und geschehen ist. So ein Mann wundert sich über die Engstirnigkeit von Leuten, die ihren Glauben an Gott allein von der Gemütsbewegung des Augenblicks beherrschen lassen. Einer drückte es drastisch aus: "Da verlieren die Menschen ihren Glauben an Gott wegen dieses furchtbaren Krieges. Wenn wir wirklich kein besseres Glaubensfundament haben, dann müsste unser Glaube schon in der Sonntagsschule zerstört werden!" - weil auch dort nicht immer eitel Friede herrscht! Wer über diese Sätze nachdenkt, muß zugeben, wie unvernünftig und kleingeistig es ist, seine Einstellung zu unveränderlichen Wahrheiten nur deswegen zu ändern, weil die Welt, in der man lebt, keinen Deut besser ist als die der Vorfahren. Der wahre Bibelgläubige versucht, den unangenehmen Lebenswahrheiten mit Geduld und Zurückhaltung zu begegnen. Er versucht, wie alle Denker auch zugeben, dass er dadurch zur Anerkenntnis eines höchsten Schöpfers getrieben wird. Daher macht er auch geltend, dass die hässlichen Berichte der Schrift soweit sie als vernünftiges Argument verwendet werden, eher für als gegen die Bibel sprechen, weil sie in übereinstimmung mit den Tatsachen der Vergangenheit und Gegenwart sind. Wenn so ein Mensch wahrnimmt, dass seit den Tagen Christi "Kriege und Kriegsgeschrei und Aufruhr unter den Nationen" herrscht (Luk 21) - werden das für ihn Gründe sein, den Glauben an die Schrift aufzugeben? Wenn er durch ein sorgfältiges Studium der Geschichte zu dem Schluss gezwungen wird, dass Gott das Übel in der Welt zulässt und sogar "das Unheil schafft" (Jes 45, 7) - sollte das für ihn ein Grund sein, an der Botschaft der Bibel zweifeln? Oder wenn er sieht, wie Gott, der Herr über alles Leben, böse Menschen als "Schwert des Herrn" benützt, um andere böse Menschen zu richten und zu bestrafen - sollte das ihn im Glauben unsicher machen? Und wenn er schließlich, überwältigt vom Bewusstsein der menschlichen Bedeutungslosigkeit angesichts der schonungslos alles Leben wegraffenden Naturkatastrophen zu dem Ausruf gezwungen wird: "Alle Nationen sind vor Gott wie ein Tropfen am Eimer" oder "wie ein Sandkorn auf der Waage, nichtig und eitel" (Jes 40, 15.17) - wird eine solche Feststellung ihn dazu verleiten, die Wahrheit der Bibel zu verleugnen, die eben diese Aussage macht? Solche unangenehmen Schriftstellen sind in der Hand der Ungläubigen insofern wirksame Waffen, als sie von ihnen eindeutig gegen die menschlichen Leidenschaften, Vorurteile, wo wie versuchen, sie verstandes- und vernunftsmäßig anzuwenden, bewirken sie genau das Gegenteil; wir werden nämlich zu der Erkenntnis geführt, dass das Buch der göttlichen Offenbarung nicht nur von der herrlichen Hoffnung auf ein vollkommenes Leben in der Zukunft berichtet, sondern uns zugleich die furchtbare Wirklichkeit unserer menschlichen Schwäche drastisch vor Augen stellt. Ein Beispiel soll die beiden Argumentationsweisen verdeutlichen. Stellen wir uns die Beweisführung eines von Gefühlen beherrschten Menschen in einer wissenschaftlichen Diskussion vor. Als Charles Darwin und andere, weniger bedeutende Männer die Lehre von der Evolution der Arten entwickelten, versuchten sie, aus einer Fülle von erwiesenen Fakten eine - allerdings sehr umstrittene - Schlussfolgerung zu ziehen. Ihre Beweisführung war ohne Frage an den Verstand gerichtet, ob wir die gesamten Folgerungen nun für gerechtfertigt halten oder nicht. Was würde man wohl von einem Christen denken, der im Brustton der Überzeugung behauptet, die Theorien der Wissenschaftler leicht vom Tisch fegen zu können, und der sich dann in einer einzigen Tirade gegen die durch diese Theorie bedingte Grausamkeit in der Natur ergeht?: "Ohne Zweifel ist die Natur nach der Auffassung der Wissenschaft viel grausamer als in den Erwartungen der Christenheit. Der Überlebenskampf wird unheimlich in die Länge gezogen und hat so viel weniger Aussicht auf ein Abklingen. Was ist er anderes als ein qualvolles Ringen, um die nächst höhere Stufe der Entwicklung zu erklimmen, und das angeblich seit Jahrmillionen? Und welche Hoffnung besteht, ausser der, weitere Millionen Jahre weiterzukämpfen, bis die Kräfte der Natur erschöpft sind und alle Kreatur wieder zu Staub zerfällt, aus dem sie entstanden ist?" Was würde man wohl von diesem Christen denken, der die Lehre der Evolution zu Fall bringen will, indem er zornige Blitze gegen die Grausamkeit der Natur schleudert und an das Mitgefühl seiner Zuhörer appelliert? Welch kläglichen Eindruck wird sein sentimentaler Ausbruch hinterlassen! Inwiefern sind nun Bibelkritiker besser, wenn sie dieselben unpassenden Beweise gegen die Bibel vorbringen? Sie sind es nicht! Freilich soll diesen Kritikern eine gewisse Entschuldigung zugebilligt werden. Sie sind der Gewohnheit gefolgt, die wirksamste Methode bei geringstem eigenem Aufwand einzusetzen, Erfolge zu erzielen, ohne die Hintergründe erforschen zu müssen. Ein Mann, der sich von Anfang an allein auf das Urteil seiner geistlichen Führer über die Bibel verläßt, einer, der nie mehr in der Schrift gelesen hat als einige wenige Verse oder Kapitel, und der nur die Prophetenstellen kennt, die Wohlklingendes zu sagen haben, kann so leicht in seinen überkommenen Ansichten erschüttert werden. In Bezug auf seinen Glauben ist er nichts weiter als ein kraftloser Schwarmgeist, den schon das schwächste Argument umwirft. Wer die Einstellung des wahren Bibelgläubigen verstehen möchte, muß beachten, dass er mindestens so gewissenhaft und beharrlich ist, wie der Anhänger der Wissenschaft. Ein echter Wissenschaftler studiert geduldig das Buch der Natur und vergleicht Teil mit Teil. Er weiß, dass seine Gefühle, Wünsche und Vorlieben keinen Platz in der Beschreibung eines Gesetzes haben. Geduldig nimmt er alle Rückschläge, die ihm die Natur bereitet, in Kauf, ohne dadurch seine Liebe und Hingabe zu verlieren. Genauso verhält sich der echte Bibelgläubige. Er gibt freimütig zu, dass sie viele Aussagen enthält, die ihn schockieren und verletzen. Trotzdem liebt er das Buch. Er weiss, dass es völlig sinnlos ist, über die unangenehmen Wahrheiten herzufallen oder menschliche Richtlinien gegen sie aufzustellen, um Gottes Verhalten damit zu beurteilen. In dem Versuch, der Anklage einen Anstrich vernünftiger Argumentation zu geben, stellen Skeptiker manchmal die Frage, ob denn Gott nicht gut sei, und wenn ja, wie das dann mit den Aussagen der Bibel in Übereinstimmung gebracht werden könne. Eine solche Frage bietet eine ausgezeichnete Grundlage für nachfolgende verächtliche und verleumderische Äußerungen über Gott, die den Gläubigen aus Abscheu vor solchen Redensarten verstummen lassen, die aber dennoch kein Verstandesargument darstellen. Gewiß erhebt die Bibel den Anspruch, dass Gott gut ist. Aber würde irgend jemand, der die Möglichkeit der Existenz eines höchsten Wesens eingesteht, Ihn anders als gut bezeichnen? Gott ist gut im höchsten und absoluten Sinne, beurteilt von der höchstmöglichen Ebene aus, von Seiner Ebene. Der Versuch, den Schöpfer mit menschlichen Maßstäben messen zu wollen, ist grotesk. Wir können uns nicht einmal darüber einig werden, was das Gute im Menschen ausmacht. Der Mensch muss erst gefunden werden, der, in aller Welt geachtet und mit ansehnlicher Macht und allen Attributen eines echten Volkshelden ausgestattet, nicht trotzdem von bestimmten Feinden verfolgt wird, die ihn insgeheim einen Schurken nennen. Wenn wir aber unfähig sind, uns selbst, Geschöpfe derselben Art, in unserer begrenzten Umgebung und in unserer kurzen Lebensspanne richtig zu beurteilen, wie wollen wir da das höchste Wesen in Seinen Vorhaben im Unendlichen des Raumes und der Zeit richten? Wenn wir einen Mann gut nennen, dann tun wir das nicht vom Standpunkt des Viehs aus, das er für seine Ernährung züchtet. Wenn wir eine Frau gut nennen, dann meinen wir das nicht vom Standpunkt der Hauskatze und ihrer vielen Jungen aus. Wir meinen gut vom menschlichen Standpunkt aus, menschliche Vorhaben und Ziele betreffend. Warum bloß werden die Menschen so fürchterlich oberflächlich, wenn sie sich anschicken, Gott zu kritisieren? Warum nur nehmen sie einfach an, dass die Tiere für den Menschen gemacht sind, der Mensch aber für sich selbst? Warum richtet man die niedrigeren Geschöpfe vom menschlichen Standpunkt aus und den Höchsten, den Schöpfer über uns, auch mit demselben menschlichen Maß? Wer mit ganzem Herzen treu an der Bibel hängt, versucht aus dieser Enge herauszukommen. Er weiss, dass Sentimentalität und Selbstmitleid in der Debatte nutzlos sind. Er erkennt, daß Gottes Werk nur im Zusammenhang mit der Unendlichkeit beurteilt werden kann und deshalb ausserhalb unseres Fassungsvermögens liegt. Er weiss, dass Gottes Wort "nicht leer zu Ihm zurückkehren wird". Es wird ihm gelingen und ausführen, wozu Er es ausgesandt hat (Jes 55, 11) - und alles andere spielt keine Rolle.
CHRISTADELPHIANS IM NORDEN [www.christadelphian.de/nord]