Leserbriefe im Nachrichtenmagazin "DER SPIEGEL" (34/22.08.05)

(Gläubige, verzweifelt gesucht - Rückkehr des Papstes in ein unchristliches Land)

Als (Noch-)Katholik mit 50-jähriger "Erfahrung" bin ich der Meinung, dass der Titel einer Korrektur bedarf. Der Papst ist nicht auf der Suche nach "Gläubigen", also nach Menschen, die Gott folgen und ihr tägliches Leben nach seinen Geboten ausrichten wollen. Vielmehr brauchen der Oberhirte und seine Kirche eine Vielzahl von naiven unmündigen Schafen, die sich allen Dogmen, die ein irdischer Machthaber, der Unfehlbarkeit für sich in Anspruch nimmt, bedingungslos unterordnen. Aber: Gott sei Dank, tauschen immer mehr Katholiken den Katechismus gegen die Bibel aus und lesen schon im ersten der Zehn Gebote: "Du sollst keine anderen Götter haben neben mir." (Ewald. R., Wolfsburg)

Ob Fußball oder Popkonzert, Reichspartei- oder Weltjugendtag: Bei solchen Massenereignissen geht es um Emotion, nicht um Erkenntnis. Das Aufgehen in der Masse erzeugt ein Gefühl der Entgrenzung, von rauschhaftem Glück. Die Inhalte sind austauschbar, werden aber in der Erinnerung mit dem Erlebnis verknüpft und verklärt. Es bleibt eine latente Sehnsucht nach weiteren solchen Erlebnissen und eine weitgehend unkritische Einstellung zu den dabei transportierten Aussagen. Nachdem ich ein paar mal erlebt habe, wie es ist, von der Droge Masse berauscht zu sein, halte ich mich von solchen Ereignissen eher fern. Oh ja, ich war mit allen Sinnen dabei, nur den Verstand hatte ich abgeschaltet. (Peter O., Dortmund)

Junge Christen glauben, ohne viel über die Glaubenslehren zu lernen und zu lesen, die sie fürs Seelenheil zu glauben verpflichtet sind. Nicht anders ihre Altvorderen, die die katholische Kirche nur selektiv oder als Schmalspurversion kennen. Der Volksglauben an Heiland und Gottesmutter ist überbaut mit einem dem gläubigen Volk zwar zugänglich, aber wegen Desinteresse oder Unverständnis unbekannten verkopften und abschreckend überdimensionalen Lehrgebäude... Sein Inhalt ignoriert die schlichte Lehre Jesu, folgt allein theologischen Gedankenkonstrukten und kirchlichen Interessen und hat seine eigenen Protagonisten. Jesus liefert nur das christliche Mäntelchen. (Heinz P., Linnich)

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