Die Suche nach Unendlichkeit

Artikel aus: "Prüfet alles", Heft 48/5

Liebe Leserin, lieber Leser,
vorweg möchte ich deutlich machen, daß dieses Thema so umfangreich ist, daß ich als Laie nicht den Anspruch erhebe, dieses Gebiet in seiner ganzen Fülle behandeln zu können. Dies ist mein Versuch aus der Menge meiner Erfahrungen und Erlebnisse als Suchender Ihnen die Sichtweise der Bibel zu vermitteln.

Wir leben in einer Zeit, in der wir immer verstärkter überschüttet werden von vielfältigen Informationen und Meinugsbildern, vor allem aber von unterschiedlichen Heilsbotschaften, die meistens jeglicher Grundlage entbehren und mehr in das Gebiet der Spekulationen anzusiedeln sind, als im Bereich der Vernunft.

Die alte Frage nach dem Sinn des Lebens hat eine neue Modewelle hervorgebracht: Immer mehr Menschen suchen in Seminaren und Workshops, bei Sekten und Gurus ihre religiöse Heimat. Es ist erschreckend, wie hoch die Zahl derer ist, die in unseren angeblich so aufgeklärtem Zeitalter an Irreales, wie Magie, Zauberei und Hexerei glauben.

Bei Umfragen, die ich der Zeitschrift "DER SPIEGEL" entnommen habe, bekennen sich heute 50% der Deutschen dazu, sie glaubten an außerirdische Wesen. Jeder Dritte glaubt an UFO's. Jeder Siebte an Magie und Hexerei. Rund 20% sind überzeugt, mit dem Jenseits lasse sich Kontakt aufnehmen. In Deutschland sollen rund 50.000 Wahrsager und Hellseher ihre Dienste offerieren, so viele, wie katholische und evangelische Geistliche zusammen.

Was die derzeitige Situation noch bildhafter macht, ist die Tatsache, daß weniger als 45% der Westdeutschen und ein knappes Drittel der Ostdeutschen erklären, sie glaubten an Gott. Allgemein kann man eine Tendenz in unserer Gesellschaft beobachten, daß immer weniger Menschen ihren Halt im christlichen Glauben suchen und lieber zu neuen Ersatz-, oder Pseudoreligionen flüchten.

Am Deutlichsten bekommen diese Entwicklung die etablierten Amtskirchen zu spüren, denen zur Zeit mehr Gläubige verloren gehen, als je zuvor. Das Christentum, so scheint mir, kann die Sehnsucht der Menschen nach Antworten auf ihre Fragen nicht mehr stillen. Den Grund zur Abkehr vieler Menschen vom Christentum haben die Kirchen durch ihre unbiblischen Lehren, ihrem pharisäerhaften Verhalten und durch die Vergeistigung konkreter biblischer Prophetien selbst gegeben; und nicht zuletzt durch schlechte Zeugnisse in der Geschichte, man denke z.B. an die Inquisition und die Waffensegnungen in allen Kriegen.

Im Gegensatz zu früheren Epochen führt die heutige Abkehr vom Christentum nicht zu einer existenzialistischen oder materialistischen Weltauffassung. Im Gegenteil, die Frage nach religiösen oder spirituellen Antworten beschäftigt die Menschen heute mehr denn je. Man könnte meinen, der zunehmende Materialismus und die Vereinsamung des Menschen steigere das Verlagen nach neuen Antworten.

Der Ersatz für die seit den 60er Jahren immer mehr verloren gegangene Bedeutung des biblischen Glaubens und der daraus resultierenden Familienzerfall wird heute mittels einer neuen und sehr zweifelhaften Spiritualität gegen viel Geld zurückgekauft.Die neue Suche nach glaubhaften Antworten auf die Fragen des Lebens hat eine undurchschaubare Subkultur entstehen lassen, die in der Vielfalt und im Ausmaß ihrer Erscheinungsform alle Bisherigen in den Schatten stellt. Grundlage dieser Subkultur ist zum Großteil ein altes, aus geheimen, esoterischem Wissen gespeistes Weltbild, welches durch "Einweihung" und nicht durch Information und Wissenschaft erlangt wird.

Die aus vielen antiken Strömungen, vor allem aus der Gnosis und alter Astrologie hervorgegangene Religion des übersinnlichen organisierte sich schon im letzten Jahrhundert u. a. in der theosophischen Bewegung. Die Theosophie, auch Gottesweisheit übersetzt, wurde der christlichen Theologie, der angeblich wissenschaftlich begründeten Gotteslehre entgegengesetzt. Die Theosophie gibt vor, allumfassend zu sein und bedient sich freimütig bei allen Religionen, was auch bezeichnend ist, für die heutige Esoterik.

Worum bemühen sich aber Gnostiker und Esoteriker? Um nichts anderes, als Gottes Welt über die sinnlich, nicht mehr wahrnehmbare Welt durch philosophische Spekulation zu erkennen und den Menschen durch Erkenntnis zur Erlösung zu bringen. Der Anspruch dieses Denkens ist im Ansatz durchaus berechtigt, muß aber durch das menschliche Wesen in Egozentrik münden.

Die Bibel dagegen behauptet, wie im ersten Korintherbrief, Kapitel 13, Vers 9, daß die Erkenntnisfähigkeit des Menschen nur Stückwerk, also unvollkommen ist. Schon bei Hiob können wir nachlesen (38, 41), daß Gottes Schöpfung für uns eine Fülle ungelöster Geheimnisse enthält, und wieviel mehr gilt das vom Erkennen Gottes.

Was der Mensch von Gott erkennen kann, sind nur die Umrisse Seiner Wege, ist nur ein leises Wort, das wir von Ihm vernehmen, nicht die Donnersprache Seiner Macht (Hiob 26, 14).

Doch obgleich der Mensch um die Unzulänglichkeit seiner Erkenntnis weiß, neigt er doch immer wieder zum Hochmut und dazu, seine Erkenntnis anzubeten.

Im ersten Korintherbrief schreibt uns Paulus seine Gedanken über die Erkenntnis:
Die Erkenntnis bläht auf, die Liebe aber erbaut. Wenn jemand meint, er habe etwas erkannt, so hat er noch nicht erkannt, wie man erkennen soll; wenn aber jemand Gott liebt, der ist von ihm erkannt.
(1. Kor 8, 1-3)

Aus dem Gesamtzusammenhang der Bibel wird uns deutlich gemacht, daß die Erkenntnis irdischer oder auch himmlischer Dinge noch nicht wahre und vollkommene Erfüllung des Menschen bringen kann. Die richtige Bemühung um Erkenntnis ist dagegen vielmehr, den Willen Gottes zu erforschen und Seinem Willen würdig werden zu wollen (Kol 1, 9) und die Geheimnisse des Himmelreiches zu verstehen (Matt 13, 11), soweit sie Gott uns durch die Bibel mitteilt.

Schon Paulus wurde zu seiner Zeit mit dieser Problematik konfrontiert und schrieb an die Kolosser: (2, 8):
Seht zu, daß niemand euch einfange durch die Philosophie und leeren Betrug nach der übelieferung der Menschen, nach den Elementen der Welt und nicht Christus gemäß. Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig; und ihr seid in ihm zur Fülle gebracht. Er ist das Haupt jeder Gewalt und jeder Macht.

Als Paulus an die Gemeinde zu Kolossä schrieb und sie vor der Philosophie warnen wollte, meinte er die Theosophie bestimmter jüdischer Christen seiner Zeit, die asketisch lebten und sich vornehmlich in spekulativen Erforschungen der Natur und des übersinnlichen, z. B. der Engelhierarchien, vertieften. Diese Bedeutung des Wortes Philosophie ist in der Konkordanz von Thayer's und Erklärung des griechischen Urtextes nachzulesen sowie auch die Bedeutung der Ausdrücke: leerer Betrug..., nach der überlieferung der Menschen..., nach den Grundsätzen der Welt... .

Weiterführend warnt Paulus im gleichen Satz vor dem leeren Betrug und meinte damit auffällig inszenierte Feste, Orgien und was man heute allgemein als Happening bezeichnen würde, denn all dieses hatte mit dem eigentlichen Sinn der frohen Botschaft nichts gemein und wurde nur verfolgt, um die Gläubigen zu blenden und abzulenken von der Wirklichkeit.

Im gleichen Vers spricht Paulus von der überlieferung der Menschen und kritisiert damit die vielen zusätzlichen Schriften, die von gelehrten Juden zur Auslegung der Bibel geschrieben wurden, und die für einige Gläubige die gleiche Autorität besaßen, wie die Bibel selbst, obwohl deutlich war, daß diese Schriften menschlichen und nicht göttlichen Ursprungs waren.

In der heutigen Zeit haben wir ähnliche Beispiele vorhanden, wenn ich an das Buch: Mormon, der Mormonen denke, an die zum Teil geänderte Bibel der "Zeugen Jehovas" oder an den Katechismus und die Sakramente der Kirchen.

Im letzten Teil dieses Verses, im Kolossa-Brief, spricht Paulus von den Grundsätzen der Welt. Er spricht hier von verschiedenen Ritualen und verdeutlicht dies und seinen Standpunkt dazu in den Versen 16-19:
 So richte euch nun niemand wegen Speise oder Trank oder betreffs eines Festes oder Neumondes oder Sabbats, die ein Schatten der künftigen Dinge sind, der Körper [selbst] aber ist des Christus. Laßt euch um den Kampfpreis von niemandem bringen, der seinen eigenen Willen tut in Demut und Anbetung der Engel, der auf Dinge eingeht, die er [in Visionen] gesehen hat, ohne Ursache aufgeblasen von dem Sinn seines Fleisches, und nicht festhält das Haupt, von dem aus der ganze Leib, durch die Gelenke und Bänder unterstützt und zusammengefügt, das Wachstum Gottes wächst.


 In all diesen Versen greift Paulus nicht nur die Probleme der ersten Gemeinden auf und bietet Lösungen an, sondern er wählt bewußt weitreichende Begriffe um auch die Dinge zu erfassen, die über seine Zeit hinausgehen.
In grundlegenden Zügen will er uns, wie schon Jesus vor ihm, vor den Wölfen im Schafspelz warnen (Matt 7, 15), vor denen, die sich äußerlich in Demut und angeblicher Weisheit gefallen und in Wirklichkeit aufgeblasen und eitel sind.

Ihr Sinnen ist nur nach der Geldbörse ihrer Nächsten, nach Ruhm und Macht. Der Interessent wird durch psychologisch gut gemachte Sitzungen, mit schöner Stimmung und besonderen Ritualen geblendet. In Wirklichkeit verbirgt sich hinter all diesem pure Ruhm und Machtsucht.
Mit selbst verfaßten Schriften und angeblich neuen Offenbarungen, die mehr Bedeutung haben sollen als die Bibel, will man seine Autorität auf ungerechtfertigte Weise festigen, indem man vorgaukelt, diese Schriften führten zum Heil und zu einem neuen Menschsein.

Genau in dieser menschlichen Weisheit aber sah Paulus schon zu seiner Zeit eine Gefahr, denn sie baut nicht, wie er im Korinther-Brief schreibt auf Gottes Kraft, sondern auf den Ergebnissen menschlicher Philosophie. Diese Ergebnisse zweifelt Paulus an, denn sie stellen nicht Christus in den Mittelpunkt ihrer überlegungen, sondern ihre philosophisch-theosophischen Weisheiten.

In einer Welt, in der sich Freiheit im Wesentlichen auf die Freiheit des Konsums reduziert hat, wollen Menschen wie Abenteurer in ihr Innerstes eindringen. Die Frage ist nur: Kann man so einfach ohne Gott in sein Inneres eindringen?

"DER SPIEGEL" stellt fest:

Mit der Mentalität von Urlaubern unternehmen viele Interessenten eine Reise in ihr Innerstes, was sich nicht selten als ein Niemansland erweist. Dabei greift man auf der Suche nach dem Unbekannten zu unglaubwürdigen Schnellverfahren die eher unprofessionell als wirklich hilfreich sind. ähnlich dem schnellen Hamburger bei McDonald's um die Ecke, wird allerorten instant-mystic, anstatt instant-cafè und religiöser Sofortservice, anstatt biblisch-fundierte Glaubenslehre geboten.

In unserer heutigen "Erlebnisgesellschaft" scheint die Sehnsucht nach Neuem unstillbar, ähnlich der Sucht eines Abhängigen nach seiner Droge. Mir stellt sich die Frage, ob diese Esoterik-Welle nicht auch eine neue Droge ist. Bei vielen Suchern heute läßt sich eine Konsum- und Verbrauchermentalität feststellen, die sich darin äußert, ständig neue Weltanschauungen anzunehmen und zur Schau zu tragen.

Seit dem unsere westliche Welt im Zuge der Industrialisierung antrat, mit Hilfe der Kirchen unsere Welt allein durch den Materialismus zu erklären und sie damit Stück für Stück zu demontieren, und einen Glauben im Zeichen der Vernunft und Liebe, zu vernichten, ist unterschwellig die Sehnsucht des Menschen weitergewachsen, das sinnlich nicht faßbare Prinzip zu verstehen, welches die Welt im Innersten zusammenhält, wie Isaac Newton beschreibt.

Daß wir über Jahrhunderte hin alles verloren haben, was eigentlich wichtig ist und wir heute wie nie zuvor soviel über unsere Ohnmacht wissen, ist das eigentlich Erschreckende und Demütigende zum Ende dieses Jahrhunderts. Anstatt diese Realität zu akzeptieren, flüchten sich die Menschen heute in eine egozentrische Scheinwelt.

Darüber aber will uns die Bibel beim Lesen aufklären, indem sie uns immer wieder die Frage nach dem Zentrum unseres Denkens stellt. Lieben wir zuerst Gott mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Vernunft und unseren Nächsten oder lieben wir nur uns selbst? Fragen wir ernsthaft danach, was Gott von uns will?

Paulus z. B. will uns immer wieder mit seinen Worten vor Augen führen, daß das menschliche Bestreben sich aus eigener Intelligenz eine Heilsbotschaft zu konstruieren, keine wahre Lösung beinhalten kann, denn sie schließt elementare Antworten der Bibel bezüglich der Bedeutung des Todes und seiner möglichen überwindung in Christus aus. Im Gegenteil: Die Bestrebungen gehen heute dahin, dem Menschen glaubhaft machen zu wollen, er sei in der Lage sich aus eigener Kraft zu erlösen.

In vielen Sekten und Bewegungen unserer Zeit kann ich dieses Streben erkennen. Nicht nur das: In Wirklichkeit wird nicht ernsthaft versucht dem Fragenden zu helfen, sondern Macht zu haben über andere Menschen und sie dadurch abhängig zu machen.

Um dies zu erreichen, werden Phantasiegebilde wie der Glaube an die vielfache Wiedergeburt oder die unsterbliche Seele im Himmel präsentiert damit der Gläubige denkt, er könne sich mit seinem Schicksal durch rechtes Handeln versöhnen und im nächsten Leben eine bessere Chance haben.

Der Glaube an die Wiedergeburt, an die Reinkarnation, ist eine der tragenden Säulen aller esoterischen Richtungen. Die Seele wird als eine vom Körper unabhängige Wesenheit angesehen, die den physischen Tod überlebt und nacheinander in verschiedenen Körpern wiederkehren kann. Bevor aber eine Seele wiedergeboren wird, muß sie eine Phase der Prüfung und Läuterung durchlaufen, in der die positiven und negativen Taten des vergangenen Lebens reflektiert werden. Erst dann darf eine Seele wiederkehren.

Nach Ablauf der Prüfung sucht sie sich für ihr neues und zukünftiges Leben einen Schauplatz, das heißt, eine neue Stätte des Wirkens aus. Sorgfältig werden die zukünftigen Eltern und ihr Umfeld von der im Himmel schwebenden Seele auf ihre Tauglichkeit bezüglich der neuen Aufgaben hin überprüft. Das heißt, die Seele sucht sich seine neuen Eltern selbst aus.

Wer im letzten Leben ein Mann war, wird in diesem eine Frau, wer Musiker war, wird in diesem Techniker oder Handwerker. über viele Leben hinweg vervollkommnet sich so die Seele, um eines Tages dann eins zu werden mit der geistigen Welt. Hinzu kommt das Gesetz von Ursache und Wirkung, sprich Karma oder Schicksal, welches eine große Rolle dabei spielt, als wer man geboren wird und welche Aufgaben dem Einzelnen im Leben zuteil werden. Wer z. B. im letzten Leben ein Mörder war, vielleicht sogar ein Sklavenhändler, muß dies in diesem Leben durch gute Taten ausgleichen.

Für besonders engagierte Esoteriker, besteht die Möglichkeit, durch Rebirthing, oder übersetzt: Rückführungs-Therapien, an vergangene Inkarnationen heranzukommen. Dies ist nur eine der vielen Auslegungen über Reinkarnation, die mir begegnet sind.

Viele Menschen sehen in den immer wieder berichteten Nah-Tod-Erfahrungen einen Beweis für das überleben der Seele beim Sterben des Körpers. Da aber alle Patienten aus ihren Todeskoma wieder erwachten, also nicht Hirntod waren, um von ihren Erlebnissen zu berichten, kann man von einem wirklichen Tod des physischen Leibes nicht sprechen. Weder der durch Jesus Christus von den Toten auferweckte Lazarus, aus Bethanien (Joh. 11), noch Jesus selbst, berichteten etwas über ihren Todeszustand. Dieses war ihnen auch nicht möglich, denn wie alle tatsächlich Toten waren sie im Zustand des Todes absolut ohne Bewußtsein.

Der Tod wird als überwindbare Hürde zu einem neuen Dasein dargestellt. Was aber sagt die Bibel dazu? Im Prediger, Kapitel 3, Vers 19, spricht Salomo:
Denn das Schicksal der Menschenkinder und das Schicksal des Viehs ist ein und dasselbe: die einen sterben so gut wie die andern, und sie haben alle einerlei Odem, und der Mensch hat nichts vor dem Vieh voraus; denn es ist alle eitel. Alle gehen an einen Ort: alles ist aus dem Staube geworden, und alles kehrt auch wieder zum Staub zurück. Wer weiß, ob der Geist des Menschen aufwärts steigt, der Geist des Tieres aber abwärts zur Erde fährt?

 

Gerade Salomo, dessen Weisheit sprichwörtlich geworden ist, und dessen Bemühen um die Kunst, Wissenschaft und Philosophie bekannt ist, kam zu dem Ergebnis, daß es nichts besseres gibt, als daß der Mensch sich freue an seinen Werken; denn das ist sein Teil. Denn wer will ihn dahin bringen, daß er auf das sehe, was nach ihm sein wird. (Vers 22)

Im Prediger, Kapitel 9, spricht er von einer grundlegenden Erkenntnis, die er aus dem Studium der Schriften gewonnen hat. Er spricht dort (Vers 10):
Denn im Totenreich, dahin du gehst, ist kein Wirken mehr und kein Planen, keine Wissenschaft und keine Weisheit.

Im Gegensatz zu den vielen unterschiedlichen Vorstellungen über den Tod vermittelt uns die Bibel ein deutliches Bild dessen, was nach dem Tod kommt, nämlich ersteinmal nichts. Dieses Bild für sich ist sehr unangenehm. Gerade diesen Tatbestand wollen viele Menschen nicht akzeptieren, wenn sie propagieren, daß die Seele nach dem Tod in einen Himmel hinauf- oder in eine Hölle hinabfährt.

Wie wir schon von Salomo hörten, gibt es nach dem Tod keinen anderen Ort, wohin der Mensch samt Körper, Seele und Geist fährt, als in das Grab. Und wir haben auch gehört, daß seine Seele nicht mehr oder weniger wert ist, als die des Tieres.

Das klingt sehr hart und erbarmungslos und es stellt sich automatisch einem die Frage, was denn nun unsere Hoffnung überhaupt sein kann und wodurch es dem Menschen möglich werden soll, aus dem Dunkel des Grabes befreit zu werden. Die Menschen haben die Hoffnung auf die Befreiung von diesem letzten Feind, dem Tod, nie aufgegeben.

Wer selber schon einmal durch einen Unfall oder durch Krankheit, durch den Verlust eines lieben Menschen oder durch das Erleben von tiefen Depressionen dem Tod begegnet ist, oder von Todesängsten überfallen wurde, weiß wie existentiell die Frage nach dem Tod und seiner unausweichlichen Bedrohung ist.

In dem heutigen Materialismus erkenne ich den Versuch, aus dieser Sackgasse flüchten zu wollen, indem man sich an den Errungenschaften, dem Luxus und dem Konsum berauscht. Das Nachdenken über den Tod wird dabei umgangen und verdrängt.

Um eine Antwort finden zu können, möchte ich auf Paulus zurückgreifen, der wie die ganze Bibel, Christus in den Mittelpunkt seiner Gedanken stellt. Im ersten Brief an die Korinther, Kapitel 2, Vers 5, fordert Paulus uns auf, unseren Glauben nicht auf Menschen-Weisheit, sondern auf Gottes Kraft zu bauen. Der erste Schritt besteht darin, ersteinmal alle persönlichen Weltbilder und Urteile beiseite zu legen und das Wort Gottes wertfrei und objektiv zu lesen. Tun wir das, so können wir Zugang finden zu wahrhaftigen Antworten, die uns aus unserer Ohnmacht erlösen können. Die Frage danach, warum nur die Bibel das authentische Wort Gottes sein kann, beantwortet sie selbst, indem sie Geschichte, Prophetie, Moral und Ethik in sich schlüssig vereint und sich nicht widerspricht. Als einziges Buch vermittelt sie die Absichten Gottes an uns Menschen und weist den Weg der Erlösung aus der Unausweichlichkeit des Todes.

Paulus eröffnet uns diesen Weg in seinem Brief an die Römer (Kapitel 6, Verse 1-11):
Oder wißt ihr nicht, daß wir, so viele auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln. Denn wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch mit der [seiner] Auferstehung sein, da wir dies erkennen, daß unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, daß wir der Sünde nicht mehr dienen. Denn wer gestorben ist, ist freigesprochen von der Sünde. Wenn wir aber mit Christus gestorben sind, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden, da wir wissen, daß Christus, aus den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod herrscht nicht mehr über ihn. Denn was er gestorben ist, ist er ein für allemal der Sünde gestorben; was er aber lebt, lebt er Gott. So auch ihr, haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christus Jesus.

Die wirklich biblisch fundierte Hoffnung, beschreiben Paulus und alle anderen Propheten und Boten Gottes, ist die Hoffnung auf Auferstehung. Um aber teil zu haben an dieser Auferstehung, müssen wir zuvor mit Christus gestorben sein, indem wir durch die Taufe als Erwachsene mit ihm symbolisch begraben werden. Christus selbst fordert uns im Markus-Evangelium (Kapitel 16, Verse 15-16) auf, indem er jeden von uns anspricht:
Wer glaubt und getauft wird, soll gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.

Liebe Leserin, lieber Leser, ich möchte diese Abhandlung nicht mit klugen Ratschlägen oder Besserwissertum abschließen, deshalb bitte ich Sie darum, meine Worte richtig zu verstehen. Wie ich schon anfangs erwähnte, werden wir alle heute mit einer Flut von Informationen und Heilsbotschaften überschüttet. Es ist schwer sich da durchzufinden, das habe ich als Suchender selber erleben müssen. Mir haben die Worte von Paulus sehr geholfen, als er an die Korinther schrieb: Unser Glaube solle nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft beruhen.

Die Kraft Gottes kann aber nur in uns wachsen, wenn wir sachlich, nüchtern, objektiv und konsequent das Wort Gottes aufnehmen und verinnerlichen und alle Heilsbotschaften an dieser Grundlage auf ihren Wahrheitsgehalt messen. Was dieser Prüfung nicht standhalten kann, weil es anscheinend spekulativ, philosophisch vor allem aber unbiblisch ist, sollte von uns abgelehnt werden, da sich hinter diesen Dingen nur die Befriedigung des Egos verbirgt. Ein wirklicher Gottesdienst ist aber Gott zu lieben mit seinem ganzem Herzen und seiner ganzen Seele und mit seinem ganzen Gemüte und mit aller seiner Kraft, und seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst.

Bitte halten Sie sich abschließend diese beiden gegensätzlichen Pole vor Augen:

Einmal wollen die modernen Heilsangebote erreichen, daß sich der Mensch mithilfe neuer Gebote und Satzungen aus sich selbst heraus befreit; dies aber führt zur offensichtlichen Unfreiheit. Der Suchende wird ein Gefangener seines eigenen Weltbildes. Das Ergebnis dieser Selbsterlösung ist für alle heute sichtbar: Zunahme von psychischen Erkrankungen, von Alkohol- und Drogenmißbrauch, zerrüttete Familien, orientierungslose Kinder und Jugendliche, zunehmende Isolation und mangelnde Gemeinschaftsfähigkeit der Menschen, unzählige Kriegsherde, wirtschaftliches Chaos und nicht zuletzt die Zerstörung der Erde.

Die andere Linie, die Erlösung von außen durch Gott und von innen durch Glauben, daß heißt: Erlösung durch Jesu Tod und Auferstehung, ist zur Zeit im Verborgenen wirksam. Ich bin der Meinung, daß diese Linie, das Evangelium, eine Antwort auf unsere Suche nach Unendlichkeit gibt.

Diese Botschaft, die uns von Jesus und seinen Jüngern überbracht wird, ist eine Botschaft der Liebe, des Friedens und einer fundierten Hoffnung, die uns wirklich befreien kann.
 
 

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