DIE URCHRISTLICHE GOTTESERKENNTNIS
Günter Egbert Cramer
INHALT:
Prolog
Jesus Christus, der Mensch
Jesus Christus, ein Name - ein Programm
Paulus und die Urchristen
Epilog
PROLOG
Viele sind verwirrt, wenn es heißt, das Christentum sei eine monotheistische Religion, zugleich aber verkündigt es einen dreieinigen Gott. Das heißt, die Bibel verkündigt dies keineswegs, sondern nur die Vertreter des Staats-Christentums und anderer Konfessionen – aber eben nicht alle!
Bei gewissenhafter Betrachtung sprechen gewichtige Beweisgründe gegen die Annahme, Jesus habe beabsichtigt, einen neuen Gott zu offenbaren und somit eine neue Religion zu gründen. Er war ein Jude unter vielen, der sich vornehmlich an sein Volk wandte (Matt 15,24; Apg 2,39; 3,26). Er kam durch Geburt im Lande Juda in die Welt (wie vorhergesagt z.B. in Micha Kap. 5, Vers 1), das sein himmlischer Vater während des ‘Alten Bundes’ seinem auserwählten Volk Israel geschenkt hatte. Der Schöpfer wählte für Jesus eine tiefgläubige jüdische Familie, als seine Nachbarn Juden, als seine Freunde Juden, schließlich als seine ersten Verkünder - Juden.
Jesus machte seinen Vater auf eine neue Art erfahrbar und brachte ihnen nahe, was er beabsichtigte: Nicht Schlachtopfer oder das Befolgen von noch so kleinen Vorschriften, sondern Barmherzigkeit und Liebe!
Aber sonst gab es für ihn keinen anderen Anlass, sie mit dem ewigen Gott bekannt zu machen – das hatten bereits Mose und die Propheten getan. Die Frage nach einer neuen Religion mit einem bis dahin unbekannten (dreieinigen) Gott stellte sich ihm nicht. Ganz abgesehen davon war eine andere Religion auch völlig überflüssig, weil bereits die heiligen Schriften des Alten Testaments bezeugten, dass Israels Aufgabe darin bestand, ihre Kenntnis von dem Ewigen, dem einen Gott, den Völkern der Welt weiter zu geben (2. Mose 19,5.6).
Wenn man diesen Sachverhalt in seiner Tiefe erfasst, wird deutlich, dass kein anderes Volk der Welt größere Bedeutung für die Menschheit hatte als dieses, durch die ganz besondere Offenbarung ihres Gottes, unseres Schöpfers.
Die Geschichte hat gezeigt, dass in den ersten christlichen Jahrhunderten es nicht nur eine andauernde Kontroverse zwischen Judentum und Christentum hinsichtlich des Glaubens an Jesus von Nazareth gab, sondern auch einen Kampf um Konvertiten unter den Heiden, die ihren Glauben an die griechische und römische Götterwelt allmählich verloren. Judentum und Christentum predigten damals noch beide einen Gott, und sie waren eine attraktive Alternative zu dem alten heidnischen Viel-Götter-Glauben (Polytheismus).
Wie man aus den Paulusbriefen erfährt, verbreitete sich der christliche Glaube verblüffend schnell unter Menschen im ganzen Mittelmeerraum. Viele Heiden - sogenannte ‘Gottesfürchtige’ hatten angefangen, an den einen wahren Gott, den Gott Israels, zu glauben und den Gottesdiensten in den Synagogen beizuwohnen. Ohne Zweifel war das Judentum an vielen Orten und zu manchen Zeiten unter den Heiden sogar erfolgreicher als das Christentum. Es verwundert darum nicht, dass führende Christen nach gewisser Zeit leicht der Versuchung anheimfielen, die Juden als die Erzfeinde Christi darzustellen und auch bestimmte Verse im Neuen Testament über den ‘Antichristen’ auf sie zu beziehen. In dieser bitteren Atmosphäre verfassten die ‘Kirchenväter’ Tertullianus (160 – 225 n.Chr.), Augustinus und Johannes Chrysostomos (beide im Jahre 354 geb.), die berüchtigte Adversus Judaeos-Literatur, d.h. Schriften gegen die Juden.
Ein anderer Grund für den wachsenden Hass gegen die Juden war wohl auch die Tatsache, dass viele Christen innerhalb der neuen Kirche jüdische Bräuche praktizierten. Solche ‘Judaisten’ wurden als Ketzer betrachtet, weil sie die Zäsur zwischen dem alten und dem neuen Bund nicht verstanden hatten. Um sie zu bekämpfen, wurde das Judentum - und gelegentlich das Alte Testament - als minderwertig, veraltet und aufgehoben, ja, sogar als antichristlich und als Gegensatz zum Evangelium und zur entstehenden Kirche dargestellt.
Als schließlich das Christentum im 4. Jahrhundert von einer verfolgten Minderheit zu einer mächtigen römischen Staatskirche wurde, entwickelte sich dieser Hass zu einer Tragödie. Das Judentum wurde pauschal als Häresie gebrandmarkt. Und selbst in Gegenden, wo es kaum Juden gab, wurden sie dämonisiert. Als Vertreter des Alten Testaments (hebr. Tenach) und als ‘Feinde des Evangeliums’ wurden sie zu einem grundsätzlichen stereotypen Symbol des Bösen. Sie beabsichtigten angeblich Gottes Pläne zu durchkreuzen, und wurden als gefährliche Feinde der Menschheit und hier besonders der römischen Kirche betrachtet. In der weiteren Entwicklung der nachfolgenden Jahrhunderte, bedingt durch diese Umstände, entfernte sich das Staats-Christentum jedoch immer weiter von den Lehren der heiligen Schriften der Bibel (Altes und Neues Testament), von seinen Wurzeln, und so von seinen älteren Glaubensgeschwistern, den Juden, und hier im Besonderen von seinem bisherigen jüdischen Ein-Gott-Glauben.
Die Realität der heutigen Entfremdung von dieser einzig richtigen urchristlichen Basis (der jüdischen Gotterkenntnis) versucht diese Abhandlung deutlich und bewusst zu machen. Die Beschäftigung mit dieser Abweichung vom wahren Glauben erscheint mir deshalb so aktuell und notwendig, weil das Nachdenken über alle heutigen Lehrsätze, die aus dem Christentum eine neu- und fremdartige Religion machten, den Suchenden mit unbeantworteten Fragen zurücklässt, ihn leicht in die falsche Richtung (falsche Gottesverehrung) führt.
Was deshalb hier beabsichtigt ist, ist wahrscheinlich etwas viel Revolutionäreres als Ökumene, ist etwas, was die Christusanhänger bis vor das Neue Testament zurückführt, zum sogenannten Alten Testament, zum Alten Bund, um sie dort mit einem inzwischen überdeckten jüdisch-hebräisch geprägten Evangelium bekannt zu machen.
Doch wie konnte es zu dieser Abweichung in der Gotteserkenntnis kommen? Und wer sind die Vertreter des Staats-Christentums, die an der Trinitätsvorstellung festhalten?
Anmaßende Führer (Röm 2,19-23)
Die von Dogmen ummantelte priesterliche Elite des römisch-vatikanischen Christentums wird nicht zugeben, dass eine grundsätzliche Wandlung ihres Glaubens tatsächlich notwendig ist, weil sie sich damit selbst als ‘Persona non grata’ bloßstellen würde. Ich meine nicht die Masse der Katholiken, sondern im Besonderen deren ‘Hirten’, die Angehörigen des katholischen Priesterstandes und die Päpste, die für sich in Anspruch nehmen, eine besondere, angeblich von Gott gehobene Klasse von Menschen zu sein, zwischen Gott und den Menschen stehend, „Träger von Charismen, (und) die mit heiliger Vollmacht (...) Betrauten, dessen erste und vorzügliche Glieder“ (aus: „Mystici Corporis Christi“, Papst Pius XII., Seite 8, Freude an der Wahrheit, Römisch-katholische Schriften, Nr. 27, Wien).
Jedoch schon der Reformator Dr. Martin Luther wusste: „...Das ‘Sakrament’ der (Priester-) Weihe ist eine hübsche Erdichtung [...] der Kirche...“ Und er befürwortet weiter: „Darum flieht mit meinem Rat, die ihr so sicher leben wollt [...] und lasst euch nicht weihen mit diesen ‘Heiligkeiten’, denn ihr seid durch solch ein ‘Sakrament der Weihung’ nicht besser geworden als Laien“ (aus ‘Martin Luther von der Babylonischen Gefangenschaft’, Kapitel: ‘Von dem Sakrament der Weyhung’). Aus diesem Grund gibt es bis heute keine Priester in der evangelischen Kirche.
Es gibt nach neutestamentlich-urchristlicher Definition kein ‘Standes-priestertum’ vor Gott. In dem ‘Schreiben der deutschen Bischöfe über das priesterliche Amt’ [1969, Sonderdruck], herausgegeben vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, erschienen im Paulinus-Verlag Trier (nach dem zweiten Vatikanischen Konzil und gerade hierauf Bezug nehmend), betont die Katholische Kirche weiter den standesmäßigen Unterschied zwischen ihren Priestern und dem ‘normalen’ Volk. Sie stellt heraus, dass das Neue Testament nach ihrer Ansicht kein theologisches Lehrbuch sei und deshalb das Aufkommen eines Priesteramtes auch nicht allein aus der Bibel abzuleiten wäre, sondern vornehmlich aus ihrer Kirchengeschichte und ihrer Überlieferung. ‘Auf diese müsse die Kirche hören, um die Fundamente aufzuzeigen, auf die sie gebaut sei’ (Seiten 5 - 7). Eigentlich sollte dieses Eingeständnis - die Grundlagen der Bibel verlassen zu haben - schon genügen, um das Abwenden der ‘Geistlichkeit’ zu begründen: Von Menschen beauftragt, aber nicht von Gott.
Als hätte es auch einen Martin Luther und die Reformation nie gegeben, wird unverdrossen weiter von römisch-katholischer Seite bedauert, dass in heutiger Zeit „...die Priester wirklich nicht mehr (beim gemeinen Volk) als dieses besondere Wesen gelten“ [aus „Athanasius und die Kirche unserer Zeit“, Seite 40, Bischof Dr. Rudolf Graber, J. Kral, Verlagsdruckerei, 93326 Abensberg, Imprimatur: Kairo 12. Juli 1971]. „Oh, wie erhaben das Amt, wie hoch die Würde des Priesters, dem es gegeben ist, was selbst den Engeln nicht zukommt! [...] Gehe also in dich, Priester des Herrn, und bedenke, welches Amt dir durch die Handauflegung des Bischofs übergeben worden ist! Du bist Priester geworden, bist geweiht zur Feier dieses Sakramentes! [...] Du hast eine größere Bürde auf dich genommen als alle anderen Menschen! [...] Du darfst nicht die Straße der großen Menge gehen, du sollst nur Verkehr haben mit den Engeln des Himmels und mit den besten Menschen auf Erden! [...] Du mußt dich als Mittler fühlen zwischen Gott und der sündigen Menschheit und darfst daher nie vom Gebet der heiligen Gesinnung ablassen, bis du Gottes Gnade und Barmherzigkeit endlich zu den Menschen herabziehst! Sooft du als Priester die Messe feierst, ehrst du Gott, erfreust du die Engel, erbaust du die Gläubigen, gewährst du den Lebendigen Hilfe, gibst du den Verstorbenen Ruhe und machst dich selbst alles Guten teilhaftig!“ (Hervorhebungen von mir). Weiter wird dem einfachen Kirchenvolk empfohlen: „Du sollst kein fürwitziger Grübler des Sakramentes [...] sein. [...] nicht hohes Verstehen und Einsicht in Seine Geheimnisse“ (erwarten); aufkommende Zweifel (sollst du) nicht auf den Grund gehen; „halte also fest an Deinem einfältigen und unbezweifelten Glauben.“ (aus: ‘Nachfolge Christi’, Seiten 286 - 288, 319 - 320, Kempen, Verlag Josef Habbel, Regensburg).
Die Mehrheit der Katholiken halten sich an diesen für sie gemütlichen Rat, nur sehr wenige sorgen sich um einen rechten Glauben, mehr um Tradition.
Der wahre Gott jedoch mahnt die rechte Gesinnung im Glauben an und weißt den Weg zu Ihm:
„Der Mensch hält alles, was er tut für richtig; Gott aber prüft die Gesinnung“ (Spr 16,2)!
Aber: „Das Heil kommt aus den Juden“ (Joh 4,22)!
„Wer den Sohn (Jesus) leugnet, hat auch den Vater (Gott) nicht“ (1.Joh 2,23a)!
„In keinem anderen ist das Heil; denn es ist kein anderer Name unter dem Himmel, der unter Menschen gegeben ist, dass wir in ihm sollten gerettet werden“ (Apg 4,12)!
Und:
„Niemand kommt zum Vater (Gott) außer durch mich (Jesus)“ (Joh 14,6b)!
„Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen“ (Joh 5,39).
Und da bekanntlich alle nichtchristlichen Religionen diesen einzigen Weg ablehnen und diese Wahrheit ignorieren, beten sie nicht im Namen Jesu zum einzig wahren Gott, sondern zu einem imaginären ‘Wesen’, zu nicht existierenden Persönlichkeiten und ‘Prinzipien’..
Die Gotteserkenntnis anderer Religionen und die Ökumene
Dieses grundlegende Faktum wurde und wird durch die offizielle römisch-katholische Kirche kaschiert. In den Exerzitien, die Kardinal Wojtyla - der spätere Papst Johannes Paul II - 1976 vor Papst Paul VI hielt, findet sich ein ganz ‘modernistischer’ Begriff des Glaubens und daraus folgernd die These, dass alle Menschen, egal in welcher Religion sie leben, wohl doch zum wahren Gott beten: „Der Weg des Geistes zu Gott geht vom Inneren der Geschöpfe und der tiefsten Tiefe des Menschen aus. Auf diesem Weg findet die moderne Geisteshaltung eine Stütze in der Erfahrung des Menschen und in der Bejahung der Transzendenz der menschlichen Person." Wir erkennen: Glaube ist nicht mehr die Antwort auf die Offenbarung Gottes, sondern ein aus der Tiefe des Menschen (selbst) kommendes Streben nach Gott. Etwas weiter in diesem Text heißt es dann: „Diesen Gott erkennt in seinem Schweigen der Trappist und der Kamaldulensermönch. An ihn wendet sich der Beduine in der Wüste, wenn die Gebetsstunde gekommen ist. Und vielleicht auch der in seine Betrachtung versunkene Buddhist, der sein Denken läutert und den Weg zum Nirwana bereitet“.
Als dann am 27. Oktober 1986 das Religionstreffen von Assisi stattfand, forderte Papst Johannes Paul II. (beim sogenannten ‘Friedensgebet der Religionen’) nicht dazu auf, sich zu Christus zu bekehren (man denke an die Reden des Paulus oder Petrus), sondern er brachte vor den Vertretern der nichtchristlichen Religionen zum Ausdruck, wie wichtig es sei, ihrem (falschen) Glauben treu zu bleiben! Wie selbstverständlich die Muslime dieser Empfehlung folge leisteten, kann aus ihrem Gebetstext entnommen werden. Ihr Friedensgebet lautete daraufhin: „Dir allein wollen wir dienen, und zu dir allein flehen wir um Beistand. Führe uns den rechten Weg, den Weg derer, welche sich deiner Gnade freuen - und nicht den Pfad jener, über die du zürnst oder die in die Irre gehen!“ Es folgte die Sure II, 138: „Sagt: Wir glauben an Allah und an das, was er uns offenbarte, und an das, was allen Propheten von ihrem Herrn gegeben wurde. Wir kennen unter diesen keinen Unterschied. Wir bleiben Allah ergeben“. Das islamische Friedensgebet schließt mit der Sure CXII: „Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen! Sprich: ‘Allah ist der alleinige, einzige und ewige Gott. Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt, und kein Wesen ist ihm gleich’ “ (Aus: Kathol. Katechismus zur kirchlichen Krise, 1997, Rex Regum Verlag, A-3542 Gaidhof 1, Schloß, VI. Der Ökumenismus).
Katholische Priester und evangel. Pastoren/-innen machen auch vor dem in der Heiligen Schrift überlieferten Namen des Gottes- und Menschensohnes (‘Jeschua’ = Jesus) nicht Halt. In ihrem Bestreben nach Ökumene und weltweiter Einheitsreligion schrecken sie nicht davor zurück, ihm fragwürdige Namen zu geben: Er sei der ‘fünfte Buddha’. Die Moslems dürften in ihm den ‘Imam Mahdi’ sehen. Während er bei den Hindus ‘Krishna’ heiße, wäre auch ‘Herr Maitreya’ - der lange erwartete Herrscher der Welt - nicht falsch. Schließlich seien das alles verschiedene Namen für die gleiche Person... Christentum wird gespickt mit dem Gedankengut des ‘New Age’. Es wird behauptet, Gott finde sich in jedem Menschen - er müsse nur entdeckt werden. Forsch und gleichzeitig paradox wird behauptet: ‘Christus ist der einzige Weg zu Gott’, und: ‘Alle Religionen der Welt sind gleichwertig’! Dieser Widerspruch wird noch konfuser durch solche allgemeinen Erklärungen: „Wenn ich von Christus spreche, dann spreche ich nicht von Jesus von Nazareth“. Seltsam; der Name ‘Christus’ steht für jeden Gott, an den man glauben mag? Er sei schlicht und einfach ‘das universale Prinzip’, das sich in allem und in allen finde. (Quelle: ‘Gefährliche Weichenstellung’, Erwin W. Lutzer, Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg, Seiten 19 - 21, ISBN 3-89436-204-9) In diesem Topf ‘Einheitsbrei’ rührt auch der bekannte schweizer Theologe und kath. Priester Prof. Dr. Hans Küng mit der Idee vom sogenannten ‘Weltethos’.
Die feministische Theologie inspirierte und förderte (vertreten durch die lutherischen Bischöfinnen Margot Kässmann, Bärbel Wartenberg-Potter und dem badischen Landesbischof Ulrich Fischer) ein neues Bibel-Übersetzungsprojekt: ‘Bibel in gerechter Sprache’. Man kann annehmen, dass dieses für einige Diskussionen sorgt oder schlichtweg ignoriert wird. Denn um sogenannte patriarchale Denkformen anzugehen, wird hierin unabhängig vom Geschlecht Gott als ‘die Ewige’, sowie ‘die Lebendige’, ‘die Heilige’ oder einfach nur als ‘Sie’ bezeichnet – Gott wird weiblich...
Der Kölner Pädagoge, freikirchliche Pastor und Gründer der sogenannten ‘Jesus Freaks-Bewegung’, Martin Dreyer, brachte eine freie Übertragung des Neuen Testaments in moderne Jugend- und Szenesprache heraus (weitere Übersetzungsvorschläge von Jugendlichen sollen einfließen). Diese ‘Volxbibel’ hat wider erwarten heftige Empörung unter Theologen und Bibelübersetzern ausgelöst. Hauptkritikpunkt sei eine hierin zum Ausdruck kommende ‘respektlose’ Sprache, die evangelikale Theologen als verfälschend und gotteslästerlich bezeichnen.
Die Theologie erwartet für die eigenen Veröffentlichungen die Beachtung eines ‘Copyright’, missachtet jedoch die Urheberschaft Gottes für die Bibel. Der Missbrauch der Heiligen Schriften bleibt nicht ohne Folgen (Offb 22,18.19)! Der Sinngehalt des Wortes ‘heilig’ wird laufend entwertet und ausgehöhlt. Der Respekt vor dem göttlichen Wort wird vom Sockel gestürzt, der menschlichen Manipulation der Bibel ist Tür und Tor geöffnet. Die biblischen Prinzipien werden auf den Kopf gestellt, Heilige Schriften werden für jeden zur frei verfügbaren Ware. Nicht mehr die Menschen lassen sich von Gottes Wort formen - sondern Gottes Heiliger Geist hat sich den 'Freaks' anzupassen! Rücksichtnahme auf die veränderten Bedürfnisse der Menschen zu fordern, geht in die falsche Richtung - Gott gibt und wir sollten annehmen, was Er uns gibt, - nicht was wir unbedingt haben wollen!
Wenn in diesem Zusammenhang noch die Nächstenliebe bemüht wird, mit der Bitte um ‘Nachsicht’, weil es ja ‘nur um den Glauben’ ginge, so möchte ich hervorheben, dass das Streben nach Anpassung (Ökumene) und der Eichung einer Welteinheitsreligion um jeden Preis in Wirklichkeit ein Verbrechen an der Wahrheit und der echten Nächstenliebe darstellt. Denn die wahre Nächstenliebe beinhaltet, dem Nächsten wirklich und auf Dauer (sprich: für die Ewigkeit) Gutes zu wünschen und wahrhaftig zu begegnen (1. Kor 13,13b; 14,1a). In Bezug auf Religion und Glauben bedeutet dies, dass man den Nächsten zu der einen Wahrheit (göttliche Wahrheit ist aus göttlicher Perspektive gewertet nicht relativierbar!) führen möchte, solange und soweit er (oder sie) es zulässt. Das rigorose Einigungsbemühen der Religionen dagegen belässt die Menschen in ihren unterschiedlichsten (mehrheitlich falschen) Glaubensvorstellungen, ja es bestärkt sie noch darin. Es überlässt sie darum dem Irrtum und den großen Gefahren für das ewige Heil, das allein in und durch die reale Person Jesus, dem Christus, dem Heiland der Welt zu erlangen ist (Apg 4,12; Phil 2,9-11). Dies ist freilich viel geruhsamer als die von Jesus Christus geforderte Mission (Matt 28,19.20; Mark 16,15.16), aber eben kein Zeichen von missionarischem Erfülltsein, kein Zeichen von Nächstenliebe, sondern eher von Trägheit, Gleichgültigkeit oder gar Menschenfurcht.
Der Heiligen Schrift jedoch ist ein solches einschläferndes Denken völlig fremd. Das ganze Alte Testament beispielsweise ist übervoll vom Eifern Gottes gegen falsche Götter und Religionen. Und im Neuen Testament schreibt Paulus: „Was die Heiden (Nichtjuden) opfern, das opfern sie den Dämonen und nicht Gott!“ (1. Kor 10,20a). Deutlicher kann man wohl nicht erkennen, dass mit der Egalisierung (Gleichschaltung aller Religionen) offensichtlich die christliche Mission ihr Ende gefunden hat. Christi Auftrag wurde wohl in diesen sich "christlich" gebenden Institutionen ‘ad acta’ gelegt.
In ihrem Trachten nach Fusionierung der Weltreligionen und Nivellierung aller christlichen Bewegungen handeln ökumenisierende Theologen heute wie Ärzte, die einen Schwerkranken in Sicherheit wiegen, anstatt ihn über seinen lebensbedrohlichen Zustand aufzuklären. (in Anlehnung an: „Katholischer Kathechismus zur kirchlichen Krise“, Rex Regum Verlag, Österreich, Seiten 65 - 83)
Wenden wir uns ab von den übersteigerten Vorstellungen einer sich selbst dienenden Priesterklasse und ergreifen nun selbst die Initiative! Unter Bezugnahme des Alten und Neuen Testaments (hier besonders Hebr 4,14-10,18 und 2. Mose 19,6 + 1. Petr. 2,9.10; Offb 5,10) kann man Prof. Blanke zustimmen, der behauptet hat, dass der Katholizismus nicht das Neutestamentliche, nicht das Urchristliche, nicht das Evangelische sei, sondern das durch Abfall und Revolution nachträglich Entstandene (aus: „Warum bleibe ich katholisch?“, Seite 39, Robert Mäder, Verax-Verlag 1999, CH-7537 Müstair/GR, Imprimatur Ordinariat Basel, Solothurn 7. März 1944, ISBN 3-909065-12-0).
Überlassen wir sie ihrer Zweiklassengesellschaft. Denn so unterteilt man wie schon immer so auch heute weiterhin in der römischen Kirche:
- solche, die die Priesterweihe erhielten, sind in der Kirche.
- alle anderen Katholiken gehören zur Kirche (Küng).
Und durch Aufrechterhaltung dieses qualitativen Standesunterschiedes verhindert die Priesterkaste (Küng) ein ‘allgemeines Priestertum’ aller wahren Christen, das der Allmächtige wirklich eingesetzt hat:
„Ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein!“ (2. Mose 19,6 - hiermit war als Vorläufer zuerst einmal Israel gemeint).
„Ihr aber seid mir ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat; die ihr einst ein ‘Nichtvolk’ wart, jetzt aber ein Volk Gottes seid; die ihr ‘nicht Barmherzigkeit empfangen hattet’, jetzt aber Barmherzigkeit empfangen habt.“ (1. Petr 2,9.10 - hiermit sind in der Folge alle wahren Gläubigen auch aus den Nationen angesprochen (Röm 11,11-32)
„Und [du] hast sie unserem Gott zu Königen und zu Priestern gemacht!“ (Offb 5,10).
Jeder wahre Christ ist zur Verkündigung des Evangeliums vom Königreich Gottes auf Erden aufgerufen und bestimmt. Jeder wahre Christusnachfolger möchte, angetrieben von seiner Überzeugung, vom einzig wahren Gott Jahwe und dem Heilswerk seines Sohnes künden.
Die Urquelle
Es sollte selbstverständlich sein, sich auf die ursprünglichen christlichen Grundlagen (die Heiligen Schriften, Neues und Altes Testament) zu besinnen, damit die persönliche Beziehung zum Erlöser unverfälscht und unverstellt wachsen kann.
Das Leben Jesu und die Lebensumstände in und um Jesu jüdische Familie geben positive und nachdenkenswerte Ansätze, um der biblischen Gotteserkenntnis immer näher zu kommen. Ein Blick in die Heiligen Schriften ist dabei unerlässlich, wie sie es selbst bekannt macht:
„Forschen wir in diesem Buch und lesen es nach“ (Jes 34,16a; Psalm 40,8b.9). „[...] prüfen wir die Geister, ob sie aus Gott sind, denn viele falsche Propheten sind ausgezogen in die Welt...“ (1. Joh 4,1) “Prüft aber alles, das Gute behaltet“ (1. Thess 5,21; Apg 17,11b) wie von Gott erwartet und gefordert! „Darf nicht das Ohr die Rede prüfen, gleichwie der Gaumen die Speise schmeckt?“ (Hiob 12,11). „Prüft euch, ob ihr im Glauben seid“ (2. Kor 13,5). „Wenn jemand Seinen (Gottes) Willen tun will, so wird er von der Lehre wissen, ob sie aus Gott ist...“ (Joh 7,17). Denn (so sagt Jesus weiter): „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger; und ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch freimachen.“ (Joh 8,31.32).
Auf diese Art lässt sich aus dem Durcheinander der menschlichen Meinungen zur gottgewollten Klarheit kommen. Denn „glaubhaft und zuverlässig ist das Wort und jeder Annahme wert“ (1. Tim 4,9; 2. Tim 2,11; Tit 3,8).
Wirklich mit göttlicher Autorität?
Wer darum über die viel umstrittene Frage der richtigen Gottesanschauung zu einer festen Überzeugung kommen möchte, wird diese alleinige und einzige ‘Persönlichkeit der Anbetung’ vor allem anhand der Heiligen Schriften erforschen, denn nur diese sind und sprechen von Ihm. Die Bibel ist für den Gläubigen nicht nur eine Sammlung geschichtlich zuverlässiger Dokumente vergangener Zeiten, sondern sie ist ihm die Urkunde der Offenbarung des lebendigen Gottes, göttliche Willenskundgebung und Wegweisung, darum unbedingte, letztlich maßgebende Autorität.
Wäre sie nicht imstande, uns genügendes Licht über den Verursacher aller Schöpfung zu geben, so müssen wir überhaupt darauf verzichten, je Klarheit zu erlangen. Diese Möglichkeit wird niemand bezweifeln, dem die Bibel Gottes Wort ist (Eph 5,10; 1. Kor 14,29b; Offb 2,2b).
Aber wie können wir als gesichert annehmen, mit der ganzen Bibel wirklich Gottes Wort in den Händen zu halten? Sollten wir darauf vertrauen, dass die Kirchenväter richtig entschieden haben bei der Auswertung der heiligen Schriften? Warum gesellt die Römische Kirche die Apokryphen (Bedeutung: Verborgenes, Dunkles, nicht kanonisch) zu den Büchern des Alten Testaments, im Gegensatz zu allen anderen christlichen Gemeinschaften? Handelte die Römische Kirche hier eigenmächtig? Der interessierte Bibelleser erkennt es selbst...
Für das Ausmachen göttlicher Urheberschaft der biblischen Schriften benötigt der Mensch nicht die Mitwirkung eines sogenannten ‘unfehlbaren Lehramtes’ einer Römischen Kirche oder einer anderen Körperschaft. Die Dreiteilung des alttestamentlichen Kanons war von den Juden seit dem 2. Jh. vor Christus bereits vollzogen (wie z.B. in Luk 24,44 angedeutet). Zwar waren zu der Zeit noch die Bücher Ester, Hohelied und Prediger umstritten, jedoch war die vollständige hebräische Bibel um etwa 70 n.Chr. fertiggestellt (Jesus erwähnt sie auch in Matt 23,35).
Das Zusammentreffen der Juden zu Jamnia war kein Konzil der Juden, sondern man diskutierte lediglich über Bücher, die schon längst zum alttestamentlichen Kanon gehörten. Ferner wurden keine Schriften aus dem Kanon herausgenommen. Das Ergebnis der Rabbinen führte lediglich zur formellen Bestätigung des bereits existierenden Kanons, nicht aber zu seiner listenmäßigen Erfassung! Die Juden wurden schließlich das ‘Volk des Buches’. Und schließlich: Der älteste christliche Kanon des Alten Testaments wurde ca. 170 n. Chr. von Melito, Bischof von Sardis, aufgestellt.
Was meint göttliche Inspiration (eingegeben, eingehaucht)? Man spricht von einem Kanon (wörtl. Maßstab, Messlatte), der an Schriften ‘angelegt’ wurde, um festzustellen, ob sie ‘apostolisch’ sind. Der Begriff ‘Apostolizität’ (beim Neuen Testament) bedeutet jedoch nicht unbedingt ‘apostolischen Ursprungs’ oder das, ‘was unter der Leitung der Apostel entstand’, sondern dass apostolische Autorität oder auch apostolische Anerkennung der primäre Test für die ‘Kanonizität’ war und nicht notwendiger Weise apostolische Verfasserschaft! Es waren insgesamt fünf Richtlinien, nach denen festgestellt wurde, ob ein Buch kanonisch, also ‘zur Heiligen Schrift gehörend’, war:
a) Ist es autoritativ? - Kam es von der Hand Gottes (‘So-spricht-der-HERR’)?
b) Ist es prophetisch? - War es von einem Mann Gottes geschrieben?
c) Ist es authentisch?
Die Kirchenväter handelten nach der Prämisse: ‘Im Zweifelsfalle nicht!’ - Diese Verfahrensweise bürgte für die Gültigkeit ihrer Beurteilung der kanonischen Bücher
d) Ist es dynamisch? - Besaß es die lebenserneuernde Kraft Gottes?
e) Wurde es angenommen, gesammelt, gelesen und gebraucht? Wurde es vom gläubigen Gottesvolk akzeptiert?
[Petrus beispielsweise anerkannte die Schriften des Paulus als ‘Heilige Schriften’ parallel zu anderen (2. Petr 3,16). Er sieht sie im Einklang mit dem Anspruch des Paulus auf eine einzigartige apostolische Autorität (Röm 1,1; 1. Kor 2,13; Gal 1,1)]
Seit dieser Zeit ist die Zusammenstellung des kanonischen Alten Testaments und kanonischen Neuen Testaments abgeschlossen, die wir heute unverändert in ihrem Umfang in unseren Händen halten. Es ist zu beachten, dass zu dieser Zeit die ‘lehramtliche Autorität’ einer ‘Römisch Katholischen Kirche’ sich noch nicht einmal als ‘Silberstreif am Horizont’ abzeichnete. Nicht ‘die Kirche’ hat den Kanon geschaffen! Sie anerkannte lediglich viele Jahre später, nämlich erst im Jahre 393 die göttliche Urheberschaft dieser Bücher und deren Autorität, mit der die Bücher von Anfang an schon ausgestattet waren! Und die Kirche manipulierte dennoch den Umfang der Bibelschriften durch Hinzufügung der Apokryphen!
Bei allen Überlegungen hinsichtlich der christlichen Lehre sollte die erste Frage sein: Was sagt die Heilige Schrift dazu? Und: Wie steht es geschrieben?
Wenn wir uns so (betend) der Problematik annehmen, werden wir feststellen, dass der heilige Geist Gottes uns gemäß Seiner liebenden Verheißung Sein Licht, Seine Klarheit und Seine Gnade nicht vorenthält (Joh 7, 17). Trinken wir also nun aus Seiner reinen Quelle (Ps. 36,10 + Offb. 21,6b)!
Bis hierhin war es mein Bestreben, eine gemeinsame Ausgangsbasis – eine gemeinsame Plattform zu schaffen, um dem eigentlichen, dem nachfolgenden Thema: das Vater-Sohn-Verhältnis den entsprechenden Nährboden zu bereiten, auf dem das Gesagte gedeihen kann. Zusammengefasst bedeutet dies: Nicht irgendwelche tradierten Dogmen und Glaubensübungen sind die Basis der rechten Gotteserkenntnis, sondern allein die Heilige Schrift, das Wort Gottes.
KAPITEL 2
JESUS CHRISTUS, DER MENSCH
DER JUDE JESUS (hebr. Jeschua) – VOR SEINER GEBURT
Kurz nach Jesu Zeugung durch den heiligen Geist Gottes in Maria (hebr. Mirjam) besuchte sie ihre wesentlich ältere Verwandte Elisabeth. Und noch bevor Maria ein erklärendes Wort sprach, bekam sie von Elisabeth die Bestätigung ihrer Schwangerschaft. Auch Elisabeth selbst war trotz ihres hohen Alters bereits im sechsten Monat schwanger mit Johannes dem Täufer. Überwältigt brach sie in Jubel aus (ähnlich wie Hannah in 1. Sam. 2,1-10), als sie sich ihrer beider Situation bewusst wurde (in Klammern sind dazu die Parallelen zum Alten Testament aufgeführt):
„Hoch preist meine Seele Jahwe“ (1. Sam 2,1)
„und mein Geist frohlockt im Ewigen, will jubeln in dem Gott meines Heils“ (Hab 3,18; Psalm 35,9)
„denn gnädig schaute er herab auf die Niedrigkeit seiner Magd“ (1. Sam 1,11)
„siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter. Großes tat an mir der Mächtige“ (5. Mose 10,21)
„und heilig ist sein Name“ (Psalm 111,9)
„sein Erbarmen gilt von Geschlecht zu Geschlecht denen, die Ihn fürchten“ (Psalm 103,13.17)
„Er übte Macht aus mit seinem Arm; Er zerstreute, die hochmütig sind in ihres Herzens Sinnen“ (Psalm 118,15; 89,11)
„Gewalthaber stürzte Er vom Thron, und erhöhte die Niedrigen“ (Psalm 147,6)
„Hungrige erfüllte Er mit Gütern“ (Psalm 107,9)
„und Reiche schickte Er fort mit leeren Händen. Er nahm sich Israels an, seines Knechtes“ (Jes 41,8)
„zu gedenken Seines Erbarmens“ (Psalm 98,3)
„von dem Er zu unseren Vätern sprach, zu Abraham und seinen Nachkommen auf ewig“ (2. Sam 22,51).
In ihrer Hochstimmung bezeugt Elisabeth ihren jüdischen Glauben an den einzig Ewigen auf beeindruckende Weise. Ein Beleg dafür, dass die Vorstellung eines 'dreifaltigen Gottes' nicht existierte!
Exkurs: Zeitrechnung.
Die religiöse Zeitrechnung der Juden beginnt vom Tag der Schöpfung an. Diesen Tag errechneten die Bibelgelehrten, indem sie die in dem Alten Testament aufgeführten Lebensjahre der Menschengeschlechter zusammenzählten. So entsprach z.B. das Jahr 1000 unserer Zeitrechnung dem Jahr 4760 des jüdischen Kalenders. Zudem ist das jüdische Jahr ein Mondjahr und kein Sonnenjahr wie in der westlichen Kalenderberechnung. Das Jahr beginnt im Herbst. Der Beginn (1.) des jeweiligen Monats entspricht der Mitte (15.) unseres heutigen Monats. Der Wochenanfang liegt immer auf dem Sonntag. Der im christlichen Westen heute gültige Kalender wird auch der ‘julianische’ (alt, nach Julius Cäsar) oder ‘gregorianische’ (neu, nach Papst Gregor XIII., 1582) genannt. Die Grundlage dieser Änderung lag in der Festrechnung der Römisch Katholischen Kirche mit deren Festlegung des Osterdatums. Im Buch Daniel, Kapitel 7, in Vers 25 wird u.a. vor falschen Lehrern gewarnt, die „Reden führen gegen den Höchsten und (...) danach trachten, Festzeiten und Gesetz zu ändern“. Wenn Institutionen ihre Macht dazu nutzen, um in die gesamte westlichen Welt eine neuartige Zeitrechnung einzuführen, wären sie dann nicht auch in der Lage, gewollt oder ungewollt ein manipuliertes Gottesbild zu präsentieren und so die Menschen irrezuleiten?
JESUS ALS SÄUGLING
Geboren wurde Jesus in Bethlehem (Judäa) also etwa im Jahr 3753 nach damals gängigem Kalender (aber wahrscheinlich nicht im Winter!), in den Tagen Herodes des Großen, aufgewachsen in Nazareth, einer Stadt in Galiläa, im Norden Israels.
Jesus hatte seinen Namen nach dem Willen seines göttlichen Vaters erhalten (Matt 1,21; Luk. 1,31; 2,21), der ihn durch die Kraft des heiligen Geistes in der noch unberührten Frau Maria zeugte, wie es schon im 1. Mosesbuch, Kap. 3, Vers 15 + Jes 7,14; 9,1-7 Micha 5,1-3 angedeutet und vorhergesagt war.
Später gebar Maria noch weitere Kinder: mindestens zwei Mädchen und vier Jungen, nämlich Jakobus und Joses, Judas und Simon (Mark 6,3). Maria war und blieb also nach der Geburt Jesu nicht ‘immerwährende Jungfrau’!
Anfrage: Nach Meinung fast aller christlicher Kirchen und Gemeinschaften war Jesus Christus wahrer Mensch und zugleich wahrer Gott. Doch kann ein ‘wahrer Gott’ tatsächlich geboren werden? Wo befindet sich der Punkt des 'Übergangs' vom Gott zum Menschen? Ist solch eine Vorstellung überhaupt eine biblische Lehre?
Im 1. Kapitel des Matthäus-Evangeliums, in den Versen 1 - 17 wird ein Stammbaum Jesu dargelegt, um aufzuzeigen, dass er der leibliche Nachkomme Davids, der vorhergesagte und erwartete Retter, der im Judentum so bezeichnete ‘Meshiach Ben David’ ist. Die Frage nach seiner menschlichen Herkunft ist damit beantwortet.
Exkurs: Unterschiede in den Abstammungsaufzählungen (Matt 1,1ff und Luk 3,23ff)
Vorhandene Unterschiede zum Lukasbericht (3, 23ff) hängen vermutlich damit zusammen, dass Lukas auf ein anderes der im damaligen Judentum bekannten Abstammungsverzeichnisse der Davididen zurückgegriffen hat; wahrscheinlich die der mütterlichen Abstammungslinie (im Judentum zählt als Jude, wer eine jüdische Mutter hat). Matthäus betont dagegen die Abstammung über die väterliche Linie. Der Stammbaum ist in drei Gruppen mit je vierzehn Namen gegliedert (V. 17), entsprechend der Zahlenwertsumme des hebräischen Namens David (4 + 6 + 4 = 14). Die Abweichungen bei der Schreibweise der aufgezählten Namen von der im Alten Testament bekannten hängt damit zusammen, dass das Matthäus-Evangelium auf die Septuaginta (griechische Version des Alten Testaments) zurückgreift.
Josef, als Stiefvater, achtete als ‘Gerechter’ (hebr. = ’zaddiq’) auf die Einhaltung der Gebote (Matt 1,19). Nach seiner Ansicht konnte Marias Schwangerschaft nur das Ergebnis einer unmoralischen Beziehung sein. Nach mosaischem Recht hätte das eine drastische Bestrafung erfordert (3. Mose 20,10; 5. Mose 22,22-24), in neutestamentlicher Zeit mindestens eine öffentliche Bloßstellung. Dies wollte Josef seiner Maria ersparen und sie ohne öffentliche Erklärung (Scheidebrief) ins Elternhaus zurückschicken. In Vers 20 erklärt ein Engel dem Josef, dass das in Marias Leib heranwachsende Kind rechtlich kein uneheliches Kind ist. Damit wird die göttliche Abstammung Jesu hervorgehoben, nachdem der vorangestellte Stammbaum die menschliche Seite betonte. Josef lässt sich auf die göttliche Anweisung ein. Damit wird Jesus rechtlich und nach außen sein Adoptivsohn.
Nach allgemein jüdischer Ansicht stellen die größeren Zeitabschnitte im Leben eines Juden deutlich umrissene Aufgaben und Verantwortungen dar. So werden auch die Meilensteine auf dem menschlichen Lebensweg zur Einkehr, zur Selbstbesinnung, zur Hingabe an eine Aufgabe zur Verpflichtung besonders hervorgehoben, weil (nach dieser rabbinischen Meinung) „jedes Lebensalter besondere Pflichten mit sich bringt“. Hier können wir annehmen, dass auch Jesus in diesem Geist durch seine Eltern erzogen wurde.
Wie sah das Familienleben gemäß jüdischer Tradition aus?
Gemäß dem göttlichen Gesetz, beachteten auch die Eltern Jesu die Vorschrift, dass ein Junge am 8. Tag nach seiner Geburt an seiner Vorhaut beschnitten werden sollte (3. Mose 12,1-3). Er erhielt so das unabänderliche Zeichen seiner jüdischen Abstammung und Zugehörigkeit.
Dreiunddreißig Tage nach seiner Geburt wurde er ebenfalls gemäß jüdischem Gesetz und göttlicher Vorschrift (3. Mose 12, 4) in den Tempel nach Jerusalem gebracht, um Israels Gott dargestellt zu werden (2. Mose 13,2 + Luk 2,22.23). Es handelt sich dabei um eine symbolische Darbringung und bedeutet, dass der Dargebrachte dem HERRN heilig (=abgesondert) und zu seinem Dienst geweiht ist.
Exkurs: Das Erstgeburtsrecht.
Nicht jeder Zuerstgeborene, der Älteste, hat auch das ‘Erstgeburtsrecht’. In Israel kam dem ‘Erstgeburtsrecht’ eine hohe Bedeutung zu. Das geht auch aus der Jakobsgeschichte hervor (1. Mose Kap. 25,29–34 und Kap 27; vgl. auch Röm 9,10-13). Damit ist nicht ausschließlich die zeitliche Abfolge, sondern eine Rangordnung gemeint. Dieser Begriff steht auch stellvertretend für das ganze Volk Israel - in ihm ist Israel als Volk Gottes geweiht (2. Mose 4,22-26). Deshalb auch ist es als unverbrüchliches Eigentum heilig (abgesondert von allen anderen Völkern), und beauftragt, Ihm als Volk priesterlich zu dienen. Dieses 'priesterliche Dienen' überträgt sich später (im Neuen Testament) auch auf die Nachfolger Jesu.
(vgl. Hebr 1,6; Kol 1,15.18; Röm. 8,29; 1. Kor 15,20.23 in Verbindung mit 2. Mose 19,5.6; Röm. 8,23; Hebr 12,23; Jak 1,18; 1. Petr 2,9.10).
Bei dem Vorgang der Darstellung im Tempel wurde Jesus von dem betagten Simeon als ‘Trost Israels’ (Jes 40,1; 49,13; 52,9) und ‘Gesalbter Jahwes’ (1. Sam 2,10; Psalm 18,3) und als ‘Licht zur Erleuchtung der Heiden’ (Jes 42,6; Kap. 49, besonders Vers 6b) erkannt und begrüßt (Luk 2,25-35). Auch die vierundachtzigjährige Prophetin Hannah pries Gott für diesen Knaben, der ‘Israels Erlösung’ (Jes 45,17; Psalm 111,9) bringen würde (Vers 38).
JESU KINDHEIT
Ob Jesus nach rabbinischem Verständnis ab dem Alter von fünf Jahren mit den heiligen Schriften (Altes Testament) bekannt gemacht wurde, ist in der Bibel nicht mitgeteilt, aber wahrscheinlich, denn: Bereits mit zehn Jahren wurde jedes jüdische Kind nach jüdischer Vorschrift angeleitet, sich sogar mit der ‘Mischna’ (= jüdische Glaubens- und Gesetzeslehre) zu beschäftigen. Es kann daher angenommen werden, dass zunächst die biblische Grundlage gelegt worden war.
JESUS ALS VOLLMITGLIED DER SYNAGOGE
Mit zwölf oder dreizehn Jahren war ein jüdischer Junge ‘ein Sohn des Gesetzes’ (= Bar Mizwa, vergleichbar heute mit Kommunion oder Konfirmation) und nahm damit an Wallfahrtsfesten teil. Wohl aus diesem Grund nahm Jesus als Zwölfjähriger an der alljährlichen Pilgerfahrt seiner Familie nach Jerusalem, aus Anlass des Passahfestes teil (2. Mose 23,14ff). Hier vermissten ihn seine Eltern, nachdem sie sich schon einen Tag lang auf dem Rückweg befanden (Luk 2,41-52). Sie gingen nach Jerusalem zurück und fanden ihn schließlich nach drei Tagen im Tempel zwischen den Lehrern sitzend, ihnen zuhörend und selbst Fragen stellend. Alle aber staunten über seinen Verstand und seine Antworten. Anschließend heißt es über seine weitere Jugendzeit ergänzend: „Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen“. Er wurde also noch zugerüstet für seine Lebensaufgabe und war auch 13 Jahre nach der Geburt nicht mit allen Glaubensinhalten vertraut!
Anfrage: Wenn Jesus auch in diesem Alter nicht nur Mensch, sondern auch schon ‘wahrer Gott’ gewesen sein soll, warum fehlte es ihm also an Gnade und Weisheit?
Exkurs: Das Passahfest...
...ist eins der drei wichtigsten jüdischen Feste und erinnert die Israeliten an die Entlassung aus dem Frondienst in und den Auszug aus Ägypten (2. Mose 12). Für die Zeit nach der Einnahme des verheißenen Landes wurde in ihrem Gesetz die jährliche Wiederholung des mehrtägigen Passahfestes festgeschrieben (2. Mose 12,25-28; 2. Chron 8,12-15). Dabei ist der 14. Nisan/Abib (etwa Mitte März) der Tag, an dem das Opferlamm geschlachtet wird. Den Vätern war hierzu aufgetragen worden, ihren Söhnen auch den Sinn des Festes zu erzählen (2. Mose 13,8). Kein Fremder, geduldeter Ausländer oder Tagelöhner durfte an diesem Gemeinschaftsmahl aktiv teilnehmen, das an die Erlösung Israels erinnerte und sie vergegenwärtigte (2. Mose 12,43-45)! (Übrigens, auch Jesus wurde am 14. Nisan/Abib von den Römern hingerichtet, als das eigentliche, das wahre Passahlamm (Joh 19, 14), nachdem er am 13. Nisan, wahrscheinlich nach 18 Uhr - also nach jüdischer Rechnung schon der 14. Nisan - noch das ‘Abendmahl’ mit seinen Jüngern zu sich nahm)
JESUS ALS DREISSIGJÄHRIGER MANN
Im nächsten biblischen Bericht über wichtige Ereignisse im Leben Jesu ist seine Taufe durch Johannes (seinem Großcousin) beschrieben (Matt 3,13-15). Es ist überliefert: „In den Tagen aber kommt Johannes der Täufer und predigt in der Wüste von Judäa und spricht: 'Tut Buße! Denn die Königsherrschaft der Himmel ist nahe gekommen.' Ganz Jerusalem und ganz Judäa und die ganze Umgebung des Jordan ging zu ihm hinaus, weil sie das von ihm hörten, und ließ sich von ihm im Jordanfluss taufen, indem sie ihre Sünden bekannten! Und als er auch Jesus kommen sah [Anm.: er war zu dem Zeitpunkt etwa 30 Jahre alt], begrüßte Johannes ihn mit den Worten: 'Siehe das Lamm Gottes, welches die Sünden der Welt wegnimmt!'“ (Joh 1,29; 3. Mose 16,15-22). Weiter bezeugte er deutlich, dass „Jesus der Sohn Gottes ist“ (Joh 1,29-34)! Und nach dem Untertauchen und dem Emporsteigen aus dem Wasser des Jordan sah er den Geist Gottes (wie auch eine Taube sich im Flug senkt) herabsteigen und auf ihn kommen und eine Stimme aus dem Himmel bestätigte: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!“ (Matt 3,16.17).
Heutige Christen bringen die Taufe fast ausschließlich mit einer Namensgebung in Verbindung, vielleicht auch noch mit der Aufnahme in eine Kirche. Doch welchen Sinn hatten Taufen damals, zur Zeit Jesu, als es noch keine Kirchen gab? Antworten geben die damals vorhandenen heiligen Schriften: Nach dem 3. Buch Mose, Kap. 14,8; 15,5; 17,16 gab es in der jüdischen Tradition schon seit Generationen Reinigungsbäder und rituelle Waschungen, sie waren damals also durchaus bekannt in der prophetischen Verkündigung als Sinnbild für die Reinigung von Sündenschuld. Darum die Zustimmung Jesu zu dieser bereits bekannten Handlung, als er sich selbst der Johannestaufe unterzog, weil er damit und dadurch „alle Gerechtigkeit erfüllte“, wie er selbst betonte (Matt 3,15). Hier ordnete sich Jesus Johannes unter, obwohl er immer über ihm stand. Jesus war sich dessen bewusst, als König (= Messias) bestimmt zu sein und damit sündlos mit seinem himmlischen Vater in Beziehung zu stehen.
Ganz bewusst also rechnete er sich in der Taufe damit zeichenhaft uns sündigen Menschen zu. Die zu ‘erfüllende Gerechtigkeit’ entsprach und entspricht all dem, was Gott zum Heil für die Menschen vorgesehen hat. Durch das Sichtbarwerden und die bleibende Gegenwart des göttlichen (heiligen) Geistes war Jesu Salbung mit heiligem Geist die göttliche Be- und Versiegelung (Apg. 10, 38a)! So wird die Handlung Johannes des Täufers gleichsam zum ersten öffentlichen Auftritt Jesu. Dass Jesus sich selbst dieser Bußtaufe unterwarf, bedeutet nicht, dass er sich selbst als Sünder sah oder gar Buße nötig gehabt hätte. Vielmehr wird bereits hier etwas von seinem stellvertretenden Dienst erkenntlich, mit dem er für andere da ist und als das Lamm Gottes erkennbar wird (Jes 53,7; Apg 8,32.33). Die Taufe allgemein ist durch und durch jüdische Symbolhandlung und charakterisiert einen reformierenden Lebensneuanfang – jetzt mit Christus.
Das Herabfahren und -legen des heiligen Geistes war ebenfalls für den Messias verheißen (Jes 11,2; 42,1; 61,1), die symbolische Gestalt der Taube hat ihren Hintergrund in 1. Mose 1,2; 3. Mose 12,6ff; Hohelied 2,12. Die Stimme aus dem Himmel erklärt Jesus zum Sohn Gottes (ergänzend später zum Knecht Gottes, zum göttlichen Propheten und Priester) – Der Höhere segnet (oder salbt) den Geringeren (Hebr 7,7). Damit erfüllen sich in der Person Jesu die Verheißungen aus Psalm 2 und Jesaja 42 und 53! Denn, nicht das Kommen eines Gottes war angekündigt, sondern eines menschlichen Königs!
JESUS ALS BEWÄHRTER
Gleich nach seiner Taufe - nach dieser öffentlichen Bekundung, den Willen Gottes erfüllen zu wollen - führte ihn der Weg in die Wüste zu einer vierzigtägigen Fastenzeit (Matt 4,2; Mark 1,13). Wobei die Anzahl der Tage ‘vierzig’ wiederum an eine bekannte jüdische Bewährungszeit anklingt (vgl. 1. Mose 7,4.17; 2. Mose 16,35; Jona 3,4). Ein großer Teil dieser in der Bibel immer wieder genannten Zeitspanne hat den Sinn einer Rüstzeit, der Vorbereitung auf eine besondere Aufgabe und der anschließenden Bewährung, wie sie auch Jesus durchstehen musste (Matt 4,1-11).
Anfrage: Benötigt ein ‘wahrer Gott’ Rüstzeit?
Matthäus berichtet in Kap. 4,3-11 von Jesu Glaubenserprobung, indem der Teufel an ihn herantrat und sprach: „Wenn du Gottes Sohn bist...“ Hier fällt auf, dass Jesus zweimal nicht als ‘Gott’ angesprochen wird, obwohl diese Anrede dann von einem vermutet bösen Geistwesen hätte ausgehen müssen.
Anfragen: 1. Haben nicht Geistwesen (Engel = Boten Gottes) prinzipiell ein höheres Wissen als Menschen? Warum spricht der Teufel ihn dann nicht als ‘wahren Gott’ an? und
2. War Jesu Natur vielleicht teilbar und wurde nur der menschliche Teil Jesu geprüft? Warum wird dies in der Bibel aber nicht gelehrt? Ein wahrer Gott kann nicht zum Bösen versucht werden (Jak 1,13).
JESUS ALS WANDERPREDIGER
Ab dieser Zeit begann Jesus in der Öffentlichkeit aufzutreten. Jesus predigte von nun an auch von der nahenden Königsherrschaft (dem Herrschaftsbereich) Gottes, dem messianischen Reich auf unserem ‘blauen Planeten’.
Denn dieses Reich Gottes wird eben nicht im Himmel zu finden sein (wie immer wieder zu hören ist), es ist nicht nur in unseren Herzen angelegt, sondern war den Israelis in seiner umfassenderen Bedeutung bereits lange zuvor als irdisch angekündigt. Die Schar seiner Zuhörer wusste also, wovon er sprach, sie verstanden ihn richtig. Heutige Christen vermuten dagegen etwas ganz anderes: „Kommen wir denn nicht in den Himmel?“
Es verwundert nicht, dass diese wirklich reale und erfreuliche Mitteilung und zuverlässige Ankündigung eines göttlichen Königreiches auf der Erde (des Paradieses = Offbarung Kap. 21) nicht bei irgendeinem anderen Volk der Erde zu finden war, sondern bis Jesu Wirken ausschließlich in der Nation Israel. Auch hierin können wir die Erwählung Israels durch den himmlischen Vater erkennen. Viele biblische Propheten kündeten von einem kommenden irdischen Reich Gottes, in dem Seine Pläne und Absichten mit Israel und den Heiden noch zur Vollendung kommen werden.
Bis zum heutigen Tage ist noch nicht zur Ausführung gekommen, was bereits Jesaja in seinem 2. Kapitel in den Versen 1 - 5 u.a. vorhergesagt hatte: „Denn von Zion wird Weisung ausgehen, und von Jerusalem das Wort Jahwehs, und die Völker werden nach Gott fragen. Die Kriegswaffen werden zu Instrumenten des Friedens und der Wohlfahrt umgeschmiedet...“ (Micha 4,1-5).
Dann wird Israel ein Segen auf Erden sein (Jes 19,24). Dieses, die ganze Welt beherrschende Reich, von dem die Bibel immer wieder spricht, wird ein König heraufführen, der aus dem Geschlecht Davids stammt, der Gottes Recht und Gerechtigkeit den Menschen lehren wird (darum auch bei Matthäus ‘Reich der Himmel’ genannt). Jesus entscheidet bei seiner Wiederkunft und dem Völkergericht, wer würdig ist, „das Reich zu ererben“ (Matth 25,31-46). Die Juden kannten diese Verheißung schon lange und wussten, dass dieses Reich der Gottesherrschaft durch ihren König alle vorhergehenden weltlich-politischen Reiche ablösen (vernichten) und an deren Stelle treten würde (Dan 2,44).
Es wird als das ‘Tausendjährige Reich’ beschrieben (Offb 20,1-6). Dass sich das zukünftige Königreich tatsächlich auf diesem Globus befindet, sagen folgende Bibelstellen aus: Psalm 37,11; Jes 60,21; Matt 5,5; Luk 22,18 (wachsen im Himmel Trauben?); 2. Petr 3,13; Offb 21,1! Während dieser Zeitspanne werden viele prophetische Ankündigungen in Erfüllung gehen, z.B. Jes 2,2-4; 11,6-9; Sach 8,13.20-23.
Es verbietet sich also, die biblischen Aussagen über das Reich der Himmel einfach zu vergeistigen und damit zu entwerten! Eines Tages wird vom Himmel her proklamiert werden: „Es sind die Reiche der Welt unseres Gottes und seines Christus geworden, und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (Offb 11, 15). Dann gilt eine neue Lebensordnung, die dem Willen Gottes endlich entspricht und nicht mehr vom Menschen eigenmächtig verändert werden kann (Jer 31,33 Hes 36,25ff).
Gerechtigkeit und Vollendung betritt damit in ihrer entscheidenden und allumfassenden Bedeutung die Weltbühne: „Siehe, ich mache alles neu“, steht am Ende der Offenbarung geschrieben (21,5) - was das alles mit der urchristlichen Gotterkenntnis zu tun hat? Ein grundlegender Unterschied wird deutlich:
Der himmlische Vater ist Geist (Joh 4,24a) und bleibt Gott (Jahwe), der Sohn Jesus ist Mensch, der jetzige ‘Kronprinz’, und wird König.
JESUS IN EINEM JÜDISCHEN UMFELD
Nach Johannes’ Erzählung ging Jesus im Herbst zum ‘Fest der Laubhütten’ nach Jerusalem (Joh 7,2).
‘Laubhütten’ oder auch ‘Sukkoth’ [Sukkah = Hütte] (3. Mose 23,39ff) ist eines der drei israelitischen Hauptfeste (fast zeitgleich mit unserem christlichen Erntedankfest), das mit einer Wallfahrt nach Jerusalem verbunden war. Der Name des Festes rührt daher, während des Festes im Gedenken an die Wüstenwanderung sieben Tage lang in Hütten aus Laub zu wohnen. Es findet nach Abschluss der Ernte statt, wenn die Früchte des Feldes vom Dreschplatz und von der Weinpresse eingebracht worden sind. So ist es auch ein Fest der Freude und der Dankbarkeit über die Gaben Gottes (5. Mose 16,13-15). Die kunstlos aus wenigen Brettern und Zweigen gefügte Hütte soll die Menschen daran erinnern, wie sehr sie aus Gottes Gnade leben.
Die Bauvorschrift besagt, dass die Zweige, die das Dach der Hütte bilden, den Bewohnern tagsüber den nötigen Schatten spenden, aber gleichzeitig so luftig gefügt sein sollen, dass nachts die Sterne durchschimmern können. Es ist gleichsam ein sprechendes Symbol für die innere Einstellung des gläubigen Juden: Kein noch so fest gefügtes Dach bietet genügend physischen Schutz - sondern der mit Sternen übersäte Himmel gewährleistet echte Sicherheit, wenn man dem Ewigen glaubt und auf Ihn die ganze Zuversicht setzt. Jesus, seine Halbgeschwister und seine Eltern werden ebenfalls in diesen Traditionen gelebt haben, denn:
Jesus wurde ebenso beim alljährlichen achttägigen Fest der Tempelweihe (am 25. Kislew = Nov./Dez.) gesehen (Joh 10,22). Diese festliche Veranstaltung wurde zur Erinnerung an die Wiedereinweihung des Tempels (hebr. chanukkah = Einweihung) unter Judas Makkabäus im Jahre 165 v. Chr. gefeiert, drei Jahre nachdem ihn Antiochus Epiphanes durch ein heidnisches Opfer absichtlich entweiht hatte. Das Tempelweihfest wurde ähnlich wie das Laubhüttenfest gefeiert. Der Historiker Flavius Josephus nennt es wegen der Festbeleuchtung des Tempels auch das ‘Lichterfest’. Bei Joh 10,23 heißt es: „Und Jesus ging in dem Tempel umher, in der Säulenhalle Salomons.“ Diese Säulenhalle lag auf der Ostseite des äußeren Tempelvorbaus und war ein beliebter Ort für jüdisch-religiöse Glaubensunterweisung. Der Sohn Gottes lernte und lehrte.
JESUS ALS LEHRER
In Matthäus 4, 23.24 heißt es, dass Jesus in ihren Synagogen lehrte, indem er das Evangelium vom Reich Gottes predigte, und sein Ruf über ganz Syrien hin bekannt wurde. Er lehrte wie jemand der Vollmacht hatte und nicht wie die Schriftgelehrten und Pharisäer.
In Kapitel 5 geschah für die damalige amtliche Führungsschicht etwas Ungeheuerliches: Dieser Zimmermannssohn erdreistete sich, den göttlichen Geboten aus den Mosesbüchern einen tieferen Sinn zu unterlegen: „Denkt nicht, ich sei gekommen, das Gesetz oder die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen aufzuheben, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, wird nicht ein einziges Jota oder Häkchen vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist...“
Und er fährt fort: „Ihr habt gehört, dass gesagt wurde zu den Alten: Du sollst nicht töten...“
„Ich aber sage euch...“
„Ihr habt gehört, dass gesagt wurde zu den Alten: Du sollst nicht ehebrechen...“
„Ich aber sage euch...“
„Es wurde auch gesagt: Wer seine Frau entlässt, gebe ihr einen Scheidebrief...“
„Ich aber sage euch...“
„Wiederum habt ihr gehört, dass gesagt wurde zu den Alten: Du sollst nicht falsch schwören...“
„Ich aber sage euch...“
„Ihr habt gehört, dass gesagt wurde: Auge um Auge, Zahn um Zahn...“
„Ich aber sage euch...“
„Ihr habt gehört, dass gesagt wurde: Du sollst deinen Nächsten lieben...“
„Ich aber sage euch...“
Hierdurch unterstrich Jesus in für jüdische Ohren anmaßend klingender Art („Ich aber sage euch“) den immer schon vorhandenen Urgrund der Sünde, indem er alle oberflächliche Sichtweise eines Sündenbekenntnisses den Garaus machte. Die buchstäbliche und bedrückende Handhabung des Gesetzes kritisierte er und legte die Wurzel allen menschlichen Versagens in uns [die Fleischeslust, die Augenlust und die Hoffahrt des Lebens (1. Joh 2,16)] offen. Die Menge erkannte in Jesus einen außergewöhnlichen Gesetzeslehrer, der mit Vollmacht redete. Sie staunte über seine Kenntnis und Auslegung der Gesetze mit Vollmacht. Obwohl er bei keinem Lehrer studierte, wie es Brauch war, nannten sie ihn dennoch respektvoll ‘Rabbi’. Denn, das sahen sie, seine Lebensführung stimmte mit seinen Lehren überein (Luk 6,46), anders als bei den Gesetzeslehrern. Dadurch fühlten sich die Schriftgelehrten und Pharisäer brüskiert und herausgefordert, und sie 'ballten die Faust in der Tasche'.
JESUS ALS HEILER
Das Matthäus-Evangelium, Kapitel 9 berichtet von einem Akt der Sündenvergebung und sogar von der körperlichen Heilung eines Gelähmten.
Das Ereignis endet mit der Aussage in Vers 8: „Als aber die Volksmengen es (das Wunderzeichen) sahen, fürchteten sie sich und verherrlichten Gott, der solche Vollmacht den Menschen gegeben hatte.“ Durch die Variation in der Betonung des Satzes, werden wichtige Lehren ersichtlich:
1. „...der solche Vollmacht den Menschen gegeben hatte.“
2. „...der solche Vollmacht den Menschen gegeben hatte.“
zu 1.: die Folgerung: Jesus ist nicht Gott, sondern ein Mensch.
zu 2.: die Folgerung: Die Macht das tun zu können, wurde Jesus von Gott gegeben.
Die Folgerung aus beidem: Zwei unterschiedlich handelnde Persönlichkeiten sind aktiv; die eine agiert (gibt), die andere reagiert (nimmt entgegen): Der Gebende ist ein anderer als der Empfänger.
Da stellt sich noch die Frage nach der Reihenfolge dieses Ereignisses: zuerst Sündenvergebung, danach die Wiederherstellung der körperlichen Beeinträchtigung. War die Reihenfolge wichtig? Wenn Jesus dem Wunsch nach körperlicher Heilung zuerst entsprochen hätte - wie hätte er dann die nachfolgend gewährte Sündenvergebung belegen sollen? So aber hatte er einen unwiderlegbaren Beweis für seine Berufung. Die Juden waren sich nicht im Klaren darüber, wie sie mit dem Geschehen umgehen sollten. Ihr Glaube war doch durchdrungen von den Zeugnissen in den Mosesbüchern (hier besonders 3. Mose, die Kap. 1-7; jedoch auch Psalm 130; Jes 33; 55; Dan 9,4-19 u.a.) nämlich, dass nach genau vorgeschriebenem Zeremoniell Opfer dargebracht werden durften (z.B. Brandopfer, Speiseopfer, Friedensopfer, Sündopfer, Schuldopfer) und dass danach ausschließlich Gott Jahwe selbst Schuld vergeben konnte. Und nun wurde diese im Judentum seit vielen Generationen bekannte Tradition durch den Zimmermannssohn einfach umgestoßen? Das war überaus herausfordernd: Jesus spielt mit seinem Leben, der lästert den Ewigen und das erfordert die Todesstrafe - die Steinigung (siehe 3. Mose 24,10-15.23); fast wäre seine Hinrichtung schon erfolgt (Luk 4,29).
Fragen wie diese: „Wie kann dieser die Schrift verstehen, wenn er sie doch nicht erlernt hat?“ (Matt 13,54; Joh 7,15) oder „...In welcher Vollmacht tust du diese Dinge? Wer hat dir diese Vollmacht gegeben?“ (Matt 21,23ff) waren die logische Schlussfolgerung der Hohenpriester und Ältesten. Aber vielleicht hätten sie auch nur auf die Zuschauer hören sollen; denen dämmerte es bereits: „Als aber die Volksmengen es sahen, fürchteten sie sich und verherrlichten Gott, der solche Vollmacht den Menschen gegeben hatte.“
Es fällt auf, dass die begeisterten Menschen nicht Jesus verherrlichten (der die Sündenvergebung gewährte und das Wunder vollbracht hatte), sondern Gott! Sie hatten verstanden: Er, der da vor ihnen stand, Jesus, war ein Mensch (Matt 9,8b), einer von ihnen, den man nicht verehren durfte. Gott ermöglicht die Wunder, die der Mensch Jesus tat. Auch Paulus beschrieb dies im Römerbrief 5,15.19 und es stand im völligen Einklang mit ihrem Denken und Wissen (hierzu später ein Beispiel).
Bis jetzt ist die brennende Frage nach der Vollmacht von Jesus noch nicht beantwortet. Im Johannes-Evangelium jedoch klärt uns Jesus im 5. Kapitel, in den Versen 25-30 und im 17. Kapitel unmissverständlich auf:
- Mein Gott (Jahwe) selbst hat mir diese Macht über alle Menschen gegeben (die Verse 2,4,7,8,11,22-24)!
- „Alles ist mir übergeben worden von meinem Vater...“ (Matt 11,27a; 28,18; Joh 3,35; Hebr 2,8).
Bei unterschiedlicher Betonung der zuletzt angeführten Worte, können weitere Erkenntnisse gewonnen werden:
1. „Alles (was ich bin und was ich habe und was ich weiß und was ich kann) ist mir übergeben worden von meinem Vater“. Es ist nichts (was in der Schöpfung existiert) ausgenommen!
2. „Alles ist mir übergeben worden von meinem Vater“. Die Schlussfolgerung: Hätte sein himmlischer Vater ihm das nicht zukommen lassen, wäre er genau so eingeschränkt und ohne besondere Macht geblieben, wie wir. Denn vor der Übergabe (wahrscheinlich bei der Besiegelung oder Salbung mit heiligem Geist und der Taufe) wäre er zu diesen Wundern und zu übermenschlichem Wissen nicht fähig gewesen (Joh 5,19.30).
3. „Alles ist mir übergeben worden von meinem Vater“. Gott hat ihn gezeugt - Er ist sein Vater. [Durch diesen Sachverhalt hat alle Vaterschaft auf der Erde seinen Namen (Eph 3,15)]. Gott hat seinem Kind, diesem Jesus, zu einem bestimmten Zeitpunkt alles aus der Schöpfung übergeben. Diese Machtfülle, von der Jesus hier spricht, fehlte ihm zuvor. (Der Heiland sprach bei anderer Gelegenheit davon, dass diese Macht durch Gottes Autorität übertroffen wird. Auch dazu später mehr.)
Der Heiland der Welt sagte sinngemäß aus: Ich habe die Macht (Vollmacht) von meinem Gott und himmlischen Vater bekommen, und wenn das nicht geschehen wäre, hätte ich diese Machttaten nicht vollbringen können (Joh 5,19). Er erhielt diese Kraft ergänzend durch Segen und Salbung oder Versiegelung von Gott, wie es schon vorhergesagt wurde im Psalm 45,7.8.: „Dein Thron bleibt wie Gottes Thron für immer und ewig. Ein gerechtes Zepter ist dein Königszepter. Du liebst das Recht und hassest das Unrecht. Deshalb hat dich Jahwe, dein Gott, mit Freudenöl gesalbt vor deinen Gefährten.“ Und auch Jesaja hielt für die Nachwelt fest, in Kapitel 42, die Verse 1 - 5a: „Siehe, mein Knecht, den ich halte, mein Erwählter, der mir gefällt! Ich legte auf ihn meinen Geist; er bringt den Völkern das Recht. Er schreit nicht und erhebt nicht seine Stimme, läßt sie nicht hören auf der Straße. Geknicktes Rohr zerbricht er nicht, glimmenden Docht löscht er nicht aus; in Treue bringt er das Recht. Er selbst wird nicht matt, nicht knickt er zusammen, bis er auf Erden das Recht festsetzt und auf seine Weisung die Inseln harren. So spricht Gott (Jahwe) der die Himmel schuf...“ Und Jesaja fährt fort im Kap. 61, Vers 1: „Der Geist des Gebieters Jahwe ist auf mir, denn Jahwe hat mich gesalbt...“ So ausgestattet öffnete er „den Blinden Augen und den Tauben Ohren“ (Jes 35,5).
Den Juden waren diese Aussagen über ihren zukünftigen menschlichen König bekannt, denn schon lange vor der Zeit Jesu hatten sie in der Synagoge eher eine menschliche Dimension. Wie schön für uns heute zu erfahren, dass dies bei Jesu Taufgeschehen, in Joh 6,27b und in der Apg 10,38a bestätigt wird: Der Menschensohn bekam die Segnung! Und im Hebräerbrief wird bestätigt: „Ohne allen Zweifel aber wird das Geringere vom Höheren gesegnet“ (7,7). Die Schlussfolgerung ist doch: Jesus war geringer als Gott! Nicht ‘wahrer Gott’, sondern der Sohn Gottes (durch Zeugung und Erwählung!), ein Mensch und entsprach damit völlig jüdisch-hebräischer Erwartung.
Noch einmal zurück zu den Heilungen: Wiederholt wurde dokumentiert, dass die Zeugen der Heilungsgeschehen Gott lobten und priesen (Luk 5,18-26; 13,11-13; 17,11-19; Joh 4,46-54; 9,1-41); nicht Jesus, durch dessen Einsatz dieses doch ganz offensichtlich geschehen war. Scheinbar anerkannten sie in ihm tatsächlich nur ein Medium, das eine echte Umkehr anmahnte.
Hier nun zwei Beispiele. In Matthäus (15,21-28) wird ein solcher Fall geschildert:
Die kanaanäische Frau (keine Israelitin) schrie bittend hinter Jesus her, indem sie ihn mit seinem richtigen messianischen Titel ‘Sohn Davids’ bezeichnete. Dieser königliche Jude schien ihre letzte Hoffnung für ihre Tochter zu sein. Doch ihr lautes Jammern und Klagen erreichte ihn scheinbar nicht. Selbst die Jünger versuchten ihn vergeblich zu überreden: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt!“ Schließlich versperrte sie ihm den Weg, indem sie sich vor ihm auf die Erde warf: „Herr, hilf mir!“ Sie hatte nicht locker gelassen. Trotzdem war Jesus immer noch nicht bereit, ihrer Bitte zu entsprechen. Schlussendlich stellte er für sie noch eine Hürde auf: „Es ist nicht schön, das Brot den Kindern (dem jüdischen Volk) weg zu nehmen und den Hunden (Heiden) hinzuwerfen.“ Eine harte Sprache über eine innerisraelische Tischgemeinschaft, die sie sich da gefallen lassen musste. Aber sie war nicht beleidigt wegen Jesu rüdem Umgangston, der fast beleidigenden Abfuhr, sondern sie verstand diese Aussage richtig als eine Bildersprache. Man könnte meinen, nun hatte er sie soweit. Sie musste ‘Farbe bekennen’, ihren festen Glauben unter Beweis stellen: „Ja Herr...“ (du hast Recht); „...doch es essen ja auch die Hunde von den Krumen, die von dem Tisch ihrer Herren fallen.“ Damit war ihr tiefer Glaube offengelegt. Denn damit erkannte sie Jesu messianische Sendung zu Israel an und war bereit, sich mit dem zu begnügen, was er für sie (bzw. ihrer Tochter) als Nichtjüdin tun würde. Von solch offenem Glaubenszeugnis war Jesus tief beeindruckt – er erhörte ihr Klagen: „Dir geschehe, wie du willst.“ ...Und ihre Tochter war geheilt von jener Stunde an.
Textstellen in Matthäus 8,2-3; Markus 1,40-42 und Lukas 5,12-14 berichten von der Heilung eines Aussätzigen, dem Jesus nach der Heilung den Auftrag gab, den Vorschriften des Alten Bundes entsprechend Gott Opfer darzubringen: „Geh’ aber hin, und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, wie Moses geboten hat, ihnen zum Zeugnis!“ – hier wieder der unmissverständliche Hinweis auf Gott!
DIE GEBETE JESU
Gebete sind innige Gespräche, die auch Jesus mit seinem Vater führte (Matt 14,23; 19,13; 26,36.39.42; Mark 1,35; Luk 3,21; 5,16; 6,12; 9,28.29; 11,1; 23,34; Joh 11,41.42 u.v.m.). So kreisten seine Gedanken unablässig um Gott, ganz nach Psalm 16, Vers 8a: „Ich habe den Ewigen stets vor Augen, weil er zu meiner Rechten ist“ und nach Sprüche 3, 6a: „Auf all deinen Wegen merk’ auf ihn...“ und wieder Psalm 119, Vers 12: „Gepriesen bist Du, Ewiger, o lehr’ mich Deine Satzungen!“ - Ja, „das Leben in seiner Ganzheit soll ein Zeugnis vor Gott sein, eine alles umgreifende ‘Mitzwah’ (= Gottesgebot und Gebotserfüllung), durch die Gott offenbar gemacht wird (...)“ [aus: ‘Die Juden’ Leo Trepp, ISBN 3 499 554526], und gerade in Jesu Wirken und Leben erleben wir diese vollkommene Bedeutung und Erfüllung – ein vollkommener Gottesdienst (Röm. 12, 1 + 2).
Was macht ein Gebet aus?
Beten ist das einseitig geführte Gespräch mit einem auf andere Weise unerreichbaren Geistwesen. Der Vollzug impliziert somit die Existenz einer dem Menschen übergeordneten Macht, die wir gemeinhin als Gott bezeichnen. Beten ist in der Folge somit ein Jasagen zur Existenz Gottes und der Versuch, uns ihm zu nähern. Anbetung, Dank, Bitte und Fürbitte, sind Inhalt des Gebets. An-betung gebührt Gott allein. Ein Dankgebet stellt die höchste Form der Anbetung dar. Ein Bitt- und Fürbittgebet unterstreicht unser Wissen um die Abhängigkeit von einer höheren, geistigen Macht. Immer richtet sich der Untergeordnete an den Übergeordneten, der Geringere zum Besseren, Mächtigeren und Höheren, nie umgekehrt. Nie zu einem Ebenbürtigen – es wäre sonst eine Farce.
Dies sind die wesentlichen Inhalte des Gebets, die fest im Bewusstsein eines Juden verankert sind:
„Gott ist König in Wahrhaftigkeit. - Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, ist ein einiges, ewiges Wesen! - Gelobt sei der Name der Herrlichkeit seines Reiches auf immer und ewig. - Und du sollst lieben den Ewigen, Deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Vermögen (Können). Und es sollen diese Worte, die ich dir heute gebiete, in deinem Herzen sein. Und du sollst sie einschärfen deinen Kindern und davon reden, wenn du sitzest in deinem Hause, und wenn du gehest auf dem Wege, wenn du dich niederlegst, und wenn du aufstehst. Und du sollst sie binden zum Zeichen an deine Hand, und sie sollen sein zum Denkbande zwischen deinen Augen. Und du sollst sie schreiben an die Pfosten deines Hauses und an deine Tore. [...]“ (5. Mose 6,4-9; 11,13-21; 4. Mose 15,37-41)
Ein jüngeres Gebetbuch gibt Einsicht in die jüdische Gotteserkenntnis: „Ich glaube unerschütterlich, dass der Schöpfer, geheiligt sei sein Name, Einer ist, und es nirgends und in keiner Weise noch ein (anderes) Einssein gebe, das dem Seinen gliche, und ER allein unser Gott ist, der immer war, der ist, und der sein wird. - Ich glaube fest, dass der Schöpfer, geheiligt sei Sein Name, keinesfalls etwas Leibhaftes ist, dass Vorstellungen des Sinnlich-Leiblichen für Ihn durchaus nicht gelten und es für Ihn überhaupt keine ebenbildliche Gestalt gibt.“
Jesus betete sicherlich öfter und tiefgründiger als es uns übermittelt wurde. Doch es kommt darauf an zu erkennen, dass er seine Anbetung, seinen Dank, seine Bitte und Fürbitte an eine höhere Persönlichkeit im Himmel richtete. Das ist ausreichend belegt und darum kann Jesus nicht selbst der 'wahre Gott' sein.
Die Anhänger des Dreieinigkeitsglaubens werden wahrscheinlich entgegenhalten, es hätte lediglich sein Menschsein gebetet - nicht der wahre Gott in ihm. Doch diesem Gedanken kann man nur zustimmen, wenn man grundsätzlich davon ausgeht, dass Jesus mit seinen Gebeten ein bühnenreifes Theaterstück präsentierte.
Ist es nicht so, dass hier die Wahrhaftigkeit eines christlichen Predigers und Beters als Voraussetzung für seine Integrität und seine göttliche Autorität angemahnt wird? Jeder Verkünder von Glaubenswahrheiten muss also seine Verkündigung auch selber glauben und vorleben. Nur so behält er seine Glaubwürdigkeit. Sein „Nein“ ist ein Nein. Sein „Ja“ bleibt ein Ja (Matt 5,37; 2. Kor 1,17-19; Jak 5,12). Ein solcher Mensch spricht die Wahrheit; denkt, lebt und spricht ohne Hinterlist und Falschheit. Nur so gedeiht sein Evangelisieren - es fällt auf fruchtbaren Boden, wenn diese wahrhaftige Übereinstimmung von Wort und Tat erlebt wird. Wenn Jesus uns also deutlich vorlebt, dass wir uns dem Gott der Juden, dem Einen nähern sollen, so können wir seinem Beispiel zuversichtlich folgen.
Hinzu kommt noch ein weiterer Gedanke:
In der Anbetung ist es von Vorteil zu wissen, wen man zu erreichen wünscht. Auch die Art und Weise ist wichtig: Mit dem ganzen Verstand (Mark 12,30) lieben und Ihn „im Geist und Wahrheit anbeten“ (Joh 4,24), „rühmt Seinen heiligen Namen“ (Psalm 105,3). Jedoch: Bevor man Seinen heiligen Namen rühmen kann, muss man ihn kennen. Anbetung bedeutet, Gott zu rühmen für das, was Er ist (der Name spiegelt Sein Wesen wider). Echter, fundierter Glaube ist weder naiv noch leichtgläubig; er ist weder unlogisch noch irrational. Ganz im Gegenteil: Fundierter Glaube gründet auf einem wohlüberlegten Vertrauen.
Anfrage: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes...“ so bekreuzigen sich diejenigen, die dem katholischen Glauben anhängen. So beginnen fast alle Gebete oder enden zumindest in diesem dreifaltigen Sinn auch in fast allen anderen christlichen Gemeinschaften. Wann hätte der Jude Jesus je diesen Zusatz geglaubt und gebetet? Jesus begann das Gebet, mit dem er uns beten gelehrt hat (bei Matthäus 6,5-15) mit: ‘Vater unser...’(Matt 6,5-15). Eine andere Form ist biblisch nicht überliefert.
JESUS - ALS EIGENSTÄNDIGE PERSÖNLICHKEIT
Einen weiteren Hinweis für die Feststellung, dass Jesus eine eigenständige Persönlichkeit war und ist, wird in Matthäus 26,39 aufgezeigt: „Und er ging ein wenig weiter und fiel auf sein Angesicht und betete und sprach: ‘Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber! Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!“ Jesus unterscheidet also beider Willen. Sein Wille möchte am liebsten den ihm innewohnenden Wunsch verwirklicht sehen, dass der Kelch des Leidens an ihm vorüberziehen möge, ohne dass er ihn trinken muss (siehe Vers 53 = mögliche Bitte um 72.000 Engel). Doch Jesus kennt den gegenteiligen Plan seines Vaters, nämlich dass er als sein Sohn und zukünftiger Messias (Christus) doch diesen Weg des Leidens gehen möge. Wegen seines Gehorsams und seiner Liebe zu seinem Vater und den Menschen, stellt er sein eigenes Ansinnen zurück und willigt ein in den göttlichen Weg.
So gibt er seinen eigenen Willen auf, um Gottes Willen zu tun. Auch wenn er sehenden Auges in den Tod geht.
Anfrage: Kann es innerhalb einer Dreifaltigkeit entgegengesetzte Willensäußerungen geben? Jesus bittet seinen göttlichen Vater! Wenn er selbst Gott gewesen wäre, hätte er dann nicht ‘sich selbst bitten’ können, ohne den Umweg über den väterlichen Gott? Wird es nicht immer deutlicher, wie widersprüchlich die Lehre von einer Dreifaltigkeit Gottes ist?
JESUS - EINE WEGEGABELUNG
Matthäus, Kapitel 16, Vers 17b: „...denn Fleisch und Blut haben es dir nicht geoffenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist.“
Bislang hatte ich über diesen Satz relativ leicht hinweg gelesen. Nun aber, bei der Ausarbeitung dieses Artikels bemerke ich hierin eine Besonderheit. Zur Vorgeschichte dieses Satzes: Petrus bezeugt sein Wissen über seinen Herrn und Meister; der Jude Petrus anerkennt hier in Jesus den König: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.“ - Woher hatte er diese Überzeugung? Jesus behauptet, nicht aus menschlicher Erwägung, sondern vom lebendigen Gott, der im Himmel ist. Der allwissende, allmächtige Gott selbst vermittelte Petrus quasi ‘aus erster Hand’ diese Einsicht. Vielleicht haben beide an die Ankündigung des Schöpfers in 1. Mose, Kap. 3, Vers 15, an den (Weibessamen) gedacht, der eines Tages den Tod vernichten wird? (vgl. 2. Sam 7,11b-14a; Jes 7,14; 9,5.6; 11,1-5; Jer 23,5.6; Micha 5,1; Matth 11,27b) Und was Petrus noch nicht wissen konnte ist, dass Jesus nach seiner Auferstehung das Bekenntnis des Petrus bestätigt (Offb 22,16: „Ich bin der Wurzelspross und der Stamm Davids...“!)
Anfrage: Sollte Gott in dieser Offenbarung an Petrus Jesus als Teil einer Dreifaltigkeit verschwiegen haben? Die Wegegabelung Jesus bietet nur zwei Wahlmöglichkeiten an. Die eine ist falsch - die andere ist richtig: Wahrer Gott oder wahrer Mensch.
JESUS TRUG DIE SÜNDEN DER WELT
Der 2. Brief an die Korinther, Kapitel 5, Vers 21: „Den, der Sünde nicht kannte, den hat Er (Gott) für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm.“
Die Schreiber der Evangelien kannten die Aussagen des Tenach (Alten Testaments) über die Ankündigung eines für die Menschen eintretenden Mittlers (2. Mose 12,9-14; 4. Mose 11,12-15; 5. Mose 3,23-26; 4,21; Jer 30,21) und leidenden Gerechten (Jes 52,13-15; 53,1-12). Johannes der Täufer verkündigte dies von Anfang an: Joh. 1, 29: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt“. Und auch Jesus verwendete einige Sätze aus Psalm 22, noch während seines qualvollen Leidens am Kreuz (Matt 27,46; Mark 15,34).
Matthäus 1,21b; Hebr 9,26; 1. Joh 2,2; 3,5 und viele andere Stellen sagen aus, was jeder überzeugte Christ glaubt: Gott hat die tödlichen Auswirkungen unserer Sünden auf Jesus geladen, der selbst ohne Sünde war. Ein solcher Glaube (1. Joh 2,12) wird viele vor dem ewigen Tod retten – aber eben nicht alle (Matt 20,28b). Im Kolosserbrief 2,13-15; 1. Petr 2,24 wird die Bedeutung dieses Ereignisses detailliert beschrieben.
Gott wird in der Bibel als „heilig, heilig, heilig“ tituliert (Offb 4,8). Jesus selbst nannte ihn „heiliger Vater“ (Joh 17,11). Natürlich wussten auch die Juden zur Zeit Jesu ebenfalls, dass das Attribut ‘heilig’ in seinem ursprünglichen Sinn ausschließlich auf den Schöpfer anzuwenden ist. Diese Anschauung beinhaltet absolutes ‘Rein-sein’ Gottes, ebenso wie ‘geweiht’, ‘unverletzlich’, ‘unberührbar’, ‘unschaubar’, ‘abgesondert’ von jeglichem Unreinen. 2. Mose 15,11 formuliert: „Wer ist dir gleich, so herrlich in Heiligkeit, furchtbar an Ruhmestaten, Wunder tuend“.
Jesaja 6, Vers 3 vermerkt: „...Heilig, heilig, heilig ist JHWH (Jahwe) der Heerscharen! Die ganze Erde ist erfüllt mit seiner Herrlichkeit!“ Und Psalm 5,5: „denn du bist nicht ein Gott, der an Gottlosigkeit Gefallen hat; bei dir darf ein Böser nicht weilen.“ und Habakuk weiß in Kap.1,13: „Du hast zu reine Augen, um Böses mit ansehen zu können,...“
Erste Feststellung: Jesus wurde zum Sünder gemacht. Zweite Feststellung: Gott kann mit Sünde keine Liaison eingehen.
Anfrage: Kann man beide Gegebenheiten in Übereinstimmung bringen?
In dem Buch ‘Der Glaube der Kirche’ diktiert die Römische Kirche auf Seite 120: „In Christus sind also (...) zwei Naturen, die göttliche und die menschliche (...), die nicht vermischt sind“. Und Seite 135, lfd. Nr. 187, 8.: „Wer die Ausdrücke: ‘aus zwei Naturen, der Gottheit und Menschheit, sei die Einigung geschehen’ oder ‘die eine fleischgewordene Natur des Wortes’ nicht so nimmt, wie die heiligen Väter gelehrt, daß (nämlich) aus der göttlichen und menschlichen Natur durch hypostatische Einigung ein Christus entstand, wer vielmehr durch diese Ausdrücke nur eine Natur oder Wesenheit der Gottheit und Menschheit Christi einführen will, der sei ausgeschlossen. Denn wenn wir sagen, das einziggeborene Wort habe sich hypostatisch (personenhaft) (mit der Menschennatur) vereinigt, so behaupten wir nicht, daß eine Vermengung der Naturen untereinander geschehen sei (...)“ (Zitatende). Es gibt noch eine ganze Menge dieser ‘unfehlbaren Lehren’ über die angebliche ‘Hypostatische Union’ Jesu Christi, der Zweinaturenlehre. Diese eine sollte uns jedoch genügen als Hintergrundinformation.
Wenn sich also in dem Menschensohn Jesus Christus, zwei gegensätzliche Naturen befunden haben sollten (gemäß katholischer Lehre), die göttliche und die menschliche - nicht vermengt und nicht vermischt -, und auf diese Weise eine einzige Person bildeten, und diese Person nicht nur ein vollkommener Mensch, sondern auch gleichzeitig ein vollkommener wahrer Gott sein soll, dann haben wir in Jesus die römische ‘Quadratur des Kreises’ gefunden; Gott mit Sünde quasi auf Du und Du! Mit Hilfe eines ‘großen Geheimnisses’ kann man immer schnell mal den richtigen Hasen aus dem Hut zaubern, wenn Bibelstellen manchen Dogmen widersprechen sollten. Einmal ist er der menschliche Jesus - ein anderes mal der göttliche. Heidnische Gedankenakrobatik oder kirchliche Taktik hat in ihm keinen Raum. Denn es heißt...
... in Habakuk 1,13: "Du hast zu reine Augen, um Böses mit ansehen zu können,..."
Hier wird die Unvereinbarkeit von kirchlicher Lehre und der göttlichen Offenbarung deutlich (vgl. 2. Kor 5,21)! Darum kann Jesus auch auf Grund dieser einleuchtenden Tatsache nicht wahrer Gott (= Schöpfergott) sein.
JESU STELLUNGNAHME
Markus, Kapitel 12, Vers 28-34: „Welches Gebot ist das größte von allen?“
Jesus weicht dieser herausfordernden Frage nicht aus, sondern bezieht klar Stellung, mit einem Zitat aus dem Alten Testament: 5. Mose 6,4.5
"Höre, Israel: Der HERR ist unser Gott, der HERR allein!..."
Es ist der Beginn des jüdischen Glaubensbekenntnisses, das konzentrierteste und berühmte Credo des israelischen Volkes, die Formulierung des jüdischen Monotheismus. Ein Jude, er, bekennt so seinen eigenen Gott-Glauben und behauptet, das wäre das Höchste und Wichtigste. Und weiter:
"...und du sollst den Ewigen lieben, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Können!...
Das zweite ist dies: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (eine Wiederholung aus dem Alten Testament, 3. Mose 19,18)! Größer als diese ist kein anderes Gebot“.
Man beachte den Zusammenhang des alttestamentlichen Textes, den alle gläubigen Juden in der täglichen Praxis nach Vorschrift ebenfalls mindestens dreimal beten. Jesu Worte waren nur der Einstieg, quasi die Überschrift seines tiefen Wissens, welche essentieller Teil jedes Morgen- und Abendgebetes eines gläubigen Juden ist und auch zu vielen anderen Zeitpunkten im Leben jedes Juden gebetet wird, vom Aufstehen bis zum Schlafengehen, und von der Brit-Mila (Beschneidung) bis zum Tode. Durch die Formulierung wird jeder einzelne des jüdischen Volkes eingeladen, sich gedanklich mit dem Anspruch und dem Inhalt des jüdischen Monotheismus auseinander zu setzen: 5. Mose 6,4–9; 11,13-21; 4. Mose 15,37-41:
"... und es sollen diese Worte; die ich dir heute gebiete; in deinem Herzen sein. Und du sollst sie einschärfen deinen Kindern und davon reden, wenn du sitzest in deinem Hause, und wenn du gehst auf dem Wege, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst. Und du sollst sie binden zum Zeichen an deine Hand und sie sollen sein zum Denkbande zwischen deinen Augen. Und du sollst sie schreiben an die Pfosten deines Hauses und an deine Tore. Und es wird geschehen, so ihr hört auf meine Gebote, die ich euch heute gebiete, den Ewigen, euren Gott, zu lieben und ihm zu dienen mit eurem ganzen Herzen und Eurer ganzen Seele, so werde ich den Regen in eurem Land geben zu seiner Zeit, Frühregen und Spätregen, dass du einsammelst dein Getreide und deinen Most und Dein Öl. Und ich werde Gras geben auf deinem Feld für dein Vieh, und du wirst essen und satt werden. Hütet euch, dass nicht euer Herz betört werde und abweicht und fremden Göttern dient und euch vor ihnen bückt, und über euch der Zorn des Ewigen erglühe, dass er verschließe den Himmel, dass kein Regen sei, und der Erdboden nicht gebe sein Gewächs, und ihr bald umkommt, weg aus dem schönen Land, das der Ewige euch gibt. [...] auf dass sich mehren eure Tage und die Tage eurer Kinder auf dem Erdboden, den der Ewige verheißen euren Vätern, ihnen zu geben, wie die Dauer des Himmels über der Erde.
[...] Und der Ewige sprach zu Moses: Rede zu den Kindern Israels und sprich zu ihnen, dass sie sich Schaufäden machen an die Zipfel ihrer Kleider für ihre Geschlechter, und sie sollen an die Schaufäden des Zipfels eine purpurblaue Schnur geben. Und das sei euch zu Schaufäden, dass, wenn ihr sie anseht, ihr euch erinnert aller Gebote des Ewigen und sie tut, und nicht umherspähet nach eurem Herzen und nach euren Augen, denen ihr nachgeht; damit ihr euch erinnert all meiner Gebote und sie tut, und ihr heilig seid eurem Gott.
Ich bin der Ewige, euer Gott, der ich euch herausgeführt habe aus dem Land Mizrajim (Ägypten), Euch ein Gott zu sein, ich, der Ewige, Euer Gott."
Es gibt also eine irreführende ‘christliche Gotteserkenntnis’, die der einzig richtigen Gotterkenntnis des jüdisch-israelischen Volkes entgegensteht. „Gott i s t EINER“ (Joh 17,3; Röm 3,30; 1. Kor 15,21). Es ist erkennbar: Gott war nie und ist nicht dreieinig, dreifaltig, keine Trinität. Unser Herr und Heiland Jesus Christus bezeugte ebenso keinen dreifaltigen Gottglauben, sondern seinen eigenen Glauben an einen Monotheismus der seit Abraham schon seit nahezu eintausendachthundert Jahren gelebt und wiederbelebt wurde! Jesus Christus selbst erwartet von uns auch die Anerkennung und Anbetung seines Gottes (Luk 4,8 = 5. Mose 6,13). Im gleichen Sinne auch die Engel, die die Offenbarung überbrachten (Offb 19,10b; 22,8.9). Johannes empfing die Offenbarung von einem Engel Gottes und schrieb sie auf. Der Engel wiederum hatte diese Mitteilungen von Jesus erhalten und dieser von Gott. Auch in dieser "Funktion" war Jesus Mittler an seine Gemeinde, deren Entschlüsselung nur seinen Gläubigen gegeben wurde (Offb 1,1; 2,20; Joh 20,17).
Anfrage: Hat es nicht einen Grund, warum die Trinität während der ersten 325 Jahre der Kirchengeschichte nicht gelehrt wurde...?
Wiederholt wird unterstellt, mit diesem ‘jüdischen Gott’ sei im Grunde genommen der ‘christliche Gott’ gemeint, den die Juden zu der Zeit noch nicht als trinitarisch erkennen konnten (eine solche Unterstellung ermöglicht natürlich für die Zukunft eine "erweiterbare Entfaltigkeit" – je nach fortschreitender Erkenntnis...) Aber bei Gott gibt es keine Veränderung in Seiner Offenbarung, in Seiner Lehre oder Seinem Wesen. Gottes Charakter und Sein Plan stehen für die Ewigkeit fest (Psalm 111,8; Mal. 3,6a; Jak 1,17b).
Man könnte noch erwidern, es sei nicht wichtig, ob Gott dreieinig, ein ‘Prinzip’, Karma oder vielleicht doch nur Einer ist. Hauptsache, so hört man immer wieder, anerkennen wir ein höheres Wesen zu dem wir beten. - Ob Gott wohl mit dieser Art von Anerkennung einverstanden ist, obschon Er etwas anderes hat mitteilen lassen?
„Hat denn Gott an Brand- und Schlachtopfern das gleiche Wohlgefallen wie am Gehorsam gegen den Befehl Gottes? Wertvoller als Opfer ist Gehorsam, Folgsamkeit besser als Widderfett! Widerspenstigkeit ist Sünde wie Zauberei, Eigensinn ist Sünde wie schuldbarer Götzendienst!“
„Wir wollen erkennen, ja, wir wollen streben nach der Erkenntnis Gottes! (...) Denn Bundestreue ist mir lieber als Schlachtopfer. Erkenntnis Gottes ist mir lieber als Brandopfer!“
(1. Sam 15,22.23a; Psalm 40,7-9; 51,19; Jes 1,11; Hosea 4,6; 6,3a.6; Matt 9,13; 12,7; Mark 12,32.33)
KAPITEL 2
JESUS CHRISTUS, EIN NAME – EIN PROGRAMM
A) Der Name ‘Jesus’
Der Name 'Jesus' ist ein Eigenname. Das Lexikon sagt dazu: "Name, bezeichnet als Eigen-N. eine einzelne, als Individuum (...) gedachte Person (...) zum Zweck der eindeutigen Identifizierung, unabhängig von der evtl. Bedeutung des Wortes. (...)“ Und weiter: „In der Religionsgeschichte allerdings wird der Name häufig mit dem Wesen des Benannten aufs engste verbunden. (...) Deshalb nimmt (hier) die Namensgebung (...) eine vorrangig-wichtige Stellung ein.“
Ganz nach dem Motto: Ein Name - Ein Programm.
„Nomen est omen“ diesen Ausspruch hört man gelegentlich; damit ist gemeint, dass der Name oftmals eine Bedeutung hat. So wird also nicht nur der ‘Lateiner’ wissen, dass Gott in Seinen inspirierten Schriften uns Menschen viel mehr zu sagen hat und auch viel mehr sagt, als wir bei einer rein oberflächlichen Betrachtungsweise zu erkennen vermögen.
Die Wörter ‘Jesus Christus’ sind nicht Vor- und Zuname (Familienname) eines Menschen, sondern das erste Wort ‘Jesus’ ist die griechisch-lateinische Form des hebräischen männlichen Namens Jeschua (oder 'Jehoschua') und hat die Bedeutung von: „Der HERR (also ‘Jahwe’) ist Rettung“. Sicher nennt die Bibel mehrere Träger dieses Namens, der nun jedoch nach göttlichem Willen seinem einzigen Sohn verliehen werden sollte (Matt 1,21; Luk 1,31; 2,21). Wegen dieser Bestimmung und wegen der vollständigen Erfüllung seiner ihm von Gott gegebenen Aufgabe, ist es hinfort der einzige Name, „der über alle Namen ist“ (Phil 2,9) . „In keinem anderen ist das Heil; denn es ist kein anderer Name unter dem Himmel, der unter Menschen gegeben ist, dass wir in ihm sollten gerettet werden“ (Apg 4,12). Dieses Rettungswerk hat Jesus, der Sohn Gottes durchgeführt und vollendet (Matt 17,5; Luk 1,31; 2,21; Apg 10,37-43; Hebr 7,7; 2. Petr 1,16-19), ganz im Sinne seines Namens indem er u.a. den Beginn des ‘Reiches Gottes auf Erden’ überall bekannt gab, Zeichen und Wunder wirkend durchs ‘Heilige Land’ Israel zog und sich auf Grund des Zusammenwirkens von Juden und Nichtjuden widerstandslos und völlig unschuldig ans Kreuz schlagen ließ. Nach drei Tagen erweckte ihn Gott aus dem Todeszustand wieder zu neuem, jetzt unvergänglichem Leben (Apg 2,24.32.36; 3,15.26; 4,10; 5,30.31; 10,40 usw.) und gab dadurch das zuverlässige Zeugnis seiner Gottessohnschaft (Matt 12,38-40).
Durch den festen Glauben an dieses von Jesus gewirkte vollständige Erlösungswerk, dass sich uns nur durch Studium der ganzen Heiligen Schrift erschließt und nachfolgender Taufe, haben wir Menschen ebenfalls die berechtigte Hoffnung auf ein ewig glückliches Leben (auch erst nach der Auferweckung aus dem Todesschlaf). Zusammen mit ihm im göttlichen Reich auf der vom Allmächtigen geschaffenen und erneuerten Erde (Hebr 11, besonders die Verse 39.40).
So haben wir die Aufmerksamkeit bislang allein auf den ersten Tatbestand, den sogenannten ‘leidenden Gottesknecht’ (Jes 53) gerichtet. Über diesen ersten Teil des Namens sind sich die Konfessionen weitgehend einig, darum muss an dieser Stelle hierzu nichts mehr ausgeführt werden.
B) Der beigefügte Zuname ‘Christus‘
‘Christus’ ist der Titel, die 'Amtsbezeichnung' Jesu! Ähnlich wie 'Bundespräsident', 'Bundeskanzler' u.a.
Denn das griechische ‘Christos’ ist die Übersetzung des aramäischen Wortes ‘meschiach’ bzw. des hebräischen ‘maschiach’ (Messias) und bedeutet ‘der zum König Gesalbte’. Während der Zeit des alten Bundes wurden in Israel Priester und Könige durch eine Salbung mit Öl feierlich in ihr Amt eingesetzt (2. Mose 29,7; 1. Sam 10,1 u.ä.). Die Bezeichnung ‘Der Gesalbte’ wurde zunächst auf einen König angewandt (1. Sam 24,7). Darüber hinaus jedoch wussten die Propheten zu der Zeit um einen noch kommenden König aus der Abstammung des Königs David - einen ‘Gesalbten’ - der dann (Priester und König in einer Person) alles das erfüllen würde, was Israel von einem wahren Friedenskönig erwartete. Von dieser berechtigten Erwartung zeugen sehr viele messianische Weissagungen in der Bibel. Beispiele:
„Denn ein Kind wird uns geboren, ein Sohn wird uns geschenkt, auf dessen Schulter die Herrschaft ruht. Man nennt ihn: wunderbarer Rat des starken Gottes, des ewigen Vaters, Friedensfürst. Groß ist die Herrschaft, und der Friede ist endlos auf Davids Thron und in seinem Reich. Er errichtet und stützt es durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Der Eifer JHWH’s (Jahwe’s) der Heerscharen wird dies tun“ (Jes 9,5.6).
„Und es wird ein Sproß aus dem Stumpfe (Stamm) Isaias hervorgehen und ein Schoß (Frucht tragend) aus seinen Wurzeln hervorbrechen; auf demselben wird ruhen
der Geist JHWH’s,
der Geist der Weisheit und des Verstandes,
der Geist des Rates und der Stärke,
der Geist der Erkenntnis und der Furcht JHWH’s...“ (Jes 11,1.2ff).
„Und du, Bethlehem-Ephrata, du bist zwar klein, um unter den Hauptorten Judas zu sein, aber aus dir soll mir hervorgehen, der Herrscher über Israel werden soll, dessen Ursprung von Anfang, von den Tagen der Ewigkeit her gewesen ist“ (Micha 5,1).
„Siehe es kommen Tage, spricht Jahwe, da ich dem David einen rechtschaffenen Sproß erwecken werde; der wird als König regieren und weislich handeln und wird Recht und Gerechtigkeit schaffen auf Erden (im Land)“ (Jer 23,5).
„Freue dich sehr, du Tochter Zion, jauchze, du Tochter Jerusalem! Siehe dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Retter ist er, demütig und reitet auf einem Esel, auf dem Füllen der Eselin“ (Sach 9,9).
Aus der Fülle der biblischen Aufzeichnungen über den kommenden Priesterkönig ragen die Psalmen 2; 45; 72; 93; 110 heraus, die von Jesus, dem Christus, als demjenigen künden, der die universale Herrschaft des göttlichen Vaters Jahwe auf der Erde zur Geltung bringen wird! Diese Psalmen gelten allgemein als die Epiphanie- und Christkönigs-Psalmen.
Christus wird bei seiner Wiederkunft (die natürlich noch nicht geschehen ist) auf unserem ‘blauen Planeten’ ein weltweites (man könnte auch sagen: ‘politisches’) Königreich aufrichten, mit ihm als uneingeschränkten Herrscher! Entgegen der modernen Theologie, die die Zukunft des Menschen gern in einen "Himmel" transferieren möchte, bleibt der Himmel der ‘Wohnort’ Gottes und die Erde bleibt, was sie seit der Schöpfung war, der Wohnort der Menschen (Psalm 115,16) bis Offenbarung 21,1 Wirklichkeit wird!
So wird vielleicht auch eher verständlich, warum Jesu Botschaft im Grunde nur ein Thema kannte: ‘Gottes Reich vom Himmel (weil es dort im Kern seinen Ursprung hat) ist hier und in meiner Person nun endlich (wie versprochen) nahegekommen! Darum tut Buße’ (Matt 4,17), - denn ihr habt nicht unendlich viel Zeit!
Die Pharisäer, hatten die Zusage eines göttlichen Reiches schon aus der hebräischen Bibel erkannt und erkundigten sich: „Wann kommt dieses Reich Gottes?“ Jesus gab die Antwort in Luk 17,20f: „Es ist in eurer Mitte“, seine Wundertaten waren ja Zeichen desselben. Und Nikodemus bestätigte diese Zusage in Johannes, Kap. 3,1-10. Er wusste: Jesus ist der Begründer und unmittelbarer Überbringer der Gottesherrschaft. Seine und der Jünger Verkündigung war ‘Predigt vom Reich’, vom hier (und nicht im Himmel) beginnenden göttlichen Reich!
Eine allgemein im Morgenland und auch bei Jesus verwendete Stilform der Rede war das Gleichnis (Matt 13; Luk 15). Durch diese Art der Rede offenbarte und verhüllte er zugleich die ‘Geheimnisse’ des Reiches Gottes. Seinen Jüngern war es gegeben, diese Verschlüsselungen über das Himmelreich zu verstehen, den anderen nicht (Matt 13,10-16), weil sie dagegen opponierten. Das Volk wurde unter dem Eindruck seiner Worte von ‘Erstaunen’ gepackt, denn „er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten“ (Matt 7,28).
Wenn auch bei Matthäus oft vom ‘Reich der Himmel’ die Rede ist, anstatt vom ‘Reich Gottes’, so erkennt man bei näherer Betrachtung, dass beide Formulierungen gleichbedeutend sind. Beide Bezeichnungen meinen jene Gottesherrschaft, die man sich herbeisehnt, weil dort die Freude vollkommen sein wird.
Um das Kommen dieses Reiches auf Erden lehrt Jesus bitten: „...Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden...“ (Matt 6,10). Dieses himmlische ‘Erdenreich’ ist bereits angebrochen vor ca. zweitausend Jahren durch Jesu ungewöhnliches Leben (Luk 17,21 = ‘...ist in eurer Mitte’; vgl. Luk 22,18b), es wächst und nimmt zu durch die stetig zunehmenden wahren Christen, die ihr Leben mit aller Konsequenz der ‘Autorität’ dieses Reiches und des Herrn dieses Reiches, Jesus Christus, unterstellen. Eine persönliche Entscheidung und Beziehung von enormer Tragweite die ewiges Heil und ewiges Leben mit sich bringt! Aber erst mit Jesu Wiederkunft auf diese Erde (Apg 1,11) in der Herrlichkeit Gottes erhält sie ihre Vollendung. Dann beantwortet sich die Frage der Jünger von allein: „Herr, richtest du in dieser Zeit das Königtum für Israel wieder auf?“ (Apg 1,6). Ja, er ist schon dabei!
Dann wird es soweit sein, dass vom Himmel proklamiert wird: „Es sind die Reiche der Welt unseres Gottes und seines Christus (= Königs) geworden“. Nicht ungreifbar vergeistigt in unseren Herzen (wie leider oft propagiert wird) oder gar im Himmel, sondern ganz real ‘fassbar’ auf unserem Erdball: „und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (Offb 11,15).
Wenn es dann Wirklichkeit geworden ist, werden errettete Menschen auf dieser sich vollendenden Erde ewig leben können (mit einem dann auch vollendeten Körper, gleich wie Jesus).
Mit Jesu Opfertod, Auferweckung und Auferstehung aus den Toten und seiner Himmelfahrt sind die geistlichen Grundlagen geschaffen, so dass die alten Verheißungen vom Reich Gottes auf Erden und der Sendung Israels (Gottes Einzigkeit zu bezeugen) in Erfüllung gehen können. Darauf hatten ja offenbar die Jünger Jesu gewartet. Die Antwort des Auferstandenen verwarf diesen Gedanken ganz offensichtlich nicht (Apg 1,6-8), sondern verwies lediglich darauf, dass der Vater selbst sich hierfür Zeit und Stunde vorbehalten habe.
Dieses politische Königtum - zunächst für das Volk Israel - wird auch eine Theokratie für die ganze Erde, ja, schließlich für den ganzen Kosmos werden. Es wird alle vorangegangenen irdischen Reiche und Staatsformen (Demokratie, Diktatur, Monarchie) ablösen und an seine Stelle treten (Dan 2,44). In diesem tatsächlich bald kommenden Gottesreich gilt eine neue Lebensordnung, die dem heiligen Willen Gottes gerecht wird, und es werden alle noch ausstehenden prophetischen Aussagen in Erfüllung gehen (so z.B. Jes 2,2-4; 11,6–9; Sach 8,13.20-23). Man kann völlig zurecht mit der Heiligen Schrift von einem ‘Tausendjährigen Reich’ Jesu Christi sprechen (Offb 20,1-6). Dann wird Israels Berufung sich erfüllt haben (Röm 11). In dem Völkergericht, das Jesus bei seiner Wiederkunft abhalten wird, entscheidet er allein (Dan 7,13.14; Joh 5,22; Apg 17,31), wer würdig ist „das Reich zu erben“ (Matt 25,31-46).
Durch seine absolut göttlich-autoritative Macht wird Christus mit Hilfe aus den Toten auferweckter, autorisierter, vervollkommneter Menschen die weltlichen Missstände beseitigen oder vervollkommnen. Unter seiner Regentschaft wird die Erde schließlich wieder zu einem herrlichen Garten Eden (wie sie es schon einmal war).
Ganz passend hierzu auch die Zusagen in Matt 5,1-12! Besonders der Vers 5: „Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden die Erde zum Besitz erhalten.“ Jesus bestätigt hier im Neuen Testament, was schon vorher im Alten Testament versprochen worden ist (Jes 60,21; 65,9 u.a.): Landbesitz, Eigentümer von Grund und Boden. Die Aussagen über Abraham erschließen sich nun einleuchtender (in Hebräer 11,8): „Im Glauben gehorchte Abraham als er gerufen wurde fortzuziehen an einen Ort, den er zum Erbe erhalten sollte; und er zog aus ...“ und erbte - nichts! Tatsächlich, Gott hat bis heute Sein Versprechen Abraham gegenüber noch nicht eingelöst! Dem ‘Vater der Gläubigen’ (Röm 4,11) gegenüber hat Gott sein Wort bis auf den heutigen Tag noch nicht in Erfüllung gehen lassen! Lediglich ein Grundstück in Hebron und die darauf befindliche Höhle als Grabstätte für seine Frau Sarah erwarb er käuflich (4. Mose 23,20).
Wann aber erfüllt sich Gottes Zusage an Abraham? Es bleibt die letzte Hoffnung: Nach seiner Auferstehung aus den Toten! Abraham wird also nicht in den Himmel kommen (auch er ist noch immer unter den Toten - der göttliche Sohn Jesus hat sein Urteil über ihn noch nicht gesprochen), sondern er wird auf der Erde bleiben und zu neuem ewigem Leben auferweckt, wie auch alle anderen auserwählten Gläubigen - nicht auf den Himmel sollte also unsere Hoffnung und unsere Aufmerksamkeit gerichtet sein, sondern auf eine vollendete Erde. Folgende Bibelstellen können Hilfestellung geben: Dan 2,44; 7,27; Psalm 37,29; 115,16; Phil 3,20 (Heimatrecht); Joh 3,13; Apg 2,29.34; 1. Tim 6,16.
Dieses irdische Reich Gottes ist zugleich auch Christi Reich und muss wohl unterschieden werden von einer letzten Vollendung aller Dinge. Dann nämlich, wenn Christus, der Sohn Gottes, seine Königsherrschaft nach Ablauf von tausend Jahren in die Hände seines himmlischen Vaters zurücklegt, nachdem er alle anderen Mächte vernichtet haben wird, einschließlich den Tod. Danach wird er sich selbst seinem Gott unterwerfen, damit sein Gott (Joh 20,17b) sei alles in allen (1. Kor 15,23-28). Die Vorstellung einer angeblichen Trinität widerspricht auch dieser biblischen Aussage!
So hat dann das Reich Gottes seine Vollendung und seine Bestimmung gefunden. Christus hat seine Herrscheraufgabe erfüllt. Denn wenn Gott selbst in Seiner Herrlichkeit mitten unter der verwandelten Menschheit wohnt (= zeltet, vgl. Offb 21,1-5), dann kann man genau genommen nicht mehr von einem ‘Reich’ - einem wie auch immer begrenzten Bereich sprechen. Gott ist dann auch bei uns Menschen alles in allen und allem - grenzenlos - ohne Maß (Röm 11,33-36).
Heute können wir besser nachvollziehen, wie die Lehre des Jesus von Nazareth die Welt verändert hat. Es ist unstatthaft, diese biblischen Aussagen über ein irdisches Reich Gottes und Christi zu vergeistigen (wie es heute überall der Fall ist). Damit wird die biblische Botschaft völlig entwertet, entfremdet und unverständlich. Aus genau diesem Grund herrscht über die herrliche ewige Zukunft der Menschheit und der Schöpfung im allumfassenden Sinn bei der großen Mehrheit der Christen beängstigende Unsicherheit und Ängstlichkeit (Weltuntergangsmentalität) - eine Folge der Unwissenheit.
Weitere Fragen einer "Dreieinigkeit" betreffend treten zutage:
Wenn Gott angeblich eine Dreifaltigkeit ist, wie kann es dann möglich sein, dass sich ‘Gott Sohn’ seinem Vater (Joh 20,17) unterwirft (1. Kor.15,28)? Ein Gott (der Sohn) ordnet sich einer anderen Gott-Person unter? Ein Drittel des Trinitätsgottes (Jesus) unterstellt sich zwei Drittel des Trinitätsgottes?
Genau betrachtet gab es also für die irdische Zeit Jesu (ca. 33 Jahre) eine Zweifaltigkeit oder Zweieinigkeit im Himmel? Es ist nach der Grundbedeutung des Wortes „Gott“ eine Unmöglichkeit, dass sich der als Gott Bezeichnete vor einer anderen Persönlichkeit beugt und unterwirft! Christus verkörpert sämtliche charakterlichen Eigenschaften Gottes, er bringt Ihn uns plastisch nahe. Wer Jesus sieht, sieht die Eigenschaften Gottes, denn er ist Gottes Sohn! Nichts anderes lehrt die Bibel.
Jesu Fokus war stets auf seine eigene Person gerichtet, nicht auf einen anderen Menschen der Weltgeschichte:
„Ich bin das Brot des Lebens...“ (Joh 6,35.48.51)
„Ich bin das Licht der Welt...“ (Joh 8,12; 9,5)
„Ich bin die Tür für die Schafe...“ (Joh 10,7-9)
„Ich bin der gute Hirte...“ (Joh 10,11.14)
„Ich bin die Auferstehung und das Leben...“ (Joh 11,25)
„Ich bin der wahre Weinstock...“ (Joh 15,1.5)
„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.“ (Joh 14,6)
Es gibt keine Möglichkeit ohne Bekenntnis an diesem Menschen Jesus von Nazareth vorbei zu kommen. An ihm vorbei gibt es nichts – und eben auch kein ewiges Leben!
So ist der Doppelname Jesus Christus zugleich das kürzeste Bekenntnis der überzeugten Christenheit: Jesus von Nazareth ist in seiner Person der rein menschliche Sohn Gottes und der für die Zukunft fest zugesagte menschliche König.
Ein weiterer Zeuge Jesu Christi war der Apostel Paulus, der ursprünglich Saulus (hebr. Scha'ul) hieß. Lässt sich an seinen Schriftzeugnissen etwas über seine Gottesanschauung erfahren? War seine Anschauung von trinitarischen Gedanken bestimmt?
KAPITEL 3
PAULUS UND DIE URCHRISTEN
Allein die Heilige Schrift kann in allen Fragen der Glaubenslehre und des Lebens die Richtschnur eines Christen sein. Sie allein führt aus dem Durcheinander der menschlichen Meinungen und unterschiedlichsten Glaubensansichten zur gottgewollten Klarheit.
Wer darum über die viel umstrittene Frage der richtigen Gottesanschauung zu einer festen Überzeugung kommen möchte, sollte sie auch anhand der Bibel klären.
Die Bibel ist für den Gläubigen nicht nur eine Sammlung geschichtlich zuverlässiger Dokumente vergangener Zeiten, sondern sie ist ihm die Urkunde der Offenbarung des lebendigen Gottes, göttliche Willenskundgebung und Wegweisung, darum unbedingte Autorität.
Ist sie nicht imstande, uns genügendes Licht über diesen Gott zu geben, so müssen wir überhaupt darauf verzichten, je zur Klarheit durchzudringen. Das wird aber wohl niemand bezweifeln, dem die Bibel Gottes Wort ist. Dazu ist uns die Heilige Schrift gegeben, dass wir darin forschen und mit jeder ungelösten Frage an sie herantreten (Hiob 12,11; 1. Thess 5,21; Eph 5,10; 1. Kor 14,29b; 1. Joh 4,1; Offb 2,2b). Über allen menschlichen Ansichten und Erklärungen sollte die Frage stehen: "Was sagt die Schrift? - Wie steht es geschrieben?" Wenn man so herangeht, wird man feststellen, dass der heilige Geist Gottes gemäß Seiner Verheißung Sein Licht und Seine Klarheit niemandem vorenthält (Joh 7,17).
Zurück zur Ausgangsfrage: Wer ist also Gott? Ist Er polytheistisch, eine 'Trinität', dreifaltig, dreieinig? Oder ist Er monotheistisch, also Einer?
Es ist uns heutigen Christen kaum noch bewusst, dass wir unser 'Christsein' auch dem jahrelangen unermüdlichen Einsatz eines anderen Juden zu verdanken haben, der vor fast 2.000 Jahren wirkte. Er wusste um seine eindeutige Berufung, nicht nur den Juden, sondern auch der ganzen übrigen heidnischen Umwelt Israels den Beginn einer neuen Epoche, einer Wende unseres 'menschlichen Verhältnisses zu Gott' oder genauer gesagt, eines Umbruchs Gottes im Verhältnis zu uns Menschen nahe zu bringen (nicht mehr Werkgerechtigkeit, sondern Glaubensgerechtigkeit durch Jesus). Sein Name ist Paulus von Tarsus.
Wie kam es dazu? Was veranlasste ihn, der von seiner Herkunft und von seiner Ausbildung her leidenschaftlicher Jude war, seinen jüdischen Ein-Gott-Glauben weiter zu leben und diesen ungebrochenen Glauben auch in das Heidentum hinein zu tragen?
Oft wird eine Bekehrung des Saulus zu einer neuen Religion, dem Christentum, in dem 'Damaskus-Erlebnis' gesehen. Es finden sich drei Berichte in der Apostelgeschichte zu diesem Ereignis: Apg 9,1-19; 22,1-21; 26,1-20. Des weiteren gibt es autobiografisches Material im 1. Korintherbrief 9,1; 15,8-10 und im Galaterbrief, Kapitel 1,11-17 und Epheserbrief 3,1-7.
Es sind diese Erkenntnisse, die Paulus durch die Erscheinung mit Jesus gewinnt:
a) er wird gedemütigt, indem er für drei Tage erblindet und weder isst noch trinkt,
b) er gewinnt Einblick in das Gebetsleben des Hananias (9,11),
c) er empfängt den heiligen Geist Gottes und wird wieder sehend (9,17),
d) er lässt sich taufen (9,18),
e) er studiert intensiv das Wort Gottes (9,22),
f) er verkündigt nun selbst, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist (9,20),
g) er erkennt, dass der Mensch Gerechtigkeit vor Gott nicht aus Gesetzeswerken erlangt, sondern ausschließlich durch den Glauben an das Evangelium, an die Botschaft, dass in Christus (1. Kor 6,11; 1. Joh 2,12; Kol 2,13) und seinem Tod für uns die Vergebung Gottes beschlossen liegt (Apg 10,43). Eine Vergebung, die zu der Gerechtigkeit des Menschen führt, die vor Gott allein Gültigkeit besitzt (Apg 4,12!).
Nicht mehr die von außen kommende Forderung des Gesetzes, sondern das reale Leben Christi im Gläubigen durch den heiligen Geist ist nun Richtschnur allen Handelns (Gal 2,20; Kol 1,27).
Kein anderes Ereignis als nur eine persönliche Begegnung mit dem auferstandenen Sohn Gottes wäre imstande gewesen, einen solchen 'Erdrutsch' im persönlichen Glauben des Paulus hervorzurufen. Durch ein direktes und plötzliches Zusammentreffen mit diesem Totgeglaubten, durch sein Erscheinen, seine Ausstrahlung und sein Reden erschlösse sich wohl jedem Menschen göttliche Wahrheit und heiliger Wille in der Klarheit und Intensität, als Eckstein für zukünftige Entscheidungen des Lebens.
Wenn man diese Berichte von der Begegnung mit Jesus noch genauer unter die Lupe nimmt, entdeckt man eine große Kontinuität in seinem Ein-Gott-Glauben zwischen dem 'Vorher' und dem 'Nachher' seines Erlebens vor Damaskus. Hier ist nichts von einem eventuell anzunehmenden Religionswechsel mit einem anderen Gottesverständnis (etwa einer Dreieinigkeit o.ä.) zu bemerken, den wir gemein hin mit dem Wort 'Bekehrung' in Verbindung bringen. Im Dienst für ein- und denselben Gott empfängt Saulus in einer Vision die Berufung zum Apostel durch den Messias. Jesus spricht ihn mit seinem jüdischen Namen Schaul an und beauftragt ihn, u.a. die Sensation seiner Auferweckung in aller Welt zu verkündigen. Ebensowenig sprechen ihn die von ihm aufgesuchten Juden von Damaskus mit irgendeinem anderen Namen an. Alle diese Bibelberichte betonen die Beauftragung durch Jesus einstimmig als Berufungsvision (griech. 'epiklasis') - keineswegs als Bekehrung zu einer anderen Religion! Paulus verstand sich von da an als zum Apostel seines Messias für den Dienst an die Heiden berufen.
Und alle diese Heiden (Nichtjuden) wurden von Paulus und anderen (die selbstverständlich an ihrer bisherigen, von den Vätern übernommenen Gotteserkenntnis festhielten) im für sie neuen monotheistischen Glauben unterrichtet und wurden dadurch zu Christen? Ja, durch den Empfang des heiligen Geistes Gottes erhielten sie die Kraft zur Abkehr von bisheriger heidnischer Vielgötterei. ("Seht zu, dass niemand euch einfange durch die Philosophie und leeren Betrug nach der Überlieferung der Menschen, nach den Elementen der Welt..." Kol 2,8; Apg 17,16ff)
Zu welcher anderen Religion hätten Paulus und andere Juden- und Heidenchristen sich auch bekehren können, da doch deren Messias Jude war? Das Christentum als etablierte trinitarische Glaubensgemeinschaft, wie wir es heute kennen, entstand erst viele Jahrhunderte nach dem Tode Pauli. Er selbst betonte unermüdlich sein Judesein, sein Hebräertum und seine Zugehörigkeit zur Schule der Pharisäer (Apg 22,3; 23,6). Auch achtete er weiterhin darauf, den 'väterlichen' Gesetzen des Alten Testaments ihren gebührenden Platz zu lassen, bzw. den Bezug zu Christi Worten herzustellen (2. Tim 1,3; Apg 24,14). Dazu gehört auch sein freiwilliger Entschluss, sich einem Nasiräer-Gelübte zu unterwerfen, um so die Wichtigkeit der väterlichen Gesetze zu unterstreichen (21,15-26).
Dennoch, die "Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn" (Phil. 3,8), die ihm in der Offenbarung zuteil geworden ist, nötigte ihn "um Christi willen" (Phil 3,7) zu einer Neubewertung dessen, was ihm bisher als wichtig und richtig galt.
Wenn man das alles nachempfinden kann, lässt sich leicht nachvollziehen, dass alles, was man von Paulus nach der Erscheinung erfährt, gottgewirkte und deshalb wahre Evangeliumsverkündigung ist. So anerkennen wir seine Jesuserfahrung, jedoch auch seine jüdische Gottestreue. Nie sah er in seinem (neuen) Herrn einen 'wahren Gott', Teil einer imaginären Gottheit, und er betete Jesus nicht an.
Aus all diesen Hinweisen lässt sich schließen, dass er auch täglich die jüdischen Gebete verrichtete, und zwar das 'Sch'ma Israel' (das Glaubensbekenntnis des jüdischen Volkes), das nach Jesu Behauptung das größte und wichtigste Gebot überhaupt darstellt (Mark 13,29)! Folgerichtig beachtete er wohl auch gemäß Apg 27,35 und 28,17 ebenso weiterhin die jüdische Sitte des Brotbrechens und des Brotsegnens und sprach dabei sehr wahrscheinlich die gleichen Worte, die immer noch heutiger jüdischer Vorschrift entsprechen: "Gesegnet [gepriesen] du Ja(hwe) unser Gott König der ganzen Welt, der herauskommen lässt Brot aus der Erde".
Hier ist also nichts von einer Anbetung 'im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes' auszumachen - kein dreifaltiger Gott ist in Sichtweite. Ganz deckungsgleich mit seiner jüdischen Gotteserkenntnis verkündigte Paulus weiterhin seinen Glauben an den einzig-einen Allmächtigen und gab damit Zeugnis von der monotheistischen Gottesauffassung seiner Vor- und Nachfahren, bis heute. Außerdem warb er auf diese Weise weiterhin für den Gott Israels und für seinen Messias Jesus von Nazareth, indem er die Erwählung Israels betonte: Israel ist und bleibt Gottes Volk (Röm. Kap. 9 - besonders Kap. 11!).
Paulus war sich bewusst, dass keinem menschlichen Wesen Göttlichkeit verliehen werden konnte, da dies seinem Gottesbegriff widerspräche. Etwa zwölf Jahrhunderte später bestätigte der bedeutende jüdische Religionsphilosoph Mose ben Maimon (1135-1204) in seinem 13. Glaubensartikel:
"Ich glaube fest, dass der Schöpfer - geheiligt sei Sein Name - keineswegs etwas Leibhaftes ist, dass Vorstellungen des Sinnlich-Leiblichen für IHN durchaus nicht gelten und es für IHN überhaupt keine ebenbildliche Gestalt gibt."
Deshalb werden bei aller eventuellen Anerkennung, die das Judentum der Person Jesu zollen kann, Judentum und allgemeines Christentum auf unabsehbare Zeit durch die katholische Lehre über die 'Fleischwerdung Gottes' (in Jesus) wohl getrennt bleiben.
Zur Bestätigung noch diese Zeilen von Sung-Hee Lee-Linke:
"Paulus war und bleibt (unverändert) Künder des einen Gottes - nicht des Gottes, von dem wir denken mögen, dass an ihn so oder so ohnehin alle Welt glaubt oder auch nicht. Dieser Eine, der biblische Gott hat in jener Zeit des Apostels überhaupt nur in einem winzigen Teilbereich der sogenannten bewohnten Welt eine Heimat, in Land und Volk Israel mit seinen kleinen Gemeinden rund um das Mittelmeer. Die ersten Christen in der Weltstadt Antiochien in Syrien, in Thessaloniki in Nordgriechenland, in Korinth im Süden des Landes und wo auch immer haben sich, sofern sie Nicht-Juden waren, (...) abgekehrt von den toten Götzen (der Vielgötterei) und sind umgekehrt zu dem Einen lebendigen Gott.
Hieran erinnert Paulus die Thessalonicher in seinem ersten Brief an die Gemeinde als grundlegendes Resultat seiner vorangegangenen Missionsarbeit (1. Thess 1,9f). Ähnlich bringt Paulus später der Gemeinde in Korinth jene Zeit in Erinnerung, in der sie einst hingerissen wurden zu den stummen Götzen (1. Kor 12,2), eine Epoche, die jetzt dank des Wirkens des Apostels und seiner Mitarbeiter vorbei ist. Das heißt, die grundlegende Verbindung im Wirken des Paulus einst und jetzt besteht darin, dass er sich weiterhin im Dienst dieses einen Gottes versteht, des Gottes Israels, des Gottes der Väter, des Gottes Abrahams, Isaaks, Jakobs. Mehr noch: Das Zeugnis von dem einen Gott ist nicht nur die alles tragende Voraussetzung, die gegeben sein muss, damit Paulus und die anderen überhaupt sinnvoll von Jesus Christus reden können. Vielmehr geht es, ohne die Rede von Jesus Christus damit zu schmälern, im Zentrum des paulinischen Wirkens um die Durchsetzung dieses Einen, des biblischen Gottes."
[Zitat aus "Paulus, der Jude" Seiten 16, 17 und 19, Sung-Hee Lee-Linke (Hg)]
Eindrückliches Beispiel für diese Erklärung ist der Römerbrief, am Ende von Kapitel 3. Dort fragt Paulus: "Oder ist der Gott allein Gott der Juden? Nicht auch der Völker?" Und er antwortet selbst: "Ja, auch der Völker, wenn denn gilt: Gott ist einer, der die Beschnittenen aus Glauben rechtfertigen wird und die Unbeschnittenen durch den Glauben" - und der, wie Paulus an einer anderen Stelle sagt (1. Kor 15,28), am Ende der Zeiten alles in allen sein wird.
Mit 'Glauben' meint Paulus den Glauben an das Evangelium, allerdings ohne Verpflichtung auf das jüdische Gesetz bzw. auf die spezifisch jüdische Lebensweise. Doch um hervorzuheben, dass es dabei nicht nur um die Ablösung von einer bisherigen Bindung geht, zitiere ich auch das Ende von Römer 3: "Lösen wir nun das Gesetz auf durch den Glauben? Beileibe nicht, sondern wir richten das Gesetz auf!"
Nochmal zurück zum Erlebnis des Paulus mit Jesus, auf dem Weg nach Damaskus:
Interessanterweise findet man den Begriff 'Bekehrung' (gr. 'epitstrophe') dort nicht. Das Wort 'epistrophe' wird nur einmal bei einer anderen Gelegenheit im Neuen Testament gebraucht - in Apg 15,3, wo von der Bekehrung der Heiden (weg von Vielgötterei) hin zum Gott Israels erzählt wird.
Exkurs: Worterklärungen
"Bereuen" = griech. 'metamelomai' Bedeutung: "es liegt mir am Herzen, es liegt mir etwas daran" und besagt im klassischen Griechisch, das veränderte Empfinden eines Sachverhaltes. Man denkt nun anders über eine Sache. Diese Aussage scheint mir das Damaskuserlebnis des Paulus treffend wiederzugeben.
"Heiden" = Dieses Wort bezeichnet allgemein Nationen oder Völker außerhalb Israels; besondere Bedeutung von Menschen, die 'Götzendienst treiben'. Charakteristisch ist: 2. Kön 16,3; Hes 23,30; 1. Kor 12,2), Verkörperung der Unreinheit (Esra 6,21), die Gott nicht kennen (1. Thess 4,5) und Gegner des wahren Gottes und seines Volkes Israels (Psalm 79,1.6.10; Jer 10,25; Klgl 1,3.10; Hes 34,28.29 u. 36,6.7.15).
Sicherlich lag das Künderamt für das Evangelium zeitlebens wie eine schwere Last auf den Schultern des Paulus, deren er sich nie entledigen wollte. Denn verkündigen, mahnen und predigen musste er - wie es das Schicksal aller Propheten, Apostel und Jünger war - um nicht sein seelisches Gleichgewicht zu verlieren. Allen Rückschlägen und gelegentlichen Misserfolgen zum Trotz ist Paulus seiner Berufung wegen, die ihm zur Sendung wurde, treu geblieben. Er war tatsächlich ein von Christus auserwähltes wirkungsvolles Werkzeug (Apg 9,15)! So wurde er wegen seines besonderen Auftrags, nach anfänglichem Zögern, von den anderen Aposteln anerkannt (Gal 2,9ff; Apg 15,22ff; 16,3; 21,17ff).
Die beiden jüdischen Männer Jeschua (Jesus) und Scha'ul (Paulus) zogen auf Grund des ihnen innewohnenden heiligen Geistes an einem Strang, indem sie den Sinngehalt der Aussagen des Alten Testaments verfeinerten und vertieften, den übertragenden Sinn verdeutlichten, um so auch den Heiden und allen anderen Gottesfürchtigen ihren Weg zum Monotheismus so leicht wie möglich zu machen, mitsamt der messianischen Sehnsucht und Naherwartung - allerdings ohne Vergottung irgendeines Menschen. Denn die Juden können sich besonders ihren Messias (ihren zukünftigen König) ausschließlich als einen Menschen vorstellen, denn es sei nicht vergessen:
Der Gott Jesu Christi (Joh 20,17b) ist immer auch Israels Gott!
'Die Bekehrung vor Damaskus', die in der deutschen Sprache längst zum geflügelten Wort geworden ist, beruht auf einem Deutungsfehler. Sie tut Paulus Unrecht und sollte ihm nicht länger angedichtet werden. Es verleitet dazu anzunehmen, Paulus hätte durch die Erscheinung des auferweckten Jesus zu einer gewandelten Gotterkenntnis gefunden, was natürlich keineswegs der Fall war – sondern eine Korrektur seines Messiasverständnisses.
Simon Petrus
So wie Paulus, so anerkannte und bekannte freimütig auch der jüdische Jünger Simon Petrus, ebenfalls ein 'felsenfester' Anhänger und Nachfolger und Jünger seines Herrn Jesus, seine unerschütterliche Erfahrung: "Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!" Und Jesus antwortete ihm: "Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut hat dir das offenbart, sondern mein Vater, der im Himmel ist..." (Matt 16, 13 - 20).
Und es stimmt: Denn Petrus schreibt in seinem 2. Brief, im Kapitel 1, die Verse 16-19: "Denn nicht ausgeklügelten Fabeln hingen wir an, als wir euch die Macht und Ankunft unseres Herrn Jesus Christus verkündeten, sondern wir waren Augenzeugen seiner erhabenen Größe. Denn er empfing von Gott Vater Ehre und Verherrlichung, als aus glanzvoller Erhabenheit diese Stimme auf ihn hernieder kam: 'Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe...' Und diese Stimme hörten wir vom Himmel herabkommen, als wir mit ihm beisammen waren auf dem heiligen Berg. Und so besitzen wir um so gesicherter das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet wie auf eine Leuchte, die aufstrahlt an dunkler Stätte, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen."
Hier wie bei Paulus wird bestätigt, dass Petri Erkenntnis Kenntnis von dem Ewigen ist, sein Wissen ist göttliche Zusicherung! Kein Zweifel: Vor ihm steht Gottes Sohn persönlich - jedoch nicht ein 'wahrer Gott', Teil einer Dreieinigkeit! Auch bei Petrus finden wir also im ganzen Neuen Testament keine Annäherung an eine angebliche Trinität Gottes!
Johannes
Der Apostel Johannes (Verfasser auch des vierten Evangeliums) beginnt seinen ersten Brief mit den eindringlichen Sätzen: "Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen haben, was wir schauten und was unsere Hände betasteten vom Worte des Lebens - (...) - was wir gesehen und gehört, verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft habt mit uns. (Denn) unsere Gemeinschaft ist Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohne, Jesus Christus." Und er mahnt zu Beginn des 4. Kapitels: "Geliebte, traut nicht jedem Geiste, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind ausgezogen in die Welt." Und er versichert: "Daran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus im Fleische gekommen ist, ist aus Gott, und jeder Geist, der Jesus nicht (so) bekennt, ist nicht aus Gott. Und das ist der Geist des Antichristen ..." Und er rundet diesen Gedanken ab in seinem zweiten Brief, in den Versen 7-11: "Denn viele Verführer sind ausgezogen in die Welt, die nicht bekennen, dass Jesus Christus im Fleische gekommen ist; das ist der Verführer und der Antichrist. Seht euch vor, dass ihr nicht verliert, was ihr erarbeitet habt, sondern vollen Lohn empfangt! Jeder, der davon abgeht und nicht in der Lehre Christi bleibt, hat Gott nicht. Wer in der Lehre bleibt, hat den Vater und den Sohn. Wenn einer kommt und diese Lehre nicht bringt, den nehmt nicht auf..." - Das ist deutlich. Genauso deutlich, wie er bereits in seinem Evangelium, Kap. 8, Vers 40, Jesu Wort wiedergibt 'Ich bin ein Mensch'! ... und wer also dem etwas hinzufügt oder hier etwas weglässt und diese Zeugnisse weiterhin bestreitet, sagt Johannes, der hat den Boden des christlichen Glaubens verlassen, verführt die Gemeinde und ist ein Antichrist! Die Staatskirchen zumindest haben dieses Bekenntnis verlassen, indem sie nicht mehr das verkündigen, was von Anfang her verkündigt wurde.
Lukas
Bei der Steinigung des Stephanus beschreibt der Evangelist Lukas eine interessante Vision, die etwas von der Beziehung von Gott dem Vater, Sohn und heiligem Geist widerspiegelt (Apg 7):
Am Ende seiner Verteidigungsrede sieht Stephanus eine Vision: "Erfüllt vom heiligen Geist, blickte er zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: 'Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen'."
Hier ist die Rede von Gott, Jesus dem Menschensohn, und dem heiligen Geist. Aber Stephanus sieht nicht etwa eine dreigesichtige Gottheit und erst recht nicht drei gleichgestaltige Männer, auch kein Dreieckssymbol, wie es Jahrhunderte später in der westlichen christlichen Kunst verwendet wurde.
Vielmehr:
- der heilige Geist ist auf des Stephanus Seite, ist in ihm selbst. Der Geist, die von Gott ausgehende Kraft und Macht, erfüllt ihn ganz und öffnet ihm so die Augen: 'im Geist' zeigt sich ihm der Himmel offen. Gott selber bleibt verborgen, ist nicht menschenähnlich zu erkennen, nur 'seine Herrlichkeit' ist sichtbar: Gottes Glanz und Macht, der Lichtglanz, der von Ihm ausgeht. Jesus schließlich, sichtbar als der Menschensohn, 'steht' zur Rechten Gottes. Das heißt, in Throngemeinschaft mit Gott in nur fast gleicher Macht (vgl. Mark 10, 40 u. 13, 32; Matt 20, 23 u. 24, 36) und Herrlichkeit! Als Sohn Gottes erhöht und aufgenommen in Gottes ewiges Leben, ist er Gottes einziger Stellvertreter für uns und zugleich als Mensch allein der Stellvertreter aller Menschen vor Gott [nicht Maria!] (1. Tim 2,5). (Quelle: Das Christentum, S. 127, Hans Küng, Verlag Piper München, ISBN 3-492-22940-9)
In der judenchristlichen Urgemeinde (von der viele Jesus noch persönlich kennen gelernt hatten) war der Glaube an den Einen, Ewigen und Allmächtigen (den Gott ihrer jüdischen Vorfahren Abraham, Isaak, Jakob) so sehr eine Selbstverständlichkeit, dass der Gedanke an eine 'Konkurrenz' durch ein anderes gottgleiches Wesen (z. B. Jesus und dem Heiligen Geist) von vornherein nicht aufkommen konnte, weil sie durch Jesus noch ganz persönlich im richtigen Glauben unterrichtet wurden. Aufgrund dieser historischen Tatsache fehlt im gesamten Neuen Testament der Protest der Menschen gegen eine insistierte neue Glaubenslehre. Der Herr hatte die Jünger alles gelehrt über Gott (Mal 3,6; Jak 1,17), seine eigene Person, seine Aufgabe und die Stellung und Wirksamkeit des heiligen Geistes. Etwas Gegenteiliges wäre absurd.
Die Zeit der Urgemeinden ist vorüber, aber was die Apostel geglaubt, getan und geredet haben, sollte für Christen aller Zeiten bleibende, kanonische Bedeutung haben. Denn nur so ist ihr Zeugnis von den großen Taten Gottes und von der reinen Apostellehre (Apg 2,42) das einzige Fundament, auf dem sich der Bau einer wahrhaft christlichen Gemeinde erhebt: Alle, die auf Grund dieses einzig richtigen Ein-Gott-Glaubens (Joh 17,3) in diesen Bau eingefügt werden (Eph 3,6), werden erbaut auf dem alleinigen Ur-Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchen der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn (Eph 2,20f).
Wenn Israel aber den Dreieinigkeitsglauben der christlichen Mehrheit annehmen würde, welche Konsequenzen ergäben sich daraus?
- Gilt ein Jude in diesem Sinne noch als zu diesem Volk gehörig, sobald er eine 'Trinität' als Gottgebilde anerkennt?
- Daraus folgernd: Hätte nicht Israel aufgehört, Zeuge zu sein für den Einen, wenn es sich je dem Postulat eines heidnisch erdachten 'Dreifaltigen Gottes' unterwürfe?
EPILOG
Wenden wir uns zum Abschluss noch anderen Schriftzeugnissen der Bibel zu, so finden wir im Buch Rut einen vorbildlichen Ratgeber in Bezug auf das Verhältnis Mensch zu Gott.
Geschildert wird einerseits die große Liebe der Hauptperson Rut zu ihrer Schwiegermutter, andererseits aber auch zu dem wahren Gott Israels. Rut (als Ausländerin) musste sich entscheiden - ‘verbleibe ich bei meiner elterlichen und verwandtschaftlichen Erziehung mit dem Vielgöttertum oder wende ich mich zum Ein-Gott-Glauben des jüdischen Volkes?’ Sie entschied sich für das Richtige, erkennbar daran, dass sie sogar in die ‘Ahnengalerie’ Jesu aufgenommen wurde. Sie wurde ein leiblicher Vorfahre Jesu Christi!
Ein anderes Beispiel: Durch die ganze Bibel hindurch wird an verschiedenen Stellen immer wieder von einem Mann berichtet, wie er sich seinem Gott gegenüber verhalten hat – uns allen zum Vorbild. Er hat sich in wichtigen Situationen richtig verhalten und bewies auch in schwierigen Lebensabschnitten sein Gottvertrauen.
Abram (später Abraham) war als starke Persönlichkeit prägend für die jüdische Identität, als Mann von hohem sittlichen Anspruch. Zuvor lehnte er die Kultur, in der er aufwuchs, ab. Die Verehrung so vieler Götter im Zweistromland von Euphrat und Tigris (im heutigen Irak), genauer in Ur (Babylonien), war nicht seine Welt. Ihn störte offensichtlich die Vielzahl der Stadtgötter, ihre Kleinlichkeit, ihre Unmoral, ihre Anpassung an den Vorstellungen der Menschen. Tammuz, der Gott der Vegetation, die Liebesgöttin Ischtar, der Mondgott Nannar u.a. waren oftmals selbst in Auseinandersetzungen verstrickt, die man getrost als 'menschlich' bezeichnen konnte. Abraham ärgerte sich wahrscheinlich über diese Vielgötterei und deren Rivalitäten in Sachen ‘Heiligtümer’ und ihren Einfluss auf seine Mitmenschen. Eine permanente Konkurrenz zwischen Gott Marduk, dem angeblichen Schöpfer der Welt, und Tiamat, der Göttin des Untergangs war für ihn erkennbar. Die Menschen in ‘seiner’ Stadt opferten und beteten nach den Regeln ihrer Bequemlichkeit und Laune und oft zu ganz individuellen Göttern; sie suchten sich nach eigenem Gutdünken selbst ihre Gottheiten, die ihnen ein Maximum an Karriere, Reichtum, Gesundheit, Glück bei einem Minimum an persönlichem Einsatz versprachen (Jos 24,2b). [hier werden Parallelen zur heutigen 'aufgeklärten' Gesellschaft erkennbar - siehe auch PROLOG]
Unvermittelt wird davon berichtet, dass Gott Abram auffordert, seine Heimat und somit das verabscheute götzendienerische Umfeld zu verlassen, um in ein ihm bis dahin unbekanntes Land zu ziehen (1. Mose 12). Diese Aufforderung, sein Vaterhaus zu verlassen, war mit Gottes dreifacher Verheißung an ihn und seine leiblichen Nachkommen verbunden:
a) fest umrissene Gebietszuweisung,
b) einer großen Nachkommenschaft und
c) eines göttlichen Segens, der durch ihn auf Grund seines vorbildlichen Glaubens allen Geschlechter der Erde zuteil werden sollte (1. Mose 12,3).
Abraham glaubte Gottes Zusicherung, auch deshalb hielt es ihn nicht mehr länger ‘in dem Ur der Chaldäer’, in Mesopotamien. Er brach mit seiner Frau Saraj (später: Sara) und einigen Verwandten auf, kehrte seiner Heimat den Rücken und verließ sich in Zukunft ganz auf diesen einen Gott. Dieses Vertrauen, dieser Glaube wurde ihm vom Ewigen als Gerechtigkeit angerechnet (1. Mose 15,6; Röm 4,3; Gal 3,6). Mehr noch, er wurde hinfort sogar als ‘Freund Gottes’ bezeichnet (Jak 2,23)!
Das Verhalten Ruts und Abrahams ist beispielhaft für eine konsequente Gottesnachfolge, nach Annahme der richtigen Gotteserkenntnis. Falls der Leser dieser Zeilen ebenfalls einer falschen Gotteserkenntnis anhaftete, bietet sich ihm nun die Gelegenheit, seinen Glauben zu korrigieren und von der Dreifaltigkeit Abschied zu nehmen.
Forschen wir weiter in den heiligen Schriften (streben auch wir Gottes Freundschaft an) und erkennen, dass auch auf Grund der vorliegenden Untersuchung eine Trinität nicht länger als echter Monotheismus betrachtet werden kann, sondern eher als ein trojanisches Pferd der griechisch-römischen Götterwelt.
Anmerkung in eigener Sache:
Mit erforderlichem Enthusiasmus begann ich diese Abhandlung vor etlichen Monaten. Es erschien mir ein leichtes Unterfangen aufgrund der vielen ins Auge springenden Punkte, die die Aussagen der Bibel lieferten, die Einzigkeit der Persönlichkeit des Schöpfers logisch herauszuarbeiten. Je tiefer ich jedoch in die Materie einstieg, desto umfangreicher wurden die Fakten für den Erweis: Gott ist Einer (Röm 3,30a)! Denn der sich lichtende Nebel von ca. 1682 Jahren ‘Christenheit’ (seit dem Konzil von Nicäa 325) gab keine besonderen ‘Geheimnisse’ preis, sondern leicht verständliche Wahrheiten, wenn man sich erst einmal der Dogmen entledigt hatte.
Ich befand mich auf einem guten Wege, jedoch hatte ich die Menge der belegbaren Tatbestände unterschätzt. Meine persönliche Situation lies leider eine weitere Beschäftigung mit diesem Thema nicht zu. Vielleicht gelingt es einem mir noch unbekannten Bibelleser weitere Belege aufzuführen und den 'roten Faden' weiterzuweben, denn göttliche Angelegenheiten sind Freude bereitend, unausschöpflich und Segen bringend.
Oktober 2007
Weiterführende Literatur:
Avichail, Eliahu – Judentum
Berger, Benjamin u. Ruben - Israel und die Kirche
Brockhaus Verlag, Wuppertal - DIE JUBILÄUMSBIBEL mit Kommentaren
Buzzard, Sir Anthony F. - Die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes
Evangelische Kirche Deutschlands - Christen und Juden II
Henning, Kurt - BIBEL-LEXIKON
Hink, Walter - Der Lebenslauf Jesu Christi
Hink, Walter - Gott ist Einer
Konzelmann, Gerhard - Die Hebräer
Küng, Hans - Unfehlbar?
Lapide, Pinchas - Ist die Bibel richtig übersetzt? (Band 2)
Lapide, Ruth/Röhl, Henning - Was glaubte Jesus?
Lutzer, Erwin W. - Gefährliche Weichenstellung
Maier, Johann/Thoma, Clemens/Petuchowski, Jakob J. - Judentum und Christentum (in: Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft, Teilband 26)
Maimon, Mose ben - Führer der Unschlüssigen
Naftali Herz, TUR - SINAI - DIE HEILIGE SCHRIFT (AT = Tenach, nicht nach LXX), [Worterklärung zu TENACH: T = Tora = Mosebücher, N = Neviim = prophetische Bücher, (Lukas 24, 27. 44 - 46), CH = Chetuvim = übrige Schriften]
Oehninger, F. - Geschichte des Christentums
Sachs, Dr. M. - Gebete der Israeliten
Schonfield, Hugh J. - Unerhört, diese Christen
Stier, Fridolin u. Beck, Eleonore - Moses
Trepp, Leo - Die Juden
Warns, Johannes - Die Taufe
CHRISTADELPHIANS IM NORDEN [www.christadelphian.de/nord]