Der Gott der Bibel

Tomas Cramer (Auszug aus dem Buch':glaubensSachen')

Vor einigen Jahren besuchte ich den Informationsstand einer christlichen Gemeinschaft, in der Oldenburger Innenstadt. Es entwickelte sich ein gutes Gespräch, über das Evangelium, über das christliche Leben im Alltag und über Gott.

Mein Gesprächspartner erwähnte den dreieinigen Gott, an den er glaube und ich merkte, dass hier unsere Gemeinsamkeiten endeten. Als ich sagte, dass ich den Begriff "Dreieinigkeit" ablehne, da er nicht biblisch sei und dass der Titel oft missverständlich verwendet würde, erntete ich einen entrüsteten Blick: Schließlich sei die Trinität aus dem Textzusammenhang der Bibel erkennbar, meinte er. Wenn ich den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist ablehnen würde, stände ich nicht mehr auf dem biblischen Fundament...

MENSCHLICHE GOTTESVORSTELLUNG

Dann begann er zu erklären: "Stellen sie sich ein Dreieck vor. Es erhält seine Form durch diese drei Ecken, die aber in einer geometrischen Fläche vereint sind." Bei diesen Worten zeichnete er mit seinem Zeigefinger ein unsichtbares Dreieck in die Luft, "so muss man sich die Dreieinigkeit in etwa vorstellen."

So einfach ist das? Viele Theologen haben sich im Laufe der letzten 1.700 Jahre darüber den Kopf zerbrochen, wie die Dreieinigkeit zu verstehen sei. Und nun hängt die Lösung in Form eines imaginären Dreiecks vor mir?

Die römisch-katholischen Kirche lehrt, die Dreifaltigkeit sei ein großes Geheimnis [mysterium stricte dictum] und nicht einfach zu erfassen. Viele christliche Gruppen verwenden den Dreieinigkeitsbegriff, ohne ihn näher zu definieren. Sie beschränken sich darauf, dass Christus auch Gott und der Heilige Geist eine dritte "Person" Gottes sei. Solche Beschreibungen gipfeln in der Vorstellung: Gott sei am Kreuz gestorben und Christus sei der Schöpfer der Welt! Ist das biblisch? Oder nicht ein vergebliches Mühen, Gott, Christus und den Heiligen Geist in ein typisch-menschliches Denkschema zu pressen? (In einer katholischen Kirche, in Bayern, soll am Dreifaltigkeitsfest einmal ein Pfarrer auf die Kanzel gestiegen sein und gesagt haben, da es sich hier um ein so großes Geheimnis handle, von dem er nichts verstehe, müsse die Predigt leider ausfallen.)

Typisch menschlich, weil diese drei-in-eins und eins-bestehend-aus-drei Konstruktionen nicht neu sind. Bereits im ägyptischen Mysterienkult, sowie in der griechischen und römischen Götterverehrung waren diese drei/eins-Konstellationen keine Seltenheit. Beispiele aus dem 1. Jahrhundert sind: Die Apis-Trinitätslehre, Sarapis-Trinitätslehre, Trinität der Dionysosreligion, die kapitolinische Trias: Jupiter, Juno, Minerva, der dreieinige Weltgott Hermes (allein ganz und dreimal einer).

BIBLISCHE GOTTESERKENNTNIS

Doch zurück zu meinem Gesprächspartner. Woher stammt die Dreiecks-Vorstellung und wie ist sie zu bewerten? In der Apostelgeschichte des Evangelisten Lukas findet sich jene Erzählung von der Hinrichtung des ersten christlichen Märtyrers, des Stephanus in Jerusalem. In seiner Verteidigungsrede entfaltet Stephanus die Heilsgeschichte Israels von der Berufung Abrahams bis zu den Propheten und beruft sich zur Rechtfertigung seines christlichen Glaubens ausdrücklich auf den Mose erschienen "Gott der Väter", den "Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs". Erst in den letzten beiden Sätzen erwähnt er ohne Namensnennung die Ermordung Jesu. Unmittelbar nach der Verurteilung - vor Stephanus' Tod - hat er eine Vision: "Da er aber voll heiligen Geistes war und fest zum Himmel schaute, sah er die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen; und er sprach: Siehe, ich sehe die Himmel geöffnet und den Sohn des Menschen zur Rechten Gottes stehen!" (Apg 7, 55-56)

Hier ist die Rede von Vater, Sohn und heiliger Geist. Aber Stephanus sieht nicht - wie oft in der christlichen Kunst dargestellt - ein Dreieck am Himmel oder eine dreigesichtige Gottheit ("Trikephalos") oder drei gleichgestaltige Männer. Der heilige Geist ist in ihm selbst! Die von Gott ausgehende unsichtbare Kraft und Macht erfüllt ihn und öffnet ihm die Augen: Im Geist zeigt sich ihm der Himmel. Gott selber aber bleibt verborgen. Nur Seine Herrlichkeit (hebr.: "kabod"; griech.: "doxa") ist sichtbar.

Jesus aber steht nicht vor Gott, sondern zu Seiner Rechten! Als Sohn Gottes erhöht und aufgenommen in Gottes ewiges Leben, ist er Gottes und zugleich als Mensch auch der Menschen Stellvertreter. Nach alter orientalischer Sitte ist derjenige, welcher zur Rechten des Königs steht oder sitzt, sein Sohn oder Stellvertreter.

Dieses Beispiel zeigt, dass die Begriffe, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist nicht abgelehnt, sondern in der richtigen - der biblischen - Sichtweise betrachtet werden müssen. Das biblische Fundament muss also wieder ausgegraben werden, nachdem es im Laufe der Jahrhunderte durch die philosophisch-polytheistische Begriffswelt verschüttet wurde.

Wenn man also zur richtigen Gotteserkenntnis gelangen möchte - was ein Herzensanliegen eines jeden ernsthaften Christen sein sollte - bleibt nur ein Weg: Gottes Offenbarung lesen und ernst nehmen.

Es liegt nahe, dass Christen ihr Wissen und den Glauben in erster Linie auf die Aussage des Herrn Jesu Christi und seiner engsten Jünger stützen. Sodann wird man feststellen, dass der Glaube an den einen, einzigen und alleinigen Gott wichtigster Glaubenspunkt im Urchristentum war (Matt 23, 9; Röm 3, 30; 1. Kor 8, 4-6; Gal 3, 20; 1.Tim 2, 5).

KEIN ANDERER GOTT

Das Morgen- und Abend- und auch Sterbegebet der Juden lautet, seit dem babylonischen Exil bis auf den heutigen Tag: "Höre [Sh'ma] Israel: Jahwe ist immer Gott, Jahwe als einer allein!" (nach 5. Mose 6, 4) Gott ist für Israel der Einzige, das bedeutet:

-es gibt keine Nebengottheiten, wie in anderen Religionen,

-keine weibliche Partnergottheit (das Wort "Göttin" gibt es im Hebräischen nicht)

-keinen konkurrierenden bösen Gott, wie z. B. im Persertum. Nicht einmal in der Zeit der persischen Vorherrschaft konnte sich neben dem guten Prinzip der "Widersacher" oder "Ankläger" (hebr.: "satan", griech.: "diabolo" = "Verleumder", davon deutsch "Teufel") als gleichwertiges Prinzip durchsetzen. (vgl. "Abschied vom Teufel", Herbert Haag)

Jahwe ist also der Gott der Väter, Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott des Volkes Israel, der eine und einzige Gott, neben dem es nicht nur keine höheren, gleich hohen oder niederen, sondern überhaupt keine anderen Götter gibt. Er ist der Unvergleichliche; - und nicht nur zuständig nur für Teilbereiche des Lebens, wie die Götter anderer Kulturen (Liebe, Tod, Fruchtbarkeit). Er gibt alles: Liebe, Leben, ewiges Leben, aber auch "Unglück"!

"Ich bin der HERR und sonst keiner. Außer mir gibt es keinen Gott. Ich gürte dich, ohne dass du mich erkannt hast, damit man erkennt vom Aufgang der Sonne und von [ihrem] Untergang her, daß es außer mir gar keinen gibt. Ich bin der HERR - und sonst keiner -, der das Licht bildet und die Finsternis schafft, der Frieden wirkt und das Unheil schafft. Ich, der HERR, bin es, der das alles wirkt." (Jesaja 45, 5-7)

Dieser strenge Ein-Gott-Glaube zeichnet das Volk Israel aus, er ist auch eine Gabe an die Völker der Erde. An diesem Ein-Gott-Glauben sollten auch ernsthafte Christen ihre Gotteserkenntnis messen! (1.Thess 5, 21; 1.Joh 4, 1; Apg 17, 11)

Der Monotheismus zieht weitreichende Konsequenzen nach sich, die den Alltag eines jeden verändern und die Gesellschaft prägen können: Er entthront vergöttlichte Weltmächte und Naturmächte, aber auch viele Götter ohne Titel, wie z. B. den Gott des Kapitals, der Wissenschaft, Sexus, Kultur, Kunst, Nationen, Parteien usw. .

 

DER MITTLER

Das Verhältnis zu Christus hat Auswirkung auf das Verhältnis und die Glaubwürdigkeit zu Gott - kann man dem Evangelium vertrauen? Dies führt zu der Frage: Kann jemand, der Unsterblichkeit besitzt und bei dem keine Veränderung ist [Gott], am Kreuz sterben [Jesus] und mit einem Auferstehungsleib überkleidet werden? Immerhin bietet die Bibel als einziges religiöses (Offenbarungs-)Buch eine Logik des Glaubens! Darum darf sie auch in diesem Glaubenspunkt beachtet werden.

Die Worte des Apostels Paulus mahnen zur Einheit, auch in dieser Frage: "Befleißigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens: Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer Berufung. Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist." (Eph 4,3-6)

Paulus warnte auch vor Verfremdung der ursprünglichen Lehren: "Wenn aber auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium entgegen dem verkündigten, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: er sei verflucht! Wie wir zuvor gesagt haben, so sage ich auch jetzt wieder: Wenn jemand euch etwas als Evangelium verkündigt entgegen dem, was ihr empfangen habt: er sei verflucht!" (Gal 1, 8.9) und Johannes schrieb ebenso: "Seht auf euch selbst, damit ihr nicht verliert, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangt. Jeder, der weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt, der hat sowohl den Vater als auch den Sohn." (2. Joh 8.9)

Die Lehre von der Dreieinigkeit fand ihre konkrete Formulierung erst ab dem dritten Jahrhundert und der Begriff selbst steht überhaupt nicht in der heiligen Schrift!

An der Unterscheidung des Gottessohnes vom Vater, wird im Neuen Testament stets festgehalten. Der Vater ist "größer" als Jesus, und es gibt Dinge, die nur der Vater weiß, aber Christus nicht (vgl. Joh 10,29; 14, 28; Mk 13,32). Auch ist nirgends von der Mensch- oder Fleischwerdung Gottes die Rede! Es geht immer um Gottes Sohn (!) oder das Wort (!) [gr. "logos" = "Plan, Absicht, Wort"], das Fleisch geworden ist, dessen Identifikation mit dem Vater, in Bezug auf die göttlichen Eigenschaften!

Jesus wird fast nie direkt "Gott" genannt, selbst von Paulus nie. Dennoch - der Titel "Gott" besagt nicht, dass der so Betitelte einen substantiell-"körperlichen" Anteil an dem Vater besitzt, wie es das Dreieinigkeitsdogma formuliert. [vgl.: Auch Mose wurde von Jahwe selbst zum "Gott" über Aaron gesetzt. (2. Mose 4, 16)]

Jesus Christus ist die Offenbarung der Kraft Gottes und Seiner Weisheit (1. Kor 1, 30) als Haupt und Herr der Schöpfung (=Mittelpunkt) (vgl. 1. Kor 11, 3; 8, 6; Kol 1, 15-18; 2, 10; Eph 4, 15f), als Ebenbild Gottes (vgl. 2. Kor 4, 4.6; Röm 8, 29; Kol 1, 15). So ist es verständlich, dass Jesus von Johannes nicht nur als Wort Gottes (Joh 1, 1-14), sondern indirekt als Gott gleich (Joh 5, 18f; 10, 33-38; 19, 7), ja als Herr und Gott (Joh 20, 28; 1. Joh 5, 20) bezeichnet wird. Aus diesem Blickwinkel wird der Sinn deutlich, wenn es in der Schrift heißt, dass in Christus die ganze Fülle der Gottheit wohnt (Kol 2, 9) und dass Gottes Fleisch geworden ist (Joh 1, 14 + Jes 55,11).

Gott ist der Eine und Einzige; und weder darf von Gott einfach wie vom Menschen noch vom Menschen einfach wie von Gott geredet werden. Der Sohn ist nicht einfach der Vater, und der Vater nicht einfach der Sohn. Da aber der Vater den Sohn kennt und der Sohn den Vater und im Charakter, Denken und Handeln eins sind, gilt: Wer den Sohn sieht, sieht auch den Vater! (Joh 10-14) Im Wirken und in der Person Jesu begegnet uns in einmaliger Weise Gott selber!

Was aber bedeutet dann: Gottes Sohn in Ewigkeit? Wurde Christus nicht von Gott gesandt? Existierte Christus nicht bereits vor seiner Geburt? Der Neutestamentler Wilhelm Thüsing meint dazu: "Sendung des Sohnes setzt nicht voraus, dass der zu Sendende als solcher vor der Sendung existiert hat, d. h. präexistent im temporalen (=zeitlichen) Sinn gewesen ist. 'Sendung des Sohnes' kann m. E. im paulinischen und auch sonstigen neutestamentlichen Sinn durchaus die Erschaffung des Menschen Jesus implizieren!" [Christologie - systematisch und exegetisch, S. 250, Freiburg-Basel-Wien 1972]

Für Gott ist aufgrund der Vorherbestimmung und Erwählung, schon vor Grundlegung der Welt, bereits alles existent (vgl. Eph 1, 4; 1. Petr 1, 20). Christus wurde gezeugt (Hebr 1, 5), durch den Heiligen Geist Gottes (Luk 1, 35) und war Mensch (1. Tim 2, 5). Ansichten die darüber hinausgehen sind nicht biblischen Ursprungs. Johannes schrieb: "Was ihr von Anfang an gehört habt, bleibe in euch. Wenn in euch bleibt, was ihr von Anfang an gehört habt, werdet auch ihr in dem Sohn und dem Vater bleiben. Und dies ist die Verheißung, die er uns verheißen hat: das ewige Leben." (1. Joh 2, 24)

Jesus Christus ist der Sohn Gottes. In ihm ist der menschenfreundliche Gott nahe, durch ihn hat Gott selbst gesprochen, gehandelt, sich endgültig offenbart.

DER GEIST GOTTES

Das Gefühl des, "vom-Geist-Bewegtsein" bietet den Vorteil, sich gar nicht mehr mit der von Gott inspirierten Schrift auseinandersetzen zu müssen. Jeder Einzelne fühlt sich vom Geist ergriffen, geleitet und gelehrt; was jedoch nicht stimmig ist, da die Aussagen vieler Glaubensgemeinschaften sich eklatant widersprechen.

Greifbar und doch nicht greifbar, unsichtbar und mächtig, wie energiegeladene Luft, wie der Wind, oder ein Hauch, lebenswichtig wie die Luft, die man einatmet: so haben sich die Menschen vergangener Zeit vielfach den "Geist" " [hebräisch "ruach" (griech. "pneuma")] vorgestellt. "Geist" biblisch verstanden - meint im Gegensatz zu "Fleisch" - die von Gott ausgehende Kraft oder Macht. Die unsichtbare Gotteskraft und Gottesmacht, welche schöpferisch oder auch zerstörerisch, zum Leben oder zum Gericht, in der Geschichte oder in der Schöpfung wirksam ist.

Der heilige Geist ("heilig" wird im Urtext übrigens nicht groß geschrieben) wird vom unheiligen Geist des Menschen und seiner Welt unterschieden. Er ist niemand anderes als Gott selbst, sofern er den Menschen nahe ist als die ergreifende, nicht aber greifbare, die schenkende, nicht aber verfügbare, die lebenschaffende, aber auch richtende Macht und Kraft.

Der heilige Geist ist kein Drittes, keine weitere Person zwischen Gott und Mensch, sondern die persönliche Nähe Gottes zu den Menschen. Viele Missverständnisse über den heiligen Geist stammen wohl daher, dass man ihn mythologisch von Gott trennt und verselbständigt. Der heilige Geist ist nicht die eigene Kraft, sondern immer Kraft und Geschenk Gottes, der weht, wo und wann er will. Niemand besitzt den Geist zur Rechtfertigung einer Kirchenlehre oder eines Dogmas, aber jeder darf immer wieder neu darum bitten.

DER URCHRISTLICHE GLAUBE WIRD VERÄNDERT

Gott schafft das Heil durch Jesus im Geist. Es geht einfach um die richtige Zuordnung dieser biblischen Begriffe! Natürlich wird man als Mensch nie eine vollständige Gotteserkenntnis erfahren können, da Er über allem erhaben ist und Seine Gedanken nicht unsere Gedanken sind. Aber die auf hellenistischen Vorstellungen beruhenden Interpretationen und die daraus hervorgegangenen Dogmen, sind heute doch als solche erkennbar. Was hindert daran, sie zu benennen und auszusondern?

Gott wünscht eine eindeutige Trennung von allen anderen Volksreligionen. Dies gilt vor allem für Seine Anbetung und Verehrung. Wir kennen die Zurechtweisung für das Volk Israel, bevor sie in das gelobte Land einziehen: "Wenn der HERR, dein Gott, die Nationen ausrottet, zu denen du kommst, um sie vor dir zu vertreiben, und du vertreibst sie und wohnst in ihrem Land, so hüte dich, daß du dich ja nicht verführen läßt, [es] ihnen nach[zutun], nachdem sie vor dir vernichtet sind, und daß du nicht nach ihren Göttern fragst, indem du sagst: Wie dienten diese Nationen ihren Göttern? Auch ich will es so tun! Dem HERRN, deinem Gott, sollst du so [etwas] nicht antun. Denn alles, [was] dem HERRN ein Greuel [ist], was er haßt, haben sie für ihre Götter getan..." (5. Mose 12, 29-31, vgl. Jer 10)

Die ("körperliche") Wesenseinheit Jesu Christi mit dem Schöpfer wird in der Bibel nie gelehrt. Eine Vorstellung von der Dreieinigkeit Gottes kennt das Wort Gottes nicht. In allen Aussagen wird sowohl die Zusammengehörigkeit, als auch die Unterschiedlichkeit zwischen Gott und Christus betont.

Das gesamte Neue Testament zeigt, dass das Urchristentum in der apostolischen Zeit die Lehre von der "Dreieinigkeit" Gottes nicht kannte. Paulus warnte vor der Philosophie, die seine klare Botschaft: Die Erlösung von der Sündenschuld, durch den Opfertod Jesu, verfälscht. Doch etwa ab dem zweiten Jahrhundert wuchs der Einfluss griechischer Philosophen, die sich zu Christus bekannten.

Origenes (185-253), aus dem ägyptischen Alexandrien, der Stadt der Wissenschaft, schuf das erste Modell einer wissenschaftlichen Theologie. Er strebte eine Versöhnung von Christentum und Griechentum an. Am Anfang glaubten die Urgemeinden: 1. Dass der Mensch Jesus, der Gekreuzigte, von Gott zu neuem Leben erweckt und als Messias eingesetzt worden war und als erhöhter Herr über die Erde herrscht, und 2. Dass Gott, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, auch der Gott ist, den Jesus seinen Vater nannte.

Nach dem Untergang Jerusalems geriet die ursprüngliche Erkenntnis ins Abseits. Die theologischen Dispute des dritten Jahrhunderts, drehten sich weniger um die im Sinn der hebräischen Bibel verstandene Rechts- und Machtstellung Jesu Christi, als vielmehr seine philosophisch verstandene Abkunft. Begriffe wie: Wesen, Natur, Substanz, Hypostase erhielten wachsende Bedeutung. In der Bibel aber finden diese Überlegungen keinen Raum!

In vielen Religionen und philosophischen Systemen der damaligen Zeit kannte man die Faszination der Zahl 3, so dass der Gedanke an eine innergöttliche Dreiheit sich auch für die christliche Theologie damals durchaus aufdrängte:

-eine Vielfalt in einer geschlossen-geordneten Einheit (Primzahl 3),

-"magische" Zahl 3 in Mythen, in der Kunst, der Musik, der Literatur, aber auch im Alltag,

-wegen der "Dreigottheiten" nicht nur im alten Babylonien und Ägypten, in Indien und China, sondern vor allem im hellenistischen Bereich: in Delphi, im Dionysos-Kult, in der Asklepios-Religion, im Kaiserkult;

-wegen der metaphysischen Triaden in der Gnosis.

Die Trinitäts-Lehre ist das Ergebnis der Dogmenentwicklung seit dem Konzil zu Nicäa, im Jahre 325 n. Chr., und widerspricht den Aussagen in der Bibel. Einige wenige kirchliche Theologen räumen dies ein. Das Dogma von der Dreieinigkeit, Dreifaltigkeit oder Trinität (das Wort stammt aus dem dritten und die klassische Formulierung der Lehre aus dem vierten Jahrhundert) wird von den einen als ein zentrales Glaubensthema des Christentums herausgestellt (so auch von Luther übernommen) und von den anderen als schriftfremde Spekulation abgelehnt.

Während des Konzils zu Nicäa, im Jahre 325 n. Chr., wurde das Dreieinigkeitsdogma wie folgt formuliert:

"...Jesus Christus, den Sohn Gottes, aus dem Vater gezeugt, den Einziggeborenen, das heißt aus dem Wesen des Vaters, Gott aus Gott, Licht aus Licht, wahrhaftigen Gott aus wahrhaftigen Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch den alle Dinge geworden sind..." (aus "Epochen der Dogmengeschichte", Bernhard Lohse)

Zusammengefasst im Atanasianischen Glaubensbekenntnis lautet der Dreieinigkeits-Glaube seit dem 4. - 6. Jahrhundert auszugsweise:

"...Wir verehren den einen Gott in der Dreifaltigkeit und die Dreifaltigkeit in der Einheit, ohne Vermengung der Personen und ohne Trennung der Wesenheit... Aber Vater und Sohn und Heiliger Geist haben nur eine Gottheit, gleiche Herrlichkeit, gleich ewige Majestät... So ist der Vater Gott, der Sohn Gott, der Heilige Geist Gott, und doch sind es nicht drei Götter, sondern es ist nur ein Gott... Und in dieser Dreieinigkeit ist nichts früher oder später, nichts größer oder kleiner, sondern alle drei Personen sind gleich ewig und gleich groß... Wir müssen glauben und bekennen, daß unser Herr Jesus Christus, der Sohn Gottes, Gott und Mensch ist... Vollkommener Gott, vollkommener Mensch..."

In Glaubensgesprächen bemerkte ich, dass viele Gläubige heute keinen Wert auf derartige Formulierungen legen. Es interessiert sie nicht, was vor hunderten von Jahren, von Kirchenfürsten erdacht wurde. Wichtig ist ihnen die Bibel, als das Wort Gottes. Aber auf der anderen Seite sind im Unterbewusstsein diese dogmatischen Dreieinigkeitsvorstellungen fest in den Köpfen der Menschen verankert.

Doch für die älteren Geschwister im Glauben - die Juden - ist der Dreieinigkeitsglaube eine Verfälschung ihrer Gottesvorstellung schlimmster Art! So erreichte uns vor wenigen Tagen eine E-Mail: "Schalom...ich bin Jude und bin zufällig auf die Internetseiten der Gemeinde der Christadelphians gestossen. Dort behaupten Sie, dass Dreieinigkeit eine Irrlehre ist. Sie wissen, dass wir Juden schon seit 5.000 Jahren immer fest daran glauben, dass Gott eine Person ist und deshalb interessiert es mich, dass es noch überhaupt Christen gibt, die der jüdischen Lehre zustimmen. [...].", usw.

Auch wenn sich diese Erkenntnis unter Christen vereinzelt mehr und mehr durchsetzt und ausgesprochen wird, stehen die Christadelphians als Gemeinde heute mit dieser jüdisch-urchristlichen Ansicht relativ alleine da.

Der Glaube an diese Wahrheit, die uns durch die heilige Schrift geoffenbart wurde, kann eine lebenswichtige Bedeutung erlangen, für all jene, die sich Christen nennen. Jesus wies in seinem hohenpriesterlichen Gebet auf die besondere Bedeutung der richtigen Gotteserkenntnis hin. Er sagte:

"Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du

gesandt hast, Jesum Christum, erkennen! " (Joh 17, 3)
 


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