Israels Bedeutung in der Endzeit

Walter Hink

"Das aber sollst du wissen, daß in den letzten Tagen schwere Zeiten eintreten werden. Denn die Menschen werden selbstsüchtig sein, geldgierig, Prahler, Übermütige, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos, lieblos, unversöhnlich, Verleumder, unenthaltsam, zuchtlos, dem Guten feind, treulos, leichtsinnig, aufgeblasen, die das Vergnügen mehr lieben als Gott" (2.Tim 3,1-4).

Leben wir in der Endzeit?

Auf diese uralte und dennoch stets aktuelle Frage versuchten die Menschen zu allen Zeiten eine zutreffende Antwort zu finden. Ansatzpunkte dazu bietet das Wort Gottes in der Bibel, das immer wieder von der "Zeit des Endes" (Dan 8,17-19), vom "Ende der Tage" (Dan 12,13), dem "Ende der Welt" (Matth 13,40; Matth 24,3; Matth 28,20), von "den letzten Tagen" (2.Petr 3,3) und den "letzten Zeiten" (Jud 18) spricht. Die Propheten Gottes und die Jünger Jesu wiesen dabei immer auf eine charakteristische Entwicklung in der Weltpolitik und auf ein auffälliges Verhalten der Menschen in jenen Tagen hin (zum Beispiel Dan 2,27-45; 2.Tim 3,1-4). Besondere Bedeutung fällt dabei den Ereignissen um das Volk Israel zu, die selbst skeptische Bibelleser aufmerksam werden lassen. Eine ganz eindeutige Ankündigung macht beispielsweise der Prophet Hesekiel, indem er einen militärischen Überfall aus dem "äußersten Norden" ankündigt:

"Zur letzten Zeit wirst du in ein Land kommen, dessen Volk dem Schwert entronnen, aus vielen Völkern gesammelt ist, auf die Berge Israels, welche beständig verödet waren; es aber ward aus den Völkern ausgeführt, und sie wohnen nun alle in Sicherheit" (Hes 38,8).

Vielleicht sollte zunächst geklärt werden, was unter 'Endzeit' im biblischen Sinne zu verstehen ist. Endzeit hat nichts mit dem Weltuntergang zu tun, bei dem nach volkstümlicher Meinung die herrliche Schöpfung Gottes total vernichtet wird. Gottes Wort in der Bibel kündet keinesfalls die Vernichtung des Erdballs an. Es spricht vielmehr von einer Vernichtung der "Welt" und meint dabei die menschlichen Werke, menschliche Herrschaften und Ideologien (Jes 2,2-4; Dan 2,44; Matth 24,3-44; Offbg 11,15). Die Zeit der menschlichen Vorherrschaft über die Erde wird abgeschlossen durch die sichtbare und persönliche Wiederkunft Jesu Christi zum Planeten Erde. Er wird die zerstörerischen Mächte dieser Weltzeit vernichten (1.Kor 15,23.24) und die chaotische und heruntergewirtschaftete Welt erneuern zu einem weltweiten Garten Eden, in dem Frieden, Gerechtigkeit und einmütige Verehrung Gottes vorherrschen (Jes 65,17-25; Offbg 21,1-5).

Endzeit ist demnach die Zeit, die dem erneuten Erscheinen Jesu Christi vorausgeht (vergl. 2.Tim 1,10 mit 2.Tim 4,1). Sie ist durch besondere Zeichen gekennzeichnet, die Gott durch Seine Propheten, Seinen Sohn und dessen Apostel angekündigt hat. Die Bibel nennt diese vorausgesagten Ereignisse "Zeichen der Zeit". Christen werden von ihrem Herrn dazu aufgefordert, die Zeichen der Zeit zu erforschen und zu beachten. Ohne Schriftkenntnis ist das allerdings nicht möglich. Nachlässigkeit in der Erforschung des biblischen Wortes kann leicht zu dem Vorwurf führen, den Jesus gegen seine Zeitgenossen erhob:

"Ihr Heuchler, das Aussehen des Himmels wisset ihr zu beurteilen, aber die Zeichen der Zeit versteht ihr nicht!" (Matth 16,3).

Das ist ein hartes Wort. Wäre Christus heute unter uns, er würde den Menschen unserer Tage den Vorwurf wieder machen. Denn immerhin ist im Neuen Testament mehr als dreihundertmal von seiner Wiederkunft oder seinem zukünftigen Erscheinen geschrieben. Die Wichtigkeit der Endzeit-Erkenntnis und der bevorstehenden Wiederkunft Christi kann also - biblisch gesehen - von niemandem bezweifelt werden. Wie viele der 'Christen' erwarten noch real und intensiv die Ankunft des Herrn? Wer erwartet noch seine sichtbare und persönliche Herrschaft über diese Erde, von der das biblische Wort doch eindeutig spricht (Ps 2; Offbg 11,15)? Vielleicht merken Sie bei der Beantwortung dieser Fragen schon, wie eng der Kreis der Menschen wird, die sich zu recht noch als treue Christen bezeichnen dürfen. Denn nur der ist wirklich ein Nachfolger und Jünger Jesu, der Gottes und Christi Worte absolut ernst nimmt. Dazu gehört auch die unerschütterliche Hoffnung auf die leibhafte Auferstehung von den Toten und das ewige Leben im Reich Gottes auf dieser Erde unter der Regentschaft Jesu Christi!

Was haben wir in der Endzeit zu erwarten? Auch darüber kann nur das Wort Gottes in der Bibel zuverlässig Auskunft geben. Die Phantasie der Menschen hat sich seit jeher besonders intensiv mit diesem Zeitabschnitt beschäftigt. Und da die seltsamsten Vorstellungen über die Zustände in der Endzeit verbreitet sind, sollten wir uns unbedingt vor zwei Extremen hüten:

dem Extrem der Schwärmerei und dem Extrem der falschen Sicherheit.

Zu Schwärmereien besteht in der Endzeit kein Anlaß. Die äußeren Umstände und Lebensverhältnisse werden nicht besser, sondern schlechter. Paulus, der Apostel Jesu Christi für die Nationen, sagte voraus, daß "in den letzten Tagen schwere Zeiten eintreten werden" (2.Tim 3,1). Und auch der Herr selbst kündigte für die Zeit kurz vor seinem Erscheinen an:

"Und auf Erden werden die Völker voll Angst sein und ratlos über dem Tosen des Meeres und der Wogen; die Menschen werden vergehen vor Furcht und Erwartung dessen, was über den Erdkreis kommen soll; denn die Kräfte des Himmels werden erbeben, und dann werden sie des Menschen Sohn kommen sehen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit" (Luk 21,25-27).

Übertriebener Optimismus ist also unangebracht und falsch, weil er die Eigenschaften der Menschen und den Zustand der Welt nicht so sieht, wie sie wirklich sind.

Falsche Sicherheit dagegen unterschätzt die Verführungs-, aber auch die Vernichtungsmöglichkeiten in der Endzeit. Es gibt Christen, die sich selbst sehr sicher fühlen und sich in ihrer Glaubensgemeinschaft geborgen wähnen. Sie unterschätzen den Einfluß dieser Zeit, der es selbst ernsthaft gläubigen Nachfolgern Christi immer schwerer macht, Gottes Anweisungen einzuhalten.

Ist es nicht erschreckend, daß grob geschätzt höchstens zehn Prozent der 'Christen' wirkliche Christen sind? Die Namenschristen, die als Säuglinge getauft wurden, dann im Religionsunterricht etwas über Jesus hörten und schließlich als erwachsene und voll verantwortliche Menschen gar nicht oder äußerst selten die Bibel lesen und im täglichen Leben nicht beachten, sind keine Christen!

Die Endzeit ist darum auch gekennzeichnet durch die freiwillige Entscheidung der meisten Menschen gegen Gott und gegen Sein Wort. Wer heute nicht altmodisch sein möchte und, wie allgemein üblich, an den Aussagen der Bibel zweifelt, wer beispiels-weise den Schöpfungsbericht nicht ernst nimmt, wer den Bericht von Noah und der Sintflut für eine nette Legende hält, wer die Wunder Jesu so versteht, daß eben manches für die damaligen, einfachen Menschen wunderbar war, was wir heute längst erklären könnten, wer also die Bibel für unglaubwürdig hält und Gottes Wort nicht anerkennt, der ist kein Christ! Denn Jesus, der Sohn Gottes, hat ohne jeglichen Zweifel den Schöpfungs- und Sintflutbericht, Mose, die Psalmen und die Propheten ernst genommen. Für ihn waren die Worte der Schrift unumstößliche Autorität (Luk 24,25-27.44-49). Aber er wußte auch um die Glaubensträgheit und den Zweifel der Menschen, als er sagte:

"Doch wenn des Menschen Sohn kommt, wird er auch den Glauben finden auf Erden?" (Luk 18,8)

Können Sie nun ein wenig erahnen, was es heute bedeutet, wirklich Christ zu sein? Darum ist es für jeden einzelnen geradezu lebenswichtig, sich mit dem Wort Gottes und seinen Aussagen über die Endzeit bewußt auseinanderzusetzen.

Das eindrucksvollste Endzeitzeichen: Israel

Ein Zeichen der Endzeit überragt alle anderen an Auffälligkeit: es ist Israel! Mitteilungen über das Volk oder das Land Israel erscheinen heute nahezu täglich in den Nachrichten. Der neuerstandene Staat Israel fordert jeden einzelnen Menschen, besonders aber jeden Christen, zur Stellungnahme heraus. Um eine objektive Beurteilung abgeben zu können, ist es notwendig, daß wir dieses Volk und sein Land im Gesamtplan Gottes sehen. Denn Israel ist nicht nur von weltgeschichtlicher, sondern in erster Linie von heilsgeschichtlicher Bedeutung. Erst aus dieser Sicht erkennen wir Israels endzeitliche Bedeutung richtig.

Sehen wir uns deshalb Israels Besonderheiten an: Es gibt heute unzählige lebende Sippen, Stämme und Völker, darunter große und mächtige, aber auch kleine und unbedeutende. Im Laufe der Menschheitsgeschichte sind viele Völker stürmisch aufge-taucht, aber auch wieder versunken, so daß man das Wort der Heiligen Schrift bestätigen kann:

"Siehe, die Völker sind wie ein Tropfen am Eimer, und wie ein Stäublein in den Waagschalen sind sie geachtet" (Jes 40,15).

Unter allen diesen Völkern aus grauer Vorzeit bis in unsere Tage ragt ein Volk auf ganz besondere Weise heraus: Israel! Es sind die Juden. Die oftmals rätselhafte Entwicklung Israels wird erst verständlich, wenn man die biblischen Berichte und Verheißungen kennt. Dabei ist dieses Volk so zu sehen und zu beurteilen, wie es nach dem Willen Gottes zu bewerten ist:

Nicht ablehnend und antisemitisch oder antijüdisch, nicht euphorisch und blindlings prosemitisch, sondern nach der biblischen Grundlage!

Es hilft Israel nicht, wenn man aus lauter Begeisterung über die Erfüllung biblischer Prophetie seine Schwächen und Mängel - und die hat jedes Volk - übersieht und zu vertuschen sucht. Noch viel schlimmer aber ist, wenn vor lauter emotionaler Abneigung die guten Eigenschaften der Juden verkannt und verleugnet werden. Am verwerflichsten ist es jedoch, wenn 'Christen' heute noch den Juden die Tötung Jesu vorhalten. Eine objektive Beurteilung muß alle Eigenschaften und Aufgaben dieses Volkes berücksichtigen. Israel muß von der Bibel her gesehen und verstanden werden, denn:

Das Geschehen mit und um Israel macht in einer ganz besonderen Weise deutlich, daß die Bibel wahr ist!

Die Bibel ist kein vorderorientalisches Literaturprodukt. Durch sie redet der allmächtige Gott selbst zu den Menschen und gibt Seine Pläne und Absichten bekannt! Am Beispiel der Ereignisse mit Israel ist das sogar beweisbar.

Das auserwählte Volk

Sie werden sicherlich schon einmal gehört oder gelesen haben, daß Israel "das auserwählte Volk Gottes" genannt wird. Vielleicht hat Sie diese Aussage eigentümlich berührt. Hat sie Ihnen etwa aus Eifersucht nicht gefallen? Haben Sie dieser Aussage eventuell mit der Entgegnung widersprochen: "Warum ausgerechnet die Juden? Haben andere Völker nicht ebenso fähige Entdecker, Wissenschaftler, große Philosophen und bekannte Persönlichkeiten?"

Bitte überlegen Sie sich einmal, welchen 'Vorteil` diese Auserwählung Israel brachte. Wurde nicht gerade dieses Volk besonders gedemütigt, gezüchtigt und verfolgt? Die Vorzüge lagen also sicherlich nicht in ständigen Segnungen. Die konnte Israel in seiner langen Geschichte nur sehr kurzzeitig genießen. Der Vorteil Israels durch seine Auserwählung liegt in seiner besonderen Nähe, in seiner intimen Beziehung zu Jahwe, dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs (Röm 9,4.5). Darum gelten die Aussagen Gottes auch heute noch unverändert:

"Wohl dir, Israel! Wer ist dir gleich, du Volk, das durch den HERRN gerettet ist?" (5.Mose 33,29)

"Denn des HERRN Anteil ist sein Volk. Er beschützte es, gab acht auf es und behütete es wie seinen Augapfel" (5.Mose 32,9.10).

Und der Apostel Paulus unterstreicht die Unveränderbarkeit der Absicht Gottes im Hinblick auf das Volk Israel:

"Gottes Gnadengabe und Berufung sind unwiderruflich!" (Röm 11,29)

Israel wurde von Gott nicht deshalb auserwählt, weil es vor allen anderen Völkern besondere Vorzüge und Qualitäten hätte. Gottes Wort berichtet uns sogar, daß es ein sehr "halsstarriges Volk" sei. Die Erwählung Israels hat folgende Ursache:

"Denn du bist ein dem HERRN, deinem Gott, heiliges Volk; dich hat der HERR, dein Gott, aus allen Völkern, die auf Erden sind, sich zum Volk des Eigentums erwählt. Nicht darum hat der HERR Lust zu euch gehabt und euch erwählt, weil ihr zahlreicher wäret als alle Völker, denn ihr seid das geringste unter allen Völkern - sondern um seiner Liebe willen zu euch und um den Eid zu halten, den er euren Vätern geschworen, hat euch der HERR mit mächtiger Hand ausgeführt" (5.Mose 7,6-8).

Die Erwählung Israels ist mit einer Aufgabe verbunden. Israel soll den anderen Völkern Gottes Offenbarung weitergeben. Dies geschah und geschieht nicht etwa durch weltweites Predigen und Missionieren, sondern indirekt durch die Existenz, die besondere Lebensweise und die geschichtliche Führung dieses Volkes. Das unumstößliche Festhalten Israels an dem einzigen Gott, dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, und am Alten Testament der Heiligen Schrift erregte unter seinen Mitmenschen immer wieder Aufsehen. Israel fiel auf durch seine von Gott verordneten Speisevor-schriften, seine von Gott festgelegten Feiertage, seinen von Gott verordneten wö-chentlichen Ruhetag, seinen von Gott angeordneten Gottesdienst und seine Liebe zu Gottes Wort in den Schriftrollen. Durch seine Verehrung und Hochschätzung des Wortes Gottes wurde es zum Verkünder Seiner Offenbarung.

Durch die Israeliten tritt Gott aus dem Nebel der Verborgenheit hervor, um den Völkern Seinen Willen und Seine Macht kundzutun. Die Gebote Gottes stehen wie Felsblöcke inmitten des Stromes der vorüberziehenden Völker. Sie verkündigen des Allmächtigen Anordnung über die richtige Gottesverehrung und über die lebenswichtigen zwischenmenschlichen Beziehungen. Kein Wunder also, daß Gottes Gebote in die Gesetze der meisten Völker mit aufgenommen wurden.

Auch nach der Gesetzgebung am Sinai griff Gott immer wieder in die Geschichte Israels ein. Jahrhundertelang sandte Er diesem Volk Propheten. In ihren Mund legte Er Seine Botschaften, Seine Appelle und Verheißungen! Dadurch wurde Israel zu Gottes Offenbarungsträger und Demonstrationsvolk.

Der Höhepunkt der Verheißungen gipfelte in der Ankündigung des Messias, des Gesalbten Gottes und Erlösers der Menschen. Mose, Israels Führer durch die Wüste, kündigte im Auftrag Gottes an:

"Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, erwecken aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern; auf den sollt ihr hören!" (5.Mose 18,15)

Israels Irrtum und Zerstreuung

Wie reagierte das Volk Israel, als der angekündigte Messias tatsächlich auftrat und durch Zeichen und Wunder von Gott als der Verheißene bestätigt wurde? Nur einzelne und seine Apostel und Jünger, erkannten ihn und folgten ihm (Joh 1,41-46). Das Volk als Gesamtheit, besonders aber die geistlichen Führer Israels, lehnten ihn ab. In Israels Gedanken und Vorstellungen waren zu tief die prophetischen Worte eingegraben, die den Messias (griech.: Christus, deutsch: Gesalbter) als politischen Befreier und Weltregenten verkündigten (Ps 2). Das ist nur allzu leicht verständlich, denn damals litt das Volk unter der römischen Besatzungsmacht und sehnte einen Befreier herbei.

Deshalb wurden die ebenfalls vorausgesagten Wesenszüge des Messias als leidender und sterbender Knecht Gottes (Ps 22,1-9; Jes 53) einfach übersehen. Israel beachtete nicht, daß dieser von Gott vorgesehene Erlöser zuerst die Krankheiten und Schmerzen dieser Welt ertragen mußte, um die Menschen von diesen Folgen der Sünden und vom Todesurteil befreien zu können. Jesus heilte zwar Kranke und erweckte sogar Tote wieder zum Leben, so daß viele an ihn zu glauben begannen. Doch am Ende seines Wir-kens ließ er sich widerspruchslos gefangennehmen, mißhandeln und kreuzigen. Viele, die an ihn geglaubt hatten, wandten sich nun endgültig von ihm ab. Sein Tod am römischen Hinrichtungsholz bestärkte die Menschen in Israel in ihrer Ablehnung. Immer noch hegten sie in ihren Gedanken die Vorstellung, daß der Messias in Macht und Stärke als politischer Regent erscheinen müsse.

Einem ähnlichen Irrtum unterliegen heute die meisten 'Christen'. Sie sehen in dem Christus nur den Heiland, den Erlöser von Sünde und Tod und nicht auch den kommenden Weltherrscher. Damit verfallen sie in den gleichen Fehler wie die meisten Is-raeliten. Während diese nur den politischen Befreier annehmen wollten, sehen jene in Jesus nur den Heilsbringer, obwohl die biblische Prophetie dem Messias beide Aufgaben zuschreibt.

Die Mißachtung und Ablehnung des Messias wurde Israel zum grausamen Schicksal. Der Ruf "Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!" (Matth 27,25), unbesonnen von einem aufgehetzten Volk geäußert, hatte eine vorhersehbare Strafe zur Folge: Israels Zerstreuung unter alle Völker der Erde. Israels Geschick war kein Zufall, sondern von dem Allwissenden vorausgesehen und durch Seine Propheten vorausgesagt:

"Der HERR wird dich unter alle Völker zerstreuen von einem Ende der Erde bis zum anderen; da wirst du anderen Göttern dienen, die dir und deinen Vätern unbekannt waren, Holz und Steinen. Dazu wirst du unter diesen Völkern keine Ruhe haben und keine Rast finden für deine Fußsohlen; sondern der HERR wird dir daselbst ein friedloses Herz geben, daß du dir die Augen ausweinen möchtest und daß deine Seele verschmachten muß. Dein Leben wird vor dir an einem Faden hängen; Tag und Nacht wirst du dich fürchten und deines Lebens nicht sicher sein. Am Morgen wirst du sagen: `Ach, daß es schon Abend wäre!' Und am Abend wirst du sagen: `Ach, daß es schon Morgen wäre!' - um deswillen, was dein Herz erschreckt und was deine Augen sehen müssen" (5.Mose 28,64-67).

Wenn Sie diese Schriftstelle in Ruhe durchdenken und dabei ein paar Jahre zurückblicken in unserer Geschichte, als Millionen Juden in Europa Todesängste unter dem Naziregime ausstanden und getötet wurden, dann können Sie die exakte und erschreckende Übereinstimmung zwischen biblischer Prophetie und Erfüllung nicht übersehen. Millionen von Juden wünschten sich in der Verfolgungszeit unter Hitler am hellichten Tag die Nacht herbei, damit sie eventuell noch einmal von der täglichen Verhaftungswelle verschont blieben. Aber in der Nacht wünschten sie sich den Tag herbei, denn selbst in der Dunkelheit fanden sie keine Ruhe vor den Schergen dieses gottlosen Regimes.

Die Zerstreuung des Volkes Israel wird aber nicht nur von den Propheten des Alten Testaments angekündigt. Auch Jesus hat sie vorausgesagt. Als er kurz vor seiner Gefangennahme und Kreuzigung mit seinen Jüngern noch einmal am Ölberg weilte und die gegenüberliegende Stadt Jerusalem sah, sagte er voller Trauer:

"Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter die Flügel sammelt, aber ihr habt nicht gewollt. Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen werden" (Matth 23,37.38).

Das Wort Moses und die Vorhersage Jesu gingen in Erfüllung. Das Gericht, das nun Israel traf, war hart, sehr hart. Heimatlosigkeit und Verfolgung mit der Angst um das nackte Überleben waren vorausgesagt worden. Zusätzlich hatte Jesus über die geliebte Hauptstadt Jerusalem prophezeit:

"Wenn doch auch du erkannt hättest, wenigstens noch an diesem deinem Tage, was zu deinem Frieden dient! Nun aber ist es vor deinen Augen verborgen, daß Tage über dich kommen werden, wo deine Feinde dich belagern und mit einem Wall ringsum einschließen und von allen Seiten ängstigen werden; und sie werden dich dem Erdboden gleich machen und deine Kinder in dir und werden in dir keinen Stein auf dem anderen lassen, darum, daß du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast!" (Luk 19,42-44)

Genauso kam es. Die Römer eroberten, zerstörten und schleiften die heilige Stadt und verjagten die Juden und führten den Rest in Gefangenschaft. Doch selbst in diesem harten Gerichtsstadium über Israel blieb Gottes Führung sichtbar: Seine Gnade im Gericht!

Gott strafte und zerstreute Israel - das ist Gericht. Aber Gott bewahrte es vor der Ausrottung - das ist Gnade!

Gott bewahrte Israel tatsächlich vor der totalen Vernichtung, als das ägyptische Heer ihm bis zum Schilfmeer nachjagte, als es in die assyrische und danach in die babylonische Gefangenschaft hinweggeführt wurde, als die Römer schließlich Jerusalem einebneten und das Wohnen im Heiligen Land für Juden verboten. Und auch als Hitler die 'Endlösung' mit der Auslöschung aller Juden anstrebte, war Gott mit ihnen: Es gelang nicht. Das ist Seine Gnade! Denn Er hat mit diesem Volk immer noch Pläne. Er hat Israel zum Zeichen für alle Völker gesetzt. An Israel demonstriert Gott Seine Strenge und Gerechtigkeit, aber auch Seine Barmherzigkeit und Gnade! An Israel zeigt Er allen Menschen durch Prophetie und Erfüllung die Wahrhaftigkeit Seines Wortes. An Israel sollten alle die absolute Glaubwürdigkeit des biblischen Wortes erkennen!

Israels Bewahrung vor der völligen Vernichtung

Was wäre nun für dieses kleine, zerstreut lebende und heimatlose Volk von nur rund viereinhalb Millionen Menschen normaler gewesen, als im großen Völkermeer unterzugehen?

Warum leben die damaligen Nachbarvölker Israels nicht mehr? Wo sind die Edomiter, die Moabiter, die Peresiter, die Jebusiter, die Hetiter? Wo sind die Chaldäer und wie sie alle hießen? - Sie sind im Völkermeer untergegangen! Warum eigentlich das kleine Völkchen Israel nicht?

Wenn Sie Griechenland durchreisen, begegnen Ihnen Baudenkmäler als Zeugen aus dem zweiten und ersten Jahrtausend vor Christi Geburt. Völkerstämme wie die Mykener, die Dorier und Ionier haben sie errichtet. Diese Stämme selbst sind wie vom Winde ver-weht. Israel hat sie alle überdauert. Selbst große und bedeutende Völker wie die Babylonier, die Meder, die Perser, die Assyrer wurden vom Völkermeer verschlungen.

Wo sind die Kelten, die Hunnen, die Goten, die Mauren? Ihre Nachkommen haben sich mit anderen Völkern dieser Erde vermischt. Als Volk oder völkische Einheit mit ihren speziellen Sitten und Gebräuchen, mit ihrer eigenen Sprache und Religion existieren sie nicht mehr.

Israel dagegen existierte stets als Volk, auch während seiner Zerstreuung, auch ohne eigenes Land und ohne eigenen Staat. Seine Eigenarten gab Israel nie auf. Das ist das besondere Wunder an Israel: Obwohl das Volk, an dem Gott Sein Wirken kundtut, aus seinem Lande vertrieben, heimatlos und rechtlos zerstreut inmitten großer fremder Völker wohnte, blieb es dennoch erhalten.

Warum ist das so? Haben Sie eine stichhaltige Antwort auf dieses Phänomen? Es gibt tatsächlich nur eine Antwort darauf: Gott will es so!

Gott will es so. Nur auf diese Tatsache, daß Gott auch bei Seinen Erziehungsmaßnahmen Seine schützende Hand über Israel hält, ist es zurückzuführen, daß die Israeliten alle politischen Stürme, alle Verfolgungen und alle Ausrottungsversuche als Volk überstanden haben - bis in unsere Tage. Das ist Gottes unübersehbares Zeichen Seiner Treue zu Seinem Volk!

Man kann ohne Übertreibung sagen, daß kein anderes Volk so viel erlitten hat wie das geschlagene, geschundene und gehetzte Volk Israel. Das Los der Juden war durch die Jahrtausende erdrückend schwer. Wie haben sie sich in allen diesen Drangsalen verhalten?

Die geschichtliche Wahrheit bezeugt, daß sie mit einer erstaunlichen Standhaftigkeit, ohne allzuviel Jammern und Klagen, Verfolgungen, Gefangennahmen und das Leben in den Ghettos ertrugen und in den oft grausamen Tod gingen. Sie schöpften die Kraft dazu aus ihrem standhaften Glauben an die Führung Gottes. Solche Standhaftigkeit und Duldsamkeit waren weder Zufall noch Volksmut: Sie waren die Frucht ihres persönlichen Bekenntnisses zu dem Gott ihrer Väter Abraham, Isaak und Jakob. Sie wußten, daß Er ihnen dieses Schicksal sandte, aber auch, daß Er sie aus dieser Situation zu erretten vermochte - wenn die Zeit dazu gekommen ist. Ja, Gott hielt Seine schützende Hand über Israel, damit es trotz schwerer Gerichte nicht gänzlich vernichtet wurde. Das ist den Völkern, das ist uns zum Zeugnis geschehen:

Mit Israels Existenz bis auf den heutigen Tag gibt Gott ein unübersehbares Zeichen Seiner Treue zu diesem Volk und für die Wahrheit Seines Wortes!

Nicht nur die Vergangenheit, sondern auch, was sich mit Israel in unseren Tagen ereignet, läßt aufmerksame Bibelleser aufhorchen.

Israels Heimkehr verheißen

Dem Volke Israel war zugesagt worden, daß es eines Tages wieder in seine alte Heimat zurückkehren darf. Mit dem Wissen um diese Prophetie im Herzen grüßten sich gläubige Juden seit der weltweiten Zerstreuung im Jahr 135 n. Chr. mit dem innigen Wunsch: "Nächstes Jahr in Jerusalem!" Wie kam es zu diesem Gruß? Er entstand, als der römische Kaiser Hadrian allen Juden das Betreten der wiederaufgebauten Stadt Jerusalem - nun `Aelia Capitolina' genannt - unter Androhung der Todesstrafe verbot. So wuchs der sehnliche Wunsch, die heilige Stätte wieder betreten zu können. Diese Hoffnung begleitete das Volk Israel auch unter den entferntesten Völkern. Würde diese Erwartung je Wirklichkeit werden?

Seit 1967 ist es jedem Juden der freien Welt möglich, ganz Jerusalem zu betreten und die heiligen Stätten zu besuchen. Wie kam es dazu? - Gott hatte es verheißen, und Sein Wort erfüllte sich!

Die Ankündigung der endlichen Heimkehr Israels in das Land seiner Väter zieht sich wie ein roter Faden durch die prophetischen Schriften des Alten Testaments:

"Darum wahrlich, es kommen Tage, spricht der HERR, da man nicht mehr sagen wird: 'So wahr der HERR lebt, der die Kinder Israel aus Ägyptenland geführt hat!', sondern: 'So wahr der HERR lebt, der die Kinder Israel herausgeführt hat aus dem Lande der Mitternacht (= Norden) und aus allen Ländern, wohin er sie verstoßen hat!' Denn ich will sie wieder auf ihren Heimatboden führen, den Ich ihren Vätern gegeben habe" (Jer 16,14-16).

"Darum sollst du weiter zu ihnen sagen: `So spricht der Herr Jahwe: Ich will euch aus den Völkern sammeln und euch aus den Ländern, in die ihr zerstreut seid, wieder zusammenbringen und euch das Land Israel wiedergeben. Und wenn sie dahin kommen, so werden sie alle Greuel und Scheusale daraus entfernen. Ich aber will ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in ihr Inneres und will das steinerne Herz aus ihrem Leibe nehmen und ihnen ein fleischernes Herz geben, damit sie in meinen Geboten wandeln und meine Rechte beobachten und sie tun; und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein"(Hes 11,17-20).

Ohne viel Mühe könnte Schriftstelle um Schriftstelle zitiert werden, die alle die Rückführung Israels in das Land seiner Väter verheißen. Besonders der Prophet Hesekiel beschreibt ein umfassendes Bild. Er nennt auch den Grund für die Einsammlung Israels:

"So spricht der Herr Jahwe: 'Nicht um euretwillen tue ich solches, Haus Israel, sondern wegen meines heiligen Namens, welchen ihr unter den Völkern entheiligt habt, zu denen ihr gekommen seid. Darum will ich meinen großen Namen, der vor den Völkern entheiligt worden ist, wieder heilig machen. Und die Völker sollen erkennen, daß ich Jahwe bin, spricht der Herr Jahwe, wenn ich mich an euch vor ihren Augen heiligen werde" (Hes 36,22.23).

Das ist die Ursache der Rückführung Israels und gleichzeitig die heilige Aufgabe dieses auserwählten Volkes. An Israel zeigt Gott Seine Macht und Seine Absichten und verwirklicht Seine Verheißungen vor den Augen der Völker. Alles, was mit Israel ge-schieht, ist bedeutungsvoll und sollte ständig mit dem Wort der Heiligen Schrift verglichen werden. Die Realität der Erfüllung göttlicher Vorhersagen festigt unseren Glauben an das Wort Gottes und stärkt die Hoffnung auf die in der Bibel verheißene, herrliche Zukunft des Friedensreiches Gottes auf der Erde unter Christi Herrschaft.

Israels Heimkehr wird Wirklichkeit

Was erlebten und erleben wir in unserer Zeit?

Jeden Herbst können wir beobachten, wie sich die Zugvögel sammeln und in ihr Winterquartier nach Süden ziehen. Sie treffen sich pünktlich zu einem bestimmten Zeitpunkt. Er ist so gewählt, daß der Flug Richtung Süden noch vor Eintritt besonderer Kälte erfolgen kann. Keiner hat die Vögel dazu aufgefordert. Niemand gab ihnen einen Kalender und den Befehl: "Sammelt euch!" Es ist ihr Instinkt, der sie zusammenführt. Ihre Fähigkeiten, die sie vom Schöpfer aller Dinge erhielten, drängen sie zur rechten Zeit zur Sammlung und zum Flug.

Ähnliches konnte man beim Volk Israel beobachten. Obwohl jeder gläubige Jude ständig den Wunsch zur Rückkehr in das Land der Stammväter im Herzen trug, davon träumte und sich nach Jerusalem sehnte, wurde nichts Konkretes unternommen. Dann plötzlich, am Ende des 19. Jahrhunderts, begann unter den Israeliten eine Bewegung wie bei den Zugvögeln. Wie von einer inneren Uhr dazu getrieben, strebten sie mit einer nie zuvor gekannten Energie die Rückkehr in das Heilige Land an.

Im Jahre 1896 schrieb der jüdische Schriftsteller Dr. Theodor Herzl das Buch "Der Judenstaat". Darin fordert er alle Israeliten zur Heimkehr in die alte, verwüstete und von relativ wenigen Menschen bewohnte Heimat auf. Ein Jahr später 1897, wurde in Basel die Weltzionisten-Organisation gegründet. Zionisten sind Juden, die sich für die Heimkehr nach Zion (Jerusalem) und für die Bildung einer jüdischen Nation im ehemaligen Land Israel einsetzen. Wo auch immer die zerstreut lebenden Juden das Büchlein Herzls in die Hand bekamen oder von dieser Idee hörten, bewegte es ihr Innerstes. War das doch der lang gehegte Wunschtraum, der nun in Worte gefaßt und weltweit verbreitet realisierbar schien. Wiederum ging damit ein Wort Gottes in Erfüllung:

"Fürwahr, ich will viele Fischer senden, spricht der HERR, die sie fischen sollen" (Jer 16,16a).

Tatsächlich, die Zionisten waren diese angekündigten "Fischer"! Wie mit einem Netz versuchten sie mit der Verkündigung und dem Aufruf zur Heimkehr in das Land Israel, die Juden aus dem Völkermeer herauszufischen. Viele folgten der Aufforderung - und dennoch waren es nur allzu wenige.

Doch wie sollten sie in ihre Heimat Israel zurückkommen, die seit der römischen Besatzung 'Palästina' genannt wurde? Und Palästina gehörte nun den Türken. Die aber wollten auf gar keinen Fall eine Masseneinwanderung der Juden. Die Engländer waren jedoch hilfsbereit und boten ihnen noch vor dem ersten Weltkrieg ihr Protektorat 'Uganda' in Ostafrika als Heimstätte an. Uganda ist fruchtbares Land mit Savannen, Baumsteppen und Buschwald; Palästina war weithin Wüste und Sumpfland. Doch Uganda ist nicht Israel. Gott hatte aber dem Volk Israel die Rückkehr nach Zion und in das Land Israel versprochen!

Welche wundersame Fügung brachte die Lösung dieses Problems? Im Verlauf des ersten Weltkriegs wurde 1918 Palästina von den Engländern besetzt. Das war wohl kein Zufall. Gott hatte es so gefügt! Er war es auch, der den damaligen englischen Mini-ster Balfour zu der Erklärung veranlaßte:

"Seiner Majestät Regierung betrachtet die Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk mit Wohlwollen und wird die größten Anstrengungen machen, um die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern .... "

Aber ganz so einfach war die Erreichung dieses Zieles nicht. In Palästina lebten schließlich auch Araber, die das Land nicht gern mit den Juden teilen wollten. Sie setzten dem Einwanderungswunsch der Juden massiven Widerstand entgegen. Viele Rück-kehrwillige verzagten. Wie sollte es weitergehen? Eine problemlose Rückführung der Israeliten in das Land ihrer Väter in gutnachbarlichem Einvernehmen mit der arabischen Bevölkerung war offensichtlich nicht möglich. Es mußte Druck ausgeübt werden. Er, der letztlich die Erneuerung Israels in seinem Lande leitete, führte Sein Werk fort.

Genau zu dem Zeitpunkt gewann in Europa ein Politiker an Macht, der sich die Vernichtung aller Juden zum Ziel gesetzt hatte. Unter der Tyrannei Adolf Hitlers wurden die 'deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens' zu Angehörigen einer verachteten und gehaßten Minderheit. Die sogenannten "Nürnberger Gesetze", 1935 von Hitler erlassen, erklärten sie zu Bürgern zweiter Klasse und zu Angehörigen einer minderwertigen Rasse. Die Jagd auf alle jüdischen Menschen in Deutschland und in den europäischen Ländern, die Hitler während des zweiten Weltkriegs besetzte, begann. Wer konnte, floh in das Land der Hoffnung. Die Worte des Propheten erfüllten sich auf schreckliche Weise:

"Danach (nach den Fischern) will ich viele Jäger senden, die sie jagen sollen auf allen Bergen und auf allen Hügeln und in den Felsklüften" (Jer 16,16b).

In Europa gab es für Juden keine große Auswahl, der mörderischen Jagd der Nationalsozialisten zu entkommen. Es blieben die Chancen, nach Amerika auszuwandern oder nach Palästina zu flüchten, solange noch diese Wege offen waren. Nicht alle ka-men in Palästina an. Unter dem Druck der Araber in Palästina verhängten die Engländer eine Einwanderungssperre. Schiffe mit illegalen Immigranten wurden versenkt und gingen unter. Auf der Insel Zypern wurden Auffanglager für Israel-Heimkehrer errichtet. Die Lage der verfolgten Juden spitzte sich dramatisch zu. Schließlich kam das Juden- und Palästina- Problem vor die UNO, der Weltorganisation zur Sicherung des Weltfriedens und zur Förderung der internationalen Zusammenarbeit. Am 29. November 1947 beschloß die Vollversammlung der Vereinten Nationen mit 33 zu 13 Stimmen die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat. Die jüdische Bevölkerung Palästinas war begeistert, obwohl ihr die schlechteren Landesteile - Wüste und Sumpfgebiete - zugeteilt wurden!

Die Staatsgründung Israels unter Gottes Schutz

Der größte Tag in der Geschichte Israels neuerer Zeitrechnung war eine Nacht! Es war die Nacht vom 14. auf den 15. Mai 1948, dem 4. Ijjar des Jahres 5708 nach jüdischer Zeitrechnung. Atemlose Stille herrschte im Museum von Tel Aviv, als Ben Gurion, der spätere erste Ministerpräsident des neuen Staates Israel, die Unabhängigkeitserklärung vorlas. In tiefer Ergriffenheit proklamierte er vor den Ohren der erstaunten Weltöffentlichkeit in feierlicher Form die Wiederherstellung des Staates Israel. Er sagte unter anderem:

"Zweitausend Jahre haben wir auf diese Stunde gewartet, und nun ist es geschehen. Wenn die Zeit erfüllt ist, kann nichts Gott widerstehen".

Prophetie wird Geschichte, Verheißung wird Wirklichkeit. Eine schicksalhafte Entscheidung war gefallen. Das jüdische Volk, das im Laufe vieler Generationen unendliches Leid erduldet hatte, war aus der Knechtschaft in die Freiheit getreten. Gläubige Kenner des Wortes Gottes sehen darin zweifelsohne die Erfüllung prophetischer Verkündigung von der Rückkehr Israels in sein Land. Die Freude darüber war jedoch nicht ungetrübt.

Im Jahre 1948 standen in Palästina etwas mehr als eine halbe Million Israelis einem Block von zweiundvierzig Millionen feindlich gesinnter Araber gegenüber. Sie wollten den Teilungsplan der UNO nicht akzeptieren und die Staatsgründung Israels mit Waf-fengewalt verhindern. Die ägyptische Regierung gab noch in der Nacht der Staatsproklamation Israels wörtlich bekannt:

"Eine Minute nach Mitternacht wird der Einmarsch in Palästina beginnen!"

So geschah es auch. Welche Chance hatte Israel gegen solche Übermacht? Die Arabische Liga mit Syrien, Libanon, Saudi-Arabien, Jordanien, Libyen und Ägypten fiel über den lächerlich kleinen Haufen der Israelis her. Die Weltpresse sagte ein sicheres Ende der Juden voraus. Doch wie ging dieser neuzeitliche Kampf des kleinen Davids gegen den übermächtigen Riesen Goliath aus? - Die arabischen Armeen wurden geschlagen und ergriffen die Flucht. Israelis, die damals mitgekämpft hatten, bezeugten später:

"Es war ein Wunder! Gott selbst hat eingegriffen!"

Viermal mußte sich der junge jüdische Staat innerhalb von fünfundzwanzig Jahren wehren:

1948 im Unabhängigkeitskrieg, 1956 im Sinai-Krieg, 1967 im Sechs-Tage-Krieg, 1973 im Yom-Kippur-Krieg.

Jedesmal ging Israel aus diesen Kämpfen gegen einen zahlenmäßig weit überlegenen Gegner - gestärkt und gefestigt - siegreich hervor. Im Sechs-Tage-Krieg fielen Israel Grenzgebiete zu, die zur Sicherung des Landes viele Vorteile brachten. Die Besetzung der Halbinsel Sinai führte zu Friedensgesprächen und zum Friedensabkommen mit Ägypten. Die Eroberung Westjordaniens - Bibellesern als `Judäa' und `Samaria' bekannt - und Teile der Golanhöhen begradigten die Grenzen Israels und sicherten sie strategisch besser ab. Die beeindruckendste Eroberung war und bleibt für Israel die Altstadt Jerusalems mit der 'Klagemauer', dem Rest des Salomonischen Tempels. Seit 1967 ist ganz Jerusalem wieder im Besitz Israels, und die heiligen Stätten sind jedermann zugänglich. Diese Situation ruft Worte Jesu in Erinnerung:

"Und sie (die Juden) werden fallen durch die Schärfe des Schwerts und gefangen geführt werden unter alle Völker; und Jerusalem wird zertreten werden von Heiden, bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind" (Luk 21,24).

Im Jahre 1967 ist die Zeit der Heidenherrschaft über Jerusalem zu Ende gegangen. Israel, das Volk Gottes, hat seine geliebte und heilige Hauptstadt wieder! Der Wunsch und Gruß "Nächstes Jahr in Jerusalem!" wurde durch Gottes Eingreifen Wirklichkeit!

Israels militärische Auseinandersetzungen mit seinen Nachbarn seit 1948 sind durch wunderbare Fügungen gekennzeichnet. Hat sich militärisch nicht ein Wunder ereignet? Wäre es nicht leicht gewesen, diesen kleinen Staat einfach zu überrennen? Vor der Besetzung des Westjordanlandes war Israel nördlich von Tel Aviv nur 15 Kilometer breit. Man braucht wohl kein Militärexperte zu sein, um diese Schwachstellen zu erkennen und auszunützen. Und dennoch gelang dies den arabischen Militärstrategen nicht. Warum ist Israel heute in besser gesicherten Grenzen als je zuvor seit seiner Staatsgründung?

Israel hat 1978 mit Ägypten und 1994 auch mit Jordanien Friedensabkommen geschlossen. Mit Syrien verhandelt man noch; allerdings müßte Israel dann die strategisch so wichtigen Golanhöhen abtreten. Im eigenen Land traf Israel mit den Palästinensern ein Autonomieabkommen unter dem Motto "Land gegen Frieden". Dazu war Israels Regierung bereit, das sogenannte "Westjordanland" mit Jericho und den "Gazastreifen" als autonomes palästinensisches Verwaltungsgebiet anzuerkennen. Auch wenn diese Maßnahme, um Frieden zu erreichen, nicht unumstritten und biblisch nicht zu begründen ist (3.Mose 25,23), so gewinnen doch die Worte des Propheten Hesekiel aktuelle Bedeutung:

"So spricht der Herr Jahwe: `Wenn ich das Haus Israel wieder sammle aus den Völkern, unter die sie zerstreut worden sind, so werde ich mich an ihnen heilig erweisen vor den Völkern, und sie sollen in ihrem Lande wohnen, das ich meinem Knechte Jakob gegeben habe. Ja, sie sollen sicher darin wohnen, Häuser bauen und Weinberge pflanzen; ja, sie werden sicher wohnen, wenn ich an allen denen rings um sie her, welche sie verachten, Strafgerichte vollziehen werde. Alsdann werden sie erfahren, daß ich, Jahwe, ihr Gott bin" (Hes 28,25.26).

Dieses Prophetenwort ermahnt auch uns, unsere persönliche Einstellung zu Israel zu überprüfen. Verachten wir die Juden? Sehen wir geringschätzig auf sie herab als auf eine bedeutungslose Minderheit? Verhalten wir uns so wie jene, die Gottes Wort und Absicht nicht kennen? Immer mehr Menschen und Völker distanzieren sich von Israel. Nur allzuhäufig ist persönliche Überheblichkeit oder allzu materielles Denken die Ursache für ein solches Verhalten. Wer möchte schon um einer Freundschaft mit Israel willen auf den kostbaren `Lebenssaft unserer Industrie', das Öl der arabischen Län-der, oder auf Handelsbeziehungen mit der arabischen Wirtschaftsmacht verzichten?

Jerusalem, der `Laststein' für alle Völker

Und doch ist der jetzige Frieden in Nahost nur ein Scheinfrieden. Denn die PLO-Führung will mehr als das bisher Erreichte. Jerusalem wird von den Arabern als "Hauptstadt Palästinas" beansprucht. Israels Parlament hingegen beschloß 1980 das "Jerusalem-Gesetz" und erklärte "ganz Jerusalem zur unteilbaren und ewigen Hauptstadt Israels". Damit tickt eine Zeitbombe für den letzten großen Krieg, der in Nahost um die Stadt Jerusalem geführt werden wird. Gottes Wort kündigt an:

"Siehe, ich mache Jerusalem zum Taumelkelch für alle Völker ringsum, und auch gegen Juda wird es gehen bei der Belagerung Jerusalems. Und es soll geschehen, an jenem Tage will ich Jerusalem machen zum Laststein für alle Völker; alle, die ihn heben wollen, werden sich Schaden zufügen, und es werden sich gegen sie alle Völker der Erde versammeln" (Sach 12,1-3).

Und dann lesen wir in der Ankündigung weiter:

"An dem Tage will ich die Fürsten Judas machen wie eine Feuerpfanne zwischen Hölzern und wie eine brennende Fackel bei einem Garbenhaufen, daß sie verzehren zur Rechten und zur Linken alle Völker ringsum; Jerusalem aber soll wieder bewohnt werden an seiner alten Stelle. Und der Herr wird zuerst die Hütten Judas erretten, damit sich der Stolz des Hauses Davids und der Stolz der Bewohner Jerusalems nicht gegen Juda erhebe. An jenem Tage wird der Herr die Einwohner Jerusalems beschirmen, daß der schwächste unter ihnen an dem Tage sein wird wie David, und das Haus Davids wird sein wie Gott, wie der Engel des HERRN vor ihnen" (Sach 12,4-8).

Das Wort Gottes lehrt uns jedoch unmißverständlich und die historische und jüngste Geschichte Israels bestätigt:

Wer gegen Israel ist, steht gegen Gottes Absichten, welcher Israels Stammvater zusicherte: "Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dir fluchen" (1.Mose 12,3).

Über Jerusalem und den Ort des Tempels in Israel hatte Gott gesagt:

"Mein Name soll in Jerusalem wohnen!" (2.Kön 21,4). "In dieses Haus und nach Jerusalem, das ich aus allen Stämmen Israels erwählt habe, will ich meinen Namen setzen ewiglich" (2.Kön 21,7; siehe auch 2.Mose 20,24; 5.Mose 12,5.11; 2.Sam 7,13; 1.Kön 8,29; 2.Chron 7,15.16; Ps 48,2; Ps 76,3; Ps 87,1-3).

Jerusalem feierte 1996 Geburtstag. Diese Stadt ist 4.000 Jahre alt und eine der ältesten Städte der Welt. Die Stadt ist seit 3.000 Jahren die Hauptstadt Israels. Gott hat sie dazu auserwählt, daß Sein Name in Jerusalem ewiglich wohnen soll, und daß Seine Augen und Sein Herz allezeit daselbst sein sollen! Wir können uns darauf verlassen: Gott hält Sein Wort, auch wenn sich die ganze Welt dagegen empört!

Sehen wir uns nach dieser politischen Betrachtung die landwirtschaftliche Entwicklung des jungen Staates an.

Der Feigenbaum wird saftig, der weltgeschichtliche Sommer ist nahe

Zur Zeit Jesu ernährte das Land Israel seine Bewohner gut. Das gelobte Land wurde nicht umsonst "das Land, da Milch und Honig fließt" (2.Mose 3,8.17) genannt. Das änderte sich gründlich mit der Zerstreuung des Volkes Gottes. Das Land verwilderte und wurde trocken und wüst. Der Ertrag reichte gerade zur kümmerlichen Ernährung einiger Nomadenstämme aus.

Seit Israels Rückkehr trat auch hier eine bemerkenswerte Änderung ein. Es wird berichtet, daß durch die mühselige, aber erfolgreiche Kultivierung des Landes der Niederschlag im Frühjahr und der so kostbare Tau immer mehr zunimmt. Hinzu kommt eine äußerst sorgfältige Wasserbewirtschaftung Israels mit neuartigen, unterirdischen Bewässerunsgsystemen, die das trockene Land mehr und mehr fruchtbar werden lassen. Entwicklungsprojekte, mit denen aus salzhaltigem Meerwasser Trinkwasser und für die Bewässerung der Felder geeignetes Wasser gewonnen wird, wurden verwirklicht. Wiederum werden Worte der Propheten Gottes vor unseren Augen Realität:

"Das verwüstete Land soll wieder angebaut werden, statt daß es wüste liegt vor allen, die vorüberziehen. Alsdann wird man sagen: `Dieses verwüstete Land ist wie ein Garten Eden geworden, und die zertrümmerten Städte, die zertrümmert und zerstört waren, sind fest und wohl bewohnt!' Und die Völker, welche übrig geblieben sind rings um euch her, werden erfahren, daß ich, Jahwe, es bin, der das Abgebrochene baut und das Verwüstete bepflanzt. Ich, Jahwe, habe es geredet und werde es auch tun" (Hes 36,34-36).

Natürlich ist das alles nicht ohne Fleiß und Arbeit von Menschen entstanden. Aber die Kraft, der Ideenreichtum, das Durchhaltevermögen und der Segen für die Anpflanzungen sind Gottes Gabe! Was zweitausend Jahre lang die im Lande lebenden Menschen nicht schafften, gelang den neu hinzugezogenen Israelis. Warum? Der Prophet sagte es: Weil Gott es ihnen gelingen ließ, damit Seine Verheißungen wahr werden!

Israel wurde zum ertragreichen Agrarland. Die einheimische Lebensmittelerzeugung deckt zum großen Teil den eigenen Bedarf. Seit der Staatsgründung 1948 stieg die landwirtschaftliche Produktion um mehr als das Sechsfache. Seit vielen Jahren werden Zitrusfrüchte und Steinobst in viele Länder der Welt exportiert. Weltberühmt - und sicherlich auch Ihnen wohlbekannt - sind Israels Jaffa-Orangen und Grapefruits.

Als die Jünger Jesu ihren Meister nach "Zeichen seiner Zukunft und des Endes der Weltzeit" fragten (Matth 24,3), gab er ihnen den Hinweis:

"Am Feigenbaum aber lernet das Gleichnis: Wenn sein Zweig jetzt saftig wird und Blätter gewinnt, so merket ihr, daß der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dieses alles sehet, so merket, daß er nahe vor der Tür ist" (Matth 24,32-33).

Alle Zeichen unserer Zeit in Verbindung mit Israels Erneuerung, Wiederaufbau und Wiederanpflanzung deuten auf dieses Feigenbaum-Gleichnis hin. Israel grünt buchstäblich, nicht nur landschaftlich, sondern auch politisch. Der Sommer ist also nahe. Das ist kein jahreszeitlicher, sondern ein weltgeschichtlicher Sommer. So ist es keineswegs endzeitliche Schwärmerei, sondern Ausdruck biblischer Erkenntnis, wenn wir aus der Tatsache der zu neuem Leben erwachten Nation Israel schließen:

Wir leben in der Endzeit! Wir leben tatsächlich in der Zeit kurz vor der Rückkehr Jesu Christi zur Erde!

Israels Bedeutung für verständige Menschen

Die Heimkehr des Volkes Israel, seine Bewahrung vor seinen übermächtigen Feinden, die Wiederanpflanzung des Landes und der Wiederaufbau der Städte wurden vorausgesagt für die Zeit, "wenn die Macht des Zerstörers des heiligen Volkes ihr Ende erreicht hat" (Dan 12,7; Jer 30,1-11). Es war von Gottes Propheten vorausgesagt worden und hat sich erfüllt:

Israels Zerstreuung unter alle Völker, Israels Bewahrung trotz Verfolgung und Ausrottungsversuchen, Israels Rückführung in das Land seiner Väter, die Verwüstung und Wiederanpflanzung des Landes Israel, die Zerstörung und der Wiederaufbau der Städte Israels, die Strafgerichte an den Völkern rings um Israel, Jerusalem als "Laststein" (Belastung) für alle Völker.

Alle diese Verheißungen gingen und gehen noch in unseren Tagen in Erfüllung. Es besteht wirklich kein Zweifel daran, daß wir in der Endzeit menschlicher Herrschaft über diese Erde leben. Am Volk Israel in seiner heutigen Existenz läßt uns Gott er-kennen, daß die Zeiger der Weltenuhr auf fünf Minuten vor Zwölf stehen. Israel ist der Zeiger an Gottes Weltenuhr und deshalb so bedeutungsvoll für unsere Glaubenshoffnung!

Und dennoch gibt es auch unter Christen Zweifler. Sie anerkennen zwar die Tatsache, daß die Juden ihren eigenen Staat bekommen haben und damit beschäftigt sind, ihr Land aufzubauen und Wüsten fruchtbar zu machen. Sie akzeptieren auch, daß dies in Übereinstimmung mit vielen klaren biblischen Prophezeiungen geschieht. Aber, so fragen sie, ist Israel nicht ein höchst weltlicher Staat, in dem die meisten Bewohner mehr als genug mit dem täglichen, harten Kampf ums Dasein beschäftigt sind? Warum kämpfen die Israelis noch? Sollten sie als Gottes Volk nicht friedlicher sein? Warum wurde der Tempel noch nicht wieder aufgebaut und der Opferdienst noch nicht wieder eingeführt? Das heutige Israel ist doch kein Königreich Gottes, sondern eher ein moderner Staat mit denselben humanen Idealen und Konflikten wie andere Staaten unserer Zeit auch. Wollen die Israelis nicht den anderen Nationen gleichen? Ist diese fortschrittliche Nation wirklich Gottes Volk?

Bei solcher Argumentation, die gegen die Anerkennung des Volkes Israel als Gottes Volk gerichtet ist, wird übersehen, daß die Verwirklichung der Absichten Gottes Zeit benötigt. Der Grund für solche scheinbare Verzögerung liegt in Gottes Langmut uns gegenüber wie es der Apostel Petrus ausdrückte:

"Der Herr verzieht die Verheißungen nicht, wie etliche es für Verzug halten, sondern er ist langmütig gegen uns, da er nicht will, daß jemand verlorengehe, sondern daß jedermann Raum zur Buße habe" (2.Petr 3,9).

Israel wird sich voll und ganz zum Gott seiner Väter Abraham, Isaak und Jakob bekennen (Hes 39,29; Sach 8,23); Israel ist das Volk, das Jesus als den Messias sofort erkennt und anerkennen wird (Sach 12,10; Offbg 1,7); Israel wird seine "Schwerter zu Pflugscharen umschmieden" (Jes 2,2-4; Mich 4,3); der Tempel wird wie-der gebaut (Hes 40); Jerusalem wird zum Wallfahrtsort für Menschen und Nationen (Mich 4,1.2; Sach 14,17) und Israel wird wieder zum Königreich Gottes (Obadja 21; Hes 37,24.25)!

Das alles wird sich allerdings erst nach der Wiederkunft des Herrn Jesus Christus erfüllen, den dann auch Israel als seinen Messias anerkennen wird. Was wir jetzt an Israel erleben, ist die Vorbereitung seines Kommens! Wir leben heute in der Zeit, von welcher der Prophet Daniel voraussagte:

"... viele sollen gesichtet, gereinigt und geläutert werden; und die Gottlosen werden gottlos bleiben, und kein Gottloser wird es merken, aber die Verständigen werden es merken" (Dan 12,10).

Das ist Israels Bedeutung in unseren Tagen. Es genügt nicht, staunend oder zweifelnd vor der genauen Verwirklichung der Verheißungen an Israel stehen zu bleiben. Das Geschehen um Israel fordert unsere Entscheidung. An Israel erfahren wir, wie zuver-lässig und vertrauenswürdig das biblische Wort ist. Aus der Bibel müssen wir dann aber auch Gottes Forderungen für unser persönliches Verhalten entnehmen. Wenn wir erkannt haben, daß das Wort Gottes in seinen Aussagen und Verheißungen über Israel zutrifft und absolut wahr ist, dann sollten wir uns unbedingt über unsere eigene Situation klar werden und uns fragen:

Sind wir auf die Wiederkunft Christi vorbereitet?

Haben wir alle Forderungen Gottes erfüllt, damit wir vor dem Richterstuhl Christi bestehen können?

Kann er uns, so wie wir sind, als seine treuen Nachfolger annehmen?

Wünschen wir uns nichts sehnlicher, als daß er über uns herrsche?

Glauben und vertrauen wir Gottes Wort bedingungslos?

Haben wir uns durch eine persönliche Entscheidung in den errettenden Namen Jesu Christi durch Untertauchen im Wasser taufen lassen?

Wenn Sie diese Fragen nicht mit aufrichtigem Herzen bejahen können, bleibt Ihnen nur noch kurze Zeit zur Korrektur Ihres Lebens. Keiner von uns weiß, wie lange er noch lebt. Beschäftigen Sie sich intensiv mit Gottes Wort und Seinen Forderungen, denn das von Gott verheißene ewige Leben ist keine billige Ware, die wahllos feilgeboten wird. Es ist nur durch ernsthafte Befolgung der Erwartungen Gottes erreichbar. Die Entscheidung für Gott und Seinen Sohn Jesus Christus gestattet keinen Aufschub, weil mit der Wiederkunft Christi oder mit unserem Tod unsere Gnadenzeit zu Ende geht. Damit endet auch die Chance, sich für ihn zu entscheiden. Eine gründliche, wohlüberlegte und verantwortungsbewußte Entscheidung ist zwar unerläßlich, ein Entscheidungsaufschub ist jedoch Leichtsinn.

Gott wartet auf unsere Umkehr. Er gibt uns auch in der Endzeit noch genügend Zeit zur Buße. Wir sollten jedoch Gottes Geduld und Langmut nicht zu sehr strapazieren!

An Israels Beispiel können wir ermessen, wie weit die Erfüllung der göttlichen Endzeit- Verheißungen fortgeschritten ist. Das Ziel Gottes mit verständigen Menschen und dieser Erde, Seiner herrlichen Schöpfung, ist nicht die Zerstörung, sondern die Vollendung. Darum sollten wir Menschen der Endzeit sicherer werden im Verhältnis zu unserem himmlischen Vater und zu unserem Erlöser Jesus Christus. Das Chaos unserer turbulenten und unsicheren Zeit ruft uns ständig dazu auf, Gottes Wort und Willen wirklich ernst zu nehmen. Denn die Zeichen in unseren Tagen zeigen deutlich, daß wir dem Tag, an dem Jesus seine Königsherrschaft antritt, entgegeneilen.

Nach dieser Zeit sehnen sich alle ernsthaften Jünger Jesu Christi. Nach dieser Zeit sehnen wir uns! Beurteilen Sie nun selbst: Kennen Sie das Wort Gottes so gut, daß Sie allen Forderungen Gottes nach bestem Vermögen nachgekommen sind? Können Sie mit ruhigem Gewissen der Wiederkunft Christi entgegensehen?

Zu solchen Fragen ermahnen uns die Ereignisse in und um das Volk und das Land Israel täglich. Erkennen Sie nun auch darin die Bedeutung Israels für die Endzeit? Kommen Sie und sehen Sie dieses Volk und sein Land an und vergleichen Sie es mit den Verheißungen der Bibel und erkennen Sie, was Gott, der HERR, tut!
 
 

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