Die Wiederkunft Christi

Walter Hink

Schriftlese: Matth 24,1-44

Als Jesus Christus, der Sohn Gottes, vor nahezu 2000 Jahren in den Himmel zur Rechten Gottes aufgenommen wurde, erschienen den ihm nachblickenden Jüngern zwei Engel, die zu ihnen sagten: "Dieser Jesus, der aufgenommen ist von euch hinweg in den Himmel, wird also wiederkommen, in gleicher Weise, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren!" (Apg 1,11).

Diese Engel kündigten die Wiederkunft Christi an, die völlig anders sein wird, als seine Geburt in Bethlehem:

Jesus wird wiederkommen

Das erste Mal kam er im Stall von Bethlehem in Schwachheit und Niedrigkeit.

Das zweite Mal kommt Er auf den Wolken des Himmels in Kraft und Herrlichkeit.

Das erste Mal kam er, um die Schuldfrage des Menschen zu lösen, wie es Johannes, der Täufer voraussagte: "Siehe, das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde wegnimmt!" (Joh 1,29).

Das zweite Mal kommt er, um die Machtfrage der Menschheit zu lösen, denn "Denn er muß herrschen bis daß er alle Feinde unter seine Füße gelegt hat" (1.Kor 15,25).

Am Ende der nun vor Jesus liegenden Mission wird Gott "abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein" (Offbg 21,4). Darauf dürfen wir hoffen. Darauf dürfen wir uns freuen.

Wann aber kommt Jesus wieder?

Diese Ankündigung des Wortes Gottes veranlaßte Gläubige immer wieder danach zu forschen, wann Jesus wiederkommt. Doch es ist uns nicht gegeben, "Tag und Stunde" seiner Wiederkunft zu wissen (Matth 24,36). Sein Kommen wird so überraschend erfolgen wie das Einschlagen eines Blitzes (Matth 24,27). Aber Gott läßt uns dennoch nicht völlig in Unkenntnis über den Zeitpunkt dieses Geschehens. Jesus selbst nennt uns Zeichen, die sein Erscheinen ankündigen. Je eindeutiger und massiver sich diese erfüllen, umso eher ist mit seiner Wiederkunft zu rechnen, auch wenn niemand den genauen Zeitpunkt voraussagen kann. Solche Zeichen sind insbesondere in der bekannten Endzeitrede Jesu genannt (Matth 24; Mark 13; Luk 21). Die Vielzahl der Zeichen läßt sich in drei heilsgeschichtliche Gruppen zusammenfassen, die auf das Kommen Jesu Christi in Herrlichkeit hindeuten:

Im Handeln Gottes mit Israel, im Gericht Gottes an der Welt und in der weltweiten Evangeliumsverkündigung.

Schauen wir uns diese drei Schwerpunkte einzeln an:

Das Handeln Gottes mit Israel in der Endzeit

Jesus erzählte seinen Jüngern ein Gleichnis:

"Sehet den Feigenbaum und alle Bäume! Wenn ihr sie jetzt ausschlagen sehet, so merkt ihr von selbst, daß der Sommer jetzt nahe ist. Also auch, wann ihr sehet, daß dieses geschieht, so merkt ihr, daß das Reich Gottes nahe ist" (Luk 21,29-31).

Der Feigenbaum wird in der Bibel immer wieder als Bild für Israel verwendet. Weil der "Feigenbaum" vor nahezu zweitausend Jahren keine Frucht brachte, mußte er verdorren (Matth 21,19.20). Aber am Ende dieses Zeitalters (Äons) wird er wieder grünen und auch Früchte tragen. Der Apostel Paulus erklärt diese gleichnishafte Darstellung mit der klaren Aussage: "Israel ist zum Teil Verstockung widerfahren, bis daß die volle Zahl der Heiden eingegangen sein wird, und also ganz Israel gerettet werde" (Röm 11,25).

Bereits im Alten Testament ist vorhergesagt, daß am Ende der Zeiten - bevor der Messias kommt - Israel wieder hergestellt wird. Das Kapitel 37 des Propheten Hesekiel ist uns allen wohlbekannt. Darin finden wir unter anderem die Vorhersage: "Sie werden wieder in dem Lande wohnen, das ich meinem Knecht Jakob gegeben habe, darin auch ihre Väter gewohnt haben. Ja, darin sollen sie, ihre Kinder und Kindeskinder, allezeit wohnen, und mein Knecht David soll ihr Fürst sein ewiglich" (Hes 37,25).

Aber auch beispielsweise beim Propheten Jesaja lesen wir diese Ankündigung: "Zu derselben Zeit wird der Herr zum zweitenmal seine Hand ausstrecken, den Überrest seines Volkes loszukaufen, der übrig geblieben ist in Assyrien, Ägypten, Patros, Äthiopien, Elam, Sinear, in Chomat und auf den Inseln des Meeres. Und er wird den Völkern ein Panier aufstecken und die Verjagten Israels sammeln und die Zerstreuten Judas von den vier Enden der Erde zusammenbringen" (Jes 11,11.12).

Diese, auf die "letzten Tage" bezogenen Prophezeiungen, haben in verblüffender Weise in unserem Jahrhundert begonnen, sich zu erfüllen. Nach einer fast zweitausendjährigen Zerstreuung der Juden in alle Erdteile wurde im Jahr 1948 der neue Staat Israel gegründet. Die politische Existenz dieses sicher nicht perfekten Staates bildet die Voraussetzung für die Erfüllung mehrerer weiterer biblischer Prophezeiungen, beispielsweise die folgenden:

Jerusalem wird zum Laststein für alle Völker werden, so daß schließlich alle Völker ringsumher gegen Jerusalem in den Krieg ziehen werden (Sach 12,2.3). Dann wäre Israel wohl endgültig verloren, wenn nicht Gott durch Seinen Messias rettend eingreifen würde. Dann wird Israel Jesus als seinen Messias erkennen und zum Missionsvolk für alle Völker werden (Sach 12,12; Sach 8,23; Röm 11,15). Der wiederkommende Christus wird seinen Fuß auf den Ölberg bei Jerusalem setzen (Sach 14,3) und den Thron seines Vaters David einnehmen (Luk 1,32.33), um als Weltregent die Nationen zum Frieden zu zwingen (Ps 2). Jerusalem wird das Zentrum des messianischen Friedensreiches sein (Jes 2,2-4; Sach 14,16.17).

Nun zur zweiten Hauptgruppe der Endzeitprophezeiungen:

Gottes Gericht an der Welt

Jesus hat vorhergesagt, daß die Welt vor seiner Wiederkunft einen Tiefpunkt wie nie zuvor erreichen wird -, und zwar in politischer, wirtschaftlicher, ökologischer, geistlicher und moralischer Hinsicht sowie auf vielen anderen Gebieten. Es wird so schlimm sein, "wie in den Tagen Noahs", bevor die Sintflut kam und die unbußfertigen Menschen vernichtete (Matth 24,37-39). Wer heute die Meldungen der Nachrichtenmedien aufmerksam verfolgt, kann diese Situation in unseren Tagen nur bestätigt finden.

Jesus sprach auch von "falschen Christussen" und "falschen Propheten" (Matth 24,24). Heute laufen mehr Menschen als je zuvor Männern und Frauen nach, die behaupten, ein "Messias" zu sein oder eine neue Offenbarung von einem Engel, Jesus Christus oder von Gott zu haben. Als Beispiele nenne ich nur die Sektengründer Joseph Smith (Mormonen), Charlez Taze Russel (Zeugen Jehovas), Gabriele Wittek (Universelles Leben), den Koreaner San Myung Mun und den "Christus des Wassermann-Zeitalters" (New Age).

Jesus sprach auch von "Kriegen und Kriegsgeschrei" (Matth 24,7). Kriege mit weltweiten Ausmaß, sogenannte Weltkriege mit ihrem zerstörerischen Völkergemetzel, das auch die Zivilbevölkerung nicht mehr verschonte, hat es ertsmals im 20. Jahrhundert gegeben. Nach Angaben der amerikanischen Forschungsgruppe WPI (World Priorities Incorporation) wurden im vergangenen Jahr 1992 so viele Kriege wie nie zuvor gezählt. Es wurden weltweit 29 Konflikte mit militärischer Gewalt ausgetragen, mit sechs Millionen Kriegstoten.

Jesus sprach auch von "Hungersnöten" (Matth 24,7). Wir erleben am Ende des 20.Jahrhunderts die größten Hungersnöte und Versorgungsengpässe seit Menschengedenken. Wäre die Erde beispielsweise ein Dorf mit 100 Einwohnern, dann hätten 20 reichlich und 30 gerade genug zu essen. Die restlichen 50 würden an ständiger Un- terernährung leiden und viele davon an Hunger sterben. So sieht es gegenwärtig auf unserer Erde aus.

Jesus sprach auch von "Erdbeben" (Matth 24,7). Die Häufigkeit von schweren Erdbeben hat in den letzten Jahrzehnten ständig zugenommen. Zählte man von 1897 bis 1966 - also in einem Zeitraum von etwa 70 Jahren - 27 Erdbeben über der Stärke 6 der Richterskala, so waren es allein von 1967 bis 1976 - also einem Zeitraum von 10 Jahren - bereits 180 Erdbeben über der Stärke 7. In den Jahren von 1968 bis 1988 kamen insgesamt etwa 450.000 Menschen bei Erdbeben ums Leben. Solche Naturkatastrophen sollten die Menschen zum Nachdenken und zur Umkehr zu Gott bewegen. Aber was tun die Menschen? Sie nehmen Gottes nachdrücklichen Denkanstoß nicht an sondern flüchten sich in die Behauptung, die sie vor jeder Verantwortung entbindet: "Es kann keinen Gott geben, wenn so etwas passiert!"

Jesus sprach auch von "Pest" und "Seuchen" (Matth 24,7; Luk 21,11). Kaum glaubte man, die klassischen Seuchen, etwa Pest, Pocken und Cholera, durch entsprechende Medikamente und Impfstoffe besiegt zu haben, da traten neue, unbekannte Seuchen auf, von denen gegenwärtig besonders eine ihren grausamen Tribut fordert: die das Immunsystem lahmlegende Seuche Aids. Düstere Prognosen sagen voraus, daß bei einer Fortsetzung der jetzigen Zunahme bis zur Jahrtausendwende jeder zweite Schwarzafrikaner an Aids erkrankt sein könnte. Vor wenigen Wochen schockierten uns die Meldungen, daß man völlig hilflos mit dieser Seuche bei Operationen in Krankenhäusern angesteckt werden kann, da viele Blutplasmavorräte aufgrund menschlicher Fehler und Profitsucht mit Aidserregern versetzt sind.

Jesus sprach auch von der Verfolgung seiner Nachfolger: "Alsdann wird man euch den Bedrückungen preisgeben und euch töten; und ihr werdet gehasset sein von allen Völkern um meines Namens willen" (Matth 24,9). Vom Jahr 33 n.Chr. bis heute sind nach Schätzungen ungefähr 40 Millionen Christen wegen ihres Glaubens getötet worden. Etwa zwei Drittel davon, nämlich 27 Millionen, kamen jedoch allein in unserem Jahrhundert ums Leben, vor allem in kommunistisch und islamisch regierten Staaten. Das ist eine erschütternde Tatsache, die uns in den westlichen Ländern oft gar nicht so bewußt ist.

Jesus sprach von der Zunahme der Gesetzlosigkeit oder Ungerechtigkeit (Matth 24,12). In den sechziger und siebziger Jahren wurden beispielsweise in der Bundesrepublik Deutschland zunächst die Gotteslästerung, dann die Pornographie und schließlich - weitgehend - die Abtreibung freigegeben. Jetzt fordern Interessengruppen, welche die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Frauen und zwischen Männern befürworten - entgegen der klaren Aussagen in Gottes Wort (Röm 1,26.27; 1.Kor 6,9.10 u.a.) - die Anerkennung ihrer "eheähnlichen" Verbindung. Viele Länder befinden sich in einer moralischen Talfahrt.

Jesus sprach davon, daß die Folge solchen Fehlverhaltens der Menschen dazu führt, daß "die Liebe in vielen erkalten" wird (Matth 24,12). Gemeint ist die göttlich gewirkte Liebe (griech. agape), die sich für den Mitmenschen verantwortlich weiß. Heute breiten sich Bindungslosigkeit und Vereinsamung aus. Viele Menschen sagen: "Keiner kümmert sich um mich." Mehr und mehr Ehen und Familien brechen auseinander. Auch in christlichen Gemeinden sind Begriffe wie "Selbstbestimmung" und "Selbstverwirklichung" nicht unbekannt. Diese Begriffe dienen oft nur als Deckmantel für blanken Egoismus. Man schüttelt damit die Forderungen des Wortes Gottes von sich ab. Man orientiert sich nicht mehr daran, was Gottes Wort als Bestes für uns Menschen vorschreibt oder empfiehlt. Man fühlt sich durch Gottes Wort in seiner eigenen Freiheit eingeschränkt, und statt sich dieser gutgemeinten Selbstbeschränkung zu unterwerfen, setzt man seinen eigenen Kopf und Willen durch.

Noch vieles wäre zu nennen. Doch das alles sollte uns nicht verunsichern. Denn entscheidend für uns Gläubige sind nicht diese Zeichen des Gerichtshandelns Gottes an der Welt. Entscheidend für uns ist die Zusage des Herrn:

"Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden" (Matth 24,13).

Es gilt, Jesus Christus und unserem Glaubensfundament inmitten der zunehmenden Verführungen und Krisen treu zu bleiben und "Licht" in einer finsteren Welt zu sein, bis er kommt in Herrlichkeit. In der Erwartung seiner Wiederkunft gibt es noch eine dritte - positive - Entwicklung.

Weltweite Evangeliumsverkündigung

Jesus sprach:

"Und dieses Evangelium vom Reich wird gepredigt werden in der ganzen Welt, zum Zeugnis allen Völkern, und dann wird das Ende kommen" (Matth 24,14).

Menschen aus allen Volksstämmen der Erde haben heute die Möglichkeit, Gottes in der Bibel geoffenbartes Wort zu lesen und darüber nachzudenken. Sie können sich für den Glauben an Jesus entscheiden. Zwar bringen viele sogenannte "christliche" Irrlehrer die Bibeln in die entferntesten Landstriche der Welt. Sie sorgen auch dafür, daß die Bibel in nahezu alle Sprachen und viele Dialekte der Menschheit übersetzt wurde. Aber letztlich bleibt es dann dem Einzelnen überlassen, gründlich in dieser Bibel nach der Wahrheit zu forschen und um Gottes Hilfe für die Erkenntnis Seines Willens im Gebet zu ringen. Wer ernsthaft darum ringt, den bringt Gott in Kontakt mit Menschen, die uneigennützig das biblische Wort und die darin enthaltene Wahrheit verkündigen.

In unserem Jahrhundert hat die Weltmission - trotz wachsender Behinderung vor allem in islamischen Ländern - große Fortschritte gemacht. Bibelteile sind bisher in fast 2.000 Sprachen übersetzt worden, die von 97% der Menschen verstanden werden können. Über 1500 christliche Radio- und Fernsehstationen verbreiten das Evangelium rund um den Erdball. Einfache und ohne elektrischen Strom abhörbare Schallplatten mit evangelistischer Botschaft wurden von "Gospel Recording" in etwa 4.300 Sprachen und Dialekten hergestellt und verbreitet.

So nahmen in Afrika, Indonesien, Lateinamerika, China, Südkorea und anderen Ländern im 20.Jahrhundert viele Menschen den Glauben an Christus an. Allein in China kamen nach dem Scheitern der maoistischen Kulturrevolution schätzungsweise 50 Millionen Menschen zum Glauben an Jesus Christus. Die Länder hinter dem ehemaligen "Eisernen Vorhang" sind zur Zeit größtenteils für das Evangelium offen, wie unsere eigenen Erfahrungen in Ostdeutschland und in der Tschechischen und Slowakischen Republik zeigen. Man hat den Eindruck, daß unser Vater im Himmel noch Gnadenzeit schenkt, um inmitten gleichzeitig wachsender Verführung, Menschen noch einmal zum Glauben zu rufen.

Der Kampf zwischen dem Licht des Wortes Gottes und der Finsternis des menschlichen Egoismus nimmt zu. Aber am Ende - daran läßt die Heilige Schrift keinen Zweifel - wird der Sieg Gottes durch Jesus Christus allen offenbar. Wenn Jesus Christus in großer Macht und Herrlichkeit wiederkommt, werden sich "in dem Namen Jesu aller derer Knie beugen müssen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen werden bekennen müssen, daß Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters" (Phil 2,10.11). Jesus kommt wieder. Die Zeichen unserer Zeit weisen darauf hin, daß sein Erscheinen nicht mehr fern ist. Wann genau es sein wird, kann kein Mensch sagen. Gerade deshalb ermahnt uns Gott durch Sein Wort dazu:

"So lasset uns auch nicht schlafen wie die andern, sondern lasset uns wachen und nüchtern sein!" (1.Thess 5,6).
 

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